Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 3 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 31 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Brief (lU.^irni I82lj ttieDcr, Der fast ein Jahrhundert später vom Bibliothekar Josef Mischer in Kopenhagen zurBerössenrlichung gelangte for jodisk Historie o^ Literatur, rediiriret af Josef Fischer ol' Julius Salomon nitrier Medvirkning ns Simonseii. Koberiluivn 1919. 288). Leine Erlebnisse und Enttäuschungen auf dem Berliner Baden, woselbst er als Leopold Zunzens Nachfolger einige Zeit gepredigt hatte, sind in seinem in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" (1897,. £?. 272) von Ludwig (beiger abgedruckten Schreiben an M. Beit (lölO) gleichsam als vuticinium ex eventu enthalten. Und wenn Mannheimer, sich selbst leise ironisierend, in diesem Brief bemerkt: ..es gehört zur Kultur und Kulturgeschichte des Judentums, und namentlich des Berliner Judentums", so dürste er nicht weit vom Ziele gefehlt haben. Tie damalige Werdezeit der Berliner (Gemeinde mit ihren Irrungen und Wirrungen konunt auch zum Ausdruck in dem ..Briefwechsel zwischen j Jsak Noa Mannheimer und Leopold Zun;", den ich mit dem! bereits gottseligen Prostswr Tr. M. Branu veröffentlicht hatte «Monatsschrift f. G. u.-W. d. I.. 1917, S. 89 I IN. ff.). Ter künftige Historiograph der Berliner (Gemeinde, welcher;u der von Ludwig Geiger verfaßten ..Geschichte der Juden in Berlin" neue Bausteine wird hinzufügen wollen, dürfte kaum über die in Berlin schon damals voll bewertete Persönlichkeit Mannheimers gleichgültig hinweggehen. Trotz seiner Jugend slaud Mannheimer im Bollichte des Kultnstebens der dortigen Judenheit. war er das Ziel vieler Wünsche und wäre beinahe ein Berliner Schuldirektor gen, orden. statt in Wien als epochemachender Prediger und Seelsorger Gewattig- Grostes;u schaffen und ..an der Grenze halbbarbarifchcr Länder die dortigen Inden aus der sittlichen Gesuntenheit \u heben" <Graetz. Geschichte. Bd. XI. 2. Aust.. S. 394). Tic Beranlasiung hie für mar für Mannheimer ■ felgende: Am is. Juni 1824 hatte La rar Bendavid an die l'.eugeu'ählteu Art testen der Gemeinde in Berlin ein Schreiben gerichtet, in welchem er die Errichtung einer Gemeindeschule als heilige Pflicht derselben bezeichnete. Ter Gedanke schlug ein. Ter Borstand nahm die ziemlich eingehenden Vorbereitungen zur Durchführung des Planes in die Hand. und liittu erfolgter Zustimmung seitens des preußischen lprotestantischen» Konsistoriums wurde auf dem Hofe des Gerneindehaufes Rofenstraste!2 der Grundstein zu einem neuen «Gebäude gelegt <L- Geiger, „Geschichte der Juden in Berlin; S. 242). Au Leopold Zunz scheint man anfangs nicht ge-! dacht zu haben. Tieler hatte noch nicht feinen Groll gegen! die ..Geldstolzen", die ihn (1822) vom Predigeramte verdrängt! hatten, überwunden, war bei der „Hände- und Speuerschen! Zeitung" seit l. Januar 1824 tätig und „redigierte". Tie i Auswahl unter den Kandidaten war eine geringe. La;iuj Bendavid war alt und müde; I. L. Auerbach und B. Auerbach kamen nur als Lehrer in Betracht. Ter leitende Geist, dessen beredtes Wort auf jung und alt aneifernd wirken sollte, mußte auswärts gesucht werden. Mannheimer, der « in Hamburg, jung vermählt, postenlos weilte, hatte in Berlin 1 einen eifrigen Gönner in dem einflußreichen T. I. Nies;, j rvelcher. wie aus den ungedruckten Briefen zu ersehen ist. für seinen Schübling dort tätig war. Allein die Fäden des! Juweliers Niest erstreckten sich auch nach Wien zu seinem Hachgcnosfen. dem nicht minder mästgebenden ..Vertreter" Michael Lazar Biedermann. Mannheimer erhielt Ende No l iTiiibcr 1824 aus Wien eine Einladung, der er Holge leistete. Tort augelangt. wurde ihm das nachfolgende, vom l. Te zcmber l>21 datierte Schreiben der Aeltesten und Bvrsteher der Jüdischen Gemeinde Berlins übermittelt: ..Euer Wohlgeboren haben wohl, wie lvir voranssehen dürfet;, bei Ihrer lebten Anwesenheit allhier.Kunde von einer für die hiesige Jüdische Gemeinde zu errichtenden Gemeindeschule erhalten. Tie Errichtung derselben ist so weit gediehen, das; mit dem Unterricht in den beiden unteren Blasien in ganz kurzer Zeit begonnen werden wird. Ein zu diesem Behufe lediglich neu zu errichtendes Gebäude schreitet in seinem Bane rasch vorwärts und mit der Vollendung desselben wird auch der Unterricht für die hohern Klassen eröffnet werden können. Auch eine Erziehungsanstalt für Mädchen, für Waisen wird mit dem Institute um so leichter verbunden werden können, da dem Unterzeichneten Gemeindevorstand eine bedeutende Totation für eine solche Anstalt geworden ist. Tem Ganzen fehlt es aber noch an einem Tircktor. und wir haben unser Augenmerk auf Euer Wohlgeboren gerichtet, da Sie sich stets mit Liebe und Eirer bereit zeigten, ein Amt zu übernehmen. in welchem Sie für das Wohl unserer Glaubensgenossen zu wirken vermögen. Wir haben unser Augenmerk um so mehr auf Sie gerichtet. da das königliche hohe Ministerium der Geistlichen und des Unterrichts genehmigt hat. das; am Sabbat und an den Feiertagen nach dem Ende des Gottesdienstes in der Synagoge in derselben in einem religiösen Bortrage das göttticheWort den Schülern und Schülerinnen von dem Religionstehrer der Schule erklärt werde. Wenn nun Euer Wohlgeboren. wie wir das Bertrauen zu Ihnen haben, gerne da wirken, wo Ihre Tätigkeit von j ersprießlichen Folgen sein kann, so dürfen wir erwarten, dast Sie unserem Wunsche entsprechen und eine Tirektorstelle bei der Gemeindeschule und den mit derselben \\ verbindenden Anstalten übernehmen werden. Wrr hoffen, dast eine solche Stellung Sie bei der Achtung und Liebe, die Sie sich in unserer Gemeinde erworben haben, in eine solche Lage fetzen wird, dast Sie sorgenfrei mit Liebe und regem Eifer Ihrem Berufe werden leben können und Ihr Wirken der Gemeinde segensreich sein wird. Um aber Ihren Wohnsitz allhier begründen zu können, ist es nötig, dast Sie das Staatsbürgerrccht gewinnen. Zu dem Ende ersuchen nur Euer Wohlgeboren, uns eine vom Aotarius gehörig aufgenommene Vollmacht übersenden zn wollen, in der Sie jemandem allhier den Auftrag erteilen, für Sic. in Ihrem Namen das preußische Staatsbürgerrecht nachzusuchen. In dieser Vollmacht wollen Sie den Namen des Bevollmächtigten vifen lassen, und zwar in der Art. dast wir solchen in die Vollmacht werden hineinsetzcn können. Wir ersuchen Sie um eine baldige geneigte Antwort, sowie im übrigen diese Sache nicht weiter ausbreiten zu wollen und versichern Sie unserer besonderen Hochachtung. Berlin, am l. Dezember 1827». Tie Aeltesten und Vorsteher hiesiger Jüdisckren Gemeinde: Berend Riest. Güterbock. Muhr. Schlitter, Burg. Wolfs. An den Herrn I. N. Mannheimer, wohlgeb., in Wien. Herrn M. L. Biedermann, wohlgeboren. abzugeben an den Herrn I. N. Mannheimer, wohlgeboren, in Wien. (Von Mannheimers Hand: Empfangen den 9. dieses, beantwortet am 24. Tezember 182).) Am 9. Tezember hatte er das Schreiben erhalten. um es erst nach eigenen Aufzeichnungen - am 24. Tezember zu beantworten. Er scheint lange geschwankt und alles vorerst genau geprüft zu haben. Tann aber ner seine Wahl auf die Tonaustadt: eine der glücklichsten Entscheidungen, sowohl für 'Wien, das den richtigen Mann für die seiner harrende große Ausgabe erhielt, aber auch nicht minder für die Judenheit Berlins, da nunmehr auf den unbesetzten Posten des Schuldirektors ..nach vielen Weigerungen" kein Geringerer trat als Leopold Z il uz.