Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-11 · Heft 41 (11.10.1918) · p. Seite 488

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229380--74370-3286861
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

488 Schüler zu lenken, galt ihnen als Vorstufe für das Seelenhirtenamt der Gemeinschaft der Großen, für welches sie sich freilich schon früher meist nach dem Vorbilde nichtjüdischer Wegweiser der Kanzelrede in einem Privattempel Bet-Jakob, gegründet von Israel Jacobsohn in Berlin, erfolgreich vorbereitet hatten. Der Hamburger Tempel fand seine erste Gemeinde in der Schule und seine ersten geistigen Führer wie-' der in der Schule — und was diese beiden wollten, dachten, schrieben und sprachen, das machte — Schule. Schulemachen heißt: Vorbildlich wirken, heißt: Gleichstrebende zur Nacheiferung veranlassen, ihren Ideen zum Durchbruch verhelfen und aus die Neugestaltung der Institutionen in Beziehung auf Geist und Willen ausschlaggebenden Einfluß üben. Beide, Kley wie Salomon, hatten das e i n e Ziel: die Erhaltung f -des positiven Judentums, die Belebung jüdischen Selbstbewußtseins, die Ausbreitung der mosaischen und prophetischen Ideen, insbesondere der Ethik des Judentums sowohl im Innern der Gesamtheit ihrer Glaubensgenossen wie auch außerhalb derselben in der Welt, in der sie Achtung und Anerkennung der Lehren der jüdischen Religion und ihrer Bekenner erstrebten. Die Mittel und Wege dazu sollte der Tempel weisen durch seine würde- und weihevolle A n d a durch das klar, rein und ' schön zu Gehör gebrachte Gotteswort. Der Tempel bahnte ferner die Wege zur Verbindung des Judentums mit dem Deutschtum insofern, -daß die ewigen Wahrheiten unserer Religion. ihr tiefstttlicher Gehalt Festigung finde durch die in die Erscheinung tretende reizvolle Gestalt. Die ästhetische Form sollte das Uralte stets neu, erhaben, vornehm und würdig und damit zum Eigentum, zu wirklichem Besitz des von den Ahnen Ererbten machen in den Herzen einer deutsch denkenden, deutsch empfindenden, deutsch sprechenden, in Schule und Leben zu deutschen Bürgern erzogenen Generation. Ganz im Sinne Gabriel Rießers, der in seiner Zeitschrift „Der Jude", in seinen Parlamentsreden, in seinem Wirken, als Rechtsanwalt und zu einer Zeit auch als Vorsteher des Tempels der innigen Verbindung von Judentum und Deutschtum sein gewichtiges Wort gewidmet hat. Kley und Salomon verfolgten diese Ziele in der Anordnung der abwechselnd hebräisch und deutsch zum Bortrag gelangenden Gebete und Gesänge im Tempel und ganz besonders in ihren gottesdienstlichen Vorträgen. Worin sie sich unterschieden-, das war in Beziehung auf'ihre Homiletik — die Methode. In Kley war der L e h r e r, in Salomon der Prediger vorherrschend. Tort waltete wie in der Welt der Schule das Unterrichtsmäßige, das Denken, die Reflexion in der äußeren Form Und Hülle lehrhaft, doktrinär, abhandelnd vor; hier ward mehr als auf die Verstandestätigkeit auf Gemütstiefe, Gefühlswärme Gewicht gelegt; hier gestaltete eine lebhafte Phantasie Exegese, Ausdruck, Stil, Anwendung und Vortragsweise auf der Kanzel. Kleys gedankenreiche Predigtart entbehrte des Schwunges, des Glanzes, des bestrickenden Reizes, die Salomvns bezaubernder Redekunst zu eigen war. Bei Kley war es der Kathederton der Unterweisung und Belehrung, bei Salomon die -der Erbauung dienende, frisch und lebhaft erregende Einbildungskraft, die bald rührend, bald begeisternd, immer erwärmend, die Sinne -und die Herzen der Hörer gefangennahm. Kleh sprach wohl nicht im salbungsvollen Tone, aber doch oft nach dem Muster protestantischer Geistlichen. Salomon, der zu Beginn feiner Predigerlaufbahn nach dem Vorbilde eines Draeseke seine Reden ausarbeitete, arbeitete an sich. Gedanken und Formen selbständig meisternd, so lange, bis er es zu einer Ursprünglichkeit, . Eigenart und vollständigen Unabhängigkeit von anderen Meistern der Rhetorik gebracht hat. Diese seine Originalität schreibt er selber der Vertiefung in die rabbinische Wissenschaft, -insbesondere midraschische Literatur, zu: „Ich -habe", sagt er einmal in der Vorrede zu einem Bande Festreden, „meine Art zu predigen, lediglich den Rabbinen abgelernt." Seine Gleichnisse, poetische Stil- und Redeblüten, in welche vielfach Blumen der Haggadah verflochten sind, seffelten, erbauten und beeinflußten die Gemüter in erhöhtem Maße. Insofern ist er der erste echtjüdische Prediger, dem die Herzen der Hörer wie auch der zahlreichen Leser seiner viel veröffentlichten Reden warm entgegenschlugen. Mit Recht nannte man ihn den Vater d er jüdisch en Homiletik in der Neuzeit. Ludwig Philippsohn schrieb anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums unseres Salomon 1843 in der „Allgemeinen Zeitung K'WD. -MM -AMMM Der Hamburger Tempel. Außenansicht, heilige Norm in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.