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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-16 · Heft 7 (16.2.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 7. ^J^KTtlßftlÖtÖOtlJ Berliu» 16‘ Februar 1906- Vellage zur „Allgemeinen Rettung deß Judentums. korrrlpondenZm und Nachrichten. Deutschland. ££2 Berlin, 12. Februar.' Die städtische Schuldeputation hat in ihrer Sitzung vom 7. d. M. beschlossen, in sämtlichen Gemeindeschulen jüdischen Religionsunterricht in drei aufsteigenden Stufen erteilen zu lassen, denselben aber auf das Hebräische nicht auszudehnen. Jeder, der die einschlägigen Verhältnisse kennt, weiß, welch langwierige Verhandlungen diesem Beschlüsse vorausgegangen sind und daß derselbe nicht durchzusetzen gewesen wäre, wenn der Wunsch, den Unterricht im Hebräischen mitzuerhalten, nicht aufgegeben worden wäre. Es wird nun Sache der jüdischen Gemeinde sein, den Schülern der Gemeindeschulen reichliche Gelegenheit zu geben, daß sie trotzdem den Unterricht im Hebräischen erhalten können. §. Berlin, 11. Februar. Am 8. d. M. hielt im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" Herr Albert Katz den vierten in der Reihe der wissenschaftlichen Vorträge dieses Winters über das Thema : „Christen und Juden als Förderer der hebräischen Literatur". Der Redner wußte dieses bisher noch wenig behandelte Thema sehr anziehend und interessant zu behandeln. Ausgehend von der Neublüte der hebräischen Sprache in der spanischen Glanzepoche, schilderte er auf Grund eindringender Quellenstudien den Eifer, den Humanisten und Reformatoren in Deutschland für das Studium der hebräischen Sprache an den Tag legten, sehr anschaulich an verschiedenen Beispielen, um dann schließlich die Renaissance der hebräischen Sprache in der modernen hebräischen Literatur zu besprechen, die er durch geschickt ausgewählte Proben aus den Dichtungen von Gordon, Lebensohn, Braudes u. a. wirksam illustrierte. Der hochinteressante Vortrag fand allgemeinen und lebhaften Beifall. — Aus den auswärt igen Literaturvereinen: In Memel sprach Dr. Stein über „Die Grenzen des Denkens"; in Hohensalza Dr. Ludwig Cohn-Berlin über „Die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Juden im deutschen Frühmittelalter"; in O bo rnik Dr. Wreschner-Samter über „Rabbi Akiba Eger"; in Li ss a Dr. Cohn-Rawitsch über „Raschi", Dr. Goldschmidt-Königshütte über „Meine Reise nach Palästina" und Frau Ra hmer-No th° mann-Breslau über „Rezitationen aus jüdischen Dichtern"; in Nicolai Dr. Glogauer-Kattowitz über „Die Lage der Juden im Mittelalter"; in Dortmund LehrerE. Goldschmidtüber „Raschi"; in Iserlohn Dr. Lazarus-Cassel über den „Talmud"; in Essen Dr. Poritzky-Berlin über „Ludwig Börne", Dr. Kutna-Berlin über „Biblische Gestalten in der bildenden Kunst" (mit Lichtbildern), Dr. Levy-Crefeld über „Alexander von Humboldt und seine Beziehungen zum Judentum", Dr. Neu m ark-Duisburg über „Schiller und die Weltanschauung der Propheten", Freiherr B. v. Münchhausen über „Eigene Dichtungen"; in Frankfurt a. M. Dr. Doctor-Bruchsal über „Die Musik bei den alten Hebräern". — Ein neuer Literaturverem wurde begründet in Insterburg durch Herrn Rabbiner Dr. Beermann. Derselbe zählt bereits 80 Mitglieder. 3. Berlin, 12. Februar. Der Vorsitzende der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israälite Universelle, Geheimer Kommerzienrat Goldberger, hat eine Tagung der Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft nach Berlin einberufen. Diese Tagung, der auch ein Vertreter der Pariser Zentrale beiwohnen wird, findet am Dienstag den 13. Februar statt. Die sehr reichhaltige Tagesordnung betrifft in der Hauptsache innere Organisationssragen. Insoweit die Ergebnisse der Tagung von allgemeinerem Interesse sind, werden wir Veranlassung nehmen, demnächst hierüber zu berichten. 8. Berlin, 12. Februar. In der heutigen außerordentlich stark besuchten Delegiertenversammlung des Verbandes für jüdische Wohltätigkeitspflege sprach zunächst Herr Dr. Wilhelm Neumann über das aktuelle. Thema: Fürsorge für geistesschwache jüdische Kinder, deren Unterbringung in einer Anstalt herbeizuführen bekanntlich der Deutsch-Israelitische Gemeindebund mit eifrigen Kräften bestrebt ist. Nach kurzer Besprechung der Ursachen des Schwachsinns und des traurigen Vorzuges, den die Juden betreffs der Häufigkeit dieser Krankheitsfälle vor der Gesamtbevölkerung genießen, legte der Redner an der Hand der behördlich ausgenommenen, sowie der vom Gemeindebund selbst ermittelten Zahlen die dringende Notwendigkeit der Errichtung einer Anstalt für jüdische Schwachsinnige dar. Von jüdischen Schwachsinnigen befinden sich in Anstaltspflege in Deutschland 233, davon 136 in geistlichen Instituten; in Privatanstalten befinden sich 52 jüdische Zöglinge, bisher nicht in Pflege 216, von denen 105 im schulpflichtigen Mer stehen. Die letztgenannten Zahlen können nicht als vollständig angesehen werden, da recht viele Antworten seitens der angefragten jüdischen Gemeinden ausgeblieben sind; am unvollkommensten sind die Berichte aus den Großgemeinden, in denen nahezu die Hälfte aller deutschen Juden leben. Die Errichtung der Anstalt ist bereits so weit gefördert, daß ein Terrain vorhanden ist, eine Bauskizze vorliegt; doch nur noch die Hauptsache fehlt — das erforderliche Geld. Die Anstalt wird voraussichtlich in Beelitz bei Potsdam erbaut werden, deren Stadtverwaltung ein ^hygienisch einwandfreies fünf Morgen umfassendes Terrain kostenlos zur Verfügung gestellt bat. Die Anstalt ist zunächst für 40 Kinder geplant. Die Baukosten sind auf 90 000 Mark veranschlagt, der jährliche Etat auf etwa 20 000 Mark. Mit den noch aus den drei größten Gemeinden ausstehenden Bewilligungen wird das Sammelergebnis bisher leider nur etwa die Hälfte der nötigen Bausumme zusammenbringen, die andere Hälfte mutz von dem nie versagenden Opfermut von Gönnern erhofft werden, gilt es doch, einen drückenden Gewissenszwang von vielen doppelt bedauernswerten Familen abzuwälzen und die jüdische Gemeinschaft auf einem wichtigen Gebiete der Krankenpflege von fremder Hilfe unabhängig zu machen. Im Anschluß an diesen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag gab Frau Direktor Henriette May einen Bericht über die Verhandlungen der 25. Jahresversammlung oes Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. In klaren und sachlichen Ausführungen gab die Rednerin, welche den Verband für jüdische Wohltütigkeitspflege auf diesem Kongreß vertrat, einen Ueberblick über die dort geführten Verhandlungen, die, wie sie zum Schluß treffend bemerkte, mit unserer konfessionellen Armenpflege, falls diese auf ihrer Höhe verbleiben soll, in engstem Zusammenhänge bleiben müssen. Der Vorsitzende des Verbandes, Justizrat Breslauer, schloß daran den üblichen Bericht über die Verbandstätigkeit. Ein neues Mitglied ist dem Verbände beigetreten; es existieren wohl kaum noch größere Vereine, die nicht an den Verband angeschlossen sind. In den letzten neun Monaten sind 10 102 Anfragen erfolgt und 9445 Berichte er-" stattet worden. Auf Grund der an die einzelnen Vereine gerichteten Umfragen wird eine lückenlose Zusammenstellung der Zwecke und Mittel der Vereine erfolgen können, die Armenkommission wird daran die Uebersicht über die Stiftungen der jüdischen Gemeinde anreihen und voraussichtlich werden daran noch die Stiftungen der Stadt angeschlossen Wörden, die für interkonfessionelle Zwecke bestimmt oder die ausdrücklich für Christen und Juden errichtet sind. Der Vorsitzende berichtet ferner über das neue Verwaltungsgebäude in der Rosenstraße, in welchem voraussichtlich allen jüdischen Wohltätigkeitsvereinen Sitzungs- und Arbeitsräume zur Verfügung gestellt werden können. Nachdem der Vorsitzende noch einen zahlenmäßigen Ueberblick über die vorzüglich arbeitende Organisation der Wöchnerinnenvereine gegeben, begründete der Vorsitzende der Armenkommission Dr. W. Feilchenseld in der Diskussion die Notwendigkeit des bereits erwähnten Nachschlagebuches, das eine vollständige Zusammenstellung sämtlicher Hilfsmittel in der Gemeinde bringen wird. In lebhafter Debatte bestreitet Dr. Albert Levy die Notwendigkeit dieses Buches, da das von der Auskunftsstelle der Ethischen Kultur herausgegebene Werk für jüdische Interessenten völlig ausreichend ist; Dr. Neumann verweist in dieser

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