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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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600 Die allernächste Zeit wird es lehren! Die Not 'der Zeit, die auch eine Zeit der Not ist, verlangt von allen Lebenden nicht nur Werke des Geistes, und jetzt noch mehr sogar, reale Schöpfungen, positive Wertlei st ll n g e n , von denen man lebt, sich ernährt und kleidet, mit einem Wort: lebenserhaltende Nützlichkeit und Notivendigkeitsschöpsungen. Helft sie schaffen! Dr. Kahn. * Spenden jeder Art nehmen entgegen: Herr Direktor A. Ehrenberg, Postscheckkonto 3566, Postscheckamt Berlin NW 7, auch die Vorstandsmitglieder des Bodenkulturvereins in Breslau, Herr Emil Waldstein und Lippmann Bloch in Frankfurt: ferner die Herren Jos. Wisloch, Rabbiner Dr. Horowik, Willy Wolfs in Freiburg i. B., Bros. Tr. A. M. Loewy in Hamburg, Bankier Alfred Liffer in Offenbach a. Main, Tr. jur. Gnggenheimer, Elias Strauß in Köln. Beitrittserklärungen, Stiftungen, Schenkungen, Legate werden von der Geschäftsstelle des B o den kn l tu r ve re i n s in Charlottenburg, Ternburgstraße 46, entgegengenounnen, daselbst auch Statuten, Jahresberichte, Schriften usw. auf Wunsch kostenlos versandt. Wegen berufsmäßiger Ausbildung in der Landwirtschaft und Gärtnerei wende man sich an die H a u P t st e l I e für Berufsb e r n tung der I u den, Berlin 8W, Lmdenstraße 13 (Zentralverein). Mis?kllkn. Jur Jahre 196 erklärt der römische Feldherr Ftalnininlls bei Gelegenheit der isthuri scheu Spiele die griechischen Staaten für unabhängig vom rnakedonischen Joch. Livius berichtet im 33. Buch Kapitol 31 über diese Angelegenheit: Man hatte sich amu Schauspiel (d. h. zum Zuschallen bei den Wettspielen) niedergelassen, da trat ein Herold vor, verschaffte sich durch ein Tronlvetensignal Ruhe und verkündete, daß nach Besiegung des Königs Philipp und der Makedonier die Völker Griechenlands (rolaen die einzelnen Namen der betreffenden Stännne) frei sein sollten. „Als man des Herolds Ankündigung gehört hatte, herrschte eine Freude, die größer war, als sie je Menschen vernahmen. Kaum glaubten sie, recht gebärt zu haben: verwundert, w i e wen n sie ei n T r a u m ge si cht sähen, blickten sie einander nrr." Wenl fällt hier nicht Psalm 126 ein, in dessen Vers 1 es heißt: ISvii-i „Ta waren wir wie Träumende". Derblnf'fend ist die Parallele der Situation und des Ausdrucks. Bei beiden Völkern, Juden urtb Griechen, tritt eine unerwartete Befreiung von politischem Druck ein: bei beiden war die Ueberraschung mit dem Geschenk der Freiheit «gleich groß, vielmehr übergroß. Beide glaubten fctmir an die Wahrbeit, an die Realität d>es Derkündeten, der Verheißung: die Empfindung drückte sich beim Psalnristen wie beim Livius in demselben Bilde aus: die Befreiten glaubten zu träinnen. Daß Livius (Zeitalter des Kaisers Augustus) vielleicht von irgendeinem in Rorn lebenden Juden von Psalm 126 Kenntnis erhalten haben könnte, halte ich für aus geschloffen; literarische Beziehungen zu zahlreichen lateiniscken und griechischen Quellen des Livius sind aufgedeckt und gewürdigt worden, aber nirgends findet sich eine Spur, die auf jüdischen Ursprung htndeutet. So bleibt bloß die Tatsache bestehen, die allerdings zum Nachdenken! auffordert, daß beide Autoren bei Schilderung gleicher Begebenheitenden psychischen Zustand der Betroffenen mit demselben Bilde, ja fast mit denselben Worten-schilderten. Professor Dr. Sachs. * Rathenau und das Judentum. In der „Bierteljahresschrift für philosophische Pädagogik", herausgegeben von Professor Dr. W. Rein, 1. Jahrgang, Heft 4 (1917/18), bespricht der Herausgeber die Schrift W. Rathenairs: „Bon kommenden Dingen" und bemerkt n. a.: „Welche Auffassung Herr Rathenau über das Wesen des Sittlichen hat, darüber bleibt -der Leser nicht im Zweifel. Er steht aus dem Boden der christlichen Sittenlehre"; als Belegstelle dient Rathenaus Broschüre „Eine Streitschrift vom Glauben", worin es heißt: „Vielleicht haben Sie meine Schriften gelesen. Dann wissen Sie, daß ich aus dem Boden der Evangelien stehe." Anderseits bemerkt Ra-chenan ausdrücklich in seinem neuesten Buche „An Deutschlands Jugend" (stehe -auch meines Bruders Artikel in Nr. 41 dieser Zeitung), daß er ein Deutscher jüdischen Glaubens sei. Das sind Halbheiten und Schwankungen, die Rathenau aus diem Ge-' biete religiösen Denkens und Wissens oder besser religiöser Unwissenheit eigen sind. Man ist geneigt, rnit dem Propheten Elia auszurusen: Wie lange wollt ihr iwch nach beiden Richtungenhin und her schwanken? . M. Sp, Mcherrinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. # Religwnsbuch für den israelitischen Religionsunterricht anden Oberklassen der höheren Schulen. Herausgegeben von Dr. Max Freudenthal, Rabbiner zu Nürnberg. 2. Auslage. Nürnberg, Verlag der Friedrich Kornschen Buchhandlung 1918. Nelle Jüdische Monatshefte, Heft 2, III. Jahrgang, 25. Oktober 1918. Verlag der Jüdischen Monatshefte, Verlin/Mjünchen. Bericht der Großloge fair Deutschland VII. IX. O. B. B. E. B. Berlin. November 1918. Nummer 78. Verlag der Großloge, Kleiststraße 12. Die Zukunft Palästinas. Ein Mahnruf an die zionistischen Juden und an die ganze Kulturwett von Dr. Mehemed Emin Efendi (pseudon.). Komnriffionsverlag I. KanMnann, Frankfurt a. M. 1918. Josef Richter: Die Eipeldauer Briese. 1785 bis 1797. Herausgegeben, einaeleitet und mit Anmerkungen verfehlen von Dr. Eugen v. Paim-el. I. Band mit 40 Abbildungen, II. Band mit 43 Abbildungen. Verlag Georg Müller, München. Moaus Zur, ein Chanukabuch. Jüdischer Verlag, Berlin 1918. Ch. Borat: Ein Kreuzzug von Juden für Juden? Herallsgegeben vom Ko-lllitee der Allfrechterhaktung jüdischer Neutralität. Nr. 412. 1918. Dr. F. Neullmnn: Welchen Standvunkt soll der Jude int Interesse des Gesamtjudentums einnehmen? Herausgegeben vom Komitee für Aufrechterhalmng jüdischer Neutralität. Nr. 3. 1918. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Heft XII. Ascher ben Jechiel. Sein! Leben lind Wirken. Von Alfred Freimann, Posen. Frankfurt a. M., Bnchdruckerei David Droller. 1918. Sprechlaal. Hilfe für die Opfer der gattzischen Pogrome. Während noch das von uns einaeleitete Hilsswerk für die Opfer des Krieges seinen Fortgang nimmt, dringen zu uns erschütternde Hilferufe aus vielen Orten Galiziens, an denen die wehrlose jüdische Bevölkerung überfallen und durch Plünderung, Brandschatzung umb' Vernichtung von Hab und Gut inunsägliches- Elend gestürzt wurde. Aus den Schilderungen von Augenzeugen über die in Lemberg verübten Greueltat-en hat man rnit Entsetzen -entnourmerr, daß dort durch die Ermordung und Verbrennung vieler Hunderter unschuldiger Menschen zahlreiche Familien ihrer Ernährer beraubt wurden, daß durch die Vierwüstungganzer Stadtviertel -und die Vernichtung von Woh>- nunaen, Geschäften und Habseliakeiten der jüdischen Bevölkerung Greise, Frauen und Kinder ohne Obdach und Erwerb, ohne Nahrung und Bekleidung zurückgeblieben und bei der geaellwar-tiaen WinterWlte teils dem Erfrieren preisgegeben, teils vom Hungertode bedroht sind. Gea-enMer diesem furchtbaren Glend erscheint eine umfassende Hilfeleistllng nrlallsw-eichlich! Wir erlauben uns daher an alle edlen Menschensrelln.de die innige und dringell de Bitte zu richten, den beklagenswerten Opfern dieser' barbarischen Greuelt-aten durch rasche und ausgiebige Förderung der von uns sofort eingeleiteten Aktion Hilfe und Rettung zu bringen llnd uns in -den Stand zu setzen, die Not der Unglücklichen zulindern und viele hunderte FLNiitten vor den: gänzlichen Untergänge z-ir bewahren. Hochherzige Beiträge werden vom Bureau der Israelitischen Allianz, Wien-, II, Untere Donaustraße 33 (Poftsparkassen-tonto Nr. 3152), sowie durch die Redaktion dieses Mattes, ferner durch Einzahlung auf unser Konto bei der Oesterreichischen Credit-Ansta.lt für Handel und Gewerbe und beim Wiener Bank-Verein dankend in Empfang genommen. Wien, 1. Dezember 1918. Ter Vorstand der I s r cre litt sche n All li a n z zu W i.e n.

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