Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1915)
- Date
- 1915-04-23
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 verbinden. Das humane Gesetz respektiert die edlen Empfindungen des menschlichen Herzens." Nach dem biblischen Kriegsgesetze war, um aufmunterndc Reden an das Volk zu halten, ein eigens dazu geweihter Priester angestellt.* 3 4 5 6 7) Auch bei den Griechen und Römern waren ähnliche geistliche Personen mit diesem Amte betraut. Ehe man in den Krieg aiiszog, befragte man Gott durch das Losorakel — L'vlll D’-llK — oder durch Propheten, denn der Krieg war gewöhnlich ein heiliger. — Gott zieht selbst mit in den Kampf. „Als Symbol für die Gegenwart Gottes im Kriege nahmen die Israeliten die heilige Lade mit." Durch das Losorakcl aber ist der Auslegung des vorhandenen Kriegsgesetzes ein weiter Spielraum gegeben. Könige schickten ihre Priester, dieses heilige Instrument zu befragen, ob und wann man in den Krieg ziehen soll. Tie tapferste Kriegsmacht konnte demzufolge durch das verweichlichte Empfinden eines Priesters zuschanden werden. Auch Richtung und Wege, welche man einzuschlagen habe, um dem Feinde sicherer zu schaden, werden durch das göttliche Orakel bestimmt. sVgl. II. Sam. 2, l.s Die I. Chronik 27, 2 läßt König David das ganze Volksheer fest organisieren in zwölf Armeekorps von je 24 000 Mann, von denen jedes einen Monat im Jahre den Waffendienst ausübt. Rabbiner Dr. B. Hei sz, Sissek. knegsliterstur. Von Ludwig Geiger. I. enn unsere Zeitung auch in diesen schweren Zeiten, in denen der Krieg alles Interesse absorbiert, ihres Berufes eingedenk bleibt, eine jüdische zu sein, so muß sie sich doch, der Zeit entsprechend, ihre Grenzen etwas weiter stecken. Ans diesem Grunde gedenke ich regelmäßig in der Woche der Kriegsereignisse und behandle oder lasse von anderen neben den jüdischen auch allgemeine politische, soziale und ökonomische Fragen behandeln. Aus diesem Grunde stelle ich im folgenden eine große Anzahl kleinerer und größerer Schriften zusammen, die im Laufe der letzten Wochen der Redaktion eingesendet wurden, imb glaube keinem Borwurf begegnen zu dürfen, wenn auch nur in den wenigsten dieser Schriften etwas Jüdisches vorkommt. Dell Anfang mache ein nützliches Handbuch '). Die einzelnen Abschnitte nach einer Einführung — Hilfstätigkeit im Kriege, Krieg nnd Bvltslvirisch a ft; Wirtschaftsführung der einzelnen Stände; Der Krieg nnd die Frauen; Tie Hausfrauen in Kriegszeiten; Krieg und Jugend; Krieg und Spiel; Aerztliche Ratschläge; Kriegsfürsorge tu der Heimat; Fürsorge für Verwundete; Versicherungswesen; Kriegsrechtsfragen; Die deutsche Feldpost; Vermittlungs- und Ausklmftsstellen; Militärisches — werden von hervorragenden Männern und Frauen behandelt, sie bieten eine Fülle der Belehrung und werden bei eifriger Benutzung viel Nutzen stiften. Gin bekannter schwedischer Schriftsteller, Sven Hedin, dessen 50. Geburtstag neuerdings auch in Deutschland festlich begangen worden ist, hat ein großes Buch geschrieben^), in welchem er den Krieg, soweit er ihn miterlebt hat, in beredter Weise schildert. Das Büchlein ist nur der Allszug eines größeren Werkes, das mir nicht zugekommen ist. Ter berühmte Forscher schildert darin die größten Eindrücke seines Lebens, wie er sie an der deutschen Westfront als Gast im Hanptgllartier des Kaisers, auf den blutgetränkten Schlachtfeldern, in den Schützerlgrüben uild Biwaks, in beit von unseren Feldgrauen besetzten Gebieten Belgiens und Frankreichs int September und Oktober des vorigen Jahres erlebt hat. Es ist ein hohes Lied auf den deutschen Idealismus, auf deutsche Tapferkeit und Menschlichkeit, auf delltsche Tatkraft und deutsche Ueberlegenheit; der schrvedische Schriftsteller ist voll dem Siege der gerechten deutschen Sache felsenfest überzeugt. Das '■') nan^a rrtra Ina. Vgl. Traktat Svta 8,1. *) Kriegsbüchlein für das deutsche Haus. I. Heß, Verlag, Stuttgart. Herausgegeben von Tr. Georg Baum, Berlin. ") Ein Volk in Waffen. Sven Hedin. Ten delltschen Soldaten gewidmet. Leipzig, F. A. Brockhans 1915. Preis 1 Mark.. Buch ist den deutschen Soldaten gewidmet, es soll sie erfreuen und erheben, es soll ihnen ills Feld gesandt werden mtb in den Ruhepausen des Kampfes, selbst in den Schützengräben bei jedem unserer Heldm die Flamme patriotischer Begeisterung immer aufs neue entflammen. Es soll von jedem Angehörigen eines deutschen Kriegers gelesen werden unb ihn stolz machen auf die unvergleichlichen Leistungen unseres Heeres. Das Werk tritt aufs entschiedenste gegen die englischen Lügenmärchen auf. Es ist mit vielen Illustrationen geschmückt unb kann aufs wärmste empfohlen werden. Friedrich Stiebe-h gibt eine Verkündung, daß Deutschland ilicht uutergehen kann, sondern berufen ist, eine neue Welt zu schaffen. Das Bllch wird eingeleitet und beschlossen durch Verse, die am besten geeignet sind, die Tendenz des wackeren Schristchens zu erläutern. Die Anfangsverse lauten folgendermaßen: Nicht dies: daß wir die Schwerter schwangen, hat uns beglückt — daß Tausende wie eines klangen, zum Kampf gezückt, und uns von einem Volke sangen, daß aller Schranken träger Friedenszeit sich Mann für Mann zu gleicher Tat befreit — das ist es, was das heißbedachte, blutschwere Werk so freudig machte. Nun steht vom Alpenrand bis zum Belt ein einzig eisernes Handeln, und e i n Gebet: wir müssen die Welt mit innerem Blute verwandeln. FeldgrauH hat den Verzug, von einem Manne geschrieben 31t sein, der dabei war. Er ist als Kompagniesührer in Frankreich tätig gewesen, hat selbst große Strapazen ausgehalten, wurde verwundet und hat das Ganze im Lazarett znsammeugestellt. Frisch und packend — aufregend und doch beruhigend weiß er das volle Vertrauen auf unsere braven Truppen einznslößen — wirken diese Skizzen: keine ermüdenden Schlachtberichte, obgleich es an Darstellungen von Kriegsepisoden durchaus nicht fehlt, sondern Bilder aus dem Lager- und Feldleben. Von manchen Ereignissen werden hübsche und rührende Episoden erzählt. Köhrers kleine Schrift") ist einem kleinen Teil des ungeheuren Krieges gewidmet. Der Verfasser, der im Dienste des Roten Kreuzes tätig war, schildert anschaulich — die Darstellung ist von sehr hübschen Bildern begleitet — seine mitunter mit schwerster Lebensgefahr geübte Tätigkeit. Man fühlt, wie er nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen bei der Sache ist. Seine Schilderungen gewinnen damit den Eindruck ursprünglichster Lebendigkeit und Hinreißendelt Schwunges. Mit dem Krieg im allgemeinen, nicht mit einzelnen Kriegsereignissen hat es eine kleine Dichtung zu tun. In Knittelversen, zum Teil mit recht gewagten Reimen, erzählt uns Herr Stillerich") von den Königen Georg von England, Peter von Serbien und dem Kaiser Nikolaus von Rußland; gelegentlich komtnen auch Albert von Belgien und Präsident Poincare vor. Die Gegner werden freilich nicht objektiv behandelt, sondern fürchterlich beschimpft: Schuft, Lump und ähnliche Ausdrücke finden sich häufig. Ich kann nicht sagen, daß ich eine solche Art der Behandlung, der Gegner sonderlich liebe, aber verwerfen möchte ich das Büchlein nicht, namentlich wegen der trefflichen Schilderung der Bayern und des patriotischen Sinnes, der das Ganze durchzieht; ein Sinn, der in dem kräftigen Hurra auf den deutschen und österreichischen Kai-ser gipfelt, mit dem das Büchlein geschlossen wird. Sehr würdig dagegen, wenn auch kräftig genug, wird von Proksch die englische Politik behandelt.') Sie wird in geschichtlicher 2) Deutschland vor den Toren der Welt. Friedrich Stiebe. Delphin- Verlag, München. 1915. 4) Feldgrau. Erste Kriegserlebnisse in Frankreich von Martin Lang. 3. Ausl. 11. bis 15. Tausend. R. Thienemanns Verlag, Stuttgart. 5) Zwischen Aisne und Argonnen. Eindrücke und Erlebnisse an der Schlachtsront von Erich Köhrer. Beckin SW 11, Cvncordia Deutsche Verlags-Anstalt G. m. b. H. 1915. 6) Die 3 Königs-Spezl: Schvrsch, Peter und Nikl. Bon Kunz Stillerich in Bamberg. Im Selbstverlag des Verfassers. 11. Auflage. 7) Englische Politik und englischer Volksgeist. Von Dr. A. Proksch, Geh. Ncg.-Rat. Berlin SW 11, Eoncvrdia Deutsche Verlags-Anstalt G. in. b. H. 1915. Preis 50 Pf.