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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-07-22 · Heft 15 (22.7.1921) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 15 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 174 (sequence 8)
Language
German
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174 Elkan Adler, die beiden Söhne des Londoner Oberrabbiners Nathan Adler s. A. Mr verbrachten herrliche Stunden zusanurrsn, besonders interessant durch die Erzählungen des weitgereisten Elkan Adler. Das Augenlicht Epsteins nahm immer mehr ab, ein großes Unglück sür einen forschenden Gelehrten; auch sonst ließ sein körperliches Befinden zu wünschen übrig. Die Nachrichten von Wien kamen immer seltener, von anderer Hand geschrieben. Es hat ihm sicher große Frm.de bereitet, daß die Teilnehmer an dem Ausflug des Vereins zur Förderung der Wissenschaft des Judentums von Frankfurt hierher sich seiner durch einen gesandten Gruß erinnerten, aber der sonst so Heitere war ein stiller Mann geworden. Was Epstein für die Wissenschaft des Judentums während seines langen Lebens geleistet hat, wird in Gelehrtenkreisen unvergessen bleiben. Er hat die talmudischen Worte wahr gemacht: 'pbxn ’nsXöl Tirjr "löÜtfT Uus der Mappe eines Literaturoereins. Erinnerungen und Auszeichnungen. (Schluß.) Von Leon Schein h a u s (Memel). ir kehren zu den Lebenden und Wirkenden zurück, zuvörderst zu dem unmittelbaren Amtsnachfolger Nülfs, Rabbiner Dr. E m a n u e l Carlebach (1898 bis 1904 in Memel, seither Rabbiner und Seminardirektor in Köln). Seine gewinnende Persönlichkeit nebst der seiner Gattin erhoben den Verein in den sechs Jahren seiner Leitung zur ersprießlichen Wirksamket, Zu einer hohen Warte jüdischen Geisteslebens. Wenn auch naturgemäß nach seinem Fortzuge der Literaturverein sich weiter entwickelt hat, die Mitgliederzahl wuchs, die Paradevorträge in der Vorkriegszeit weit größere BesuchsZisfern als früher auswiesen und über die jüdischen Kreise hinaus nachhaltig wirkten, waren doch die Vorträge in der Aera Carlebach mehr intimer Art und gesellschaftlicher Natur, auch das Verein sieben war äußerst rege und anregend. Dr. Emanuel Carlebach hielt selbst folgende Vorträge: (1900): „Rabbi Akiba Eger", (1901): „Festrede zum 70. Geburtstage Dr. Rülfs (Bonn)", (1902): „Der Talmud", (1903): „Ueber Bibel -und Babel", (1904): „Eine Rivalin Jerusalems", (1900): „Die Sklaverei im jüdischen Altertum." Und gelegentlich seines Festbesuches (3. bis 7. Mai 1912) zum sechsten Talmudabschluß in Memel hat er damals auch im Literaturverein seinen Vortrag „Das Achtzehngebet" gehalten. Bei der Berufung von auswärtigen Rednern hat der Verein nicht immer neue Männer, deren rhetorische Gabe ungewiß ist, vorgezogen, sondern ein und dieselben Gäste wieder berufen, wenn sie sich sehr bewährt und ihre Beredtsamkeit allseitigen Beifall gefunden hatte. Ein besonders rühmenswerter Beweis in dieser Hinsicht ist der gegenwärtige Bezirksrabbiner Tr. Max Beer mann (Heilbronn). Während seiner vorherigen rabbinischen Tätigkeit in Insterburg ist in dem Memeler Verein seinen Vorträgen in Form und Inhalt so viel Beachtung gezollt worden, daß er jedes Jahr gern zum Vortragsbesuch ein geladen wurde. Seine hier gehaltenen 15 Vorträge sind: (1899): „Israels Erlösungshoffnung, ein keligionsgeschichtliches Problem", (1900): „Nachmanides", (1901): „Propaganda des Judentums in der griechisch-römischen Kulturwelt", (1902): „Deutsches Ghettoleben im 13. Jahrhundert", (1903): „Tolstoi ein Essäer", (1904): „Die Hexodierzeit im Spiegel moderner Dichtung", (1905): „Jüdisches Vereinsleben einst und jetzt", (1906): „Jüdische Reminiszenzen bei einer Rheinreise", (1907): „Sinai und Paran", (1908): „Israel im Sprichworte der Völker", (1909): „Gottesglaube und Naturwissenschaft" (1910): „Werden und Wert des Talmuds", (1912): „Unser Kampf ums Recht, Jahrhundert der Judenemanzipation in Preußen", (1913): „Das Gleichnis in der jüdischen Literatur", (1914): „Werden und Wert der Synagoge." Rabbiner Dr. Ludwig A. N o s e n t h a l (Pr.-Stargard, je.tzt Berlin) war dereinst ebenfalls ein gern gesehener Gastredner. Seine lehrreichen Vorträge waren (1899): „Herder und die Bibel", (1900): „Tie drei Rätselbücher der Menschheit" (Kohelet, Hamlet und Faust), (1901): „Psalmen und Weltliteratur", (1904): „Geistesleben in der Gemeinde Alexandria", (1905): „Schiller und die Bibel", (1906): „Talmud und Tierschutz". Und nach vielen Jahren wiederum fein Vortrag am 23. Dezember 1920: „Jehuda Halevi, Herder und Kant." Seltsamerweise war gerade der Geistesheld Halevi in unserem Verein in einem besonderen Vortrag noch nicht behandelt worden. Gleich unseren besten Rednern besitzt Dr. Rosenthal das schöne Talent, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren und dadurch in einstündiger Rede nicht ermüdend zu wirken. In knapp einer Stunde hat er es verstanden, aus dem großen Inhalt, aus den Schöpfungen des herrlichsten Aionsdichters und denkenden Religions- Philosophen eine glänzende Auswahl zu treffen und zugleich überraschende Parallele mit einem toleranten Minnesänger sowohl mit Herder und Kant zu ziehen. Darin liegt die Kraft unserer guten lehrreichen Redner, ein reichhaltiges Thema in anschaulicher Kürze genügend Zu erschöpfen und äußerst fesselnd zu wirken. Die Rabbiner als die "berufensten Vortragenden im Bereich der jüdischen Geschichte und Literatur waren gerade durch ihre Amtstätigkeit im Religionsunterricht zumeist verhindert, Vortragsreisen zu unternehmen. Rabbiner Dr. Freudenthal (Danzig, jetzt Nürnberg) schreibt am 7. Oktober 1903: „Meine Reise nach Memel scheitert an der ungünstigen Reiseverbindung; ich mühte Zwei Nächte, was meine Gesundheit, oder drei Tage opfern, was Amt und Schule nicht gestatten. Es tut mir sehr leid, Ihrer wiederholten Aufforderung nicht Nachkommen zu können." — Rabbiner Dr. Vogel st ein (Königsberg, jetzt Breslau) schreibt gleichfalls am 26. Januar 1905: „Eine Reife nach Memel würde mich nötigen, an einem oder gar an zwei Nachmittagen den Unterricht auszusetzen. Da ich in diesem Winter an jedem Nachmittag zu unterrichten habe, kann ich zu meinem Bedauern Ihrem Wunsche nicht entsprechen." Aus diesem wohl wichtigen Grunde konnte Dr. Vogelstein nur zweimal in all den Jahren in Memel einen Vortragsbesuch abstatten; er sprach 1898: „Die Juden Italiens im klassischen Zeitalter Dantes" und 1903: „Gabriel Rießer". — Aus gleicher Behinderung Ist Rabbiner Dr. F. P e r l e s (Königsberg) bloß ein einziges Mal nach Memel gekommen: 1911 mit seinem Vortrag „Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum". Rabbiner Dr. Perles hat aber den Vereinen in Ostpreußen sein großes Interesse insofern erwiesen, bei der Berufung von Rednern mit Rat und Tat beigestanden zu haben; namentlich der Memeler Verein hat ihm in dieser Beziehung für seine jedesmalige Bereitwilligkeit viel zu danken. In den früheren Jahren war es ein anderer K ö n i g s b e r g e r Literaturfreund, Kauftnann Max Fein st ein, der in reger Korrespondenz mit Memel stand, uns in Vortragsangelegenheiten wohlweisliche Winke und Weisungen erteilte und anregende Meinungen austauschte. Von Berlin aus war es Schriftsteller Albert K a tz, auch in seiner Eigenschaft als Mitbegründer und als Sekretär des Verbandes der Literaturvereine Deutschlands, der von Anbeginn bis zur Stunde uns Rede und ' Antwort stand auf alle möglichen Erkundigungen des Literaturvereins. Er hat unmittelbar die Fortentwickelung unseres Vereins stets gefördert, auch eine Anzahl Bücher für die Bibliothek Angewiesen. Einmal nur hielt Albert K a tz (1912) seinen interessanten Vortrag „Der Chassidismus" hier in Memel. Unser Landsmann Syndikus Dr. Max Wittenberg (Hamburg, jetzt Berlin) hatte in seiner Vaterstadt vorgetragen: (1907) „Biblische Frauen". (1908) „Auswanderung" (mit Lichtbildern). 0910) „Die Juden in Amerika". (1912) „Die Juden in Argentinien". Einer der vornehmsten Vertreter bes Zionismus, auf intellektueller Basis stehend und kenntnisreich in der jüdischen Literatur und Geschichte, Universitätsbibliothekar Professor Dr. Heinrich L o e w e (Berlin), war vorzugsweise zu folgenden Vorträgen berufen: (1906) „Palästina, Land und Leute"; (1910) „Bilder aus der jüdischen Geschichte"; (1913) „Jüdischer Volkshumor". Die beiden erstgenannten schon an ftdf inhaltreichen Vorträge waren mit Lichtbildern. Höchst eindrucksvoll in Wort und Bild waren noch die L i ch t b i l d e r v o r t r ä g e : (1918) Professor Dr.-Jng. Alfred Grotte (Posen, jetzt Breslau), „Aelteste und alte synagogale Kunst in Deutschland und feinen Grenzgebieten"; (1913) Professor Dr. Julius Hülsen (Frankfurt a. M.) „Die Alt-Franksurter Judengasse als Bau- und Kulturdenkmal"; (1914) Militäroberpfarrer Dr. P o e r t n e r (Allenstein) „Palästina als Heimat des israelitischen Volkes". Geheimrat Blumen seid (Insterburg) schrieb am 9. Oktober 1908: „Der Dozent für Musikwissenschaft Dr. Leopold Hirschberg (Berlin) hatte bei uns einen gewaltigen Eindruck erzielt.

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