Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 402 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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zwei Neben gewidmet; die von Schwarz*) weist die Berechtigung [ der Mage des Oesterreichers um den Heimgegangenen nach und zeigt, j wie der verstorbene Herrscher sich den Juden gnädig und günstig bewiesen, wie er namentlich auch während des gegenwärtigen i Krieges die Bedrängten befreit und feine edle Humanität stets erwiesen habe. Gerade dies im Kaiser verkörperte Humanitütsideal feiert auch Aietnibürfc rr>) in seiner bekannten beredten Art; außer der : Menschlichkeit des Kaisers hebt er seine Frömmigkeit hervor, verheißt ihm ewiges Heil und endet seine durch manche Bibelstellen unterstützte Betrachtung mit einem schönen Gebet.; R vsena k*) ermuntert in einer Predigt die im Felde stehenden j Kameraden zum Glauben an Gott, zum Vertrauen auf die eigene; Kraft und zur Treue zueinander. In der Ansprache an seine Gemeinde^) legt er auf die Treue besonderen Wert, preist das Gottvertrauen und betet für den Frieden. Den Predigten folge ein Hinweis auf Dichtungen, die von Männern herrühren, die dem Judentum entstammen und teilweise diesem noch angehören. Leo Sternberg, von dem in diesen Blättern schon in anderem Zusammenhang die Rede war, ist ein jetzt 4lljühriger Amtsrichter, dabei Kunsthistoriker und Dichter. Sein gesamtes Schaffen soll in den Schriften von Hans Heinrich Bormauu, einem seiner Bewunderer, im ganzen vorgeführt werden^). Auf dem Titel der Schrift wird der Herausgeber nicht genannt, sein Name findet sich nur am Schluß der Einleitung. Dabei erhalten wir eine Auswahl aus seinen Prosaskigzen, Balladen, lyrischen Dichtungen. Er wird von seinem Bewunderer als ein Meister gefeiert, als ein der neueren Richtung Angehöriger, der sich aber doch seine Selbständigkeit wahrt, als ein religiös angehauchter Mann, der nach dem Höchsten ringt, und als ein von Optimismus erfüllter Denker. Schon in dieser Zusammenstellung werden einige Kriegslieder geboten. Vollständig werden diese in einer anderen Sammlung mitgeteilt"). Diese werden auf dem Umschläge des Buches von Seb. Wirser mit den Worten gepriesen: „Tie ganze bisherige Kriegslyrik verblaßt bei diesen Gedichten." Ich kann mich diesem Urteil nicht anschließen. Gewiß enthalten die verschiedenen Abteilungen: „Mit bekränzten Kanonen; Bon dem Volk der Ulanen; Das eiserne Zeitalter; Walküren über dem Lande; Ehristus in der Schlacht: Userlicht: Die Sieger", manches Beachtenswerte und Schöne, aber ich bekenne, daß im ganzen diese reimlosen Gedichte nicht nach meinem Geschmacke sind. Vieles ist mir zu gewollt, zu künstlich, nicht künstlerisch riusgedrückt, sondern ausgeklügelt, manches in diesen Gedichten klingt meinem Ohre als ziemlich öde Prosa. Gewiß kommen Ra kur, Ltebesge fühle, Vaterlandsliebe und religiöse Stimmungen! nicht selten 311 dichterischem Ausdruck, das sind aber Eigenschaften, die in tausend anderen Kriegsgeschichten ähnlich Vorkommen. Was aber das Eigene sein soll: ernste Betrachtung, die zufällig nnd willkürlich in Verse abgeteilt ist, erscheint mir, wie ich in aller Bescheidenheit sagen muß, eben nur als eiue gut gemeinte nnd verständig ausgedrückte Prosabetrachtung, der ich einen poetischen Wert nicht beimessen kann. Ich kann diese meine Meinung nicht mit vielen Proben erhärten nnd sie im einzelnen begründen; ich gebe daher, um meinen Lehern eine Vorstellung der über Gebühr gepriesenen Verse 31t geben, 4) Unser Kaiser, unsir Glanz! Predigt, gehalten bei der Trauerseier für Kaiser Franz Josef I. am!!. Dezember 1916 von Tr. Emanuel Schwarz, Prediger am Prager Tempel. Selbstverlag zugunsten der Flüchtlinge. Preis 60 Heller. Prag 1916. R) Zur Kriegs-Literatur. Gedenkrede aus weiland Se. Majestät den Kaiser von Sesterreich, Apostolischen König von Ungarn Franz Josef I., gehalten bei der Gedächtnisfeier am 17. Dezember 1916 im Israelitischen Tempel zu Hamburg von Tr. T. Leimdörfer, Rabbiner nnd Prediger zu Hamburg, Hamburg 1917, Eonrad Klvßsche Buchhandlung, Tammtorstraße. 6) Sei stark. Ein Erinnerungsblatt zum Schlußfest des Jahres 5677 (1916) an die Kameraden im Felde. Von Armeerabbiner Tr. Rosenack. 7) Armeerabbiner Tr. Rosenack: An meine Gemeinde in Bremdn zu Rosch Hafchono 5677. 8) Tu schöner Lärm des Lebens. Eine Auswahl aus den Werken von Lev Sternberg. B. Vehrs Verlag (Friedrich Feddersen), Berlin nnd Leipzig. 9) Gott hämmert ein Volk. Kriegsdichtungen von Leo Sternberg. B. Bebrs Verlag (Friedrich Feddersen), Berlin und Leipzig. die zwei Schlußstrophen des letzten Gedichtes und überlasse den Lesern selbst das Urteil. Diese Strophen lauten: „Ewig dahin sind nun die Träume, Gürten mit Schwänen auf dem Teich, Blondhaar und blauer Blick und Flügelstaub der Jugend. Wo sichre Straßen liefen, wälzt sich trübe Flut Und wo das Meer gebrandet, hob der Abgrund Wildnis herauf und Wüstenland . . . noch ohne Weg. Und voll von Feinden ist die Welt. Wer nicht gepanzert ist, dem wäre besser, Er hätte diese Tage nie gesehen! Wir selber sind nicht inehr dieselben. Die Drachen des Grauens kreisten uns um das Haupt. Flammen sengten die Wimpern uns ab auf dem Höllenweg. Wie einem, welcher schon im Sarge lag Und wieder auferstand zum blassen Leben, Wird nie ein Lächeln Uns mehr die eisige Miene lösen. Wir nehmen hart den Hammer in die Hand Und schlagen uns aus Felsen einen Weg, Um auf dem öden Gipfel auszuschauen, Nach einer Heimstatt drunten in der fremden Ebne." Gedichte eines jungen Inden, der in Polen als Krieger gestorben ist, nachdem er kurz vor seinem Tode wegen seiner besonderen Tapferkeit zum Vizewachtmeister ernannt war (der Gefallene war 21 Jahre alt), werden von pietätvoller Hand gesammelt und heransgegeberU"). Es sind nicht eigentlich Kriegslieder', sondern Jugendgedichte, Liebeslieder, Sehnsuchtsklänge und Wanderpoesien. Die ganze Sammlung macht nach den Einsührungsworten des Herausgebers, der nicht den Anspruch macht, einen neuen großen Dichter vorzuführen, sondern „ein Buch zu geben, das mehr als ein stilles Denkmal für ihn ist, sondern auch ein Denkmal für uns und unsere Jugend, für alles, was groß und hoch und herrlich Ist -in unserer jungen Bewegung," einen zwar rührenden, aber nicht völlig befriedigenden Eindruck. Es sind unausgeglichene Gedichte, sowohl in der Form als im Inhalt, aber es sind Ausdrücke eines Strebenden, der nach innerer Läuterung ringt, eines jungen Menschen, der in seinem Glauben seststeht nnd der für sein Gefühl im allgemeinen ganz beredte Worte findet. Als einzige Probe mag hier eines der besseren Gedichte stehen, das so lautet: Nors juvenis. Du düstrer Geselle beim gastlichen Mahl, Ich habe dich nicht gerufen; Der Weg, den du führst, ist nicht meine Wahl, Mich friert vor den schwarzen Stufen, Die gähnend führen hinab in dein Reich, O sieh, ich bin noch ein Knabe. Halt ein, 0 halt ein den Todesstreich! Was soll ich im finsteren Grabe? Noch habe ich nie einen Becher geleert In strömendem Jugendverlangen; Noch habe ich keines der Mädchen betört. Bin stets alleine gegangen. Noch habe ich nie die Klinge voll Mut Gekreuzt mit den feindlichen Waffen; Noch fühlte ich nie der Leidenschaft Glut, Noch habe ich nichts Großes geschaffen. Und doch, schon hör' ich die Stimmen leise. Die für die Menschheit mich werben. Schon fühl' ich ein Glied mich in diesem Kreise, Und jetzt, jetzt soll ich sterben? Wie lächelst so kalt du zu meiner Qual Und weisest hinab mich die Stufen, Du düstrer Geselle beim gastlichen Mahl, Ich habe dich nicht gerufen. lü) Ludwig Franz Meyer: Gedichte. Im Austrage der Mutter des Verfassers herausgegeben und eingeleitet von Emil Cohn (Bonn). 1916, Jüdischer Verlag, Berlin.