Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 3 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 30 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Gymnasium zu St. Matthias das Maturitätszeugnis erhalten hatte. 1805 erwarb er den Doktorgrad — in seiner Dissertation gibt er seiner unendlich tiefen Kindesliebe beredten Ausdruck, und spricht besonderen Dank aus seinem Lehrer Heinrich Eduard Schroeter, dorn sie zugeeignet ist. Einer seiner Opponenten war Moritz Pasch, der hervorragende spätere Professor der, Mathematik in Kietzen. 1870 habilitierte er sich als Privatdozent, wurde 1873 zum autzerordentlichen. 1876 zum ordentlichen Professor ernannt. An nutzeren Ehren erhielt Rosanes 1897 den Titel Geheimer Reaierungsrat. ferner von Lrdensauszeichnungen den Noten Adlerorden vierter und dritter Klasse mit der Schleife sowie den Kronenorden dritter Klaffe. Für das Studienjahr 1903/04 wurde er zum Rektor gewählt, ein schönes Zeichen des Vertrauens, dessen er sich im.Kreise seiner.Kollegen erfreute. 1911 trat Rosanes von seinem Lebramte zurück -- feine ganze akademische Wirksamkeit ist der Diadrina gewidmet gewesen. Es kann nicht meine Aufgabe sein, als Laie die wissenschaftlichen Verdienste dieses Gelehrten zu würdigen, berufene Federn werden der Bedeutung des Heimgegangenen die wohlverdiente Anerkennung zollen. Ich möchte hier aus der Fachliteratur nur einzelne Arbeiten erwähnen. 1871 erschien seine Arbeit „Tie neuesten Untersuchungen in betreff unserer Anschauungen im Raume". - In „Erelles Journal für reine und angewandte Mathematik" veröffentlichte er gemeinsam mit Pasch eine Reihe grundlegender Arbeiten, unter anderen 1870: Dreiecke in perspektiver Lage, 1873: Systeme von Kegelschnitten. 1880: Zur Theorie der Kegelschnitte. Andere Arbeiten erschienen in der Zeitschrift von Schtömitch. Die höchste Auszeichnung wurde Rosanes bei der Feier seines goldenen Doktorjubitäums am 28. August 191'. zuteil.! ein Diplom, das ihn nicht nur als Manu der Wissenschaft. j sondern auch als Persönlichkeit feiert und das um feiner j Bedeutung willen hier in vollem Wortlaut mitgeteilt fei. „^ur fünnigstibrigen Wiederkehr des Tages, an dem Tie! die ersten akademischen (5hreu erwarben, spricht Ihnen der : senat seine herzlichsten Glückwünsche aus und gedenkt mit dankbarer Anerkennung der wertvollen Treuste, die Tie der Winenschast. dem Unterricht und dem akademischen Leven überhaupt geleistet haben. Tie algebraische Geometrie, die ' zu Anfang Ihrer Lanwahn durch Clebsch und Hene zu glanzendem Aufschwung gekommen war. haben Tie durch Arbeiten , gefördert, in denen sich algebraischer Scharfsinn und geo-! metrisches Interesse auf das glücklichste ergänzten. Ihr wichtiger Lehrsatz über die Zerlegbarkeit der bremonaschen Transformationen in quadratische mußte den lebhaftesten Widerhall wecken: in dem Begriff der abhängigen Punktsysteme haben Tie ein neues Hilfsmittel der algebraisch-geometrischen Forschung geschaffen und seine Fruchtbarkeit vielfach bewährt. Aber auch die sunktionentheoretischen Methoden, deren Entwicklung durch Riemann und Weierstraf; Tie mit lebhaften! Anteil verfolgten, haben Tie erfolgreich .zu verwenden gewußt: davon zeugen die Ihnen und Herrn Pasch gemeinsame Arbeit über die Poncellentschen Polvgome und Ihre Habilitutionsschrnt über die schwierige Frage der algebraisch integricrbaren Tifferentialgle'chnngen erster Ordnung. Als echter akademischer Lehrer konnten Tie Ihre Forschung von Ihrem Unterricht nicht trennen. Tie haben die von Tchröter aus Königsberg hierher verpflanzte besonders wirk same Technik der schriftlichen Teminarübungen übernommen und einer großen Zahl von'Schülern den Tinn für mathematische Forschung erschlossen. Endlich haben Tie für das gesamte "»Um innerer naiver st tat. der Tie mit t r e n e st em'H e i m a t s g e s ü h! an hingen, stets die tätigste Teilnahme gezeigt. Geschästskermt nis, ruhige Sachlichkeit und n'vhllvollcnde Gesinnung gegen jeden einzelnen, der der Förderung bedurfte und würdig war. j das waren die Grnnozüge Ihrer akademischen Tätigkeit, die | sich besonders glänzend bewährten, als Tie mit Glück und | Würde unseres höchsten Amtes walteten.! Tie Universität dantt für Ihre Tienfte und freut sich Ihrer Persönlichkeit als eines Besitztums von hohem Wert. Möge die lebendige Wechselwirkung des freundschaftlichen und wissenschaftliclien Verkehrs, in der Tie auch in Ihrem wohlverdienten Ruhestände mit vielen, auch jüngeren Kölle« gen geblieben sind. Ihnen und uns noch lange erhalten bleiben. Breslau, den 21. August 1915. Rektor und Senat der Schlesischen Friedrich-Wilhelm-Universität. 3kosanes hat sich bis zu seinem Lebensende volle geistige Frische bewahrt: noch vor vierzehn Tagen erhielt ich von seiner Hand ein Billett in feiner, zierlicher Schrift. — Er ist seiner Glaubensgemeinschaft treu geblieben. Tie Bestattung erfolgte auf dem Friedhof Loheftratze, wo auch die irdischen Reste seiner Eltern ruhen. Tie Gedenkrede hielt Rabbiner Tr. Sänger, der insbesondere den Adel feiner Abstammung als Enkel von Akiba Eger hervorhob. Namens der Universität sprach der Direktor des mathematischen Seminars. (^.^rtProfMrK^rseser; der die Verdienste des Gelehrten um Universität und Wissenschaft würdigte. -- Ehre seinem Andenken! Im Anfchlntz an den Nachruf möchte ich eine Erinnerung wachrnfen. Mit dem Heimgang von Jacob Rosanes zieht wieder in die ewige Heimat einer der erlauchten jüdischen Geister, welcher der philosophischen Fakultät der Universität Breslau Glanz verliehen. Der Botaniker Ferdinand Eohn. der Mathematiker Jacob Rosanes. der Historiker Jacob Earo. der Philosoph Jacob Freudenthat. der Orientalist Siegmund Fraenket gereichteten als Ordinarien der alma inatnr zur Zierde -- späterhin ist kein Jude in ein Ordinariat berufen worden. — Ein trauriges Kapitel der Intoleranz unter dem alten Regiment, dass die preußischen Universitäten grnndsätz' lich entgegen der Verfassung auch anerkannten Autoritäten jüdischen Glaubens das Ordinariat verschlossen hielten. — In Berlin war es nur Levin Goldfchmidt. der zuerst Reichsoberhandelsgerichtsrat, 1875 als ordentlicher Professor der Jurisprudenz berufen wurde, vielleicht, weit er 1872 als Schiedsrichter für den Deutschen -Kaiser in der zwischen England und den Vereinigten Staaten strittigen San-Iuan-Frage fungiert hatte. — Keinem anderen war es an der Berliner Universität möglich, sich durcknusehen - erinnert fei mir an die Mediziner Senator, Israel. Landau und insbesondere an den großen Forscher Paul Ehrlich , die Fakultäten erhielten sich judenrein. sicherlich zum Schaden der Wissenschaft lvie der Gesamtheit. Michael Fraenkel sBreslarü. Ufafe Ava Mannheimer als Kandidat für die Zirektorltrüe an der Gemeindelchule in Lerlin. Von Rabbiner Tr. M. Rofenmanu (äi!teii>. Uebcr die Begehungen Mannheimers, des geistigen Vaters der Wiener Kultusgemeinde. zu den führenden jüdischen Persönlichkeiten Berlins sowie zu dreier Gemeinde selber ließe sich leicht ein kleines, an interessanten «lreislichtern reiches Buch schreiben. Tas Material hierfür wäre Seil bereits vcr ösfentlichten Briefen, noch mehr aber den noch ungedruckten, im Besitze der Familie Mannheimers befindlichen zu cnkuehinen. Im «ominer l«-M war der junge Heißsporn. „königlich dänischer rratechet'. über Hamburg-Altona nach Berlin getvnimen. Tie Eindrücke, die der v>ast von unz. \\ akvb s o h ». den, alternden T a v i 0 sr r i c d l ä n d e r ,,»ö den 'Vorständen der lssemeiude empfing, schrieb er in einem an seine» dünner Josef Raphael in «vpcnhagen gerichteten dänischen