Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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489 des Judentums* Nr. 42 folgendes: „Salowon durchwehte die jüdische Predigt mit freiem Geiste, löste sie von der Nachahmung anderer Glaubemsparteien losmachte sie zuerst zu einem eigenen, dem Judentuine selbst gehörenden Produkte. Er ward Muster und Lehrer in der deutsch-israelitischen Beredsamkeit, und wer die von Tag zu Tag sich steigernde Wichtigkeit dieser für unseren Gottesdienst zu ermessen versteht, wird das Verdienst Salomens ganz zu würdigen wissen. Die herrliche deutsche Sprache floß aus der Feder vieler Juden vor ihm in ihrer ganzen Herrlichkeit, aber vom Munde eines Juden als lebendiges^ Wort war sie bis zu ihm in solcher Kraft, in solchem Glanze, in solcher Vielseitigkeit noch nicht vernommen worden. Salomon war der erste, der der deutschisraelitischen Kanzelberedtsamkeit auch bei anderen Glaubensparteien Achtung abzwang — und man weiß, wie schwer dies ist." Ist Kleys geistvolle Jmerpretion desSchriftwortes meist ohne Poetischen Schwung, so lwar er als Schöpfer deS Tempel - Gefangb u che s doch auch Poetisch veranlagt, und er sowohl als seine treue Schülerin Therese Warendor'ss dichteten zahlreiche Lieder, die heute noch mit Vorliebe gesungen werden. Noch ein Zug in der Persönlichkeit Salomons sei hier erwähnt: die Kraft seiner Apolog e ti k. Gemütswarm, aber sachlich, wissen-« schaftlich und ohne subjektive Voreingenommenheit, nur mit dem ihm eigentümlichen Humor und Witz tritt er kühn den Angreifern des Judentums entgegen. Bruno Bauer, die Professoren Hartmann, RühS und Fries, die den Emanzipationsgedanken öffentlich bekriegten, wurden durch gediegene apologetische Arbeiten schachmatt. Abfertigung eines Judenfeindes mit dem Der Hamburger Tempel. Innenansicht. Salomons Salomons Pseudonym Carlo habe ich 1894 unter dem Titel: „Das schwarze und das blaue Buch" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht. Der jüngst verstorbene Philosoph Geheimrat Professor Hermann Cohen s. A. hat mir vor einem Jahre einen Artikel über Salomons apologetische Schriften fürdas geplante Festbuch zu 1918 zuzusenden vorsprochen; mit dem Hinweis aus seine geschwächte Sehkraft entschuldigte er kurz vor seinem Hinscheiden die Zurücknahme seiner Zusage, was sehr zu bedauern ist. -r- Auch die Angriffe, oft wütigen Ausfälle gegen den Tempel und sein Gebetbuch wies er kühn und kräftig, stets sachlich und wissenschaftlich ab, und sstw irn et cum studio trat er für die Erfordernisse der Neuzeit ein in den verschiedenen Rabbinersynoden des 19. Jahrhunderts. Man lese Phöbns Philippsohns Biographie-G. Salomons. Mit einer, wie mir scheint, nicht unwichtigen Bemerkung möchte ich diesen Aufsatz schließen. Mein unsterblicher Lehrer und väterlicher Freund, Adolf Jellinek, der der jüdischen Homiletik neue Bahnen wies, schrieb vor 40 Jahren in der „Wiener Neuzeit", der Hamburger Tempel sei ein stolzes Schloß auf einsamer Höhe; er wollte damit sagen, daß der Wiener Tempel mehr Nachahmung gesunden hätte. Hier hat der geniale Wiener Prediger das lokale Interesse über das allgemeine gestellt. Nein, der Hamburger Tempel stand nicht aus einsamer Höhe, denn Wien selbst verdankt ihm seine Bedeutung insoweit, als Jellineks Vorgänger, JsakNoaMannheimer, sich einen Jünger von Kley und Salomon nennt, so daß er in seinem Gutachten über das Tempel-Gebetbuch die Aeußerung tat: „Ich habe die Weihe zum Prediger im Hamburger Tempel empfangen." Er hat zwei Jahre die ersten Prediger hier gehört, eine kurze Zeit Salomon vertreten und ist von Salomon hier getraut worden. War auch Mannheimer als Bearbeiter des für die österreichischen Gemeinden maßgebenden Wiener Gebetbuches in etlichen Punkten anderer Ansicht, die Hamburger Liturgie hat er mit Wärme vertreten. Nicht auf einsamer Höhe steht ein Gotteshaus, das in Leipzig, Jellineks erster Gemeinde, eine Filiale hatte, das die Hauptgemeinden Europas und Amerikas in Liturgie und Kanzelrede grundlegend und ausschlaggebend beeinfluß! hat. Nicht auf einsamer Höhe steht ein Tempel, der Meister wie Kley und Salomon an seiner Spitze hatte, die die Rabbinen aller Richtungen in der neuesten Zeit gelehrt haben, wie Gottes Wort zu verkünden sei, und deren literarische Nachlässe Zeugnis ablegen von der. Wahrheit, Tiefe und Größe der jüdischen Religion. Wsltrr Sathrnau und die Uusrrw8h!thri1. Von Dr. M. S p a n it e x (Berlin). — „Doch kennt Ihr auch das Volk, Das diese Menschenmäkelei zuerst Getrieben? Wißt Ihr, Nathan, welches Volk Zuerst das auserwählte Volk sich nannte? Wie? wenn ich dieses Volk nun zwar nicht haßte, Doch wegen seines Stolzes zu verachten Mich nicht entbrechen könnte? Seines Stolzes, Den es auf Christ und Muselmann vererbte. Nur sein Gott sei der rechte Gott!" So spricht zu Nathan der Tempelherr. An diese Worte wird man erinnert, wenn Walter Rathenau in seinem neuesten