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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-14 · Heft 2 (14.1.1898) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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19 / gewesen. Geld für die nothwendigsten Reparaturen hätten sie nicht gehabt. Ihre Kenntniß der heiligen Sprache sei ganz verloren gegangen. Die Ueberliefernngen der Väter gingen nicht mehr auf die Söhne und Enkel über. Der rituelle Gottesdienst würde nicht mehr abgehalten. Sie waren zuletzt der drückenden Noth gewichen und hatten Holz und Steine des ehrwürdigen Gebäudes verkauft, um die nothwendigsten Bedürfnisse des Körpers fristen zu können. Sie schätzten ihre Kopfzahl selbst auf 2—300. Alle von ihnen waren arm. Nunmehr, wo der Mittelpunkt des früheren Zusammenhaltens verloren gegangen, werden sie wahrscheinlich zerstreut werden. Das Tadlet in Goldbuchstaben, welches sich früher am Eingang des Tempels befunden, war in eine Moschee gestellt worden. Einige Mitglieder der Gemeinde hatten bereits schon lange am Gottesdienste der Muhamedaner Theil genommen." Soweit Dr. Martin. Seit jener Zeit hat der nachmalige Bischof Scherewensky, ihr Glaubensgenosse, sie von Shanghei aus besucht. Die Konfucionisten oder Litterati der Stadt aber verhinderten ihn, längere Zeit sich daselbst aufzuhalten oder gar ständig Wohnung zu nehmen. Eine Anzahl Mitglieder der Gemeinde kam vor ca. 25 Jahren nach Peking. Als sie sich aber ohne jegliche Mittel zu einem ständigen Aufenthalt sahen, dieselben auch nicht durch Mildthätigkeit, wie man gehofft hatte, aufzutreiben waren, kehrten sie bald nach Kaifong zurück. Seitdem die Synagoge verschwunden ist, wird auch die Gemeinde bald zerstreut sein und in den übrigen Bewohnern des Landes aufgehen. Eins oder zwei der Mitglieder sind jetzt schon buddhistische Priester. Andere haben vorgezogen, sich dem Studium der chinesischen Klassiker zuzuwenden und werden so zu Anhängern der Ethik des Konfucius. Nie mehr hat man die alten heiligen Riten geübt und die Feste gefeiert. Wie die Muhamedaner, so haben auch sie nie die heiligen Bücher ins Chinesische übersetzt. Aber ihr Erscheinen in China gleicht, wie Dr. Martin schreibt, einem Felsblock, „der von der heiligen Burg Zion während einer nationalen Katastrophe abbrach und fortgeschleudert wurde in die Ebenen des Herzens des chinesischen Reiches, wo er gestanden hat im Laufe der Jahrhunderte, Achtung erheischend durch sein Alter und seine Einsamkeit." Samuel Koldheim als Nalrlkinatskandrdat. Vielleicht dürste dessen Inhalt, wenn auch nicht eine solche Kühnheit rechtfertigend, doch dieselbe einigermaßen entschuldigen. In Gemäßheit des hier allgemein bekannten Vernehmens soll die würdige Rabbinerstelle in Ihrer löblichen Gemeinde, in Folge der bereits vom Gubernium getroffenen Wahl des Herrn Kafka als .Prochiner Kreisrabbiner, erledigt worden sein. Wenn Sie, meine Herrn, willens sind, dieselbe mit einem Andern ausfüllen zu wollen, bin ich so frei, mich zu diesem Behufs Ihnen als Kandidat ganz ergebenst zu proponiren. Es ist freilich, da ich nicht die Ehre habe, von Ihnen weder persönlich noch dem Namen nach gekannt zu werden, ein sehr kühnes Ansinnen; allein ich hoffe in dieser Rücksicht Ihnen völlige Satisfaktion geben zu können. Ich bin im Besitze vieler Qualifikationszeugnisse von Rabbinen von entschiedenem Rufe und Ansehen, als: pKJPI baiatr ma njort mn /nana b’bjn *T3x “iiurTPb» vb ’ibsaia p"pn Ta* pa’str p'L'x ma \mn ann rbbxp p"p“7 Tax pKatram ma pxan 3~in, b’bam und noch mehrer Andern, die sämmtlich einmüthig meine zum Behufe eines Rabbiners notwendigen Fähigkeiten sowohl als moralischen Charakter auf das Unzweideutigste beurkunden. Um dem Gesetze, welches an einen Rabbiner die billige Forderung stellt, die Philosophie studirt zu haben, völlig Genüge zu leisten, habe ich mich mit der üblichen Weise auf privatem Wege zur Prüfung zu gelangen, nicht begnügen mögen, sondern mich einem strengen öffentlichen Studium der theoretischen und praktischen Philosophie unterzogen, um meinem künftigen Berufe nicht nur der Form, sondern auch der Sache nach gewachsen zu sein. Ueberdies kann ich mich auch auf einige Männer von literarischem Rufe und Ansehen, als die rühmlichst bekannten Verfasser mehrerer Schriften, H. Moses Landau und H. Ernst Wehli, wie auch Herrn Rosenbach, Doktor der Philosophie, und das Handlungshaus Kalmus et Compagnie, berufen, woselbst Sie über meine zu einer solchen Bewerbung mich berechtigenden Ansprüche Erkundigung einzuziehen belieben mögen. Da ich noch ledigen Standes bin, so dürften die zu einer mäßigen, standesgemäßen Abfislenz erforderlichen Bedürfnisse für die Gemeinde keinesfalls drückend werden. Ich bin auch erbötig, falls Sie es verlangen, eine Reise dahin zu unternehmen, wo Sie meine etwaige Tüchtigkeit in Bezug auf meinen Beruf nach eigener Ansicht beurtheilen können. Es war immer seit meiner frühen Jugend mein Streben dahin gerichtet, in diesem Fache etwas Tüchtiges zu leisten, und ich erfreue mich Gottlob sowohl in altrabbinischer Wissenschaft als in Bezug auf zeitgemäße Formen nicht ganz geringer Resultate, welche nebst vieler Aufmunterung von Sachkennern meinen Muth bis zur Bewerbung um diese Ehrenstelle erhöhen. Mögen Sie, meine hochverehrten Herrn, mein ergebenstes Gesuch beherzigen und mich mit einer geneigten Antwort beehren wollen. Es verharret hochachtungsvollst Ihr ganz ergebenster Samuel Holdheim. Meine Adresse ist nur mein Name. in. p. Von Dr. A. Tänzer, Rabbiner in Hohenems. s darf wohl mit Recht angenommen werden, daß alles auf den Namen Holdheinl Bezügliche auch heute noch in engeren oder weiteren Kreisen Anspruch auf Interesse erheben darf, und eben diese Annahme bestimmt mich, einer: Brief Holdheims vom Jahre 1833 der Oeffentlichkeit zu übergeben. Im Begriffe, die nahezu drei Jahrhunderte umfassende „Geschichte der Juden in Hohenems" auszuarbeiten, fand ich im Archiv unserer Kultusgemeinde einen an die damalige Vorstehung gerichteten Brief Holdheims, in welchem er sich um das erledigte Rabbinat bewirbt. Ich laffe diesen Brief nunmehr unverkürzt folgen, indem ich nur noch vorausschicke, daß er in hebräischer, sehr schöner und klarer Schrift geschrieben ist. Herrn Herrn Vorsteher der Jsraeliten-Gemeinde zu Hohenems. Prag, den 19. Juny 1833. Hochverehrte Herrn Vorsteher! Verzeihen Sie die Freiheit, die ein Unbekannter sich herausnimmt, an Sie, meine hochverehrten Herrn, dieses Schreiben ergehen zu lassen. Holdheim hatte damals mit mehreren Konkurrenten zu kämpfen, unter denen der nachmals so bekannt gewordene Abraham Kohn den Sieg davon trug. Der Vollständigkeit halber mögen hier noch die Briefe Erwähnung Platz finden, die, vor: anerkannten Größen an die Hohenemser Gemeinde gerichtet, Samuel Holdheim empfahlen. Der erste ist von dem von Holdheim in obigem Briefe an erster Stelle erwähnten Oberrabiner Samuel Landau. Wohl beachtenswert ist die reiche Fülle von Lob und Anerkennung, die der berühmte Briefschreiber hier dem damals kaum 27 jährigen Holdheim zollt. Ebenso fällt merkwürdigerweise auf, daß sich Holdheim selbst als ledigen Standes bezeichnet, während ihn sein Protektor einen Wittwer und Vater eines Knaben nennt. Freilich zum vorliegenden Zwecke, der mäßigen Lebensbedürfnisse Holdheims, ist dies wohl gleichbedeutend. Ebenso ehrenvoll für Holdheim ist ein zweiter, direkt an die Gemeindevorstehung adressirter, in deutscher Sprache abgefaßter Md in hebräischer Schrift geschriebener Empfehlungsbrief für Holdheim aus der Feder des von Holdheim an zweiter Stelle erwähnten

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