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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-23 · Heft 17 (23.4.1915) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 Entwicklung bis auf die Zeiten der Königin Elisabeth zurücke erfolgt, und e8 wird dargetan, das; cs der Geist des Lord Churchill, kes Herzogs von Rlarlborvugh, des Ahnherrn des gegenwärtigen Marineministers, ist, von dem sich die englische Politik in ihren i weiligen Entschließungen leiten läßt. Zugleich ^werden die Url ule Friedrichs des Großen, Alants und des fürsten Bismarck i ber den staatsmännischen und sittlichen Wert dieser Politik zum Ausdruck gebracht, der englische Volksgeist aber hauptsächlich nach len Urteilen englischer Schriftsteller charakterisiert. Es scheint mir im allgemeinen noch nicht an der Zeit ztl sein, Ue Friedensbedingungen, die Gestaltung der Länder nach dem Kriege i ud die innere Entwicklung der Parteien zu behandeln. Ich denke i der das letztere ziemlich pessimistisch und glaube, daß au die stelle u'8 Burgfriedens ein sehr erbitterter Kampf der Parteien treten wird, vielleicht anders geartet als früher, aber womöglich noch grimmiger. - Venu auch die internationale Verbindung der Sozialdemokratie ganz * frei* wenigstens für längere Zeit aufhören wird, eine Vernichtung irr Sozialdemokratie, so patriotisch sich auch ihre Mitglieder selbst a den Dienst des Vaterlandes gestellt haben, erscheint mir uunöglich. Die Schrift, die die Stellung der Sozialdemokratie nach ian Kriege8) behandelt, ist nicht von einem Sozialdemokraten, soni:xn von einem ihrer erbittertsten Gegner geschrieben. Seine Ancht aber, daß sich nach dem Kriege eine allgemein nationale deutsche . rbeiterpartei entwickeln werde, in der die Sozialdemokratie mit den nckschrittlich Gesinnten Zusammengehen werden, teile ich nicht. Eine über den Kaiser Wilhelm handelnde Schrift9) macht den ersuch, die Gefamtpersönlichkeit des Kaisers unter einem freftimniteii mheitlichen Gesichtspunkt zu betrachten und zu beurteilen, unter i'ut des deutschen Volkstums. Ob dieser Versuch, wk Verfasser n-d Verleger meinen, wirklich hier zum erstenmal geinacht worden t, wage ich bescheidentlich 311 bezweifeln. Besonders intereffant sind ie Bemerkungen über des Kaisers Religiosität. Deur Satze aber, aß bei dem Kaiser „eine stark ausgeprägte, aber sich viel weniger!i den Bahnen des konfessionellen Lebens bewegende, als vielmehr vusessiouslose oder konfessionsneutrale Religiosität bekundet", möchte ch lücht beistimmen. Als die hervorragenden deutschen Eigenschaften es Kaisers werden u. a. Beharrlichkeit, Ausdauer, Gründlichkeit, hrlichkeit, Friedensliebe, Idealismus hingestellt. Ter Abschnitt von es Kaisers Stellung zur Kunst und Literatur ist etwas stark geerbt. Fm Anschluß an diese- Schrift über den Kaiser mögen zwei Preigteu von Rabbinern erwähnt werden, die dem Kaiser gewidmet sind, -n der von Coblenz10) werden in markigen Worten der heilige Ernst, er eiserne Wille, der starte und unerschütterliche Glaube als Haupt- -genschasteu unseres Kaisers und des deutschen Volkes hingestellt. Rieht minder enthusiastisch, kürzer, das Persönliche mehr hervorebeud, ist Silbersteins ll) hübsche Festpredigt. Hermann Bahr'-) plaudert vom Kriegssegeu. Er will nicht lehren, aß der Krieg ein Segen sei, sondern daß wir uns daraus einen -egen holen sollen. Die Schrist enthält manche kräftigen Worte, manches Originelle und Geistreiche, nur der Schluß scheint mir zieln-;dj verkehrt. Daß man sein Geld aus die Bank tragen, seine Papiere eleihen soll, ist gelviß recht vernünftig, aber schon der Titel des etzten Abschnittes „Aufruf zur Verschwendung" und Sätze wie die olgenden: „Der größte Verschwender ist jetzt der beste Patriot. Denkt icht an morgen", oder der „Wem aber wirklich das Geld zu knapp oird, der mache Schulden, so viel er kann", sind doch ein. bißchen sehr erkehrt. Man hätte Lieber einen Ausruf zur Sparsamkeit gelesen, licht zur Knauserei, zum vernünstigen Leben, so daß man eben mit 'ein Haus hält, was man besitzt. Der Aerfafser weiß gelviß selbst am 8) Die Sozialdemokratie nach dem Kriege. Bon Erwin Belger. Berlin 'W 11, Concordia Deutsche Leckags-Anstalt G. in. b. H. 1915. Preis '* Pf. °) Kaiser Wilhelm II. als Deutscher. Tr. Hans Zimmer. Coneordia D'utfche Verlags-Anstalt G. in. b. H., Berlin 8>V 11. J0) In des Kaisers Seele spiegelt sich des Volkes Seele! (Text: Psalm lä, 17.) Predigt, gehalten am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers in ■er Synagoge zu Bielefeld von Rabbiner Dr. Coblenz. Bielefeld 1915. n) Unser Kaiser! Festpredigt am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers 'Wilhelm II. im Kriegsjahr 1915, gehalten in der Synagoge 311 Schwerin i. M. -an Dr. S. Silberftein, Großherzoglichern Landesrabbiner. Preis 20 Pf. la) Hermann Bahr, Kriegssegen. 1915. Delphin-Verlag. München. besten, daß bisher Schnldeumachen lue der den einzelnen noch ein Volt gerettet hat. Hartung, ein Mitglied unserer Reichsbautverwaltung, schildert die Veränderungen, welche die Finanzlage der kriegführenden Staaten durch den Krieg erfahren hat^). Ein Vergleich der einzelnen Staatsbanken und ihres Funktionierens in den ersten Wochen nach deur Kriegsausbruch fällt zugunsten unserer Reichsbank aus. Man kann jetzt nach acht Monaten hinzufügen, daß der Goldbestand der Reichsbank seit dem Ausbruch des Krieges außerordentlich gewachsen ist: ein Zeugnis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit und die Finanzkrnst unseres Volkes. Eine gerade im Augenblick sehr nützliche Schrist ist die von Anton Kirchrath"). Selbst wenn er nur die Deutschland feindselige englische Handelsschrist mitteilte, wäre sie sehr willkommen, denn man muß den Gegner kennen lernen, aber der Herausgeber hat sie mit einer kräftigen Vorrede versehen, die den deutschen Standpunkt gegenüber den englischen Angriffen in überzeugender Weise wahrt. Als ein angemessener Wandschmuck sind die Künstlersteiuzeichuungen „Alls Eiserner Zeit"^) zu erwähnen. Sie sind nicht gerade billig, das Blatt kostet 2,50 Mark, aber sie lverdeu gelviß manchem Freude machen. Die Künstler sind iS. A. Brendel, O. Popp, Hans Hartig und Paul Ploutke; die Gegenstände, die behandelt sind: „Es braust ein Rllf lvie Tonnerhall", „Stilles -Heldentum", „Auf Vorposten an der Maas", „Gebet vor der Schlacht", „Der Ostpreußen Dank an ihren Befreier", „Tie Sieger von Antwerpen", „Die ,Emden'", „Weihnachten in Feindesland". Die Bilder sind zwar etwas schreiend, aber der gute Zlveck: notleidende Maler zu unterstützen, lvird, lvie zu hoffen ist, der Sammlung die gewünschte Verbreitung * sichern. Speziell jüdischen Inhalts, allster den bereits erwähnten zwei Predigten, ist eine gedankenreiche Rede Freudeuthals^). Sie setzt auseinander, lvie der deutsche und der jüdische Geist einmütig sind in dem Abscheu vor dem Krieg, legt ferner dar, lvie das seit Jahrhunderten dauernde Leben der Juden in Deutschland sie mit deutscher Empsindung erfüllt und begeistert habe, und gipfelt in einem Wunsche nach dem Aufhören antisemitischer Bestrebungen. Eine schöne Darlegling, der die weiteste Verbreitung zil wünschen ist. Der unseren Lesern bekannte österreichische Schriststetler Moritz Frühling hat das erste Heft einer großen Sammlung^) heräusgegeben, die speziell für Oesterreich bestimint ist. Die hier vervfseuttichten 22 Bilder gefallener jüdischer Offiziere zeigen, lvie lveit es die Juden in Oesterreich gebracht haben. Außer diesen Bildern und Biographien der Gefallenen werden auch manche Miszellen mitgeteilt. Auch sie sind illustriert, zum Beispiel die sehr interessante Episode „Das Gebetbuch als Lebensretter". Zwei kleine Abhandlungen kriegsgerichtlichen Inhalts von Simon Vogel, G e n e r a l m a j 0 r d e r Reserve, sind schon ihres Verfassers wegen von hoher Bedeutung. Ten Schluß der Sammlung machen ein paar sehr schwache Gedichte. Auch in Deutschland werden ja ähnliche Werke geplant. Es ist deutsche Sitte, nicht mitten 'int Kriege solche Unternehmungen zll veranstalten, sondern wenn alles vorbei ist. Hoffentlich sind auch wir in der Lage, mancher tapferer Taten zu gedenken, wenn auch schwerlich unter den jüdischen deutschen Offizieren ein Generalmajor sich befinden wird. Zum Schluß nmg eine Veröffentlichung erwähnt werden, die scholl deshalb Interesse besitzt, lveit sie von einem Juden herrührt. Es ist Die finanzielle Rüstung der kriegführenden Staateil. Von Geh. Obersinanzrat Hugo Hartung. Preis 50 Pf Verlag von F. Fontane u. Co. in Berliu-Grunewald. d4) Krieg dem deutschen Handel. Tie englischen Maßnahmen und Vorschläge zur Verdrängung von Deutschlands Handel und Industrie. Uebersetzung des Werkes „The War on German Trade.u Ilints for a. plan of canipaign. Introduction by Sklney Wlhilman. Herausgegeben und mit einer Einführung versehell von Anton Kirchrath, Chefredakteur der „Magdeburgischen Zeitung". Leipzig 1915, Otto Gustav Zehrfeld, Verlagsbuchhandlung. Aus Eiserner Zeit. Künstlersteinzeichnungen im Verlag von Frallz Schneider, Berlin-Schöneberg. Neligionsgeschichtliche Betrachtlmgen Zum Kriege. Vortrag, gehalten in der israelitischen Gemeindebiblivthek zri Nürnberg von Rabbiner Dr. Max Freudenthal. Preis 59 Pf., Zugunsteir der Kriegssürsvrge. Sonderabdruck aus der Zeitschrift „Liberales Judentum". 1915. 17) Jüdisches Kriegsgedenkblatt Nlimmer 1, November 1914. Wien 1914, Verlag von Halm u. Gvldmarm. Preis 2 Kr.

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