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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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Sonne des großen „Zadik" zur Neige ging, wußte jeder, daß . an Stelle derselben ein neues Gestirn in dem durch edle Handlungen und die Heiligung der Thora groß gewordenen Jeromos nunmehr in hellem Strahlenglanze aufgehen werde. Literarische Mitteilungen. D i e F e l d b ü ch e r. Jakob Loewenberg: Kriegstagebuch einer Mädchenschule. Egon Fleischel u. Co., Berlin. Außer der Anführung einiger biblischer Stellen dürfte dieses Buch nichts Jüdisches enthalten, aber der Verfasser, nicht nur ein hervorragender deutscher Dichter, sondern ein tapferer Verteidiger seines Glaubens, hat Anspruch darauf, wegen dieser anmutigen Produktion hier erwähnt zu werden. Es sind Berichte über seine Wirksamkeit an der von ihm geleiteten Schule während der langen Kriegszeit, hübsche erquickende Schilderungen seiner Ansprachen und seiner Tätigkeit sowie des Eindrucks, den die gewaltigen Ereignisse auf empfängliche Kinder hervorgerufen haben, die nicht bloß über den Krieg belehrt werden und über ihn sprechen, sondern, soweit es Kinder vermögen-, auch mit tätig sind, indem sie Liebesgaben versenden, stricken, um die Verwundeten sich bemühen usw. Es ist ein Buch, von dem zu wünschen -ist, daß es weite Verbreitung finde, besonders auch deshalb, weit es zeigt, wie von dem- Leiter einer jüdischen Schute bei. jüdischen Mädchen deutscher Geist urt-fc echt vaterländische Gesinnung und Betätigung gepflegt und geübt werden. L. G. * — Hickl s Wiener Jüdischer V o l k s k a l e n d e r 5 6 7 7 1916/17), XIV. Jahrgang. Im Jüdischen Buch- und Kunstverlage Max Hickl, Brünn. Dem durch Dr. I. Günzig nebst Gedenktagen sorgfältig ausgearbeitenden Kalendarium folgen mehrere interessante Aufsätze, die eine Besprechung in diesem Blatte wohl verdienen. Unter der Ueberschrift „Das Judentum nach dem Weltkrieg" ist Bernhard Tag bemüht, der jüdischen Frage der Gegenwart gerecht zu werden. Bei objektiver Wertung der beiden Kornponenten des Judentums, des Universalen und des Nationalen, muß doch gegen eine Ueberspannung des letzteren entschieden Stellung genommen werden. Es möge nicht vergessm werden, daß die -eigentliche Achse des Judentums der universale Geist des Judentums ist und daß das Nationale nur etwa als die Farbe iuib die Form zu gelten hat. Darum wäre der Sprachenstreit innerhalb der national-jüdischen Bewegung, ob Jiddisch oder Hebräisch, ohne tiefere Berechtigung und müßte obendrein wegen seiner Schädlichkeit verworfen werden. Es ist zum Weinen, wenn man die jüdische Jugend ihre kostbare Zeit mit nutzlosen Kämpfen vergeuden sieht. Soll wieder einmal das so ernste Problem des Judentums in ein Schock müßiger Kasches (Fragereien) .zerfallen? Nicht Vervielfachung des Materials und Zersplitterung der Kräfte, sondern solide Auswahl, Vereinfachung und gemeinsame Arbeit können zur Lösung führen! Es sind wahrlich vernünftige Worte, die nicht ungestört verhallen sollten! — lieber „Krieg, Kultur, Sabbat" schireibt der bekannte akademische Maler David Kohn. Der Krieg hat nicht nur die moderne Kultur in ihrer ganzen Erbärmlichkeit gezeigt, er hat auch die unvergleichliche, einzig erhabene Kultur der Bibel dargetan! — Professor Dr. Adolf Kurrein gibt anläßlich des 700. Todestages des Regensburger Rabbi Jehuda ha-Chassid eine gründliche Charakteristik von dessen „Buch der Frommen" in vier Kapiteln: Frömmigkeit, Gebet, Buße und Besserung, Verhalten zum Nebenmensch'en. — Rabbiner Dr. Max Grunwald, der allzeit tatkräftige Helfer unserer Brüder im Heiligen Lande, referiert überaus warmherzig und eifervoll über die segensreich wirkende „Hilfskommission 1915 für Palästina", während Adolf Stand ein anschauliches Bild von der Persönlichkeit des letzten Zionistenführers David Wolffsohn s. A. entwirft. — Ferner skizzieren Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber „Die Fürsorge der Wiener Kultusgemeinde für die jüdischen Flüchtlinge" und Anita Müller ihre zahlreichen Gründungen zur Linderung des durch den Krieg so mannigfach gezeitigten Elends der jüdischen Frauen, Kinder und Säuglinge. — Nun greift auch Feldräbbiner Dr. Arnold Frankfurter zur Feder, um die unter seiner Leitung stehende „k. u. k. Israelitische Militärseelsorge in Wien" mit einigen Strichen dem Uneingeweihten näherzubringen. Diese Institution ist noch zu jung, als daß sie einem weiteren Kreise bekannt sein könnte. Um so willkommener wird aber auch das hier Gebotene begrüßt werden, als sich noch keiner gefunden hat, der über diese Neuschöpfung etwas verlauten ließ. „Jüdische Seelsorge" war uns immer mehr oder weniger ein fremder Begriff. Die ausgedehnten Aktionen der Wiener Israelitischen Militärseelsorge, welche auf die Initiative des Leiters zurückgehen und die durch seine organisatorische Kraft mit Hilfe eines Stabes von Feldrabbinern glänzend durchgeführt erscheinen, haben in kurzer Frist der jüdischen Seelsorge das Bürgerrecht in unserem religiösen Denken verschafft. Denn was anderes als wahre Seelsorge bedeuten die Errichtung von Bethäusern in Spitälern und Kasernen, die Versorgung tausender kranker Soldaten mit täglichem Trost mit Ritualien, Koscherbeköstigung usw.? Es ist nicht bloß über allem Zweifel erhaben, daß die schönstens bewährte Militärseelsorge in Wien eine dauernde Einrichtung bleiben wird, es ist ebenso Zweifellos, daß die jüdische Seelsorge nunmehr in unserem Bewußtsein fortleben und fortwirken wird. Das Verdienst gebührt dem gegenwärtigen Leiter Dr. Frankfurter! — Besonders erwähnt sei noch Rabbiner Dr. D. Feuchtwangs Beitrag „Judenschicksal", der, wie alles, was dieser seltene Mann geschrieben, treffend den bezüglichen Gegenstand beleuchtet. In wenigen Zeilen läßt er, der Meister des Wortes und der Schrift, die langen Jahrhunderte des Mittelalters mit ihren ungerechten Beschuldigungen einerseits und die idealen für das geliebte Vaterland mit uneingeschränkter Hingebung ertragenen Opfer der Glaubensgenossen anderseits im Geiste vorüberziehen, um die Gerechtigkeit der christlichen Welt gegen den lauernden Judenhaß aufzurufen. — Das Thema „Die jüdische Frau und der Krieg" behandelt C. Benedikt; je eine anmutige Erzählung aus dem jüdischen Kriegsleid bieten Friedrich Porges (Sinkende Sonne), Marek S ch e r l a g (Flüchtlinge) und C e c i l t c K u hmerke r (Waisen). Künstlerische, passend eingefügte Illustrationen und zum Schluß eine „Ehrentafel für Gefallene" vervollständigen den auf dem Titelblatt mit den Bildnissen der glorreichen verbündeten Kaiser Franz Josef I. und Wilhelm II. geschmückten Kalender, welcher als wertvoolle Gabe des rührigen Verlages bezeichnet werden darf. Dr. R. Faerber, Mähr.-Ostrau. Sprrchsaal. An die deutschen Logen des Ordens Bne Brith! Deutschlands Feinde haben den Frieden verworfen. Noch einmal beginnt der Krieg, lauter als zuvor tönt der Waffenklang. Nie war Haus und Herd so bedroht wie in diesen Tagen. Bitteres brachten uns deutschen Juden die letzten Monde. Man hat Erhebungen angestellt, ob wir uns Gefahren zu entziehen suchten, nachdem Tausende unserer Brüder und Söhne für das Vaterland geblutet haben. So empört wir darüber sind, in diesem Augenblick tritt unsere Empfindung darüber zurück. Die Grundlagen unseres Ordens, der den höchsten Idealen umfassender Menschenliebe dient, bleiben unverrückbar bestehen. In diesem Augenblick aber gilt es des Vaterlandes Rettung. Es geht um Ehre, Freiheit und. Selbständigkeit. In gesteigertem Maße werden wir für das bedrohte Vaterland durch Not und Tod unsere Pflicht tun. Für sein Wohl wirken und wachen auch unsere Logen. Von diesem Geiste sollen unsere Verhandlungen und Taten beherrscht werden. Großloge für Deutschland VELI. U. O. B. B. Timmendorfer Goldschmidt Präsident. Sekretär. * Wien, 21. Januar 1917. Hochgeehrter Herr Geheimrat! Zur Notiz des Herrn Dr. Josefsohn in Nr. 3, S. 36, Ihres geschätzten Blattes bemerke ich, daß die Nachweise zu der fraglichen Stelle in meiner in Nr. 1 der „Allg. Zeitung des Judentums" angekündigten Schrift „Hebräische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert usw'." auf S. 21 zu lesen sind. In ausgezeichneter Hochachtung ergebener B. Wach st ein.

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