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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-07-22 · Heft 15 (22.7.1921) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 15 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 175 (sequence 9)
Language
German
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175 allgemein war das Urteil, daß sein Vortrag das Glänzendste war, was unser Verein geboten hat". Daraufhin folgte die Vortragsserie Dr. Hirschbergs in Memel: (1909—1911) „Die Bibel in der Musik, in drei Teilen"; (1912) „Biblische Heldengestalten in der Musik"; (1913) „Psalrnenkomposition-en klassischer Meister"; (1914) „Giacomo Meyerbeer"; (1921) „Des Balladenmeister Karl Loewes Tondichtungen biblischer Stoffe". Hirschberg, Rhetoriker, Sänger und Pianist in einer Person, hatte in gewohnter Meisterschaft durch Proben aus den herrlichsten musikalischen Werken die. Gestalten und Schöpfungen des weihevollen und begeisternden Bibelschatzes verherrlicht. Ein willkommenes Pendant zu den Vorträgen Leopold Hirschbergs war 1911 der Lichtbildervortrag von Dr. Ernst Cohn- Wiener (Berlin): „Die B i b e l in der klassischen Kunst Deutschlands und Italien." Den lyrischen und dramatischen Stimmungen und Effekten haben ferner in gleich hervorragender Weise Ausdruck verliehen: (1911) Konzertsänger Leo G oll anin (Berlin) „Das jüdische Volkslied", Liedervorträge. (1920) Hebräisch-jüdischer Konzertabend von drei Mitgliedern des" K ö n i g s b e r g e r Stadtt h e a t e r s. (1910 und 1911) Regisseur Fritz R i chard (Berlin): Ernste und heitere Rezitationen aus der jüdischen Literatur. Die Honorarfrage, so äußerst gering dieselbe in der schönen Vorkriegszeit gegen heute war, spielte schon damals eine wichtige Rolle. Doch muß anerkannt werden, daß die namhaften Redner sich sehr entgegenkommend in dieser Hinsicht zeigten. Schriftsteller-Julius Bab (Berlin) sprach 1912 über die „Juden in der neuen europäischen Dichtung", 1916 „Die Juden und die deutsche Gegenwart". Sein erster Vortragsbesuch war nicht ganz unfruchtbar, auch im literarischen Sinne, denn er zeitigte seinen Feuilletonartikel in der „Frankfurter Zeitung" vom 28. September 1913 „Von Memel bis Konstanz". Dieser Artikel bildete auch das Geleitwort zu einer Sammlung von Essays, die Bab 1916/17 ver- . öffentl'ichte. Der durch seine glänzende Rhetorik bekannte Professor Dr. Julius Go Idstein (Darmstadt) sprach (1912) über „Das deutsche .Geistesleben und die Inden"; (1913) „Zur Kritik des Rassenantisemi-tismus"; (1921) „Die Ehrfurcht". — Vor Beginn seiner ersten Vortragsreise schrieb Goldstein am 13. Oktober 1912: „Bei Berechnung der hieraus erwachsenen Kosten wäre es nur nur dann möglich, wenn Sie mir das Mindesthonorar von 600 Mark für fünf Abende (in fünf verschiedenen Städten) geben könnten. Ich stabe eine recht weite Anreise, aber wenn ich Gelegenheit habe, meine Glaubensbrüder im Osten kennenzulernen, sollen mich Reiseanstreng,ungen nicht abstalten." Dieses mäßige Honorar, welches noch einschllchlich Reisespesen ist, und für fünf Vereine zusammen, wurde damals merkwürdigerweise von einem großen Verein (nich.t in Ostpreußen) als exorbitant bezeichnet. Chefredakteur I. Landau (Berlin) sprach 1913: „Goethe und die Juden." Der bekannte frühere Hauptschristleiter des' „Berliner Börsen-Couriers" und Herausgeber der Halbmonatsschrift „Die Welt auf Reisen" schrieb damals: „Bei meinen Vortragsausflügen rechne ich nicht mit dem materiellen Ertrag. Ueberdies würde mich eine Fahrt durch den deutschen Osten, den ich Vielgew ander ter kaum kenne, recht interessieren." Der gegenwärtige Gemeinderabbiner Dr. Ludwiig Lazarus fyatte schon während 'seiner noch kurzen Amtstätigkeit zwei treffliche Themen vorgetragen: (1920) „Ahasver in der Weltliteratur." (1921) „Ein lachender Dichter des Judentums." (Immanuel Romi.) Wir registrieren ferner eine Anzahl Redner mit ihren Vorträgen, worunter manche Namen und Themen bedeutungsvoll waren: Abraham s o h n (später Rechtsanwalt in Sensburg): (1901) „Judenlieder." (1902) „Kinder des Ghetto." Lehrer I. Arndt, Mitbegründer des Vereins (später in Berlin): (1896) „Die Makkabäer", (1898) „Einfluß dels Judentums auf die Entstehung des Islams". Zahnarzt Curt Vlock (später Ratibor): (1905) „Der Zionismus und seine Gegner." Schriftsteller Dr. Ludwig C o h n (Berlin): (1906) „Spinoza." Schriftsteller Leo Erichsen (Breslau): (1903) „Der Orient, Juden und jüdische Kulturarbeit in Palästina." Sekretär Dr. M. F r i e d I ä n d e r lBerlin): (1904) „Zur Geschichte der Alliance Jsraelite Universelle." fl9°6) „Idee unb Werk der Alliance Jsraslite."' Rabbiner Dr.H a lp e r s o h n (früher in Briefen): (1912) „Arbeit und Arbeiter im Judentum." Rechtsanwalt Herrm Jacobfohn (Memel): (1902),, Das Buch Hiob und Goethes Faust." Kantor und Lehrer I. K ah n (Memey: (1905): „Hillel und Schammai." Universitätsprofessor Dr. Max Löhr (Königsberg): (1919) „Das Buch Koheleth." Rabbiner Dr. E. Munk (Königsberg, später Berl-in): (1899) „Aberglaube und Glaube." Rabbiner Dr. Niemir ower (Jassy): (1904) „Die Juden im Orient." Schriftsteller Dr. I. E. Poritzky (Berlin): (1905) „Die spanische Inquisition." Rabbiner Dr. I. Rösel (Tilsit): (1913) „Juda im Kampf mit Rom." Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn, jetzt Berlin): 1907) „Die Makkabäer in der Geschichte und auf der Bühne/ Schriftstellerin Dr. Samter (Berlin): (1903) „Jüdische Gestalten in der neueren Literatur." Fabius Schach (Berlin): (1908) „Ost und West." Rabbiner Dr. Silbe r ste in (Elbing, jetzt Schwerin): (1898) „Shylock und sein Urbild." Domänenpächter I. Simon (Libdenhof, jetzt Königsberg i. Pr.): (1897) „Die Urgeschichte der jüdischen Literatur." Bibliothekar Dr. Moritz Stern (Berlin): (1900) „Das erste Jahrtausend der deutschen Judenbeit." Davis Trietsch (Berlin): (1908) „Die neue Türkei und die Juden." Schriftsteller Dr. Ernst Tuch (Berlin): (1901) „Die Juden in der Landwirtschaft." Rabbiner Dr. Wiesel (Hohensalza): (1913) „Das moderne Palästina." Rabbiner Dr. Wohlgemutst (Königsberg, später Kitzingen): (1911) „Begriff und Umfang der jüdischen Nächstenliebe." Rabbiner Dr. Zlocisti (Insterburg, jetzt Mannheim): (1917) „Vom Krieg und Frieden in der Bibel." „Die Idee der Menschheit im jüdischen Schrifttum." Schreiber dieser Zeilen, Mitbegründer dieses Vereins: (1896) „Die Renaissance der neuhebräischen Sprache und Poesie." (1897) „Wert und Bedeutung der hebräischen Sprache." (1898) „M Mane, ein hebräischer Dichter- und Künstlerjüngling." „Zum jüdischen Synagogen- und Gemeindeleben im Mittelalter." (1899) „Aus der Kulturgeschichte der russischen Juden" (nach Dr. Harkavy). „Die alte Geschichte der russischen und polnischen Juden." (1901) „Zur Geschichte der russischen Juden im 19. Jahrhundert." (1902) „Gefamtorganisationen in der Diaspora." (Einblicke in die jüdische Geschichte.) Es ist bemerkenswert, nachzutragen, daß in den letzten Vorkrieg sfahren die Zahl der Vorträge auf acht bis neun im Winterhalbjahr sich belief, in den Kriegsjahren konnten wir nur einien Vortrag im Winter veranstalten, und in den gegenwärtigen Nachkriegszeiten beginnt die Möglichkeit, die Vorträge häufiger stattfinden zu lassen, so daß in diesem Winter wir schon bis fünf Vorträge hatten, obwohl die Reisen immer schwieriger und teurer wurden. Außer den bereits erwähnten Mitbegründern des Vereins vor 25 Jahren waren es noch folgende Herren: Moritz Altschul, S. Ch. Bernstein, M. Gutkin, Aron Hanemann, Sch. Kristianpoller, A. Landau, G. Willner, W. Nafthal und S. Rudeitzky. Der Verein führt von Anbeginn auch seinen hebräischen Titel JV*"D und die Vereinsbibliothek mit mehr als 600 Bänden enthält einen wesentlichen Teil Bücher in hebräischer Sprache. Das große Geschichtswerk von Graetz sowie die „Volkstümliche Geschichte der Juden" und andere Geschichtswerke von Güdemann, Isaak Halevy usw. hat der Verein in der ganz ersten Zeit sich angeschafft. Die hebräische Uebersetzung des Geschichtswerkes von Graetz durch S. P. Rabinowitz in acht Bänden hat der Literaturverein im Jahre 1902 von der Alliance Jsraolite in Paris als Geschenk erhalten. Es ist als eine besondere Auszeichnung für den hiesigen Literaturverein zu erblicken, daß das Zentralkomitee in Paris damals erkannte, welche Bedeutung der Verein in Memel besitzt: „Kultur und Bildung unter den Juden zu verbreiten und deren moralischen Fortschritt zu fördern." Lin Leluch in der Jüdischen Heilstätte itania zu Daoos. „Ter körperliche Zustand hängt 'sehr viel von der Seele ab. Man suche sich vor allem zu erheitern und von alle» Seiteil zu beruhigen." W i l h e l m v. Humboldt. an Bteigt man den kleinen Hügel hinauf, wo isoliert schönster Stelle des Ortes die EtaNia steht, wird man von einer Schar heller, klarer Kinderstimmen empfangen, die, Sorge und Leid vergessend, hier neu aufleben und Kraft sammeln für jetzt und spätere Zeiten.

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