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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-11 · Heft 19 (11.5.1917) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 19 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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—- 228 -' ' ';>'; ' I :;" -/';v': '-•■r^"‘i*;!' „Ach, Günther, weil - weil ich .und überhaupt - der Mann ist ja auch mindestens drei Jahre jünger als ich." Günther, der mir gespannt aus die Lippen geschaut hat, verzieht die seinen jetzt spöttisch: „Na, eben! Daran dachte ich ja gar nicht. Da geht es natürlich nicht. Ein Christ ist er ja außerdem auch." Oh, wie er jetzt doch ganz bei dem abgewiesenen Freund steht, ganz weit weg von mir! „Nicht wahr, auch das würde Sie stören?" herrscht er. Ich zuckte die Achseln. „Mag wohl sein, ich weiß nicht. Es mögen wohl tiese, einschneidende Unterschiede in der Auffassung — Gott, Assessor Wegner selbst kenne ich ja gar nicht." „Aber im allgemeinen," vollendet er, und es klingt bitter, „ich verstehe schon. Na also, ivas ich Wegner schreiben darf, weiß ich ja nun. Wenn ich nicht ganz mißverstanden habe, ist dies ein regelrechter Korb, was?" „Ja, Günther," sage ich fest, „ein regelrechter. Sie haben mich nicht mißverstanden, aber schreiben Sie —" „Ja, ich weiß schon, die Pille etwas verzuckern." Und nach einer kleinen nachdenklichen Pause: „Meinen Sie denn vielleicht, ich hätte die Sache zugegeben?" Jetzt lache ich aber doch hell auf. Freund Günther als segenverweigernder Schwiegervater. „Warum denn nicht?" frage ich lustig. Und er tiefernst, fast grob: „Meinen Sie etwa, Wegner wäre mir gut genug für Sie?" Auf einmal steigt in mir etwas wie ein warmes inniges Gefühl auf für den so überraschend erschienenen Freier da aus dein Felde, auf einmal lobe ich ihn vor Günther und sage, er sei ein feiner stattlicher Mann und jede, die ihn mal bekomme, werde sicher glücklich sein. Auf einmal sehe ich alle Welt in rosigem Licht. Wir sprechen von der Kriegslage — wann kämen heutzutage zwei zusammen und erwähnten nicht wenigstens ein einziges Mal den Krieg? —, und, v Wunder, wir vertragen uns. Ja, Günther, freilich werden wir siegen! Das habe ich ja auch nie bezweifelt. Aber ich kann mal einen Augenblick die Opfer alle vergessen, ich freue mich auf die glorreiche Zukunft. Sicher, Günther, ich denke wie Sie: nicht wahr, Griechenland und Rumänien bleiben bestimmt neutral. Bulgarien geht mit uns? Hurra, Bulgarien geht mit uns! Jetzt empfindet man als Deutscher, was man sonst als Jude empfand, da man sich auch ohne Schuld von lauter Feinden umgeben sah und da so große Freude war um einen einzigen Gerechten. Bulgarien geht mit uns, und einmal muß doch, muß doch Frieden werden. Es klingelt, und Günther zuckt nervös zusammen. „Ach, wer ist da nun wieder? Es war gerade so schön", sagt er ärgerlich. Ta wird mir noch friedenszuversichtlicher, noch sieghafter zumute. Ich fliege nach der geöffneten Tür, die ganz von Tante Phines lieber Breite ausgefüllt ist. „Tante, du den weiten Weg? Nein, wie ich mich mit dir freue!" Aller Jubel der verlebten Stunde klingt mit hinein. Einen Heiratsantrag habe ich gekriegt, und Günther weiß das, und ihm ist Wegener nicht gut genug für mich, - - all das denke ich, als ich Tante umfange, sie aus dem Mantel schäle und in die Sofaecke drücke, in der sie etwas asthmatisch Luft holt und noch nicht sprechen kann. „Tante Phine, du hast sicher kälte Füße, ich ziehe dir die Pantoffeln an." Ich knie schon vor ihr und schnüre die Senkel auf. Ich fühle es, jetzt schaut mir Günther zu und ärgert sich, und in mir wird der Jubel immer größer, über Tante, über Günther; ich habe das Gefühl, ich gefalle ihm so trotz seines eifersüchtigen Grolls. (Fortsetzung folgt.) Mchrrrinlüük. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher stabet tu keinem Fall« statt. Matthias MieseS: Germanen und Juden. 1917, R. Lölvit Verlag. Wien und Berlin. Jahresbericht des Jüdisch-theologischen Seminars FraenMIcher Stiftung für das Jahr 1916. Zur Gedächtnisfeier für d.n Stifter, Sonntag, 28. Januar 1917, vormittags 11 Uhr, Wallstraße 14 ll. Voran geht: Geschichte der Juden in Schlesien VI (Forts.) Bon Prof. Dr. M. Braun. Breslau, Druck von Th. Schatzky G. m. b. H. Neue Graupenstraße 5. 1917. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Hcrausgegeben vom Bureau flir Statistik der Juden. Berlin NW, Dorotheenstraße 52. 12. Jahrgang. April, Mai, Juni 1916. Heft Nr. 4, 5, 6. Johann Anton Leiselvitzens Tagebücher, nach den Handschriften heransgegeben von Heinrich Mack und Johannes Lochner. Erster Band. Weimar. Gesellschaft der Bibliophilen. W. S. Rehmont. Die polnischen Bauern, I. II. Herbst, Winter, Hl IV. Frühling, Sommer. Der Bauernspiegel. Berechtigte Ilebersetzung aus dem Polnischen von Jean Paul d'Ardeschah. 4. und 5. Tausend. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1916. Richard Wagner. Briefe an Hans v. Bülow. Verlegt bei Eugen Diederichs, Jena 1916. K. C. Blätter. Monatsschrift der im Kartell-Konvent vereinigten Korporation e:n Kriegsausgabe. Januar/Februar 1917. 15. Heft. Albert H. Rausch. Jonathan, Patroklos. Egon Meischel u. Eo. Berlin 1916. Halbmouatsausgabe des „Korrespoudenzblaittes der Nachrichtenstelle für den Orient." III. Jahrgang!, Nummer 12. Ausgegeben am 28. März 1917. Nelle Jüdische Monatshefte. 1. Jahrgang. 25. März 1917. Heft 12. Verlag der „Neuen Jüdischen Monatshefte", Berlin lind München. Einzelheft 40 Pfennig. Ntos.es. Eine Erzählung ans der Sagenzeit des Voltes Israel von Sophie Jacot des Eombes. Druck und Verlag Artistisches Institut Orell Füßli, Zürich. 1917. Der Neue Orient. Halbmonatsschrift für das politische, wirtschaftliche und geistige Leben im gesamten Osten. Band 1, Heft 1. Verlag „Der Nene Orient" G. m. b. H., Berlin W 50. Einzelheft 75 Pfennig. Jahresabonnement 15 Mark. Schriftell, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums: Gedächtnisrede zu Ehren des verewigten Vorsitzenden der Gesellschaft zilr Förderung der Wissenschaft des Judentums, des Professors Dr. Martin Philippson, gehalten in der Mitgliederversammlung zu Berlin am 27. Dezember 1916 von Philipp Bloch. Breslau, Druck von A. Favorke. 1917. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. HeMllsgegeben von Professor Dr. M. Braun. 61. Jahrgang. Neue Folge. 25. Jahrgang. Jannar/Februar 1917. Heft 12. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung (Brasch u. Riesenfeld). Publications ok Ille American Jewisli Historical Society. Number 24. Published by the Society 1916. Deutschland und Polen von Fredrit Book. F. Bruckmann A.-G., Müncheil. Des Jizchvk Leib Perez. Ehassidische Geschichten. 1917. R. Lölvit Verlag, Wien-Berlin. „Nelle Jüdische Monatshefte." Zeitschrift für Politik, Wirtschaft ulld Literatur in Ost und West. 1. Jahrgang. 10. April 1917. Heft 16. Verlag der Nellen Jüdischen Monatshefte, Berlin-München. Feldrabbiner Dr. G. Salzberger. Die göttliche Sendung. „Denn um euch am Leben zu erhalten, hat Gott mich vor euch hergesandt!" 1. Mose 45, 5. Im Kriegsjahr 1917 gedrllckt nnd verlegt bei Englert u. Schlosser in Fvankfurt a. M.

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