Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Viichrrrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Karl, Marx: R. Witbr-andt. B. G. Teubner, Leipzig-Berlin. Aus Natur imb Geisteswell, Heft 621. Johann Conrad Köper, Bildhaiuer, und Friedr. Will). Brepohl, Schriftsteller, Vorschläge zu einem Rieformkino. Dritte Auflage. Bad Nassau, Zentralstelle zur Verbreit!mg guter deutscher Literatur. Refiormation. Von Friedrich Franz v. Unruh. Leipzig 1918, DerlagSanstalt Fritz Stephan. Preis 1,50 Mark. Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums. Jnr Auftrag der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Erfaßt von Dr. Joseph! Norden, Rabbiner der Jüdischen- Gemeinde -in Elberfeld. 1918. Druck von Voigt u. Gleiber, Frankturt a. M. Geschichte der freien. Stadt Frankfurt <& M. (1814 bis 1866). Von Richard Schniieiueir. Jnr Aufträge der Städtischen Historischen Kommtffion. Dritter Band, II. Teils. Franksiirt a. M., Joseph Baer n. Co. 1918. Gin Viertelsahrhunidert im Kamvf um das Recht und die Zukunft der deutschen Juden. Ein Rückblick auf die Geschickte des Centratvereins deutscher Staatsbüroer jüdischen Glaubens in den Jabreu 1893 bis 1918 von LandesraWiner Dr. Rieaer (Braun'sckweia). 1918. Verlag des Gentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Gla.ubens, Berlin SW 68. Jahrbuch der Jüdifchi-Literarifchen Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.). XII. Frankfurt a. M.., I. Kauftnrann!. 1918. Der Holzlvea. Ein Berliner Roman von L. Audnal. Zweite Auflage. Berlin. Erich Reih, Verlag. 1918. Nord und- Süd. Eine dentsche Monatsschrift, ber ansgegeben von Ludwig Stein. Septemberheft 1918. 42. Jahrgang. Preis 2 Mark. ' Heiluatziele. Geschichte und Erlebnisse aus Kriea und Friedeni. Von Karit Julius Meder. 2. MUaae. Bad Nassau (Lahn), Zentralstelle zur Verbreitung gater deutscher Literatur. Bilder aus dorn deutschen Volksleben, .^erausaegeben. von F. W. ^revoh'l. .^est 2/3: Es ist ein Licht . . . Er.räblunaen von Reinhold Braun. Bad Nassau (Lahn) 1918, Zentralstelle zur Verbreitung guter deutscher Literatur. Jüdisches Jabrbuch für die Schweiz. 5679 (1918/19). Herausa.' a^bm, von der ^numifsion zur Verbreitung jüdischer Volksbildung in der Schweiz. 3. Jahrgang. Verlag des Jüdischen Jahrbuches, Luzern'. Grundzü.-'l"' der indischen Geschichte in nacMblifcher Zeit. Don Bros. Dr. Alfred Feilchenfeld, Direktor der Israelitischen Realschule m Fürth. Berlin, Verlag von Louis Lam-m, 1918 Sorkchlsal. C h a r l o t t e n b u r g, den 6. Oktober 1918. Sybelstrahe 54. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Eine Sprechsaal-Notiz in der dieswöchigenNummerIhres geschätzten Blattes beschäftigt sich mit meinem in der Nr. 27 der „Allg. Ztg. des Judentums" vom 5. Juli d. I. abgedruckten Aufsatz „Treu und Glauben auf dem Boden der jüdischen Wohltätigkeit", indem Herr Dr. Ratuer gegen diesen gewissermaßen polemisiert. Trotz der erhobenen Einwendungen vermag ich einen anderen Standpunkt als den, welchen ich in dem beregten Artikel vertreten habe, auch heute in der Sache nicht einzunehmen., Ich verkenne lischt den Gedanken reinster Menschenliebe, den unsere Altvorderen in der sozialen Gesetzgebung zmn Ausdruck brachten. Hierauf fußten auch die Ausführimgen in dem Artikel des Herrn Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld „Jüdische Wohltätigkeit" in Nr. 1 des „Gemeindeblattes" 1918, auf den ich mich damals bezogen habe. Ich brachte zmn Ausdruck, von welcher Menschenliebe die Worte in dem „Ho laclimo, anio: Es komme jeder Hungrige und Dürftige und esse mit" zeugen. Ich verkenne nicht den Wert und die Bedeutung des angeführten humanen Grundsatzes, Baba Bathra 8a: VI^TO pK ich weiß auch, daß es Baba Bathra 9a heißt: „Wohltätigkeit wiegt alle Gebote auf". Dagegen habe ich mich in meinem Artikel wahrhaftig nicht gewendet. Ich habe nur behauptet, daß in der neuen Zeit der alte Wohltätigkeitssinn notgedrungen andere F o r m e n annehmen müsse, wodurch Treu und Glauben erneut gestärkt und zu früherer Bedeutung gelangen wird. Die moderne, organisierte jüdische Wohltätigkeit, ohne die eine rationelle Armenpflege unmöglich ist, läßt gewiß auch keinen Darbenden hungern, keinen wirklich Bedürftigen, ohne Hilfe von dannen gehen, aber sie prüft gewissenhaft, doch nicht minder wohlwollend, und kann daher , mn so wirksamer helfen. Diese und ähnliche Grundgedanken führten zur Gründung der „Zentralwohlsahrtsstelle der Deutschen Juden", welche als Gesämtorganisation ihre Tätigkeit jetzt ausgenommen hat. Möge diese neue und weitverzweigte Organisation den alben bewährten jüdischen Wohltätigkeitssinn zN neuem Leben erwecken, erhalten und vertiefen zum wahren Segen unserer bedürftigen Glaubensgenossen! Herz ohne Kopf ist in der modernen Armenpflege ebenso zu verwerfen wie Kopf ohne Herz. Nur beides vereint kann zmn segensreichen Ziele führen! Mit der Bitte mit gesl. Veröffentlichung hochachtungsvoll sehr ergeben Nathan Cohn, Bureauvorsteher. * Sehr geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf die Besprechung der Dr. Carlebachschen Schrift „S i t t e n r e i n h eit" in der Nummer vom 16. August d. I., möchte ich auf meine in der „Hygienischen R u n d s ch a u" erschienenen Abhandlungen: 1. Die Perverse Geschlecht s^mpfjndung in der jüdischen Lehre (1910), 2. Die geschlechtliche Hygiene in der a l t j ü d i s ch e n Literatur (1912, Nr. 2), 3. Wie die alten Juden die Politik der Vermehrung der Volkskraft betrieben (1916, Nr. 4), 4. Altes und Neues zur Sexualpolitik (1917) aufmerksam machen. Darin, speziell in Nr. 2, habe ich schon vor Jahren die ganze S e x u a l f r a g e sowie die S i t t e n r e i n h e i t in wissenschaftlicher Weise nebst Quellenangaben aus der jüdischen Literatur ausführlich und erschöpfend abgehandelt. Demnächst erscheint von mir im „Jahrbuch für Sexualpolitik" eine größere Arbeit über „Altjüdische praktische S e x u a l p o l i t i k". Interessenten seien darauf aufmerksam gemacht. Hochachtend Dr. nied. R a t n e r. * Hochverehrter Herr Geheimrat oder löbliche Redaktion! Obwohl Sie mir die Auszeichnung erwiesen haben, in Sache de? Angriffes der „Reichspost" gegen meinen Artikel über „Ritualmord" in der christlichen! Kunst -i-u« markigen' Säb-en die Verdrehunaen dieses Blattes festzustellen, möchte ich nur noch erlauben, der „Reichspost" an dieser Stelle einen offenbaren Irrtum aufzuktären. Die betrübende Erfahrung, die ich selbst in der Großstadt Wien inachte, daß selbst in gebildeten Kreisen noch an das Ritualmordmärchen geglaubt wird, und der große Einfluß, den der Religionsunterricht auf die Schuljugend hat oder haben sollte, ließen in mir den berechtigten Wunsch aufkommen, die Geistlichkeit beider christlichen Konfessionen möchte in beiden Reichen das Ausklärungswerk selbst in die Hand nehmen, besonders da dieser Wahn dort aus rein heidnischen Vorstellungen erwächst, unter denen niemand mehr gelitten hat als das Christentum der ersten Jahrhunderte. Eine sonstige Einmischung in den Re-ligionsunterricht der Christen lag mir fern, wie jeder Unbefangene meine aufrichtige Verehrung für christliche Kunst vom rein ästhetischen Standpunkt aus meinen Zeilen herausgelesen haben muß. Trotz des Angriffs der „Reichspost" will \ di nicht glauben, daß der gebildete christliche Klerus meiner Anregung feindlich gegenübersteht, viel eher bin ich überrascht, daß nicht maßgebende. Faktoren unserer Wiener Jüdischen Gemeinde sie aufgegriffen haben. Wenn wir solchen Verdrehungen ausgesetzt sind, kann der Wunsch der „Reichspost" in Erfüllung gehen, daß wir Juden den Boden einer Heimat abschütteln, für die jetzt Tausende und Tausende unserer Söhne bluten. In vorzüglicher Hochachtung Clotilde Benedikt. Wien, 18. September 1918.