Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 14 (8.7.1921)
- Date
- 1921-07-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gliedern des „Lehrerhorts" können wir die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Frau und die Kinder des verstorbenen Dirigenten Herrn Abraham Levy, unseres ehemaligen Vorsitzenden, eine Stiftung mit einem Kapital von 10 000 Mark begründet haben, die den Namen „Abraham-Levy-Stistung" führt und dem „Lehrerhort" angegliedert ist. Auch aus den Zinsen dieser Stiftung soll ehemaligen Zöglingen der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Berlin eine Beihilfe zu Kurkosten und Badereisen gewährt werden. Den edlen Gebern sei auch an dieser Stelle herzlichft gedankt. Der „Lehrerhort" verfügt also jetzt über drei Stiftungen, die zusammen 44 000 Mark Kapital besitzen. Wir hoffen, daß auch andere Wohltäter des „Lehrerhorts" gedenken werden." er. Königsberg i. Pr., 1. Juli. Ein neues Ferienheim für jüdischeKinder hat die hiesige Kant - L 6 ge des Ordens Bne Brith geme>insam mit dem Schiwesternbund dieser Loge 'begründet. Schon seit einer Reihe von Jahren bestand in Neu- Häuser eine Ferienkolonie der Loge in gemieteten Räumen. Jetzt hat eine Anzahl von Logenmitgliedern und anderen Glaubensgenossen zum Teil bedeutende Stiftungen und Spenden zum Ankauf eines Ferienheims zur Verfügung gestellt. Es ist gelungen, in Neuhäufer ein vorzüglich gelegenes und geeignetes Grundstück zu finden. Zum Erwerb desselben wurde der Verein „Jüdisches Ferienheim Neuhäuser E. V." unter Leitung der Kant-Loge und ihres Schwesternbundies begründet. Das Heim wurde Anfang Juni eröffnet und wird ungefähr 25 bis 30 erholungsbedürftigen Kindern, außerhalb der Ferienzeit auch erholungsbedürftigen Frauen, gegen sehr mäßigen Preis, in besonderen Fällen auch unentgeltlich, einen Ferienaufenthalt bieten. Aufnahmegesuche sind schriftlich an Herrn Waisenhausdirektor P e r i tz, Königsberg i. Pr., Lindenstraße 7—10, zu richten. r. Waldenburg i. Schl., 1. Juli. Hier verschied am 24. v. M. der Kaufmann Julius Cohn nach schwerem Leiden. Die Waldenburger Gemeinoe verliert in ihm eines ihrer ältesten Mitglieder, ihr Vorstand einen der ersten und besten Förderer seiner Aufgaben. Reich an Edelsinn und Herzensgüte, war er stets bereit, den Interessen der Gesamtheit zu dienen und seine Kraft zu weihen. Auch der Vorstand der Chewra-Kadischa widmet dem hervorragenden Mitglied, in dem er einen stets hilfsbereiten Förderer seiner wohltätigen Bestrebungen betrauert, einen ehrenvollen Nachruf. Das Andenken des trefflichen Mannes wird in unserer Gemeinde in Ehren fortleben. g. Breslau, 1. Juli. Wie alle Krankenhäuser, hat auch das von der Israelitischen. K ra n ke n ve r p flegun g sa n sta l t zu Breslau geleitete humanitäre Institut unter der Teuerung zu leiden. Tie Gesamtzahl der in den Jahren 1918, 1919 und 1920 in unserem Krankenhause (nebst Lazarett ab teilung) verpflegten Kranken betrug 7341 mit 218 910 Verpflegungstagen. Erst 1920 konnte das Lazarett aufgelöst werden, wodurch 150 Betten frei wurden. In unserem Betriebe, heißt es in dem soeben erschienenen Bericht, machten sich in steigendem Maße die Abschließung der polnischen Grenzen, die Reiseschwierigkeiten von und nach Ober-, schlesien trotz .des hohen Ansehens des Breslauer Jüdischen Krankenhauses geltend. Trotzdem war es durch 'die M. und B. Schottländersche Stiftung möglich, der Poliklinik eine Abteilung für kranke Kinder unter Leitung des Professors Dr. Aron anzugliedern. Tiefe Abteilung steht durch die Fürsorge des Herrn H. Schottländer ganz auf eigenen Füßen und hat kein Defizit. Der Fehlbetrag des Krankenhauses von 1920 konnte nttr durch eine Sammlung gedeckt werden, bk bis Anfang Mai d. I. 743 777 Mark erbracht hat. Den dahingeschtebenen Gemeinderabbinern Herrn Prof. Dr. Jakob Guttmann und Herrn Dr. F. Rosen thal wurde die „Immerwährende Mitgliedschaft" verliehen. In treuer Liebe zu seiner Vaterstadt Bteslau stiftete Herr Cäsar Schlesinger für die Errichtung einer Tuberkuloseabteilung 250000 Mark. Besondere Mittel erforderten die Altersversorg ungsan st alt und das im Jahre 1912 errichtete Israelitische S i e ch e n h a us mit 24 Insassen. " — Leipzig, 1. Juli. Die an dem Verbindungsweg zwischen der Otto-Schill-Straße und der Zentralstraße stehende Turnhalle der Turngemeinde Leipzig wird zurzeit niedergelegt. Au ihrer Stelle soll dort eine Synagoge für den Talmud- Thora-Verein errichtet werden, die Räume für 1200 Sitzplätze haben soll. Die Ausführung des Baues ist dem Leipziger Architekten Stadtrat Pflaume übertragen worden. Wie man uns mitteilt, wird die Innenausstattung mit erlesenem Geschmack erfolgen, während das Aeußerliche, die Fassaden pnd Frontenschlicht wie alle Synagogen ausgeführt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Aushebung des Grundes und die Errichtung der Grundmauern einige Schwierigkeiten bereiten werden, denn dort floß früher durch Lungensteins Garten der Pleißemühlgraben, an dein sich mehrere Mühlen befanden. Bis 1922 soll die Synagoge fertiggestellt sein. Hamburg, im Juni. Die Deutsch-Jftaelitische Gemeinde hat die Zahlung eines staatlichen Zuschusses zu den Kosten der von ihr unterhaltenen Israelitischen Töchters'chM beantragt. Sie hat für das Schuljahr 1920 mit Rücksicht auf die außerordentliche Teuerung aus eigenen Mitteln einen Betrag von 201870 Mark, d. <h. mehr als ein Drittel ihrer gesamten Einnahmen," für diese Schule zur Verfügung stellen müssen. Davon entfielen 168100 Mark auf die Bezüge des Lehrkörpers, die sich zwischen 8450 Mark und 14 800 Mark bewegen. Um dem Drängen der Lehrkräfte aus Gewährung der beim Staat gezahlten Gehälter und Vergütungssätze nachgeben zu können, erbittet die Gemeinde nachträglich für das Schuljahr 1920/21 den hierzu erforderlichen Betrag von 122 461,25 Mark als staatliche Beihilfe. Die O'berschulbehörde hat berichtet, daß die von etwa 350 Schülerinnen besuchte Jsraelitisch>e Töchterschule eine neunstufige Schule sei, deren Lehrplan sich wenig von dem einer neunstufigen Mädchenschule unterscheide. Das Schulgeld sei bis vor kurzem je nach der Vermögenslage der Eltern von 0 bis 200 Mark abgestuft gewesen, aber mit Wirkung von 1. April d. I. grundsätzlich auf 300 Mark jährlich erhöht worden. Infolge der verhältnismäßig gün--- stigen Gehaltssätze sei der bisher an eine Höchstgrenze des Einzelgehalts geknüpfte staatliche Teuerungszuschlag nur wenigen Lehrkräften zuteil geworden; wären die Gehälitier nicht durch die Gemeinde so, wie geschehen, aufgebessert worden, so würde die für die nichtöffentlichen Schulen vom Staate bereitgestellte Summe um einen sehr viel höheren Betrag in Anspruch genommen worden sein. Am derseits weist die Oberschulbehörde darauf hin, daß, wenn der Vorstand einen Betrag erbitte, um den Lehrkräften die Gehälter des Bett mtenbe'syldungsgesetzes vom 24. Juni 1920 Zahlen zu können, das bei weitem über das hinausgcht, was den' übrigen nichtöffentlichen Schulen gewährt worden sei. So hätten die der Paulsenstisjschule und der Emilie-Wüstenfeld-Schule bewilligten Beihilfen gerade ausgereicht, um die Gehälter der Lehrerinnen auf etwa zwei Drittel der staatlichen Gehälter zu bringen. Den beiden genannten Schulen seien für das Schuljahr 1920 je 120 000 Mark zur Erhöhung der Lehrergehälter bewilligt worden. Da die Israelitische Töchterschule nur rund die halbe Klassen- und Schülerinnenzahl wie diese Schulen besitze, so es billig, ihr 60 000 Mark für das Schuljahr 1920/21 nachträglich zu gewähren. Der Senat ist dieser Auffassung beigetreten und beantragt. zu beschließen, daß für die Israelitische Töchterschule eine Bei» Hilfe von 60 000 Mark sür das Schuljahr 1920/21 bewilligt werde. M. Hamburg, 1. Juli. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt seine letzte Sitzung vor den Ferien unter Vorsitz des Herrn Alfred Lisser ab. Es liegt ein Schreiben des Gemeindevorstandes vor, wonach dieser damit einverstanden ist, daß drei Mitglieder des Kollegiums in das Jugendamt eintreten. Auch hat der Vorstand den Antrag Dr. Lanzkron betreffend den Beitritt zum D. I. G. B. angenommen. Der Bildung eines Ausschusses zur Regelung der Gehalts- und Ruhegehaltsverhältnisse sämtlicher von der Gemeinde Besoldeten stimmt der Vorstand zu. Er entsendet in diesen Ausschuß seine Mitglieder Heinrich Levy und Ludwig Mathiason und sieht der Benennung der Vertreter des Kollegiums entgegen. Die Anträge des Gemeindevorstandes aus Abänderung der Satzungen der Kommission für das Begräbniswesen werden mit einigen Aenderungen angenommen. Dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund wird als Beitrag der Gemeinde sür die Zeit vom 1. April bis 30. September 1921 der Betrag von 2284 Mark bewilligt. Der Antrag auf Bewilligung eines Beitrages von 1000 Mark für die Jakobson-Schule in Seesen a. Harz wird nach eingehender Aussprache abgelehnt. Eine längere Debatte ries der Bericht des Ausschusses der Friedhossgärtnerei und der damit verbundene Antrag des Gemeindevorstandes hervor. Herr Dr. Ta'ünenw a l d drückt als Berichterstatter des Ausschusses seine Verwunderung über den Antrag des Gemeindevorstandes auf Erneuerung des Vertrages mit dem jetzigen Pächter der Friedhofsgärtnerei aus und ersucht um Annahme des Antrages der Kommission auf vorläufige Anstellung des jüdischen Bewerbers, Herrn Jakobh (Bromberg), und Ablehnung des Vorstandsantrages. Die Kommissare des Gemeinde- Vorstandes legten die Gründe dar, den jetzigen, wenn auch nicht