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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-07-08 · Heft 14 (8.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 14 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 jüdischen Pächter, der sich in seiner Tätigkeit besonders bewährt hat, auf seinem Posten zu belassen. Der Antrag des Gemeindevorstandes wird abgelehnit und der Antrag der Kommission angenommen. - Dortmund, 1. Juli. Die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten h.at eine KriegsstatisW hevaiuHgegeben, die einwandfreie stäWWp Nachweise über die Teilnahme d,e'r jüdischen BedMeruwa, in Dortmund und Hörde (Stadt und Land) am Weltkriege bringt und eine vorzügliche Waf.se gegen die lantisemitischen Märchen von der „jüdischen Drückebergerei" darst'ellt. Aus dem Ge'famtbeziirk Dortmund- Hörde sind 544, Frontkämpsier festigiestiellt. Von ihnen starben 92 den Heldentod (17 Prozent). Von den Ueberliebendien erliitten 144 oder 32,21 Prozent Verwundungen, davon zwanzig zweimalige, acht drei- und vierma'ligse; ein Feldzu Meilnehmer wurde fünfmal verwundet. Befördert wurden 83 zu Gefreiten, zu Unteroffizieren 78, zu Dizefelidwebeln und Osifiziersstellvertretern 41 und zu Offizieren 10. Ausgezeichnet wurden 253 mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse (47,4 Prozent), das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten 15 (2,75 Prozent). 18 Kriegsteilnehmer wurden mehrmals ausgezeichnet. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat diese Statistik desn amtlichen SteUe'n zur Kenntnis gebracht. f. Hannover, 1. Juli. Das in dem heilkräftigen Seebade Norderney belegene Kindererholungshaus der Zionloge XV (Hannover) hofft auch in dieser Saison die.Fürsorge für kur- und pflegebedürftige Kinder von Mai bis Ende September durchführen zu können. Im abgelaufenen Berichtsjahre begann die erste Ferienkolonie, bestehend aus 18 Knaben und 31 Mädchen, bereits am 4. Mai ihre Kur in N o r d e r n e h im eigenen Kindererholungsheim der Zionloge. Während der ganzen Saison von Mai bis September gebrauchten 376 Kinder an 10 500 Verpflegungstagen die Kur in dem von Frl. G. Feiertag mit einer Anzahl pflichtgetreuer Helferinnen geleiteten Kindererholungshaus in Norderney, nachdem wir unsere Ferienkolonie in Salzhemmendorf aufgehoben hatten. Ein von den Badegästen Norderneys veranstaltetes Wohltätigkeitsfest brachte uns einen Betrag von 6000 Mark. Erfreut hat das Erhosungshaus der Besuch, einer Kommission aus dem Kultusministerium und von Abgeordneten, die sich in anerkennender Weise über das Heim der Zion löge XV aussprachen. Ein benachbartes Grundstück hat unsere Bne Brith-Loge, dank einer Zuwendung von 25 000 Mark durch unseren Br. S t e r n h e i m, zur Erweiterung des Betriebes erwerben können. Bon dem Schwesternbund der Z i o n l o g e, von der Synagogengemeinde Hannover und von dem Wohltätigkeitsverein der Synagogengemeinde erhielten wir je 1000 Mark. Bon Freunden aus Holland kamen 100 Zentner Kartoffeln, und konnten wir durch. Fürsorge des Herrn A. Spanjaard im Haag 10 Kinder zur Erholung nach dem Haag schicken. Für diese Wohltat gebührt unseren holländischen Glaubensbrüdern herzlicher Dank. Frankfurt a. M., im Juni. Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, kam ein Herr mit zwei Handkoffern spät abends in Gießen an. Als er den Bahnhof verließ, überfielen ihn drei Studenten mit der Bemerkung: „Das ist auch ein Jude!" Die Antisemiten schlugen mit Stöcken auf.den Unglücklichen ein, so daß er zusammenbrach und von Fremden, die ihm schließlich zu Hilfe kamen, in ein Hotel gebracht werden mußte, nachdem er bewußtlos geworden war. Der Mann blutete aus einigen Wunden und mußte einen Arzt in Anspruch nehmen. Bon den „Helden" wurde nur einer von der Polizei gestellt, da die anderen flüchteten. Nebenbei ist der Mißhandelte kein Jude, sondern rassenrein. Da tote Klassenjustiz Antisemiten — und noch dazu, wenn diese als Studenten „den besseren Ständen" angehören — zu verschonen pflegt, dürsten sich derartige Ausschreitungen noch oft wiederholen. Allerdings können die Ueberfallenen sich zur Wehr setzen. Da aber „deutschnationale" Feigheit gebietet, daß sich vorsichtig drei Mann auf einen stürzen, wird mit Selbsthilfe nur selten etwas auszurichten sein. L2 Karlsruhe, im Juni. Der Bund Jsraeliitischer Wohlfahrtsvereinigungen in Baden, Geschäftsstelle Karlsruhe, Kronenstraße 15, die Bereinigung aller in Baden bestehenden israelitischen Wohlsahrtsvereine, hat sein drittes Geschäftsjahr vollendet. Der Zweck des Bundes, die -israelitische Wohlfährtspflege in Baden zusammenzusassen und auszubauen,' ist in erfreulicher Weise gefördert worden; aus einzelnen Gebieten, wie bei der Entsendung von Kindern aufs Land, in Erholungsheime und in die Schweiz, in der Armenfürsorge, Kinderfürsorge, Berufsberatung und. Stellenvermittlung, -in Erziehungs- und Ausbildungssragen, hat der Bund erfolgreiche Arbeit gemistet. Nachstehende Auszahlungen geben ungefähr ein Bild der von dem Bund im vergangenen Jahre geleisteten Arbeit. In 26 Fällen wurden 20 61-5 Mark an Beihilfen ausbezahlt. Die Mittel hierzu entstammen teilweise aus dem von dem Bund gegründeten Wohlfahrtsfonds, zum Teil wurden sie durch Gesuche an die in Baden bestehenden Logen und Handwerkervereine erlangt. Es handelt sich bei diesen Fällen um Ausbildungsbeihilfen, um Beihilfen für MittelstandsfamNen, Witwen und Waisen. Berufsberatung un!d Stellenvermittlung wurden in 60 Fällen in Anspruch genommen. Bon erholungsbedürftigen Stadtkindern kamen 32 in Familien aus das Land, 16 in das Kindererholungsheim Nauheim, 22 in das Kindererholungsheim in Engelberg (Schweiz), 5 lungenkranke Kinder fanden Aufnahme in der Heilstätte Etania in Davos. Zwei erwachsene Lungenkranke wurden durch Vermittlung, des Bundes in Nordräch und Davos untergebracht. E r h o l u n g s b e d ü r f t i g e Frauen fanden Aufnahme in den Frauenheimen in Baden-Baden und Bad Nauheim, ferner «eine Frau im Altersheim Gailingen u. a. m. Neben der Zentrale in Karlsruhe arbeiten in allen größeren Städten Badens Ortsgruppen und an > kleineren Plätzen Vertrauensleute. Der Bund hat nicht nur in jüdischen Kreisen Beachtung gesunden, sondern er ist auch als Zentralstelle von einer großen Anzahl Behörden zur Mitarbeit herangezogen worden, so bei der „Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge", der „Jugendhilfe", der „Gefangenenfürsorge" u. a. m. Die Zahl der Mitglieder des Bundes beträgt 162, die der Bertrauensperfonen 60. Es wäre zu wünschen, daß der Bund durch Mitarbeit aller jüdischen und allgemeinen Wohlfahrtseinrichtungen in seinen Bestrebungen unterstütz: würde. Von Sah unv Fern. — Das Zentralbureau für jüdische Auswandererangelegenheiten, Hilfsverein der deutschen Juden, teilt uns mit: Die gegenwärtige Lage im oberschlesischen Abstimmungsgebet bleibt nicht ohne Einfluß aus den Durchwanderungsverkehr. Passanten aus dem Osten, die über Kattowitz nach Deutschland fahren wollten, sind von den polnischen Grenzbehörden zurückgewiesen worden. Es ist daher anzuraten, bis auf weiteres eine andere Grenzstelle als Kattowitz zum Uebergang nach Deutschland zu wählen. — Laut den neuen kanadischen Einwanderungsvorschristen müssen alle Passagiere, welche nach Kanada reisen, direkt von ihrem Heimatland in einer ununterbrochenen Reise nach Kanada fahren und deshalb müssen sie auch die Schiffskarte nach Kanada bereits in ihrem Herkunftslande lösen. Ausnahmen werden nur in besonderen Fällen gemacht. In solchen muß eine Landungsgenehmigung von Lol. I. Obed Superintendent of Emigration of Canada, 1. Regent, Street, London, erlangt werden. In Rücksicht auf die vorgenannten Umstände sind die deutschen Schiffahrtsgesellschaften angewiesen, an Emigranten aus dem Osten Schiffskarten nach Kanada nicht mehr zu verkaufen. — Schon seit langem war man in den Berliner Kreisen, die ein Interesse für jüdische Kultur haben, unter der Führung des Rechtsanwalts Gronemann bemüht, ein jüdisches Theater zu gründen. Dieser Plan wurde jetzt in die Tat umgesetzt und kürzlich fand im Logenhaus -in der Kleiststraße unter starker Anteilnahme die Gründung des Theater- Vereins statt. Dr. Gronemann sprach von seinen Eindrücken im Wilnaer Jüdischen Theater und von den Aufgaben des Vereins, der den: hiesigen Theater die Grundlage schaffen soll. — Oberstabsarzt d. R. Sanitätsrat Dr. Max Sch ei er in Berlin ist am 3. dieses Monats nach schwerem Leiden im 57. Lebensjahr verschieden. — Wie dieSchlesische Volkszeituna" berichtet, haben wiederholte Beschwerden über Kränkungen jüdischer Schüler und Schülerinnen durch ihre Altersgenossen der Breslauer städtischen Schuldeputation Veranlassung gegeben, die Rektoren und Hauptlehrer in den Mittel-, Volks- und Hilfsschulen in einem Rundschreiben auf das Ungebührende und Unedle eines solchen Verhaltens der Schüler hinzuweisen und sie, soweit' ihnen berechtigte Beschwerden jüdischer Schüler bekannt werden, zu einem Einschreiten gegen die Schuldigen zu veranlassen. — Seinen achtzigsten Geburtstag feierte Herr Arnold Aron, der seit vielen Jahren als Sachverwalter des Hamburger Kreditorenverbandes tätig ist, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Dem Jubilar, der auch seit Jahrzehnten in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ehrenamtlich tätig ist, wurden aus weiten Kreisen viele

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