Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 17 (19.8.1921)
- Date
- 1921-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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35'3‘ihw Nr i7 Der Demetndkbote. Berlln' ,5-Hu9uft ”2' Betlage zur „Allsemetnen Leitung bt$ Judentums" Korrespondenzen und Agchrichten. Deutschland. E. M. Berlin, 16. August. Die Tr-auerfeier für den Rabbiner Tr. Samlson H o ch f e l d fand Sonntag, an: Fasttage des neunten Ab, in 'der Synagoge Lützowstriaße statt. Das Gotteshaus trug würdigen Trauerschmuck. Eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern hatte sich Zu dieser letzten Ehre, welche die Jüdische Gemeinde ihrem verstorbenen Lehrer erwies, eingesunden. Der V o r st a n d und die R e - präsentan tenvers ammlung der Gemeinde, Vertreter der Hochschule für die Wissens ch a f t d e s I u d e n t u ms, des R a b b i n e r v e r b a n d e s, der L o g e n U. O. B. B. und anderer Körperschaften, denen der Verstorbene nahestand, nahmen die ersten Reihen des überfüllten Gotteshauses ein. Der Synagogenchor leitete die Feier mit dem Gesang „Ennosch Kechozir jomow" ein. Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l hielt die G e d ä ch t ni s r e d e, in der er, anknüpfend an ein Prophetenwort, den Verstorbenen, mit dein ihn seit der Studienzeit treue Freundschaft verband, eingehend würdigte. Er Zeigte, was der Entschlafene seiner Gemeinde als Seelsorger, als Lehrer der Jugend und als Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft! des Judentums war, die erschüttert an der Bahre des Frühentschlafenen trauert. Nach der Gedächtnisrede trug Oberkantor Davidsohn Lewandowskis „Weinet nicht" in bekannter Meisterschaft vor. Der Trauerseier schloß sich die Beisetzung auf dem Friedhof in Weißenfee an, an der eine tausendköpfige Menge teilnahm. Nach den üblichen Gebeten sang Oberkantor Davidsohn das „El - mole-rachamim-Gebet", dann wurde der Sarg in der Ehrenreihe des Friedhofs beigesetzt. &&& Berlin, 16. August. Zu dem so jäh erfolgten Heimgänge des Rabbiners Dr. Samson H ochse ld wird uns von befreundeter Seite geschrieben: Schon die Tahara inihrer edlen und vornehmen Art, wie sie durch die Chewra Kadischa Groß - Berlin in vorbildlicher Weise ansgeübt wird, bildete eine ehrende und' imposante Kundgebung für die Wertschätzung des teuren Verewigten. An derselben nahmen auch Rabbiner Dr. £iuis als Leiter der Chewra Kadischa sowie Rabbiner. Dr. Bleichrode und Rabbiner Dr. Emil Levy aktiven Anteil. Von der FrauemChewra stand F r a u Rabbiner Dr. Eschelbacher den gebeugten Familienangehörigen tröstend ^ur Seite. Nach den üblichen Trauergebeten, die, dem Berliner Ritus entsprechend, nach der Tahara gesprochen werden, hielt Rabbiner Tr. Link eine tiefempfundene kurze Ansprache, in der er. ungefähr folgendes ausführte: „Beredter, als gesprochene Worte vermögen, kennzeichnet der tiesschmerziliche Eindruck, den die Trauerbotschaft, Dr. Hochfeld sei tot, in den weitesten Kreisen auslöste, die hohe Bedeutung! und den Wert dieses trefflichen Mannes, der durch mannigfache Gaben des Geistes reichgesegnet von Gott und hochgeachtet unter den Menschen war. Der nahe Trauertag um die Einäscherung des Heiligtums auf Zion sendet feine düsteren Schatten voraus indas liebliche und traute Familienzelt, dasso plötzlich seinen' Priester verloren und uunmehr verödet ist. Die schwer-gebeugten Hinterbliebenen klagen mit dem Propheten Jeremias: „Der Tod ist beiuns durchs Fenster eingezogen." Nicht wie einer, der seine Vorboten, Krankheit und Siechtum, voraussendet, an der Türe klopfend, auf den Einzug, vorbereitet, sondern plötzlich, unerwartet, wie ein ungebetener Eindringling durchs' Fenster steigt und ein teures Opfer fordert. Und doch liege etwas Tröstendes in dem Bewußtsein, daß er nicht wie ein welkes, verdorrtes Blatt vom. Leibensbauw siel — sondern von der Sonnenhöhe des Lebens und kraftvollen Schaffens in das sonnige Land der Gwi-gkeit einzi-eht." Mit Worten des Trostes an die gebeugte Gattin und deren Söhne schloß Dr. Link seine Rede-. Berlin, 16. August. Im Hauptausschnß des Preußifchien. Landtages sollte nach Angabe zahlreicher, insbesondere rechtsstehender, Zeitungen der Herr preußische Minister des Innern Dominicus von einer Einwanderung von mehreren hunderttausend Ostjuden nach Deutschland gesprochen haben. Auf eine Anfrage des Arbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands bei dem Herrn > Minister hat dieser dem-Arbeiterfürsorgeamt mitgeteilt, daß er keineswegs Von einer Einwanderung von mehreren hunderttausend Ostjuden gesprochen habe, sondern von mehreren hunderttausend Fremdstämmigen. Die Zähl der in den Jahren 1914 bis 1921 nach Deutschland eingewanderten Ostjuden beträgt, wie aus den „Mitteilungen des Arbeiterfürsorgemntes" bekannt ist, im ganzen etwa 100 000, von denen über 40 Prozent inzwischen entweder in die eigentlichen Auswanderungsländer abgewandert oder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. 2XD Berlin, 16. August. Jüdischen Lehrern, -die ein über die Bedürfnisse -des Elementarunterrichts hin-ausgehendes Wissen auf -dem Gebiete der Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung dengewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, diealljährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: Methodik., 'biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Revigions-- lehre, Religionsphilosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: An den Schul- und Talmud- Torah - Vorstand der jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird aüs Ersuchen Abdruck des Prüfung-sreglements verabfolgt. Berlin, 16. August. Die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M. unterbreitete der Z e n t r a l w oh l fa h rtsstelle -d er De u tf ch e n Juden, Berlin, vor kurzem folgende Anregung: Infolge der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse sind ein großer Teil des Mittelstandes, insbesondere jüdische Kultusbeamte«'Lehrer, Kantoren, nicht mehr in der Lage, in Krankheitsfällen irgendein Bad oder einen Kurort aufznsuchen, da die Preise für Wohnung und Verpflegung für diese Kreise in keinem Verhältniszu ihrem Einkommen stehen. Es sollte nun versucht werden, mit den bereits bestellenden Kuranstalten in den Bädern zu vereinbaren, einen Mittagstisch zum Selbstkostenvreise einzurichten. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Judensetzte sich mit dem Verein z u r Fö rder u n g ritu e ller Speisehäuser i n H a m b u r g in Verbindung, der eine Umfrage bei den ihm anaieschlossenen Speisehäusern veranstaltete. Das Ergebnis war ein günstiges. Es haben sich bis jetzt Hotels und Speisehäuser in nachstehenden Kurorten bereit erklärt, jüdischen Kultusbeamten zum Selbstkosten- bzw. zu einein ermäßigten Preise Verpflegung zu gewähren: Baden-Baden, Bad Brückenau. Bad Kreuznach, Bad Mergentheim, Bad Nauheim, Bad Nenndorf. Bad Orb, Bad Reichenhall, Segeberg. Bad Tölz, Wiesbaden, Wildbad, Bad Wildungen. Wegen weiterer Mitteilungen wolle mau sich an den Verein zur Förderung ritueller Speise- Häuser E. V.. Hamburg, K ö n i g st r a ß e 21—23, wenden. &&& Berlin, 16. August, lieber die Arbeit für das Bibliothekswesen in Palästina erhalten wir von der Hauptfammelstelle (Prof. Tr. Heinrich Loewe, Berlin NW-52, Flermninastraße 12) folgende Mitteilungen: Währenddos Hochsouwwrs ist di>e Sanun-oltätigkeit für die Bibliotheken des neuerstehenden jüdischen Palästina etwas langsamer geworden'. Jnnnerhin haben wir eine Anzahl von erfreulichen Erfolgen zu verzeichnen. Von verschiedenen Seiten wurden -uns Bücher zuge'sandt, die zum Teil sehr wertvoll sind. Unter den Spendern waren: Rechtsanwalt Dr. Albert B-aer, Berlin: Dr. Paul Borch-ardt vom Institut bibli-ogriaphigue international in Brüssel: Dr. Max Brod, Prag: Prof. Dr. Rudolf Coch n, Königsberg i. Pr. (weitere 200 Königsberger Dissertationen zu der großen-, von 'ihm gestifteten Sammlung): Wlaisenhausdirektor Dr. Siegmund Feist, Berlin; Georg H e p n e r, Berlin; Ascher L e v h , Polzin (auf Veranlassung' von Siegfried Levy, Stettin): Dr. Erich Marx, Charlottenburg; Dr. Po w i tz e " , Berlin; das R abb-i:ne r - S -e m i na r zu Berlin': Arth'nr S -a ck, Berlin; Herrrvamr S t r -u. ck , Berlin'; Stad,t - bibliothek zu Königsbergi. Pr.; Dozenlt Dr. I. Wohlgemuth, Berlin. Fräulein Rosa Fi der er hat die Bibliothek testanientarisch bedacht und» bestinmrt, daß vor allem a-lle ihre Bücher d-er Bibliothek zusallen sollen. An eirm^ali^gen' Geldbeiträgen für die