Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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264 der Krau sehr gut gelebt und sie sehr lieb gehakt. Und dann hinüber nach dem jüdischen Friedhof an die Gräber seiner Herrschaft; dort sprach er sich aus mit -seinem alten Herrn, und es mar ihm immer, als höre er dessen Rat. So oder so hatte der sich bei bestimmten Gelegenheiten geäußert, ja, Paschte-Josef glaubte oft deutlich seine Stimme zu vernehmen, und gewisse Wendungen und Redensarten klangen ihm mit der gemächlichen Breite des Tonsalles seines Prinzipals noch sehr lebendig in den Ohren. „Nun geh', du Narr, darum grämst du dich? Laß jene sich ärgern!" Oder die Stimme sagte: „Nimm-'s Leben leicht, schwer wiöd's von alleine!" Und auch heute wußte Josef, sein guter Herr würde ihn nicht tadeln, hatte er ihn doch bei ähnlichen Scharmützeln oft genug -urteilen hören: „Ein ehrlicher Patsch ist mehr wert als zehn falsche Küsse!" und hatte dann warnend hinzugesetzt: „Aber sieh dich vor, Josef! Man weiß me, wie ein Schlag gerät!" In diesem Fall war das Gewissen von Paschke-Josef beruhigt: dem Mutzel hatte die Backpfeife nichts geschadet; im Gegenteil, sie war ihm sogar sehr gesund. Schl„b MnU Gabirols Klagelied?u Lhren K. 3. IJflnitirls. Nebersetzt von S. A s ch n e r. Und ihr bleibt still, ganz still, vergangne Tage? Hör' denn, mein Herz, und hemme deine Klage. Reb Samuel schied, mein Vater und mein Wagen. Ach, seine treue Freundschaft liegt zerschlagen. Was bliebe noch zu tun, was du nicht tatest? Wie einst Elisa staunt' des Flammenpfades, Da der Tischbite sausend ihm entschwunden, So steh' ich starr, jäh quellen meine Wunden. Mir ward ein zwiefach Teil von deinem Geiste; Dir seinen Schmerz beut zwiefach der Verwaiste. Wie ruhst du sanft in wonnevollstem Frieden An stiller Statt; nicht still're gibt's hienieden. Im Frenndesherz bewohnst du nun dein Zelt! Dort Hause fürder, nun entrückt der Welt, Und wenn des Lebens Stürme mich nmdräun, Dann, lieber Vater, kehr' ich bei dir ein. Literarische Mitteilungen. — H e i n r i ch Finke: lieber Friedrich und Dorothea Schlegel. Köln, Verlag von I. P. Bachem. Der Freiburger Professor steuert in der vorliegenden Arbeit wertvolles neues Material zu der noch nicht geschriebenen Biographie Friedrich Schlegels bei, dessen Frau Dorothea, die Tochter von Moses Mendelssohn, auch das jüdische Interesse immer wieder auf sich zieht! Auch über sie besitzen wir ja noch keine abschließende Untersuchung, die beste Schrift mag wohl die Otto Brahms sein. Ans den der Abhandlung von Finke angesügten Briefen bietet ein Brief des später am Vatikan zu großem Ansehen als Botschafter gelangten Alexander Hübner manches Neue für die jüdische Zeitgeschichte. Aus diesem Schreiben, das an Dorothea Schlegel gerichtet ist, sei das Folgende mitgeteilt, dem noch die einleitende Bemerkung vorausgeschickt sein «löge, daß Hübner sich hier gegen den Plan der dreigliedrigen Universal-Kirchenzeitung wendet, die alle drei Religionen zu Worte kommen lassen will; er fährt dann fort: „Was sagen Sie, gnädige Frau, über dieses Unternehmen? Ich prophezeie dem Ganzen eine kurze Existenz, entweder es kommen sich die Mitarbeiter in die Haare oder es geht in ihrem Schoße eine Revolution vor sich, die der nationalistischen Partei in dem katholischen, protestantischen und israelitischen Deutschland (seit wann gibt es denn ein israelitisches Deutschland?) das Heft in die Hände gibt, was freilich die ehrenwerten Namen, unter denen ich m»t einiger Verwunderung jene Geigers, P. Veiths und Radowitz fand, aus der Liste der Mit-' arbeiter streichen würde. Ich gestehe, scher diese Sache bisher Zu keinem Urteile gelangt zu sein. Was nutzt es überhaupt, eine Arena zu eröffnen, auf welcher nicht gekämpft werden darf — denn Polemik ist ja, dem Programm nach, höflich verpönt — und wo jeder seinen . Gaul in möglichst schönen Kapriolen dem Publikum vor Augen führt? Zudem, sind jene Männer der beiden katholischen Sektionen die wahren Vertreter ihrer Konfession? beiläufig -gesagt, ,hat es nicht etwas Empörendes, wenigstens -höchst Mokantes, die Israeliten mit den christlichen Konfessionen so ganz in einer Linie rangiert zu sehen?) — sind die mitarbeitenden Rabbiner auch wirklich Juden, oder stehen sie nicht vielmehr, was mir nach den bisher gelieferten Proben palpable scheint, auf einem rein deistischen Boden, der mit einer Positiven Religion nichts gemein hat?" — Wir wollen hier die Mitteilung des Briefes abbrechen, gerade der letzte Satz gibt Veranlassung darüber nachzudenken, wie inan der jüdischen Reform in streng katholischen Kreisen gegenüber dachte! — Das Buch Finkes aber verlassen wir mit dem Empfinden, daß die Beschäftigung mit der Romantik diesen Dingen eine stets neue und anregende Seite abgewinnen kann. Dr. Willy Cohn (Breslau). Mcherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Tie Zukunft des jüdischen Volkes. Von H. H. van. Kol, Mitglied des holländischen Senates und des Exekutivkomitees des Internationalen sozia-listischen Bureaals-. 1919. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Der Geist der neuen Volksgemeinschaft.. Eine Tenkschrift für das deutsche Volk, herausgegebenvon der Zentrale für Heimatdienst. S. Fischer, Verlag, Berlin. Grundlagen und Ziele des reli-giös-libera'len- Judentums. Im Anstrage der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland verfaßt von Dr. Joseph Norden, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Elberfeld. Am Tage des Gerichtes. Erzählung. von Benjamin Segel. 1918. Nibelungen-Verlag, Berlin W. Engen Fuchs, Um Deutschtum und Judentum-. Gesammelte Reden und Aussätze. Herausgegje'ben -im Aufträge -des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens von Dr. Leo H i r s ch s e l d, Assessor in Berlin. Verlag von I. K-ausftnann. Frankfurt a. M. 1919. Mein Weißbuch über den Weltkrieg. Alessiamscher Zionismus von Benjamin Wechsler, Frankfurt a. M. 2 Teile. Im Kommtssionsverlag von Franz Benjamin Aalffarth, Frankfurt am Main. 1919. Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen. Verbände in Z'ü-rich, 19. bis 26. Adar 1. 5679 (19. 'bis 26. -Februar 1919). (Proto-ko-tt-Auszug.) Verlag Zentralbureau der ,,Agudäs Jisroek", Zürich. In der Fremde. Neue Jiudenlieber von Marek Scherlag. Zweite Auflage. Axel Juncker, Verlag, Berlin--Chiavloktenburg. Dr. P. I. Troelstra, Politische Aufgaben der sozialistischen Internationale. Verlag Schweizerischer Grütliverein, Sektion Luzern. Eine friedliche Lösung des Weltkrieges. Don Johin de K ay,. Hitssivereiu für jüdische Lungenkranke in -der Schweiz. 2. Jahresbericht 1918. Erez Israel. Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüdischen Nationakfonds. Heft 3. Mai 1919. J-n Ko-mmisswübeiin Jüdischen, Verlag, Berlin. Praktische Grammatik der Jidischen Sprache für den Selbstunterricht. Mit L.es,eistücken und einem,Wörterbuch. Von Salomo Birnbaum. Wien und Leipzig, A. Hartlebens Verlag. Salomon Carlebach, Sittenreinheit. Ein Mahnwort an Israels Söhne und Töchter, Väter und Mütter. 2. Auflage. Berlin N, Verlag Hausfreund. Druckfehler-Berichtigung. Herr Dr. Adolf Löwenberg bittet uns um Berichtigung eines Druckfehlers, der sich in dem in der vorigen Nummer erschienenen Bericht über seinen Vortrag findet. Es muß dort demnach heißen: die Wellhausensche Schule hat die Besonderheit der Propheten allzusehr übertrieben.