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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-09-18 · Heft 39 (18.9.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 39 (18.9.1906)
Date
1906-09-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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> .. 1 , » -t,,.-1.--... ... . ... 70. Jahrgang. No. 39. 28- September 1906 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". LarrrlponÄrn?m und Aachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 24. September. Der 76. Jahresbericht der Alter-Versorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde für 1905/1906 wird gegenwärtig an die Mitglieder derselben versandt. Seit der Erstattung des letzten Berichts hat der Vorstand durch den Tod zweier Mitglieder schwere Verluste erlitten. Es sind dies Geh. Sanitätsrat Dr. Wiesenthal und der Senior des Vorstandes, Herr- Leopold Aron. Im übrigen weiß der Bericht von einer gedeihlichen Fortentwickelung der Alter-Versorgungsanstalt zu berichten. Die Bestrebungen der Anstalt begegnen in weiten Kreisen der hiesigen Gemeinde unvermindertem Interesse, das auch im abgelaufenen Jahre durch Gewährung reicher Gaben Ausdruck gefunden hat. Durch Zuwendungen, die schon in früheren Jahren gemacht worden sind und die inzwischen landesherrliche Genehmigung erhalten haben, hat im Berichtsjahre der Eiserne Fond einen nicht unbedeutenden Zuwachs erhalten. Die Zahl der Mitglieder, welche zu jährlichen Beiträgen sich verpflichten, hat sich wieder ein wenig gehoben, dagegen haben die Einkünfte aus Büchsengeldern im abgelaufenen Jahre einen Rückgang erfahren. So bedeutend sich auch die Einnahmen gestellt haben, so wäre es doch unmöglich gewesen, ohne die seitens der Gemeindebehörden gewährte besondere Beihilfe von 5000 Mark die Ausgaben zu decken. Sehr erheblich fiel für die Verwaltung die Steigerung der Lebensmittel ins Gewicht; gegen den Voranschlag betrug die Mehrausgabe für die Beköstigung rund 5000.Mark. Zur Erhaltung der Gebäude waren bedeutende Aufwendungen notwendig; sie erforderten eine Ausgabe von 16 600 Mark, gegen 7500 Mark im Jahre vorher. Auch die sonstigen Positionen erforderten fast ausnahmslos höhere Beträge. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 155 510 Mark gegen 138 505 Mark im Jahre 1904. Die Gesamtzahl der Hospitaliten in den drei Anstalten betrug im Jahresdurchschnitt 242. Mit dem Erweiterungsbau der dritten Anstalt ist im Frühjahr begonnen wyrden. Nun ist der Rohbau bereits fertig und schon zeigt es sich, daß die Anstalt in den Besitz eines Prächtigen Hauses gelangt, das ehrwürdigen und bedürftigen alten Männern und Frauen unserer Gemeinde, die nicht mehr erwerbsfähig sind, ein sorgloses Heim zu gewähren imstande sein wird. In diesem Neubau werden etwa 80 Personen Unterkunft finden können. Die Summe, die zur Erhaltung einer so großen Anzahl von Personen notwendig ist, ist eine sehr bedeutende. Der Eiserne Fond, dessen Zinsen zur Verpflegung und Erhaltung der Hospitaliten dienen, darf nach den bestehenden Satzungen nicht in Anspruch genommen werden. Um den mit dem Beginn des nächsten Jahres zu eröffnenden Erweiterungsbau belegen zu können, bedarf es demnach der Zuführung bedeutender neuer Mittel. Der Vorstand wendet sich gewiß nicht vergeblich an den Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen mit der Bitte, durch Stiftungen, Geschenke und Jahresbeiträge der Anstalt neue Mittel zuzuführen, damit es möglich wird, den Bedrängten zu helfen. Der Vorstand besteht aus den Herren: Leopold Badt, Vorsitzender, Moritz Manheimer, Sanitätsrat Dr. I. Ewer, Emil Pincus, Rendant, Isidor Meyer, Louis Eduard Sachs, Arnold Weiß, Hans Friedländer, Max Mecklenburg, Moritz Zutrauen, Sanitätsrat Dr. Köhler, Justizrat Dr. Kronfeld. s. Berlin, 24. September. Das Gotteshaus der jüdischen Reformgemeinde hat sich zum Rosch Haschanoh fast in ein neues Gewand gekleidet. Der Jnnenraum ist von Grund auf renoviert worden, der Farbenanstrich durchweg hell gehalten und mit Gold abgesetzt. Tie zarte Abtönung der Farben macht in ihrer Schlichtheit einen vornehmen, würdigen und freundlichen Eindruck. — In der sehr eindrucksvollen Neujahrspredigt gedachte Herr Dr. Lev in in warmen Worten des ersten Predigers der Reformgemeinde, Dr. Samuel Holdheim, seligen Andenkens, dessen hundertster Geburtstag in dieses Jahr fällt. Die Bedeutung, die Holdheim für die Reform des Judentums gehabt hat, wurde in klarer und objektiver Weise dargestellt. Er war ein begeisterter Vorkämpfer der Reform, aber zugleich auch ein begeisterter Jude, der sich niemals von dem historischen Boden des Judentums entfernt hat. Sein Andenken sei gesegnet. 8. Berlin, 23. September. Die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee erfreut sich einer glücklichen Entwicklung. Zurzeit beherbergt sie 86 Kolonisten, die in vier verschiedenen Betrieben beschäftigt werden. In der Zeit vom 1. Januar bis 15. September wurden 375 Kolonisten neu ausgenommen, davon ist es 205 gelungen, ' sich durch eigenes Bemühen freie Beschäftigung zu verschaffen; andere > sind durch die Leitung der Kolonie nntergebracht worden. Das Unternehmen, das seit seiner Begründung 1762 Unglücklichen zugute gekommen ist, verdient die Unterstützung menschenfreundlicher Gönner. ' ) Man wolle Geldsendungen richten an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, Berlin W., Steglitzerstraße 85. Wegen Abholung von gebrauchten Kleidungsstücken, für die ein großes Bedürfnis vorhanden ist, möge man sich an Inspektor Behrendt, Weißensee.; Wörthstraße 20, wenden. f Berlin/ 16. September. Fern von Berlin, in stiller Zurück- /I gezogenheit,begingen am vorigen Freitag Herr Prof. Dr. Berliner j und Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Außer den nächsten Angehörigen wußte niemand davon und sollte es niemand erfahren; auch „ der Familie blieb der Aufenthaltsort des allverehrten Paares veri heimlicht, das sich so in der ihm eigenen schlichten Bescheidenheit allen Ovationen entziehen wollte. Sicherlich wird das verspätete! Bekanntwerden dem großen Kreise der Schüler und Freunde des ge- £ feierten Gelehrten willkommener Anlaß sein, dem Meister und seiner * ausgezeichneten Gattin ihre Dankbarkeit, Liebe und Verehrung zu bekunden. Möge dem gemeinsamen Erdenwallen des Jubelpaares noch eine lange Dauer in ungetrübter Geistes- und Körperfrische gegönnt sein. Der Kaiser hat durch das Zivilkabinett mit einem huldvollen Schreiben die Ehejubiläumsmedaille überreichen lassen. 8. Berlin, 23. September. Am 21. d. ist hier der bekannte dramatische Künstler Max Löwenfeld einem Herzschlag erlegen. Löwenfeld, der am 25. März d. I. das 58. Lebensjahr vollendet hatte, war Breslauer von Geburt, lebte aber von seiner ersten künstlerischen Entwicklung an in Berlin, wo man seine Laufbahn mit ■■j* Interesse und Sympathie begleitete. Er war ursprünglich Bankier, wendete sich aber, von Kunstliebe getrieben, dem Theater zu, auf dem ihm starkes Talent und eine ungewöhnliche Intelligenz bedeu- ' l tende Erfolge erwirkten. Von der Dilettantenbühne, auf der er sich £ mit außerordentlichem Erfolge versucht hatte, kam er im Jahre 1878 ff ganz unmittelbar an das Stuttgarter Hoftheater, wo er sich als |; Charakterspieler in vollen Ehren behauptete. Spater wirkte er mit gleich glücklichem Erfolge in Hamburg, in Moskau, am Wiener Karltheater, in Prag, wo er sich so großer Beliebtheit erfreute, daß sein hundertstes Auftreten — eine gewiß ungewöhnliche Feier — als Jubiläum festlich begangen wurde, und nach einem zweiten Hamburger Engagement am Berliner Lefsing-Theater. Zuletzt widmete er sich ausschließlich Gastspielen, die ihn auch nach Amerika führten, wo er die vollste' Anerkennung fand. Löwenfelds Stärke lag in einem überaus scharfen Strich der Charakterzeichnung, der durch einen sicheren Intellekt bestimmt war. Er gehörte zu den Schauspielern, die ein sicher umrissenes Bild der darzustellenden Figur in der Vor- \ stellung haben und Kraft genug besitzen, der Intention in der Darstellung gerecht zu werden. Sein Talent hatte eine große Spannweite, er hatte Erfolg in mehreren hervorragenden Rollen des klassischen Repertoirs; aber das beste Teil seines Könnens lag in satirischen Chargen, deren Wesen er in den verschiedensten literarischen Formen -! erfaßte. Mit dem Berliner Kunstleben war Löwenfeld auch als .< Unternehmer verknüpft; er hat das Neue Theater, dessen Interieur zu den geschmackvollsten Berlins gehört, begründet, mit der Goethe- |

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