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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-24 · Heft 34 (24.8.1917) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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Während dieser mit 21 Jahren'verstorbene Dichter von Kindheit nn müde ist, bleibt Fritz Engel") trotz der 50 Jahre, bte er nun aus sich hat, in Gesinnung, Kraft und Ausdruck ein junger. Ich und Tausende mit mir haben uns an seinen Gedichten, die ursprünglich im Ulk erschienen sind, erfreut, und die meisten werden die gleiche Freude an dieser prächtigenin vier Abteilungen „Die Heimat, Die j deutsche Front; Den Feinden; Gedanken uud Sehnsucht" gegliederten i Sammlung haben. Heimatsgefühl, Kriegsfreudigkeit, Satire gegen! die Feinde mit überwältigendem Spott gegen Italiener und Ameri-! kaner, gelegentlich auch gegen die Deutschen, gegen die stets Beleidigten,! bloß -ans -das eigene Wohlbefinden Bedachten, z. B. die starke, aber tresfende Satire „Ballade vom Kurfürstendamm", Siegeszuversicht, Mitgefühl mit den gestorbenen Helden und den verlassenen Witwen und Waisen, tiefe, innige Empfindung für die Leidenden, die Gefangenen, echter Patriotismus spricht aus diesen Gedichten zu uns. Findet sich auch in ihnen eigentlich nichts Jüdisches, so darf man bei diesen formvollendeten, in edelster Sprache vorgetragenen Poesien das freudige Gefühl empfinden und äußern: Hier lebt die Empfindung eines deutschen Juden. Da diese Gedichte seit ihrem ersten Erscheinen gerade -unseren Lesern gewiß gut bekannt sind, so unll ich nicht einzelne Proben Mitteilen; mir haben beim Wiederlesen die folgenden Gedichte: „Kinderreigen; Den Namenlosen; Stimmen der Tiefe; Der Gefangene", ganz besonders gefallen, aber auch die hier nicht ausdrücklich erwähnten übrigen Gedichte bezeugen echte, starke Empfindung, gefällige und erhabene Kunst des Ausdrucks. Eine eigenartige Sammlung mag unmittelbar an die Engelsche j artgereiht werdend). Es sind Sprüche in Prosa und Verse deutscher und! ausländischer Denker und Dichter von Thomas A. Kempis an bis aus! die neueste Zeit, Friedrich Naumann und andere, Stellen aus dem - Alten und dem Neuen Testament, aus den Kirchenvätern, Talmud ' und Midrasch, verbunden mit Weisheitscmssprüchen griechischer Philo- | sophen. Einige Proben werden aus Juda Halevy gegeben, Amerikaner; wie R. W. Emerson oder der Indier Rabindranath Tagore sind vertreten, manche Franzosen, wie Pascal, Bossuet, Rousseau, Lamartine, j kommen zu Wort, von Engländern nur Carlyle. Von jüdischen - Schriftstellern des Mittelalters und der Neuzeit seien Maimonides! und Berthold Auerbach genannt. Die beiden Herausgeber haben j auch eigene kleine Beiträge von sich ausgenommen; von den zahl-! losen deutschen Schriftstellern, die mit einzelnen Aussprüchen er-! scheinen, seien nur Kant, Nietzsche, Harnack, Traub, Jatho genannt.! Es ist eine vielgestaltige Sammlung, die in eine große Reihe von Abj teilungen gegliedert ist: fromme Aussprüche, gute Gedanken, die Trost! im Leiden, Ausharren, innere Einkehr, Vertrauen auf Gott, Erj Hebung zu höheren Empfindungen predigen sollen; ein Buch der! Einkehr, das in trüben Stunden erquicken und in fröhlichen zum! Ernst mahnen soll. Hans D e l b r ü ck hat in einer kleinen Sammlung ziemlich Willkürj lieh und unvollständig Polenlieder zusamniengestellt"). Von Dichtern jüdischen Glaubens ist nur Moritz Hartmann vertreten, dieser freilich mit zwei der berühmtesten Gedichte: „Die Drei" und „Das Polenlied". Ein drittes, das von demselb-en herrührt, „Drei Ritter", ist von geringerer Bedeutung. Es ist bedauerlich, daß Delbrück die Sammj lung nicht etwas weiter ausgedehnt hat und daß er unter anderem die i stimnnlngsvollen' Gedichte von Moritz Beit nicht auf-genommen hat. Die kurze Einleitung Delbrücks verzichtet auf eine Charakteristik der von ihm ausgewählten Lieder, gibt vielmehr ganz unnützerweise eine kurze Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Ich sage unnützerweise; denn da die Zeitgedichte ganz ausschließlich den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entnommen sind, so war ein geschichtlicher Ueberblick, wie ihn Delbrück gibt, durchaus nicht nötig. Richtiger wäre es gewesen zu zeigen, wie in der Fritz Engel: Wir sind jung! Zeitgodichte. München 1916. bei Georg Müller. 12) Gabe des Kriegsgefangenen-Fürsvrgekomitees des Oesterreichischen Roten Kreuzes. Empor die Herzen! Andachten für Gebildete aller Stände. Herausgegeben von Franz Strunz und Max Grunwald. Kommissionsverlagwon L. W. Seidel w; Sohn in Wien. 13) Deutsche Pvlenlieder von Gras Platen, Grillparzer, Lenau, Graf Auersperg, Nhland. Holtei. Chanässo, Herwegb und anderen. Mit einer Einleitung von Hans Delbrück. Verlag von Georg Stilke in Berlin NW 7, Hofbuchbändler Seiner Kgl. Hoheit des .Kronprinzen, 1917. deutschen Literatur aller Zeiten die Sympathie oder Antipathie gegen die Polen zum Ausdruck gekommen ist. 11. Im Anschluß an die eben erwähnte Gedichtsammlung seien mit einem Worte R. Presbers") kräftige schöne Kriegsgedichte genannt. Es ist eine Sammlung, die sich auch durch glänzenden Druck und sehr vornehme Ausstattung empfiehlt und die neben manchem Satirischen und Humoristischen erhebende patriotische Klänge enthält. Da aber nichts besonderes Jüdisches sich in diesen Gedichten findet, so genügt es, auf diese innerlich und äußerlich ungemein wohlgelungene Sammlung hinzuweisen. Der patriotische Zug durchweht auch eine Sammlung von Kaiser- Worten^). In vier Abschnitten „Der Kaiser; Der Landesherr; Der Friedenskaiser; Der Oberste Kriegsherr" werden hier ans Reden, Briefen und Telegrammen Aussprüche zusammengestellt, die die Anschauung unseres Kaisers über seine Herrscherpflicht und über seine Stellung der Nation zum Ausdruck bringen. Für unseren Zweck mag es genügen, auf die herrlichen Worte der Thronrede vom 4. August 1914 hinzuweisen und deren authentischen Text hier abzudrucken: „Sie haben gelesen, meine Herren, was Ich zu Meinem Volke vom Balkon des Schlosses aus gesagt habe. Ich wiederhole, Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur noch Deutsche; und zum Zeichen dessen, daß Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschiede, ohne Standes- und Konfefsiousunterschiede zusammenzuhalten mit Mir durch dick und dünn, durch Not und Tod, fordere Ich die Vorstände der Parteien ans, vorzntreteu und Mir dies in die Hand zu geloben." Wenn auch diese Kaiserworte aus der gesamten Regiernngsepoche unseres Herrschers zusammengestellt sind, so ist es natürlich, daß der Krieg ein besonders hohes Kontingent zu diesen Aussprüchen liefert. In so hervorragender Weise sich nun auch die Juden als Kämpfer an dem Weltbrand beteiligen, so gibt es doch nur eine geringe jüdische Kriegsliteratur, wenigstens ist mir nicht viel von solchen Dingen zugekommen. In gewisser Weise wird man Strucks4") Publikation dazu rechnen können. Der Verfasser nennt das Buch „Bescheidene Skizzen, schnell erhaschte Eindrücke, an denen rächt geseilt wurde". Der Anregung des Verlegers verdankt das Buch sein Entstehen. Nun gibt es ja ganz besonders hellhörige Kritiker, welche der Welt verkünden, ein Werk, das nicht aus dem Genius des Autors herstamme, sei kein kein rechtes Werk. Ich halte dagegen solches Gerede für töricht und freue mich mit manchen — gar viele können es nicht sein, denn das Buch ist nur in einer Auflage von 300 Exemplaren herausgekommen —, welche diesen liebenswürdigen Versuch sich anzueignen vermögen. Unter den 23 in der Sammlung veröffentlichten Radierungen befinden sich manche Straßen, Ruinen, Gräber in Russisch-Polen. Am Anfänge steht ein Bild des Generals v. Mackensen. Mehrere bieten speziell jüdische Typen dar: Lastträger; Kuchenverküufer; alte Juden und anderes. Es würde sich lohnen, einzelne dieser jüdischen Skizzen gerade in jüdischen Kreisen zu verbreiten; mir scheinen am charakteristischsten die zweite Skizze: des Judenverkäufers in Lodz, und die Radierung, die als „Hunger" bezeichnet ist, doch auch die anderen hier nicht erwähnten sind charakteristisch genug. Ans jüdische Verhältnisse geht auch eine andere erschütternde Schrift ein17). Es sind fürchterliche Bilder von der unmenschlichen Grausamkeit, mit der die Kosaken gegen die jüdischen Familien wüteten. Namentlich die Schicksale eines jüdischen Fuhrmanns Welwale, dessen Tochter von betrunkenen Soldaten geschändet wird, werden herzzerreißend erzählt, und rührend herzerquickend erklingt es am Schluß: „Als sie feinen Augen entschwunden waren, stürzte Welwale in das Zimmer zu Frau und Kinder und schrie, wie wenn er besessen wäre: Müder! Kinder! Menschen kommen!"" Er konnte nicht weiter und begann zu weinen. - In deu Straßen war's laut und lebhaft geworden. Ein Jubel war vom Himmel 14) Die Brücken zum Sieg. Kriegsgedichte von Rudolf Prcsber. Mit Zeichnungen von Lutz Ehrenberger. Verlag Tr. Eysler & Co. G. m. b. H. in Berlin SW. lö) Kaiserworte. Ausgewählt von Tr. Friedrich Everling, Verlegt bei Trowitzsch & Sohn, Berlin. 16) In Russisch-Polen. Ein Kriegstagebuch von Hermann Struck. 23 Originallithographien. Verlegt bei Julius Bard zu Berlin, 1915. ") Wenn die Schakale feiern. Skizzen aus der Russenzeit in Galizien von Hermann Sternbach. Weimar 1917, Weckruf-Verlag.

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