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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-08-19 · Heft 17 (19.8.1921) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 17 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 202 (sequence 12)
Language
German
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interessante Variante, vor allem manchen Anklang an den Palästinischen Ritus bieten (IX 259 ff.). In demselben Heft gibt A. Marx (New Jork) ein Verzeichnis von 91 ihm bekannten- Dichtungenüber die 13 Glaubensartikel des Maimonides; sieben bisher -ungedruckte werben zum ersten Male veröffentlicht (IX 305 ff.). Wir können, der Anordnung der Zeitschrift folgend, einen Aufsatz von Israel Efros (Baltimore) über Zeit und Heimat des Menorat Ma-Maor verzeichnen (IX 337 ff.). Der Verfasser ist im Rechte, wenn er auf Grund einer Quellenanalyse die Abfassung nicht vor 1400 ansetzen will, hingegen kann die Verlegung des Werkes nach Frankreich durchaus nicht als bewiesen gelten. — Tie Religionsphilosophie ist wiederum mit zwei beachtenswerten Arbeiten, vertreten. Eine ausführliche über die Philosophie des Don Chasdai Crescas (VIII 305 ff., 455 ff., IX 181 ff., X 25 ff., 291 ff.) beschäftigt sich mit den zwei Problemen der Kritik des Aristoteles' und Maimonides sowie der Verwandtschaft mit den lehren Spinozas. Dem Verfasser dieser sonst sehr gründlichen Abhandlung, ist infolge des Krieges die Behandlung desselben Gegenstandes ourch Julius GUtrmann (Festschrift für Jakob Guttmann, S. 28 ff.) unbetannt geblieben. H. A. Wolfson gibt eine kurze Bemerkung über Erescas Zeiwegriss in I i ff. — In das -Gebiet der Gemeindegefchlchte führt E. Duschmsky (London) mit einem ausführlichen Aufsatz über die Rabbiner der dortigen großen Synagoge. Auf Grund von Manuskripten ergänzt er manchen Zug im Lebmsvild Hirschel Lerorns (IX 104 ff., 3/1 ff.), des spateren Berliner Rabbiners und Zeitgenossen Mojes Mendelssohns, seines Nachfolgers ' ^avid ^eve^e Schiff aus Frankfurt, gestoroen i/.91 (X 45 5 ff.) sowie ' dessen Nachfolgers Salomon Hirschel, gestorben 1842 (X. 484 ff.), i Beide hatten starte Verbinoung mir Deutfchlano, letzterer war ui*= besondere m die damals beginnenden Reformtarnpfe, oerwrckelt. Die! ^elbstbiographie eines UnbetannLen, der sehr viele Beziehungen in * Boymen und Mähren harre, aus ieiner Jugendzeit (lboo—it>8o) veröffentlicht A. Marx im hebräischen Original mit englischer neberfetzung (Vlii 209 ff.). Sv wenig inneren Wert diese Auszeichnungen auch haoen, so sind sie bei dem ^cangel an persönlichen ^cachrichten in der indischen Literatur dennoch beachtenswert. Zu erwähnen ist noch Bldiidheims (Baltimore) Verzeichnis oer vorhandenen Mnnuscripre zu Raschrs Talmudtommenrar (Viil 55 ff.), etn rurzer Aussatz von ^arry Irieoenwalo (oafetbsr) üoer die Bedeutung der heoraischeu Sprache für das Studiuni mittelalterlicher Ntedlzin (X 19 ff.) und ent Aufsatz von H. Hrrschfelid über die Bedeutung des Pumres. in oer semlvischen Paläographie (X 159 ff.). Aus oen sehr umfangreichen Bucherbtesprechuugen erfahren wir mancherlei über die wahrend des Krieges in Gngland und Amerika erschienene Literatur. I. G l v o g e n. — Karl G o l d m a n n: N u m a. Rllunan. Verlag von Egon Flerschel u. Go., Berlin vv. Preis 20 Vcarr. Wer sich durch den Titel „Numa" verleiteir lies; zu glauben, dieses Buch sei eine Hiswrie aus grauer Vorzeit, mag oei oer Leriure angenchm überrascht werden, wer aber eine solche tziftorre ioirtlich sucht, lvird durch den eigenartig schönen ^ckoff des Romans I nicht weniger gefesselt werden. Die „graue Vorzelt" ist allerdings durch unsere eigene nah vergangene Ieit, aber geschaut von serner und hoher Warre, vvn derselben llwa, aus der wir auf das Zeitalter des 30 stihrigen Krieges blicken. „Numa" ist also nicht Pomp i-l ins, ist auch keine Frau, ist überhaupt kein Mensch. Numa ist der „Ntensch im Tier", ist eine Hündin, die, an das Hundeleben eines Menschen gebunden, nicht weniger ein Menschenleben führt als dieser. Numa, die Hündin, und der Soldat, den sie sich selbst als „Herrn" erwählt hat, werden aus fernen Straßen zusämmengesührt und halten zueinander, wie „eines Loses Borbestimmte ewiglich". Das Buch spielt 1915 während des deutschen „Landstnechtszugs durch Serbien". Der Soldat und die Hündin geraten miteinander in die große Schicksalsmühle, in deren Mahlgang Tausende Zerrieben wurden. Dieser Simplizius aber, zu dem die Hündin sich treulich gesellt, dringt in dem allgemeinen Untergang durch ihre Tierseele hindurch zu einer seltenen Wandlung vor. In höchster Lebensnot und Verzweiflung tötet ec das Tier, damit sein Sterben ihm das Leben rette: d-eun lvas ist auch ein Tier gegen einen Menschen? — Aber dieses Tier war in seinem Wesen nicht weniger vom Anfang der Schöpfung gekommen als er, der Mensch. Und es ist diese im Angesicht des Todes gewonnene Erkenntnis, die die einfältige Seele des Soldaten aus ihren menschlich-selbstischen Grundlagen löst. Sein Lebensgesühl, einst in den gewöhnlichsten Bedürfnissen, gebunden und .erstarrt, umsängt den Kosmos. Sein Geist, von der Schwelle des Todes kommend, sieht alle Himmel offen und sättigt sich mit dem Geiste ewiger Güte, der Mensch und Tier nach einem Willen erschuf. Um diesen fast „transzendentalen Kern", diese Seelenwanderung zwischen Mensch und Tier, spielt eine Handlung von ganz ungewöhnlicher Spannung, und wiederum fällt von ihm aus aus die menschlichen Geschehnisse dieser Handlung und Wandlung ein Licht, das in alle Tiefen dringt. Dieses Buch von Karl Goldmann ist von ganz bewußter Eigenart und wirbt für sich und den Dichter, wi> nicht leicht ein anderes Buch unserer Tage. *** ■* — K a r G Ka u t sk y: R a s s e und Judentum. Verlag I. H. W. Dich, Stuttgart. Preis 8 Mark. Ein Krankheitszeichen unserer Zeit neben vielen anderen ist die in letzter Zeit ungeheuer angeschwvllene Literatur über Rassefragen! Nicht mehr der Mensch als solcher wird gewertet, sondern von entscheidender Bedeutung -ist es, erst einmal seine Nassenzugehörigleit festzustellen. Hier setzt Kautsty ein. Er will den Proletariern aller Lander zeigen, „daß die kriegerischen Gegensätze der Staaten auf keinem unwiderstehlichen Faktor beruhen, weder aus dem natürlichen der Rasse, noch auf den ökonomischen der wachsenden Imperien." Weniger kann das befriedigen, was Kautsky über die Zukunft des Judentums zu sagen weiß; er hält den Zionismus für eine undurchführbare Utopie, eine Ansicht, die wir durchaus nicht zu teilen vermögen. Er glaubt, daß das Judentum in Zukunft völlig verschwinden wird, und versteigt sich sogar zu dem Satze: „Wir sind nicht völlig aus dem Mittelalter heraus, solange das Judentum noch unter uns existiert. Je eher es verschwindet, desto besser für die Gesellschaft und die Juden selbst!" Ueber solch eine Behauptung läßt sich ernsthaft natürlich nicht diskutieren, es läßt sich ihr nur der Glaube an die Unvergänglichkelt des Judentums und an die große Ausgabe, die cs noch in der Welt zu leisten hat, entgegenstellen. B r e s l a u, Dr. Willy Cohn. # Sch n ecken n n d M u s ch e l n. Von Dr. Kurt F l o e r i ck e. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, ^ranckhsche Verla gsbuchhandtung, Stuttgart. Dr. Kurt Floericke, der beredte Schilder er der belebten Natur, führt in diesem mit vielen 'Abbildungen geschmückten Buche in unterhaltender, oft mit Humor durchtrüntter, gemeinverständlicher Darstellung die bunte Schar der Weichtiere am Leser vorüber. Es jrndet sich vieles darin, was denkenden Menschen erfreuen und belehren kann, und mir erinnern in unserer an der „Vatutanot" tränten Zeit nur an die interessante Darstellung über die Kaurischnecke, die in gewissen Gegenden Westafritas das geprägte Kleingeld ersetzen muß, oder über die toswaren' Perlen und ihre Entstehung. Der bewährte Verlag hat mit diesem Buche den bisher erschienenen Kosmos-Bündchen ein neues, gehaltvolles hinzugefügt, das allen Naturfreunden einen wirklichen Genuß bieten wird. Sanitätsrat Dr. S che rbel (Lisfa i. P.). , — F u ch s - R o v e t r n. Ein soziales Programm für Palästina. LLelt-Berlag, Berlin, 1920. „Zwn wrro durch Gerechtigkeit erlöst und feine Bewohner durch Dugeuo.' dieses prophetische Wort (Ies. 1, 27) ist das Neollv ooenbeuamiter Schrift, und man muß sagen, baß die Ideen, die hier für den Ausbau des Heiligen Landes vorgetragen werden, sehr schön zurrt Lesen smo uuv auch vom biblrsch-soz raten Geist getragen, -aber zunächst Loch Utopien, wie eben alles (!), was die Zionisten sich in der .„rechtlich gesicherten Heimstätte ' erträumen. Ja, roenn das Land nur ein füdisches wäre, und wenn alle, die dort wohnen wollen und ihre Heimat darin erschauen wollten, wirkliche Juden im Sinne unserer Thora wären, dann dürsten solche Fragen angeschnitten werden und wären der Diskussion, würdig. Aber — zunächst diktiert Herbert Samue'l nn Aufträge der euguschen Regierung und dann werben die rnchtjüdischen Mitbewohner Palästinas, dre mehr Recht als mancher zngewanderke Jude dort haben und sich anmaßenwerden, auch in ihrer Arr mitsprechen und mitcegieren wollen. Politisch ist das Büchlern sehr interessant und dem, der sich für staatspolitische Ideen interessiert, zur Lektüre sehr zu empfehlen. Straßburger (Ulm).

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