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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-23 · Heft 17 (23.4.1915) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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! i 1 V eine Smnmlung \m\ Älrk'i]öcicbidjteu18) in folgenden Abteillmgen: j „Wir und der m'tnb", „Der Kampf", „Die Gefallenen", „Daheim", „Bilder nitb Balladen". Es sind manche jüdische Autoren vertreten: Artur Silbergleit, Hugo Zuckermann, Reinhold Samuelsohn, Artur Kronfeld, Jakob Löwenberg, Ludwig Fulda, Salomon Marx, Atanuel Schnitzer. Auch der Herausgeber selbst hat ein Gedicht beigesteuert. Es ist eine Auswahl aus Zeitungen und Flugblättern unb gedruckten Sammlungen, eine Sammlung, in der unsere bekanntesten Dichter neben uranchem Unbekannten vertreten sind. Im gangen ein wohlansgelvahltes Buch, das neben mancher Spreu auch viel Goldköruer birgt. Lismarcks Stellung rum Judentum und ru den Juden. Von Dr. Adolph K o h u t. (Schlich.) (Nachdruck verboten.) ine wichtige Unterredung hatte Bismarck am 5. Mai 1880 mit dem jüdischen Reichstagsabgeordneten und Mitglied der Hamburger Zivilgesetzgebungskvmmission, Dr. jur. Isaak W v l f f s o n, der den Wahlkreis Hamburg 3 vertrat. Die Veranlassung gaben dazu die damals beim Bundesrat schwebenden Verhandlungen wegen Einbeziehung der Hansestädte Hamburg und Bremen in den Zollverein. Einzelne bamburgische Gebietsteile waren schon früher nach Verständigung mit der hamburgischen Regierung durch Beschluß . . des Bundesrates dem Zollverein angeschlossen. Dagegen war dre sich unmittelbar an die hamburgische Vorstadt St. Pauli anschließende Stadt Altona mit Rücksicht auf ihren Verkehr mit Hamburg und die Zugänglichkeit ihres HasenS außerhalb der Zollgrenzen gelassen worden. Da die Gefahr bestand, daß zwischen Bundesrat und Reichstag in dieser Frage sich ein Konflikt entwickeln könnte, veranlaßten einige Parteifreunde des genannten hamburgischen Abgeordneten, die im Hause des Reichskanzlers verkehrten und der Meinung waren, daß eine Besprechung der Angelegenheit zwischen dem Fürsten und Wolfffvn zu einer Annäherung führen könne, bei ersterem anznsragen, ob er zu einer solchen Besprechung geneigt sei, und er erklärte seine Zustimmung. Die Unterhaltung war eine sehr anregende und bewegte sich in den höflichsten Md freundschaftlichsten Formen. Die bald darauf eröffneten Verhandlungen mit Hamburg wegen seines Eintrittes in den Zollverein unter Belassung eines Freihasenbezirkes führten bekanntlich zu einem beide Teile befriedigenden Abschlüsse. Bekannt sind die vielfach hochinteressanten persönlichen Beziehungen zwischen Bismarck und Ferdinand Las falle, dem jüdischen Begründer der deutschen Sozialdemokratie. Er hatte mit ihm wiederholt eingehende Besprechungen, und unleugbar blieben die sozialistischen Ideen des Agitators nicht ohne Einfluß auf den Leiter der Geschicke Preußens und Deutschlands. Auch war Lassalle Bismarck dadurch sehr willkommen, daß er, gleich ihm, ein entschiedener Gegner der Fortschrittspartei war. Nichts konnte, namentlich in der Kvnfliktsperiode, dem Minister willkommener sein als ein entschieden demokratischer und radikaler Politiker, der sich mit ihm zur Bekämpfung der Fortschrittspartei verband. Das großzügige Wesen und der eiserne Charakter des preußischen Ministerpräsidenten sagten Lassalle außerordentlich zu. Er erschien ihm als eine kongeniale Natur, die ihn mit magischer Gemalt anzvg. In einer Schrift, die er in der Konfliktszeit herausgab, „Die Feste und die Presse", sprach er dem Staatsmann, der an der Spitze der preußischen Regierungsgeschäfte itand, auch öffentlich seine Anerkennung aus, indem er unter anderem sagte: „Und tvenn wir Flintenschüsse mit Herrn v. Bismarck wechselten, so würde die Gerechtigkeit erfordern, noch während der Salven einzugestehen: er ist ein Mann." '*) .ftvicaSrtebi(fite J014. Gesammelt und her-msgeacben von Eugen Wvlbe. Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. 1915. Im übrigen hat sich der Fürst selbst über Lassalle in d,r Sitzung des Reichstages vom 17. September 1878 in sehr anerkennender und wohlwollender Weise geäußert. Keiner so rücksichtsvollen Behandlung seitens Bismarao konnte sich freilich der Demokrat Johann Iacvbh — b länntlich gleichfalls Jude — erfreuen. Er war allezeit der c» schiedensie Gegner des deutschen Staatsmannes und sein r Politik. Als Steuerverweigerer wurde er 1864 zu fed v Monaten Gefängnis verurteilt. Den Umschwung der Din, durch den Krieg von 1866 wollte er nicht anerkennen und tru im preußischen Landtag sowie in seiner Zeitung „Die Z tunst" gegen die Regierung auf. Schließlich bekannte er s> >, zu republikanischen, ja antinationalen Grundsätzen und c - klärte die Einigung Deutschlands für das Grab der Freihe! Sv kam es denn, daß er beim Ausbruch des Krieges 1870 a * Stimmführer der internationalen Demokratie verhaftet uid auf Befehl des Generalgouverneurs Vogel von Fackenste, t einige Zeit in der Festung Lötzen interniert wurde, weil er;,i einer öffentlichen Versammlung gegen die Annexion vv t Elsaß-Lothringen gesprochen hatte. Trotz alledem war B: marck objektiv genug, auch ihm gegenüber Gerechtigkeit walte , zu lassen. Als Iacvbh nämlich am 26. September 1870 ei > Gesuch um Freilassung einreichte, wurde er durch Vermittln n t des Bundeskanzlers am 26. Oktober wieder entlassen. B i diesem Anlaß sei erwähnt, daß das Entlassungsgesuch Jacobe auch von Ludwig Bamberger in einem Brief an den Kanzl-, unterstützt wurde, der von Lausanne aus an den leitend: , Staatsmann geschrieben hatte, daß die Verhaftung eine nid: zu rechtfertigende Maßregelsei. Es klingt wie eine Ironie der Politik, wie ein Treppenw : der Weltgeschichte, daß Bismarck zu einem französische - Staatsmann und Minister, der sogar ein Mitglied der R gierung der nationalen Verteidigung war, zu dem Israelit, - JuleS Simon, freundliche Beziehungen unterhielt. Ei. namhafter Philosoph, der treffliche Werke über Plab Aristoteles und andere große Denker geschrieben, gehörte dies, der idealistischen Richtung an und war vielleicht von alle zeitgenössischen Franzosen derjenige, der am objektivsten üb, den Diplomaten und Menschen Bismarck zu urteilen vermochte 1890 vertrat er Frankreich auf der Internationalen Arbeite: schutzkonferenz in Berlin. Ueber seine Beziehungen zu Bn marck äußerte er sich einmal in nachstehender Weise: „Für Bismarck hatte mich als Delegierten Frankreichs auf dem Kvi: greß zu einem Diner im Salon des Reichskanzlers eingeladei Da kam seine unerwartete Demission. Es war an demselben Tage, an dem das Diner stattfinden sollte. Ich war nun d, Ansicht, daß der Fürst an einem so ereignisreichen Tage wol von anderen Dingen als einem Diner in Anspruch genomme sein werde, und sandte ihm ein Entschuldigungsschreibe- Doch der Reichskanzler ließ mir sofort die Antwort zukommci „Nein, kommen Sie, ich bitte darum, ich zähle ganz bestimiauf Ihre Gegenwart." Fürst Bismarck geleitete mich in seine Privatsalon und lud mich zum Sitzen ein. Aus Etikette mach:. ich die Andeutung, der Kanzler als Fürst möge zuerst Plv: nehmen. Doch Fürst Bismarck schob mir einen Fauteuil mit dem Bemerken, dem Aelteren gebühre der Vortritt: „Ssind um drei Monate älter als ich, mein verehrter Meister! Wir blieben lange im Gespräch allein. Ich fand den Fürste so ruhig und unbefangen, als wäre an jenem Tage nichts Bsvnderes geschehen. Das darauffolgende Diner war das letzt das der Fürst in der Reichskanzlei gab. Am anderen Tag. verließ er das Palais tatsächlich . . Ein gern gesehener Gast im Hause Bismarcks während de. Berliner Kongresses 1878 war der Günslling Beaconsields, de, Pariser Vertreter der Londoner „Times", Oppert a u - Blowitz, ein Oesterreicher, der sich jedoch „OPP ert de Blv w i tz" nannte. Dieser „Chevalier" de Blowitz imponierte selbst

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