Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229196--71282-3283613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
210 H im Menschen wird, um so innerlicher wird die Verbindung zwischen ihm und dem Menschen; die Herkunft des Geistes aus Gott ist zugleich die Bürgschaft seiner Unsterblichkeit. Aber die Heiligkeit ist nichts anderes als die Sittlichkeit; sie wird von Gott nicht geschenkt, sondern gefordert und in der Gerechtigkeit im Menschen offenbar. Durch die Lehre von dem dem Menschen mit Gott gemeinsamen Geiste ist dem Judentum die Idee der Erbsünde serngehalten geblieben. Eine geschichtliche Ergänzung zu Cohens Aufsatz und zugleich einen Ausschnitt aus der weitschichtigen Fortentwicklung der Lehre vom' heiligen Geiste bietet die Studie Cohens (Eschwege) über die Weltschöpfung in dem apokryphen Buch der Weisheit. „Gott und Mensch" ist der Titel eines Beitrages von Julius Lewkowitz, in dem er Anschauungen Hermann Cohens kritisch Prüft. Er sieht in der Religion ein unmittelbares Erfassen oder Erleben der Wirklicheit Gottes. Cohen steht aber auf biblischem Boden, wenn er die Begründung der Religion auf Gefühl ablehnt und ihren Wahrheitsgehalt durch philosophische Erkenntnis zu sichern sucht. Albert Lewkowitz ergänzt in einer Untersuchung „zur Methode der Religionsphilosophie" gewissermaßen die Auffassung seines Bruders. Er nähert sich aber Cohen insoweit, als er die Gesetzlichkeit des Weltalls zum Fundament des religiösen Erlebens Gottes als des Gesetzgebers des Universums erhebt. Die Grundlagen der wissenschaftlichen und sittlichen Kultur und die Wurzeln des religiösen Erlebens sind dieselben. Religion ist für ihn die Umprägung aller Kulturwerte zu Offenbarungen Gottes. Gleichsam den Uebcrgang von der theoretischen zur geschichtlichen Religionsphilosvphie bildet Steckelmachers gedankenreicher Vortrag über die Gründe der jüdischen Sympathien für Kants Philosophie. Guttmanns eigentliches Arbeitsgebiet behandeln drei kleinere Beiträge von S. Horovitz zur Attributenlehre Maimunis und vor allem ein aufschlußreicher Aussatz über Chasdai Creskas als Kritiker der aristotelischen Physik, den der Sohn des Jubilars, Julius Guttmann, verfaßt hat und der in ausgezeichneter Weise das Lebenswerk des Vaters ergänzt. Chasdai Creskas wird hier zum ersten Male der ihm gebührende Platz in der Geschichte der Naturphilosophie angewiesen. „Lies in dem Bibelworte: Groß ist das Friedenswerk deiner Kinder nicht banajich (deiner Kinder), sondern bonajich (deiner Weiterbauer)." Julius Guttmanns Gabe ist die beste und würdigste Ehrung des Vaters. Auf dem Grenzgebiet zwischen Religionsphilosvphie und Talmudwissenschaft bewegt sich die interessante Miszelle Philipp Blochs über die Mystiker der Merkabah. Der seltsame Kaiser Lupinus, den bereits Zunz in seiner „Synagogalen Poesie", Seite 141, erwähnt und der auch in Sohar zu Ex. 15, 7 Rupinus genannt wird, aber Lutinus heißt, wie in Gen. R. 83, 4 zu lesen ist, ist übrigens kein anderer a.- Diocletianus. Unter den eigentlichen talmudischen Beiträgen uinn : Theodors Gabe „Drei unbekannte Paraschas aus Bereschi , rabba" sachlich und dem Umfang nach den Ehrenplatz ein. D; tüchtige Midraschforscher veröffentlicht hier die bisher ve mißten und von ihm in einer vatikanischen Handschrift en deckten ursprünglichen Paraschas 95 bis 97 des alten Midras,, A. N. Nobels knapper und aufschlußreicher Aufsatz über di i Concursus delictorum im Talmud könnte nach manch v Richtung hin erweitert werden. I. Horowitz handelt üb, Cheber oder Chaber Ir, ohne zu einem sicheren Ergeb» > zu gelangen. Meines Erachtens ist von der Münzinschr i Cheber ha-jehudim auszugehen. Die bereits in der talmud - scheu Zeit nicht mehr versta -; dene, weil nicht mehr vorha dene Einrichtung des Cheb > führte zu allerlei Mißverstän nissen, zu denen ich auch d Lesung Chaber Ir rechne. -*4 Zur außertalmudischen Pi Rabbiner Prof. Dr. I. Guttmann in Breslau. l\d. den Artikel in Hr. jr.)!lt raturgeschichte hat Leopo Cohn, Breslau, eine nicht n> interessante Notiz über Pfeud Philos Antiquilates biblic und deren wahrscheinlich i direkte Benutzung in der Chr nik des Jerachmel beigetragc, Simonsen, Kopenhagen, steue einige Mitteilungen aus Rech: gutachten des Moses Main, nides irnd seines Sohnes Abc Ham bei. Jacob Freimam Bemerkung über zwei von de abtrünnigen Paulus de Her dia verfaßte Schriften berüh ein wenig erfreuliches Geck der Literatur. Von weitgehc der Bedeutung ist Jsnu Elbogens Darstellung d- Abraham ibn Taud als C> schichtsschreiber, in welcher di Nachweis der antikaräijch und zum Teil antichristlichl Tendenz seiner Geschichtswer erbracht wird. Nicht uninte essante Beiträge zur Geschick der oberschlesischen Juden un zur Erkenntnis ihrer Bedeutung für die Gesamtjuck — auch Jakob Guttmann ist ein Kind Oberschlesiens bringt Brann, Breslau. Allerlei Einzeltatsachen z> Geschichte der deutschen Juden sammelt Lewins! aus alten Hildesheimer Zeitungen. Besonderes Inte esse beanspruchen aber die kunstgeschichtlichen ui inschriftlichen Mitteilungen Mittwochs und Sobernhein über die aus dem 5. oder 6. Jahrhundert stammende Hanp synagoge in Aleppo, die durch eine Reihe Abbildungen tu einen Grundriß glücklich ergänzt werden. So mutet die Festschrift wie eine Wanderung durch dc weite Land jüdischer Forschung unter der kundigen Leitun ihrer besten Wegführer an. Fast alle Gebiete des jüdische Wissens werden berührt. Auch von diesem Gesichtspunkt an bildet die Festschrift ein einheitliches geschlossenes Werk, würdi der Bauleute, die zu ihm beigetragen, vor allem aber würdi des Meisters, dem es geweiht. Dr. Paul Rieger, Hamburg.