Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 17 (19.8.1921)
- Date
- 1921-08-19
- Page
- Seite 201 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Liebe regt die Herzensflügel, Hoffnung unbesieglich drängt; Denn sie weiß, wer droben gütig Unsres alten Leids gedenkt. Hört denn, Brüder, ihr verbannten. Was Prophetenwort verheißt: Mit dem letzten Juden stirbt erst Unsrer Hoffnung ewiger Geist! Literarische Mitteilungen. The Jewish Quarterly Review. New Series, ed. by Cyrus Adler, T. VIII—X. Philadelphia, Dropsie College, 1917—1920. Bereits in den zuletzt (84. Jahrgang, S. 430 ff.) angLkün'digten Bänden beginnen, aber erst jetzt schließen sehr beachtenswerte „Studien zu den Samuelbüchern", die M. H. Segal, jetzt in Oxford, zum Verfasser haben. Den Anfang bilden Untersuchungen zu den drei Liedern Davids (2. Sam. 1, 13—17, 22, 23,1—23,7), die auf Grund des nach Ausscheidung einiger Interpolationen strophisch hergestellten Textes erMrt werden (V 201 ff.), den Schluß Einzelbemerkungen Zum Texte und zur Chronologie im Leben Davids (X 203 fs.). Das Hauptstück ist einer eingehenden Untersuchung der Komposition der Bücher gewidmet (VI 267 ff., 555 ff., VIII 75 ff.). Im Gegensatz zu der seit Wellhaufen vertretenen Ouellenhypothese vertritt Segal eine Anschauung, die er A u t o r Hypothese nennt, d. h. daß der Verfasser altes, bereits vollständig ausgearbeitetes Material vorgesunden und wörtlich in seine Darstellung übernommen hat. Dem Verfasser des Buches kam es nicht so daraus an, eine Geschichte seiner Zeit zu schreiben, als vielmehr eine lebendige Anschauung vom Leben seiner Helden Samuel und David zu geben. Schon die LXX hatten einen durch Glossen erweiterten Text; dem masoretischen Text wurden weitere Zusätze hinzugesügt, die zum Teil auf alte Quellen zurückgehen. Ueber die danach anzunehmende Komposition des Buches gibt eine zusammenfassende Uebersicht (IX 65 ss.) Ausschluß^). Jakob Hoshander in Philadelphia erläutert „das Buch Esther in historischer Beleuchtung" (IX .1 sf., X 81). Er betrachtet das zugrunde liegende Ereignis als unter Ärtaxerxes II. (404/3—359/8) tatsächlich vorgesallen und kurz erzählt, aber rasch vergessen; Bedeutung erhielt jener „Sturm im Wasserglase" erst in der Zeit der syrischen Bedrückung, als man durch die Erzählung jener Abwehr das Solidaritätsbewußtsein der Juden festigen wollte. Damals wurde das Buch stark interpoliert, nachdem es bereits vorher ins Griechische übersetzt war. Die Abhandlung ist, da in der Neuen Welt genau wie in der Alten die jüdischen Zeitschriften leider zu wenig Raum für biblische Forschungen zur Verfügung stellen, noch nicht abgeschlossen. Es läßt sich daher nicht sagen, ob'der Verfasser seine These zu beweisen vermag. Julian Morgenstern (Cincinnati) untersucht die Entstehung der in Mischna Ta'anit Ende geschilderten Reigentänze der jüdischen Miiidchen in den Weinbergen am 15. Ab und 10. Tischri (VIII 31 ss.) und erklärt sie als alte Natur- oder Vegetationsseste. Danach begannen in alter Zeit die sämtlich mit einer Trauer, gingen dann in eine siebentägige Wallfahrt und schließlich in ein Freudenfest über. Der 10. Tischri, der vorexilische Neujahrstag, wäre der Schlußtag des alten rpDKH HN, das am 3. Tischri begann und lange als Fasttag begangen wurde, bevor der Tag mit Gedalja b. Actriqam in Verbindung gebracht wurde. Ebenso wäre der 9. Ab lange ein Fasttag gewesen, bevor die Tempelzerstörung aus ihn verlegt wurde. Ganz so wie Pesach mit dem Fasten der Erstgeborenen beginnt und nach 2. Mose 13,6 mit einem jjn am siebenten Tage schließt. Die Feste wären von den alten Kananitern übernommen, die sie als Adonis-Feste gefeiert hätten. Die kurze Inhaltsangabe zeigt, wieviel Hypothetisches der anregende Aussatz enthält. Von demselben Verfasser wirb nachgewiesen, daß die Schlachten bei Kedesch Nastäli und bei Taanak in Richter 4 und 5, die von den Kritikern für identisch erklärt werben, zu trennen x) Nachträglich erfahre ich, daß Segals „Studien" in Zusammenhang mit einem hebräischen Kommentar zum Sammelbuche stehen, den er für die unter der Redaktion Abr. Kahanas herausgegebene Bibel (Kiew 1919) veröffentlicht hat. sind und nacheinander stattgefunden haben (IX 350 sf.). Die Identifikation von rWlpÖ 2. Könige 4,39 mit der Koloquinte und die Nichtigkeit der dortigen Erzählung weist David S. Macht auf Grund naturwissenschastlicher Experimente nach (X 185 sf.). In einer sehr sorgfältigen Studie stellt R. H. Melamed (New Jork) fest, daß sechs von ihm verglichene yemenitische Handschriften des Targum zum Hohenliede eine ganz andere Textgestalt ausweisen wie die Ausgaben, deren bisher beste die P. de Lagardes ist (X 377 ff.). Sehr interessant ist ein kurzes, von A. Marmorstein (London) entdecktes Fragment der Visionen Ezechiels, im Manuskript als P3.1 "112 P nrifen bezeichnet, das vom Herausgeber den Mystikern der gaonäischen Zeit zugeschrieben wird, aber auch älter sein kann (VIII 367 ss.). Den Ue'bergang von der Bibel zur talmudischen Literatur mag eine Abhandlung I. Z. Lauterbachs in Cincinnati bilden, der Nachweisen will, daß „die drei in der Azara gesundeilen Bücher" (Sisre Deut. § 356) genealogische Listen enthielten, und zwar solche der Templer, d. h. Priester und Leviten, der Aristokraten und der #71 ----- oder •» D*HJn d. i. der gottessürchtigen Proselyten (VIII 385 ss.). Man braucht diese neue Erklärung nur hinzuschreiben, unr sie sofort abzulehnen. Eine gleiche Freude an verblüffenden neuen Erklärungen hat S. Zeitlin (New Jork). In seinen „Takkonot Ezra" (VIII 61 sf.) sucht er nachzuweisen, daß die zehn Verordnungen nicht alle aus einer Zeit, zum großen Teil sogar erst aus der Zeit der Schulen Schammais und Hillels stammen. Restlos überzeugend sind die Ausführungen nicht. Im Band X 261 ss. ist auch bereits Widerspruch dagegen erhoben. Mit außerordentlicher Gelehrsamkeit ist fein Werk „Megillat Ta'anit als Quelle für jüdische Chronologie und Geschichte in der hellenistischen und römischen Zeit" ausgerüstet (IX 71 sf., X 44 ff., 237 ff.). Von den vorgebrachten neuen Erklärungen — weitaus die meisten Gedenktage werden in die römische Zeit, besonders in die Anfänge des großen Ausstandes 65/66, verlegt — erscheinen nicht alle einleuchtend; aus die Herstellung des Textes ist leider nicht genug Sorgfalt gelegt. Von Einzelerklärungen zur Mischna ist die Abhandlung des Chies-Rabbi Dr. I. H. Hertz zu Abot VI 3 zu erwähnen (X 199 ss.). Frühzeitige Kritik karäischer Gelehrter an der Mischna weist H. Hirschseld (London) nach (VIII 157 fs.). Von großer Bedeutung ist eine Reihe von Aufsätzen Jakob Manns in London über „Die gaonäischen Responsen als Geschichtsquellen" (VII 457 fs., VIII 339 ff,, IX 139 fs., X 121 sf., 309 st.). Nicht so sehr wegen der Behandlung des Themas selbst (X 121 ff.), als wegen der voraufgehenden Uebersicht über die Einflußsphäre der Geonim, die nach Handschriften zahlreiche neue Nachrichten über die Beziehungen der Diaspora, besonders Aegyptens, zu Babylonien bietet. Hier ist ein Gelehrter am Werke, der an der Quelle des Genizamaterials sitzt, den richtigen Blick für das Wertvolle besitzt und es ausgezeichnet zu verarbeiten versteht. Von seinem Buche über die Juden in Aegypten unter den Fatimiden, dessen erster Band soeben erschienen 'ist, darf man weitere sehr wertvolle Aufschlüsse erwarten. Beachtung verdienen auch desselben Verfassers Bemerkungen über den Palästinischen Gaon Salomon b. Jehuda und seine Zeitgenossen (IX 409 ss.) als Ergänzung zu einem gleichnamigen Aussatz Marmorsteins (VIII 1 ff.). Aus einem sehr schlechten Manuskript der Geniza veröfsentlicht I. Davidson (New Jork) eine Komposition zu/n^ Pd ITnSDUtf ni3,!",D707m 425 sf.) von einem sonst unbekannten Dichter S"D 1?rn *7t2D ’DTa Die Poesie ist vor ollem . darum sehr interessant, weil der Künstler im Ausbau und im Stil aus eine fortgeschrittene Zeit himoeist, anderseits' ihre Gedankeufolge, ihre Eulogie und die Art der Verwendung von Bibelversen auf ein sehr hohes Alter oder auf eine von der Entwicklung, der Liturgie wenig beeinflußte Gegend schließen lassen. Hier steht die Forschung noch vor einem ungelösten Rätsel. Text und Erklärung sind so, wie man sie von Davidsohn erwarten kann. Bon Poesien ist sonst nur noch eine Elegie aus den Tod des späten babylonischen Gaon Daniel b. Abi al-Rabi veröffentlicht; der Text «ist auf die Rückseite einer Heiratsurkunde aus dem Jahre 1063 geschrieben und von B. Halper (New Dort) mit einigen Anmerkungen wiedergegeben (X 411 st.). Erwähnung, verdienen auch die Fragmente eines aus Aegypten stammenden Gebetbuches, die Romain Butin von der katholischen Universität in New Dort veröffentlicht. Es sind Stücke aus dem täglichen Morgengebet und der Jom-Kippur-Liturgie, die manche