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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-05-27 · Heft 11 (27.5.1921) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 11 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 zum 80. Geburtstag. abbiner Professor Dr. P h i l i p p Bloch, früher in Posen, jetzt in Berlin, ist am 30. Mai 1841 zu Tworog, Kreis Gleiwitz,. in Oberschlesien, geboren. In Beuthen (Oberschlesien) erhielt: er seinen ersten Unterricht und kam dann nach Breslau in das katholische Gymnasium. Aeußere Umstände nötigten ihn, das Gymnasium als Primaner zu verlassen. Er beschäftigte sich mit talmudischen Studien ünd absolvierte später sein Abiturmm als Extr-aneus auf dem reformierten Friedrichs- Gymnasium. Alsdann besuchte er die Universität in Breslau, wo er sich philosophischen Studien hingab. Zu gleicher Zeit genoß er seine theologische Ausbildung an dem jü'disch'-theologlschen Seminar, das kurz vorher in Breslau gegründet worden war. 1862 löste er die von letzterer Anstalt gestellte Preisallifga.be: „Rabbi Simeon bell Gamliel nach seinen Lebensverhältnissen und seiner geistigen Wirksamkeit, welche in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft 'des Judentums" ihre Veröffentlichung fand. 1865 promovierte er in Breslau rrnt einer Dissertation: „Der Gottesbegriff bei Aristoteles". 1867 erhielt er die Autorisation zum Räbbinat. 1869 berief ihn die Jüdische Gemeinde zu München, um dort eine gehobene Gemeindeschule zu organisieren und zu leiten, was er zur Zufriedenheit der Gemeinde und der staatlichen Behörden erfolgreich ausführte. Ende 1871 .folgte , er einem Ruf mach Posen, um düs Rabbinat der Israelitischen Brüdergemeinde zu ' .übernehmen, in welchem er bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahre wirkte.. Soweit seine praktische Wirksamkeit es gestattete, suchte er sich wissenschaftlich zu betätigen. In seinen Predigtenließ er stets das belehrende, religipnsgeschichtliche Moment Hervortreten. ' ' .Seine.wissenschaftlichen Arbeiten um-, fasten, zumeist die jüdische Religionsphilosophie, die Mystik und' Kabbala' und die talmudische Poesie oder Agada. Auch die.'Geschichte der großpolnischen. Judenschaft, verdankt ihm wertvolle Beiträge. Bon seinen bekannten Veröffentlichungen heben wir hervor: „Die Willensfreiheit bei Chasdai Crescas" (1879), „Geschichte der Entwicklung der Kabbala und der jüdischen Religionsphilosophie" (1894), „der Mamros oder der jüdisch-polnische Wechselbrief" (1903), „Heinrich Grätz, ein Lebens- und Zeitbild" (1904), „Die Kabbala auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister" (1905). Dr. Bloch gehört der liberalen Richtung an und vertritt in ihr stets den gemäßigten Standpunkt. Rabbiner Prof. Dr. Philipp Bloch KMllungen über die Arbeit kür bas Mblmthkdswelkn m Lrr? Iisrsel. Von der Hauptsammelstelle, Prof. Dv. Heirrrich Loewe (Berlin). ^eit unserer letzten Mitteilung hat die National- und Universitätsbibliothek zu Jerusalem recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Aus Berlin sind 105 Kisten mit Büchern nach Jerusalem unterwegs, aus Amerika 50 solcher Kisten. Die Bibliothek des bekannten Schriftstellers Popper-Lynkeus ist von ihrem Besitzer der Bibliothek zugesagt worden. Die Baron Ginzburgsche Bibliothek ist bekanntlich vor «dem Kriege 'bereits von Freunden für die Jerusalem-Bibliothek erworben worden. Jetzt erfahren wir, daß ein Weg gesunden ist, ste ihrer Bestimmung allen Hindernissen zum Trotz zuzuführen. Diese Sammlungen werden fortgesetzt. Die Berliner Sammelstelle hat die Möglichkeit, besonders die Fächer Rel'igionsphilosophie (Stiftung Rosenbloom), Pazifismus und Völkerrecht (Stiftung Simon Straus (Kassel)), Mikrobiologie und etwas Allgemeine Medizin anzubauen. Die' Benutzerzahl der Bibliothek hat sich seit dem 1. April 1920 um mehr als das Zwanzigfache vergrößert. Von allergrößter Wichtigkeit wäre es, wenn man auch eine Anzahl von Fächern für die Bibliothek anbauen könnte, die ein tägliches Bedürfnis ausmachen, für die aber bisher in keiner Weise gesorgt ist. Allem voran wäre es von ungeheurer Wichtigkeit, daß die Bibliothek alles enthielte, was Palästina und den Orient betrifft. Es gibt bereits eine große Anzahl vortrefflicher wissenschaftlicher Forscher auf diesem Gebiete in Palästina, zumal in Jerusalem. Sie alle leiden aufs schwerste unter dem Mangel an Büchern. Ebenso aber geht es bei allen praktischen Arbeiten ian Lande. Da wird der Mangel an Büchern besonders über das Land, in dem man arbeitet, täglich schmerzlich empfunden. Es wäre wünschenswert, wenn nicht bloß reichlich Bücher und Zeitschriften aus diesem Gebiete gespendet würden, sondern wenn wohlhabende Freunde der Kultur des Orients und der Menschheit größere Stiftungen machten, um es der Bibliotheksverwaltung möglich zu machen, in erster Linie systematisch die Abteilung Orient und Paläst i n a in der Bibliothek zu pflegen. Es gibt außerdem noch eine ganze Reihe von Fächern, die dringend der Erweiterung bedürfen. Die meisten aber stecken noch in den allerersten Anfängen. Und doch macht sich die Nachfrage nach Werken aus den naturwissenschaftlichen Gebieten, zumal Chemie und Physik, immer mehr geltend. Die Kreise um den Bezalel vermissen sehr den weiteren Erwerb von Werken auf dem Gebiete der Kunst und des Kunst ge w e rb e s. In einem Lande, in dem ein ganz neues Schulwerk im Entstehen begriffen ist, macht sich der Mangel an pädagogisch e n Werken sehr fühlbar. Die Bibliothek hat bisher, nicht eine einzige pädagogische Zeitschrift. Hier muß eingegriffen und geholfen werden. Die Errichtung eines höchsten jüdischen Gerichtshofes ist der Exponent einer Entwicklung zu neuem jüdisch-palästinischen Recht. In Jerusalem strebt eine jüdische Rechtsakademie mächtig auswärts. Aber sie leidet nicht wenig unter dem Mangel an Büchern. Man vermißt so ziemlich alle Werke über jüdisches (biblisches und talmudisches) Recht, die nicht gerade in hebräischer oder aramäischer Sprache vorliegen. Aber ebensosehir verlangt man nach den Werken des römischen und türkischen, namentlich auch des islamischen Rechts, vor allem nach Zeitschriften und Gesetzessammlungen. Es soll ausdrücklich erwähnt werden, daß gerade deutsche juristische Werke und Zeitschriften dringend verlangt werden. Hier sollten unsere Juristen einspringen und es für einen Ehrentitel ihres Standes erachten, der Bibliothek, die Grundlage einer guten juristischen Abteilung zu schaffen durch Schenkung von Büchern, Ueberlassung von ZeiLschriften und endlich durch Stiftung größerer Beträge, die den systematischen Ausbau des Faches ermöglichen. Unter dem Vorsitze des High Commissioner Sir H e r b e r t S a m u e l hat sich eine Gesellschaft zur P s l e g e d e s Theaters gebildet. Sie ist so eifrig beim Werke, daß die Bibliotheksverwaltüng . dieser

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