Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 11 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Türkei garantiere den Muselmanen die ungestörte Benutzung' ihrer Heiligen Stätten in Palästina, deren Schutz unter allen Umständen garantiert bleibe. Wie hohe Beamte des englischen Kolonialamtes erklären, wird die englische Palästinapolitik durch die antijüdischen Ausschreitungen . in Jaffa und die Angriffe auf jüdische Kolonien in keiner Weife berührt werden, zumal die antijüdische Bewegung nicht auf dem einheitlichen Willen der palästinensischen Araber beruht, sondern nur von kleinen, fanatifierten Gruppen getragen wird. Der Beschluß, eine nationale Heimstätte des jüdisches Volkes in Palästina zu schaffen, solle in jedem Falle durchgeführt werden. Die vor den Jaffaer Unruhen begonnenen jüdisch-arabischen Verstäudigungsbemichungen' in Palästina sind nunmehr wieder ausgenommen worden. Delegierte der jüdischen und arabis'chen Gemeinden Jaffas traten auf Einladung der Regierungsbehörden zu einer Konferenz zusammen, um eine ruhigere Stimmung herbeizuführen. Der Sitzung wohnte der Vorsitzende der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolöw, bei. Anläßlich eines arabischen Festes in Ramleh, wo zirka 10 000 Araber zusamnrentrafen, wandten sich führende Araber mit beruhigenden' Reden an die Versammelten. In Jerusalem fand im Hause des Gouverneurs, General Sturrs, eine Beratung führender jüdischer und arabischer Notabeln statt, um Mittel und Wege zur Beseitigung der Reibungen zu finden. General Sturrs erklärte, daß die Regierung mit den schärfsten Maßregeln gegen die Schuldigen Vorgehen werde. Die Versammlung nahm ein einstimmiges Vertrauensvotum für die Regierung an. Während der Unruhen in Jaffa leisteten zahlreiche Araber den Verwundeten Hilfe. . Für die Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina herrscht auch in manchen christlichen' Kreisen großes Interesse. So - war in Wellington, Australien, wo nur 700 Juden wohnen, die Begeisterung für den Aufbau Palästinas durch das jüdische Volk so groß, daß auch 1800 Christen Spenden für den Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) der Zionistischen Weltorganisation gaben. Auch in anderen Städten Australiens beteiligen sich, wie gemeldet wird, viele Christen an dm Sammlungen. Der englische Bischof von. Jerusalem stattete den Oberrabbinern von Jerusalem, Kuk und Jacob Meir, einen Besuch. ab, in dessen Verlauf Rabbiner Kuk den Bischof über die Absichten der Zionisten informierte. Der Bischof äußerte seine Zufriedenheit über die Konsolidierung des Oberrabbinats in Jerusalem und -dankte für die erteilte Aufklärung. * Jüdische Schulen in Abessinien. Dr. F a i Ll ov itsch, der sich gegenwärtig in Abessinien aufhält, berichtet, daß es ihm gelungen ist, mehrere jüdische Schulen in Dembea zu gründen. Das Lehrerkollegium dieser Schulen ist aus eingeborenen. Falaschas zusammengesetzt, die eine gründliche Ausbildung im Hebräischen und in jüdischer Religionslehre unter persönlicher Auffsicht des Herrn Dr. Faitlovitsch genossen haben. Letzterer hatte auch eine Unterredung mit dem Kronprinzen von Abessinien, Ras Teserr, betreffs der sozialen und politischen Lage der Falaschas. Der Kronprinz zeigte reges Interesse für die verschiedenen Reform- Vorschläge, die Dr. Faitlovitsch zur Hebung der Lage der abessinischen Juden entwarf. Es ist zu hoffen, daß auch die Erlaubnis zur Gründung jüdischer Schulen in Addis-Abeba erteilt werden wird, was dazu beitragen kann, das jüdische Gemeinwesen dort zu kräftigen und zu fördern und die Mitglieder der Gemeinde in engere Berührung mit den arabischen Juden von Jemen und Aden zu bringen. Dr. Faitlovitsch verteilte unter mehreren Gemeinden Arzneimittel, die ihm zu diesem Zwecke vom „Joint Distribution Commitee" übergeben worden waren. Der bekannte Falaschaforscher wird Addis- Abeba 'bald verlassen, um sich nach Asmora zu begeben, wo er Unterhandlungen mit der italienischen Kolonialregi erring anknüpsen will zwecks Errichtung einer jüdischen Schule unter den Falaschas von Erythrea. (Jewish. Chroniele.) O Amerika. .Bei Beratung der Emigrationsbill, die die Einwaniderung auf drei Prozent der laut der Volkszählung von 1910 in Amerika anwesenden Ausländer beschränkt, ist es den Anhängern der freien Einwanderung trotz aller Mühe nicht gelungen, bedeutende Erleichterungen durchzusetzen. Wichtig, speziell für Juden, ist, daß auch die Senatskolmniffwu, konform dem Beschluß des Repräsentantenhauses, ein Amendement angenommen hat, wonach diejenigen Emigranten, die beweisen könn-endaß sie wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt werden und beS* halb nach Amerika kommen, in die prozentuell festgesetzten Zehlen nicht eingerechnet werden. Ein weiteres Amendement zugunsten politisch Verfolgter wurde abgelehnt. Die inzwischen eingetroffenen telegraphischen Berichte melden die Annahme dieses Gesetzes durch den Senat, wobei jedoch nicht angegeben wird, ob nicht nochneue Amendements durchgegangen sind. Obwohl nur wenige Aussichten dafür bestehen, wird noch immer versucht, durch zahlreiche imposante Protestversammlungen Präsident Harding zu 'bewegen, die Bill nicht zu bestätigen. Eine solche Massenversammlung wurde u. a. auch für den 27. April von der „Hias" einberufen, auf-der prominente Politiker gegen die EinwandernngsLeschränkung, sprechen sollten. — Präsident Harding hat die Gesetzesvorlage, betreffend die Einschränkung der Einwanderung, unterzeichnet. # Einberufung des amerikanisch-jüdischerr Kongreises für Ende Oktober. Die am 20. März in New Jork stattgefundene Konferenz der Delegierten, zum letzten jüdischen Kongreß hat beschlossen, den neuen Kongreß für den 30. und 31. Oktober und 1. November einzuberufen. Die Wahlen sollen gleiche, allgemeine und direkte sein, entgegen einem eingebrachten, jedoch a'bgelehnten Vorschläge aus Zusannnensetzung des Kongresses aus Vertretern aller nationalen und zentralen jüdischen Organe und Gemeinden. Es wurde auch davon abgesehen, dem Kongreß ein bestimmtes Programm vorzuschreiben; der Kongreß soll vielmehr die vertretende Körperschaft der Juden Amerikas in allen jüdischen Angelegenheiterl. sein,, unbeschränkt in seinem Programm und seiner Prozedur. Die Delegierten verhehlten sich allerdings nicht' daß im Volke eine gewisse Kongreßmüdigkeit Platz gegriffen habe und daß die Delegierten bei der Beschließung, den Kongreß aus Grund allgemeiner Wahlen zu bilden, eine große Verantwortung aus sich nehmen. Bis zur Durchführung der Wahlen, die am 19. Juni stattsinden sollen — die Delegiertennomination hat am 22. Mar zu erfolgen —, müsse das Volk durch gehörige Propaganda wachgerüttelt werden. Als Gäste sprachen noch Dr. Schrnarjah Lewin und Oberrabbiner Reich. ' J. P. Z. Dr. Emil S. Hirsch, Rabbiner der Sinaige'meinde in Chicago und Professor an der dortigen Universität, vollendete am 22. Mai sein siebzigstes Lebensjahr. Sein Vater, Dr'. Samuel Hirsch, bekannt als eifriger Reformer und als Verfasser des von Steinthal sehr geschätzten Werkes „Die Religionsphilosophie des Judentums" (1842) war Rabbiner 'in Luxemburg und ging 1866 nach Philadelphia, wo er zu den Vorkämpfern des Reformjudentums gehörte.. Der Sohn, kehrte zu Studienzwecken nach Deutschland zurück, besuchte in- Berlin die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und promovierte 1866 in Leipzig. Seit 1880 bekleidet er seiine gegenwärtige Stellung. Hirsch gehört zu den markantesten Gestalten im liberalen Judentum der Vereinigten Staaten. Seit 1896 leitet er die Wochenschrift „The Reform Advocate", in der er glänzend geschriebene Leitartikel veröffentlicht, mit Wärme, Eifer und Geist die Sache des liberalen Judentums vertritt. Er gehört zu den glänzendsten Rednern der Bereinigten Staaten unh wird weit über die jüdischen Kreise hinaus wegen seiner Redebegabung geschätzt. 1910 hielt, er hier in Berlin einige Borträge über die Lage der Juden in den Vereinigten Staaten, die eine gottbegnadete Beherrschung des Wortes zeigten. Auch an dem damaligen Religionskongreß trat er als Verfechter des Judentums auf und erzielte gewaltigen Eindruck. Er hat zahlreiche wissenschastliche Aufsätze in Zeitschriften und Sammelwerken veröffentlicht und besonders als Leiter der biblischen Abteilung der Jew Encyelopedie sich hohe Verdienste um die Wissenschaft erworben. In Deutschland, wo er früher alljährlich zur Kur weilte, besitzt er zahlreiche Freunde, die sich mit uns in dem herzlichen Wunsche vereinigen werden: leorecli jomim towim. *