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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1921-05-27 · Heft 11 (27.5.1921) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
85 (1921)
Issue
Heft 11 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 kulturellen Unternehmung Rechnung tragen muß. Aber ihre Mittel sind sehr beengt. Daher wird die Schenkung von guter Theaterliteratur und dramatischen wie dramaturgischen Werken in allen Sprachen sehr erwünscht. Das wichtigste Erforldernis i.st die Gewährung eines f e st e n B u d g ie t s. Das kann der Bibliothek nur dadurch zuteil werden, daß stch wohlhabende und> reiche Freunde allgemein menschlicher und besonders jüdischer Kultur bereit finden, der Bibliothek einen Jahresbeitrag zu stiften, der ansehnlicher ist, als man das sonst bei der Bemessung solcher Beträge gewöhnt ist. Wir haben zwar schon eine ganze Reihe von Freunden gewonnen, die sich für fünf Jahre zur Zahlung eines festen Beitrages verpflichtet haben, und verweisen auf unsere früheren Mitteilungen. Aber erst wenn «eine ganze Reihe von Beilträgen in ansehnlicher Höhe gestiftet sind, kann die Verwaltung barmt rechnen, daß ihr Etat auch nur einigermaßen balanciert. Denn Bibliotheken sind zwar absolut notwendig, nötiger als Soldaten, aber teurer beinahe als Militär und Kriegsbedarf. Sie sind eben das Arsenal friedlichen Karnpses, die Waffen des Geistes, die den Kamps mit blutigen Waffen oblösen sollen. Diese Schaffung eines regelmäßigen Budgets der Naitional- und Universitätsbibliothek ist jetzt ein HaupLersordernis des friedlichen Aufbaus des jüdischen Palästinas, des Orients und seiner Kultur überhaupt. Während des Pessachsestes hatte die Bibliothek eine Sammlung von Haggadot 'schel Pessach in ihren Räumen veranstaltet. Das Interesse dafür war sehr groß. Und mit Recht. Denn die von dem ersten Stifter der Bibliothek, Dr. Joses Chazanow i cz, zusammenge'brachte Zahl von Haggadot ist außerordentlich groß. Darunter sind kostbare Drucke, Handschriften und Seltenheiten ohnegleichen. Ueberhaupt ist der von Dr. Ehazanowicz gesammelte Schatz, namentlich jüdischer und hebräischer Literatur, ein 'bewundernswertes Zeugnis für die Kenntnis und die Opferwilligkeit dieses einzigartigen Idealisten. Es wäre wünschenswert, wenn recht viele Nachfolger sich finden würden, die für die Bibliothek Geld und Bücher stifteten. Aber das ist sehr schwer. Denn es gehört eine sehr große und tiefe Bildung dazu, um den Wert der Bibliothek wirklich 'so zu erkennen, daß man gewillt ist, Opfer dafür zu bringen. Um so erfreulicher ist es, daß wir wieder von einer ganzen Reihe von Geschenken Mitteilungen machen können, die durch die Vermittlung der Berliner Hauptsammelstelle für die Bibliothek gemacht worden sind.. Unter den Spendern von Büchern befindet sich in erster Linie die Sta d tbibliothek von Frankfurt a. M., dann der Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene, ebenfalls in Frankfurt a. M. Ferner haben uns mit Büchern bedacht: die Herren Josef Alt mann in Firma Fraenkel u. Eo., Fräulein Edith Ruth Bobreker in Halbe, Pros. Dr. Rudolf Cohn in Königsberg (unter anderem 1300 Königsberger Dissertationen), Studienassessor Dr. Willy Cohn in Breslau, Oberrabbiner Epstein in Libau, Waisenheusdirektor Dr. S i e g m un d Fe ist in Berlin, Dr. Kurt Hiller, Prof. Dr. David Hofs m a n n, Rektor des Rabbinerseminars, sämtlich in Berlin, Rabbiner Dr. Mdses Hoff m a n n in Breslau, Dr. Baruch K aha ne in Berlin, Ernst Samuel Kleinbar dt in München, Zahnarzt Dr. Alfred Licht Witz in Guben, Rechtsanwalt Dr. Abraham L ö b> in Berlin, Fräulein Anna L e w i n aus Königsberg (jetzt in Palästina), Apotheker Mam lock in Zehlen'- dorf, Frau Geheimrat M i nde n in Berlin, Artur Sack in Berlin, Negierungsrät Prof. Dr. Moritz S o b e r n h e i m (besonders viele wertvolle orientalischen Schriften), Abraham Sperber in Berlin (wertvolle hebräische Werke), BMiothekbirektor Dr. Stern in Berlin, Türkheim in Hamburg. Herr Heinrich K o p l o w i tz in K ö n i g s h ü t t e hat zum Andenken an seine Eltern eine Stiftung von 10 000 Mark gemacht, für die Werke der landwirtschaftlichen Entomologie angeschafst werden sollen. Cs ist dies die vierte derartige Stiftung, die bei der Hauptsammelstelle in Berlin gemacht worden ist. Um ihr Interesse an unserer wichtigen Kulturinstitution zu beweisen, hat die Gesellschaftzur Förderung der Wissenschaft des Judentums nicht bloß ihre sämtlichen Publikationen zur Verfügung gestellt, sondern auch einen Jahresbeitrag von einstweilen 500 Mark bewilligt. Ferner erhielten wir seit dem vorigen Ausweis folgende Jahresbeiträge: Hermann Adler, Ratibor, ^00 Mark; Direktor Willy David, Berlin, 200 Mark; Rechtsanwalt Hermann Hirsch, Berlin, 200 Mark; Jakob Pfeffer, Chemnitz, 100 Mark (erste Rate); Direktor Moritz Simon,. Charlottenburg, 2000 Mark; Max Wolf, Hannover, 1500 Mark. Außerdem wurden uns folgende einmalige Beträge überwiesen: O. Ascher, Berlin, 100 Mark; S. Brenner, Berlin, 50 Mark; Stadtrat C o h n, Görlitz, 100 Mark; Siegfried Elle, Berlin- IM Mark; Dr. Kurt Joachim Grau, Neukölln, 55 Mark; Max Kawa, Berlin, IM Mark; Mar und Isidor Pinczower, Ratibor, 1000 Mark; Georg Silber stein, Berlin, IM Mark; , S. Wislicki, Kattowitz, 1M0 Mark; Jakob Zucker, Schöneberg, 500 Mark; Julian Zucker, Schöneberg, 500 Mark. | Bei seiner Reise durch Lettland hat der Bevollmächtigte der Bibliothek, Professor Lixwe, ein P a l ä st i n a - H 0' ch s chmlk o m i t e e! gegründet, dessen Sitz in Riga ist und dem u. a. angchören: j Dr. H. Wassermann-, Rechtsanwalt Trohn (Mitglied der Kon- ' stituante), Dr. Hellmann (Mitglied der Konstituante), Universi- . tätsprosessor Dr. Lazerson, Pri'vatdozent Dr. Weintraub I u. a. m. Der Zweck ist bk Arbeit für das gesamte Hochj schulwesen in Palästina, insbesondere die Mitarbeit an der! Schaffung eines Budgets der Universitätsbibliothek. Das Hochschulkomitee hat eine Sammelstelle für Bücher eingerichtet. Der erste Spender war der Buchhändler David Glücksmann, der eine! sehr große und wertvolle Sammlung von Büchern wissenschaftlichen ' und literarischen Inhalts der Bibliothek spendete (u. a. ein vortreff-; liches, vollständiges Exemplar der Onckenschen Sammlung). Das ' gute Beispiel wirkt, wie wir hören, eine gute-Nachahmung. Um die Arbeiten für die Bibliothek von Jerusalem und das ganze palästinische Bibliothekswesen organisch fortsetzen zu können, bedarf die Hauptsammelstelle der fleißigen Mitarbeit besonders auch jüngerer Kräfte. Studenten sollten es sich zur Ehrenpflicht rechnen, sichw-öchent-! lich für ein paar Stunden zur Verfügung zu stellen, -teils zur Werj bun>g, namentlich aber, UM bei der Katalogisierung zu helfen, i U eher all sollten sich örtliche Sammelstellen bilden. Alle Logen und j wissenschaftlichen Vereine sollten es für eine Erfordernis ihres Ansehens halten-, daß sie einen ihrer Stellung angemessenen Beitrag für die Bibliothek leisteten. Cs sollen sich Komitees, namentlich von Akademikern, bilden, die sich zur Aufgabe stellen, die Zwecke der Bibliothek und des Bibliothekswesens überhaupt zu fördern. Wir wissen, 'daß unsere Arbeit schwer, sehr schwer ist. Es gehört tatsächlich ein großes Maß von Bildung dazu, um die ÄNchtigkeit einer Bibliothek zu verstehen; ' es bedarf eines hohen Maßes von allgemeinem, kulturellem Leissen, um zu ermessen, wie wichtig der Ausbau der Bibliotheken -ist unld wie wertvoll für das kulturelle Werden das Beitragen und die Mithilfe hierzu. Schwer ist 'darum diese Arbeit. Aber sie ist doch nicht erfolgslos. Und das -gibt uns den Mut zu weiterer Arbeit. Die Hauptsammelstelle befindet sich unter der Leitung von Professor Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 52, Flemrügst raße 12, und ist jederzeit zu Auskünften 'bereit. (Tel.: Mpabit 1036.) Geldsendungen sind zu richten an -das Postscheckkonto Nr. 35 002 Professor Dr. Heinrich Loewe, „Jorusa'lem'-Bibliothek", Berlin NW 52. Postscheckamt Berlin NW 7. | Der Lsntorrnlag in lgerlin. j (Stimmungsbild.) | Von Fabius Schach. I rauhen glüht die Psingstsonne in ihrer ganzen Pracht und kündet beinahe prahlerisch den Reichtum der Natur, das Recht des Menschen auf Glück und Entfaltung,— und drinnen im schlicht-würdigen Saale der Jüdischen Gemeinde sind die Kantoren Deutschlands versammelt, um in ernster Stunde ihre Sache, die Sache des deutschen Judentums, zu führen. Von nah und fern sind sie herbeigeeilt, — nicht um „zu singen und zu sagen", sondern zu sprechen, ihren Schmerz in dieser bitteren Zeit hinauSzuschmettern. Aber dieser Schrei ist frei von allem Häßlichen, das Herz und Ohr beleidigt, er ist selbst in seinen Höhen rein. Denn auch der wirtschaftliche Kamps, der hier geführt wird, hat einen idealen Unterton. Ja, er steht rat Dienste des jüdischen Idealismus^ Auch da, wo eine Verbitterung mitllingt, ist sie gedämpft.

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