Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 39 (18.9.1906)
- Date
- 1906-09-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 schen „Iphigenie" eröffnet und ein Jahr lang geleitet. Persönlich war Löwenfeld durch sein menschenireundliches Wesen) seine tüchtige Bildung und seinen Witz allgemein beliebt. An seiner Bahre trauern mit der Witwe zwei begabte Söhne, von denen der eine als Opernregisseur am Stuttgarter Hoftheater wirkt, während der andere mit dem Berufe des wissenschaftlichen Chemikers die schrift,lellerijche Tätigkeit verbindet. =$= Berlin, 17. September. Wie uns der Jüdische Volksverein hier mitteilt, ist Herr Isidor Wolff, Leiter des Auskunftsbureaus dieses Vereins, von einer Reise nach Amerika zurückgekehrt. Er machte die Fahrt im Aufträge seines Vorstandes an Bord der „Smolenck", eines Dampfers der russischen freiwilligen Flotte, von Libau aus mit, um alle für die jüdischen Auswanderer wichtigen Verhältnisse und besonders auch die neue russische Linie aus eigener Anschauung kennen zu lernen, welche wahrscheinlich in der nächsten Zeit einen großen Teil der Emigranten befördern wird. Herr Wolff ist mit einem sehr reichen Beobachtungsmaterial zurückgekehrt, aus dem wir in nächster Zeit Einiges veröffentlichen werden, so besonders auch die Behandlung der Auswanderer durch die Agenten und das Schiff-personal betreffs Handhabung der Einwanderungsgesetze usw. Als wichtigsten greifbaren- Erfolg darf der Jüdische Volksverein die Einführung einer Reihe von Verbesserungen im Interesse der Emigranten im Hasen und auf den Schiffen der russischen freiwilligen Flotte betrachten und die Zusicherung der Generaldirektion derselben in Petersburg, auch in Zukunft alle Verbesserungsvorschläge des Vereins aus den Schiffen zu respektieren. s. Berlin, 18. September. Der Auswandererverkehr aus Rußland, der, soweit er durch Deutschland geht, über die Station Ruhleben bei Spandau geleitet wird, hat seit Wochen einen noch nie dagewesenen Umfang erreicht. Es treffen täglich über 2000 Personen aus dem Zarenreiche ein, die sich jenseits des Ozeans eine neue Heimat suchen wollen; in Sonderzügen werden sie nach den Hafenstädten Hamburg, Bremen oder Rotterdam befördert, von wo sie ihre Seereise autreten »vollen Unter den jüdischen Auswanderern befinden sich täglich verschiedene Familien ohne ein erwachsenes männliches Mitglied; in allen diesen Fällen sind die Familienväter oder die erwachsenen Söhne usw. hingemordet worden. Es treffen oft Frauen mit sechs und mehr Kindern ein, deren Ernährer bei den vielen Metzeleien umgekom»nen sind. . J} Berlin, 23. September. Die „Vereinigung Jüdischer Akademiker zu Berlin" hielt im Sommersemefter 1906 dreizehn Sitzungen, eine ordentliche und zwei außerordentliche Generalversannnlungen ab. Wegen der Vorbereitungen zu»n Delegiertentage zwecks Gründung eines Bundes Jüdischer Akademiker, die einige Sitzungen in Anspruch nahmen, konnten von den vorgemerkten »vissenschaftlichen Vorträgen nur vier.gehalten werden, während die übrigen auf das Wintersemester verschoben werden mußten. Vorträge hielten: Stud. math. Max Munk: „Die Mathematik im Talmud", find. phil. Straßburger: „Moses Mendelssohns Leben und Wirken", find. math. Max Munk: „Die Bedeutung der jüdischen Fasttage". Am letzten wissenschaftlichen Abend hielt stud. jur. Jacob Möller ein Referat über den Rofinschen Gesetzentwurf, betreffend die Organisation der israelitischen Religionsgemeinschaft in Preußen. Sämtliche Vorträge riefen eine lebhafte Diskussion hervor, die öfters auch noch auf die nächste Sitzung vertagt werden mußte. Den Vereins- Schiur leitete wie bisher in dankenswerter Weise Herr Rabbiner Dr. E. Munk. Jedoch »vurde über der Pflege der Wissenschaft auch die Gemütlichkeit nicht vergessen, die die Mitglieder häufig bis spät in die Nacht in fröhlichen» Kreise zusammenhrelt. Der Vorstand des Wintersemesters 1906 1907 setzt sich zusammen aus den Herren: Kand phil. I. Wohlgemuth, 1. Vorsitzender, Dr. N. Moses, 2. Vorsitzender, Kand. jur. I. Möller, Kassierer, Kand. phil. M. Friediger, 1. Schriftführer, Kand. math. M. Munk, 2. Schriftführer. Herr Wohlgemuth, Berlin, Auguststraße 29, ist zu jeder Auskunft gern bereit. 8. Berlin, 25. September. Wie die Tagesblätter gemeldet haben, sind Geheimrat v. Bergmann und dessen Assistent Dr. Rich. Bier am Donnerstag von ihrer zweiten Reise nach Konstantinopel zur Behandlung des Sultans zurückgekehrt. Beim Abschied überreichte der Sultan Herrn Dr. Bier den Großkordon des Osmanie- Ordens, nachdem dieser erst vor kurzem den Medjidje-Orden erster Klasse, die' Liakat (pour le m6rite) in Gold und die Jmtäz-Medaille erhalten hgt. .Ferner ließ der Sultan mehrere Kisten' mit Geschenken in das Hotel für die beiden Aerfte schocken. Als Dr. Bier, zum erstenmal in Konstantinopet war. wo er zwei Monate verweilte, w»rrde er ebenfalls mit Titeln und Geschenken förmlich überhäuft. Der Sultan ernannte »hn zum Honorar-Professor an der „Hamiäiü", überließ ihm eine eigene Pacht zu Fährte»» in den Bosporus und verehrte ihm zwei kostbare Buchara-Teppiche und ein goldenes Zigarren-Etui. Beim Abschied machte der Sultan ihm den Vorschlag, als sein Leibarzt mit einem jährlichen Gehalt von 60 000 Franks in Konstantrnopel zu verbleiben, was Herr Dr. Bier aber ablehnen mußte. Dr. Richard Bier wurde 1865 in Münster geboren. Er ist ein Enkel des erst vor kurzen» im hohen Alter verstorbenen Rabbiners Philipp Heidenheim in Sondershauser». Seine Studien hat er in Münster und Würzbürg gemacht. 1895 kam er an die Universitätsklinik nach Berlin als Volontär und bald darauf wurde er zum Assistenten des Herrn Geheimrats von Bergmann ernannt, den er auf seinen verschiedenen Reisen näch Rußland, der Türkei usw. fast stets begleitet hat. k. Posen. 24. September. Ter Kommerzie»»rat und Stadtrat Adolf Kantoro»vicz, der am 12. Januar d. I. »»nter Teilnahrne der königlichen, Provinzial- und städtischen Behörden, sowie weiter Kreise der Bürgerschaft Poser»s sein silbernes Jubiläum im ehrenamtlichen Dienste der Stadt Posen begingest am 10. d. M. gegen abend nach kurzem Krankenlager gestorben. Bor zwei Tagen erkrankte er an Herzkrämpfen, die schließlich mit einem Herzschlage endeten. Der Verstorbene »var am 16 Nove»nber 1836 geboren, hätte demnach in einigen Wochen feinen 70. Geburtstag begehen können. Er »var Begründer der bekannten Eisenwaren-Engros-Firma Adolf Kantorowicz, aus der er gelegentlich seines 50 jährigen Berufsjubiläums am 1. Juli 1904, nachdem er die Firma zu ungeahnter Blüte gebracht hatte, ausschied. Kommerzienrat Adolf Kantorowicz bekleidete, über ein Viertelmhrhundert eine Reihe städtischer Ehrenämter, und zwar zunächst als Stadtverordneter, darauf als unbesoldeter Stadtrat. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger »vurde er zun» Provinziäl- Landtagsabgeordneten der Stadt Posen bei der Errichtung des Provinzial-Landtages gewählt und gehörte ihm seit dieser Zeit ununterbrochen an. Zahlreichen gemeinnützigen und Wohltätigkeitsvereinen gehörte er gleichfalls als Vorstandsmitglied an. In allen diesen Stellungen hat er mit regem Eifer und großer Hingebung gewirkt, sein Andenken wird daher in weilen Kreisen der Stadt Posen im Segen fortleben. — Die Beerdigung fand am 21. d. unter der Teilnahme weiter Kreise der Stadt und Provinz Posen statt. In dem stattlichen Leichenzuge bemerkte rnan die Spitzen der königlichen, Provinzial- und städtischen Behörden und anderen, den Oberpräsidenten von Waldow, den Regierungspräsidenten Krechmer, den Landeshauptmann Tr. von Dziembowski, den Vorsitzenden des Provinzialausschusses der Provinz Posen, Lcrndschastsrat von Günther, den Polizeipräsidenten von Hellmann, den Oberbürgermeister Dr. Wilms; das Magistrats- und Stadtverordnetenkollrgiun» sowie die städtische Beamtenschaft wäre»» vollzählig erschienen. Dem Leichenzuge voran schritten ein Feuerwehrzug in Paradeunnorm unter Führung ihres Leutnants Dr. Schulz, sowie die Magistratsunterbeamten und die Beamten der Polizeiver»valtung. Diesern folgte ein Magistratsbote mit einem Sammet kiffen, auf dem die beiden Orden des Entschlafenen, der Rote Adlerorden und der Kronenorden vierter Klasse, läge»». Rabbiner Dr. Bloch hielt im Trauerhause in ergreifenden Worten die Gedenkrede, in welcher er die Liebe des Verstorbenen zu seiner Familie, seine Treue gegen Stadt und Staat, seinen tiefreligiösen Sinn schilderte. — In der a»n Sonnabend abgehaltenen außerordentlichen Magistratssitzung gedachte vor der Eröffnung der Oberbürgermeister mit warmen Worten der langjährigen verdienstvollen Tätigkeit des Verstorbenen im städtischen Gemeinwesen. 11. Beuthen, 18. September. Herr Rabbiner Dr. Kopfstein feierte vor kurzem hier das 25jährige Jubiläum seiner Amtswirksamkeit unter allgemeiner Teilnahme der ganzen Gemeinde. Die Feier wurde durch einen Festgottesdiettst eingeleitet, bei dem Herr Dr. Galliner eine Ansprache an den Jubilar hielt. Sodann bestieg dieser selbst die Kanzel, um in einer glänzenden Rede seine Gefühle