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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-02-16 · Heft 7 (16.2.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Beziehung auch auf das statistische Jahrbuch des Gemeindebundes, während der Verbandsvorfitzende und der Vorsitzende der Armenkommission nochmals die Zusammenstellung sämtlicher Berliner jüdischen Institute für zweckmäßig erachten. — Berlin, 2. Februar. 'Wie wir bereits gemeldet, hat die D e u t s ch e O r i e n t - G e s e l l s ch a f t im vergangenen Jahre die Synagogen von Galiläa durch eine Expedition erforschen lassen. In dem Tagebucke des Expeditionsleiters, Bauführer Kohl, finden sich nun folgende Abschnitte über die jüdischen Kolonien in Palästina, welche sicherlich interessieren werden: „In der Frühe auf schlechten Wegen durch das Basaltgestein aufwärts zur alten Römerstraße, die von Jerusalem über Nablus, Liberias, Warnas nach Damaskus führt. Wir verlassen sie bald, um hinauf nach Dscha'une, einer Rothschild^'chen Judenkolonie, zu reiten. Ihre Lage ist prächtig: hoch oben am Abhange eines steilen Berges an einer Talöffnung, mit einer Aussicht, wie sie wohl kein zweiter Ort Galiläas bieten kann. Das Jordangebiet vom See Liberias bis zu den Jordanquellen am Fuße des Hermon liegt vor uns, ein Teil des Sees Liberias, der ganze Hulesee, die Huleebene mit den glitzernden Flußläufen, die Berge des Adschlun, und als imposanter Abschluß im Norden der unvergleichliche Hermon. Es ist ein wahrhaft großartiges Panorama mit reicher und sehr bestimmter Färbung, die auch bei den entferntesten Punkten kaum nachläßt. Das Städtchen selbst macht keinen orientalischen, aber um so wohltuenderen Eindruck. Rote Ziegeldächer aus schmucken Häuschen zwischen Gärten und hohen Bäumen, breite Straßen, in den Häusern und Gärten die Hähne einer Wasserleitung, eine Baumallee hinunter zur Schwesterkolonie, wohlgepflegte Weinberge! Und daneben das mohammedanische Viertel. Man muß es sehen, um von Herzen zu wünschen, daß Rothschild oder ein anderer die Kolonisation Galiläas fortsetzt. Sowie man aus die Höhe kommt, wird die Judenkolonie Mutelle mit ihren uniformierten Häusern sichtbar. Baumlos, mit den roten Ziegeldächern, sieht sie furchtbar heiß aus. Die Baumpflanzungen, die Dscha" une, Rothschilds Kolonie am Hulesee, gegen die Sonne schützen und dem Ort ein wohltuend farbiges Kleid verleihen, fehlen ganz. Aber an den Aeckern, an dem durch Felsen und tief durch das Erdreich geführten Kanal, der das Wasser eines kleinen Tals auf die Felder führt, sieht man. daß hier eine andere Hand als die einer türkischere Stadtverwaltung tätig ist. Auf den trefflichen Wegen zwischen den gut bebauten Aeckern der Juden hindurch konnten wir uns endlich einmal einen langen Trab leisten. Dann auf felsiger Straße zur Höhe, von wo ein langer Felsenkamm mit der Burg esch Schakif sichtbar wird." — Königsberg, 4. Februar. Hier hat sich ein jüdischer Turnverein gebildet, der 110 Mitglieder zählt. Der Vereinsvorstand hatte an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, dem „Jüdischen Turnverein" eine der städtischen Turnhallen gegen die übliche Miete zu überlassen. Nach §1 hat sich der Verein „die Pflege und die möglichst weite Verbreitung des Turnens unter den Juden als Mittel zur Förderung allgemein jüdischen Lebens auf bewußt jüdischer Grundlage" zum Ziel gesetzt. Der Verein wünscht für seine Mitglieder — es sind bereits über hundert — deshalb den Zusammenschluß in einem besonderen Verein, weil gewisse jüdische junge Leute, aus welchen Gründen auch immer, in die bestehenden Turnvereine nicht eintreten. Der Vorstand des Königsberger Turnklubs hat in einem Schreiben dem Befremden Ausdruck gegeben, daß sich hier überhaupt ein jüdischer Turnverein gebildet habe, da jungen Leuten jüdischen Glaubens der Eintritt in Königsberger Turnvereine niemals verwehrt worden sei. Der Magistrat hat das Ersuchen abgelehnt. In der Stadtverordnetensttzung wurde nun die Angelegenheit einer Beratung unterzogen und beschlossen: „In Erwägung, daß dem Eintritt der Mitglieder des jüdischen Turnvereins in die hier bestehenden Männerturnvereine nichts entgegensteht, daß die Begründung eines konfessionellen Turnvereins nicht geeignet ist, das hier bestehende Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen zu fördern, ferner um keinen Präzedenzfall zu schaffen, geht die Stadtverordnetenversammlung über diese Petition zur Tagesordnung über." Herr Gymnasialdirektor Dr. Dirichlet führte aus: Wir haben uns hier in der Stadtverordnetenversammlung erst kürzlich entschieden gegen die Konfessionalität der Volksschule gesträubt. Es wäre doch wunderbar, wollten wir in demselben Augenblicke eine konfessionelle Scheidung der Turnvereine begünstigem. Es ist kein Unglück, wenn diesem Vereine die. Existenz durch Verweigerung einer Turnhalle unmöglich gemacht wird. Seine Tendenz entspricht nicht dem Geiste der Turnerschast. Die Tnrnerschast kennt keine konfessionellen Unterschiede. Das ist ein Grundsatz der deutschen Turnerschast. Noch auf dem letzten Delegiertentage hier in Königsberg hat der greise Senior des Turnerbundes Dr. Goetz es aus gesprochen: „Eine Judenfrage gibt es nicht in der deutschen Turnerschast/ Wir haben Grund zu fördern, was die Konfessionen einigt, nicht was sie trennt. 1. Grartdeirz, 8. Februar. Am 4. d. M. wurde der Königliche Kommerzienrat Herr Stadtrat' Earl Victorius in einem Alter von 73 Jahren, unter großer Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung, zu Grabe getragen. Tausende von Menschen hielten die Straßen vom Trauerhause ab bis zum Stadtwalde besetzt, durch welche der Zug, die Arbeiter der Fabrik Herzfeld & Victorius mit ihren Fahnen voran, sich bewegte. Die staatlichen und städtischen Behörden, die Körperschaften der jüdischen Gemeinde, die Vereine, denen der Verstorbene angehörte, und viele Bürger folgten dem Sarge. In der Leichenhalle des jüdischen Friedhofs hielt Herr Rabbiner Dr. Loevy die tiefergreifende, mit erhebendem Tröste ausklingende Trauerrede, in welcher er anknüpfend an das Wort der Weisen : „Wenn ein hervorragend guter Mensch stirbt, dann betrachten sich alle als seine Verwandten", aus die allgemeine, große Beliebtheit des Verstorbenen hinwies, welche er seinem Wesen und Wirken zu verdanken hatte. Er schilderte mit eindrucksvollen Worten die hervorragenden geistigen und sittlichen Eigenschaften des Entschlafenen, seine reiche geschäftliche Tätigkeit, sein segensreiches Wirken in den städtischen und synagogalen Ehrenämtern und in wohltätigen und gemeinnützigen Vereinen, sein inniges Familienleben, seinen vornehmen Sinn, mit welchem sich rührende Bescheidenheit und Herzensgüte paarten, seine Fürsorge für die Hilfsbedürftigen und seine geradezu vorbildliche Wohltätigkeit. Dürch die Reihen der spalierbildenden Arbeiter würde der Sarg zu Grabe geleitet. Aus Anlaß des Trauerfalles war an diesem Tage die Fahne auf dem städtischen Schloßturm Halbmast gehißt. W—f. Posen, 29. Januar. Herr Moritz Aschheim, Mitglied des Aufsichtsrates des Posener Kreditvereins, wurde von dem Verein zu seinem 25 jährigen Jubiläum in der obengenannten Eigenschaft durch ein kostbares Geschenk — eine silberne Jardiniere mit Krhstalleinsatz und mit prächtigen frischen Blumen gefüllt — geehrt. An den Seiten der Jardiniere ist folgende Widmung eingraviert: „Herrn Moritz Aschheim zu Posen in Anerkennung seiner verdienstvollen 25 jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit gewidmet vom Posener Kreditverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Die sämtlichen Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder erschienen in corpore in der Wohnung des Jubilars und der Direktor hielt eine Ansprache, worin er namentlich hervorhob, daß Herr Aschheim in anerkennungswerter Weife uneigennützig in den schwersten Zeiten den Verein über manche Klippe hinweggeholfen habe, und den Wunsch aussprach, der Jubilar möge noch jahrelang im Interesse des Gemeinwohls in ungetrübter Frische wirken. Ebenso drückte der Vorsitzende des Auffichtsrats in kurzen Worten seinen Dank aus und überreichte das Geschenk. Unter den vielen eingegangenen Depeschen befand sich auch eine des Abgeordneten, Verbandsanwalts Dr. Krüger-Charlottenburg, der den Jubilar anläßlich seiner 25 jährigen erfolgreichen Arbeit auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens auf das herzlichste gratulierte. — Breslau, 2. Februar. Am 31. v. M. fand die Generalversammlung des Liberalen Vereins der Shnagogengemeinde Breslau statt, die zahlreich besucht war und nach jeder Richtung hin einen befriedigenden Verlauf nahm. In seinem Jahresbericht kam der Vorsitzende, Herr Dr. Reich, mit wenigen Worten auf das erfreuliche Resultat des Ausfalls der Repräsentantenwählen zurück, die den Beweis lieferten, daß Breslaus Synagogengemeinde nach wie vor in ihrer großen Mehrheit an den liberalen Traditionen festhalte und daß der Liberale Verein stets für diese Traditionen, damit aber auch für Toleranz und den Frieden in der Gemeinde, eintreten werde. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war der^Vortrag unseres zweiten Rabbiners Herrn Fabian: „Die Stellung der Juden zum Preußischen Schulgesetzentwurf!" In ausführlicher, ebenso gründlicher wie energischer Darstellung, kennzeichnete und geißelte er die Unge-

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