Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1914)
- Date
- 1914-04-17
- Page
- Seite 191 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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idl Da ging ein Leuchten über des Parneß Gesicht. Er erhob sich und sprach: „Josef und Esther, die Ihr Euch jetzt anschicket. Eure Eltern und Verwandten für lange Zeit, vielleicht für immer aus den Augen zu verlieren! Nehmt aus Euren Elternhäusern die besten Erinnerungen mit fort! Gedenket Eurer Eltern stets in Liebe! Kindern steht es nicht zu, den Richter zu machen über die Eltern; für ihre Kinder haben die Eltern stets ein aufopferndes Herz. Eure Eltern haben das echte jüdische Herz, das ein Teil dessen ist, das uns zum auserlesenen Volke erhebt. Und solange das jüdische Herz zu sein noch nicht ausgehört hat, solange wird es gut stehen mit Israel. Und nun wollen wir beten."- Im Salon eines Palastes der New Zocker Hochfinanz hängt inmitten prunkvollen Wandschmuckes ein verblaßtes Bild. Ein Mann in altfränkischer Kleidung blickt dem Beschauer entgegen. In seiner schmucklosen Einfachheit bildet es einen starken Kontrast zur Umgebung, so daß das Auge des Fremden unwillkürlich angezogen wird. Es ist das kunstlos ausgeführte, aber pietätvoll gehütete Bildnis Josefs. „The founder"1) ist in den wurmstichigen Rahmen eingekerbt ... Litrrarilchr Mitteilungen. — D ie Feldzüge Napoleons. Nach Aufzeichnungen jüdischer Teilnehmer und Augenzeugen. Herausgegeben von Dr. Max Grunwald. Wien und Leipzig. Wilhelm Vraumüller. 1913. Preis 4 Mark oder 4 Kronen 80 Heller. Ein sehr lehrreiches und zugleich unterhaltendes Buch. In der Einleitung werden die Aufklärung, die Beteiligung der Juden an den Kriegen in Amerika 1766, Holland 1781, Frankreich in der Revolutionszeit und Deutschland ausführlich geschildert, auch' die jüdischen Kriegslieferungen und die Spenden der Juden in den Befreiungskriegen beleuchtet. Die jüdischen Teilnehmer und Augenzeugen, deren Aufzeichnungen in dem Texte des Werkes zum Teil nach sehr seltenen Vorlagen abgedruckt werden, sind die folgenden: Isidore Lehmann, französischer Armeelieferant, 1795 in Straßburg geboren, der den russischen Feldzug 1812—13 mitmachte; Jakob Meyer aus Dransfeld, geboren 1786, der in Spanien und Rußland Dienste tat; er wurde später Bürgervorsteher in Dransfeld; Gabriel Schrameck, Elsässer, geboren 1796, gestorben 1853, der gleichfalls in französischen Diensten stand; Zacharias Zauda, 1791 in Wesel geboren, Schlosser, der zuerst in französischen Diensten, dann in preußischen tätig war und 1869 starb, und Raphael König, der erste jüdische Schlossermeister Oesterreichs, der nicht eigentlich' im Kriege tätig war, sondern nur die Kriegszeiten durchlebte. Die meisten der Berichte werden in hochdeutscher Sprache, die des Schrameck in einer Art Dialekt wiedergegeben, in der auch vieles Jüdische vorkommt. Als besonders interessant hebe ich' die Erinnerungen des Jakob Meyer hervor, die auch die umfänglichsten sind. Man muß nicht glauben, daß diese Erinnerungen rein vom jüdischen Standpunkte geschrieben sind, oder daß sie etwa nur Begegnungen mit Juden oder jüdische'Empfindungen ausdrücken, vielmehr geben die Aufzeichnungen die Schicksale eines Soldaten wieder, der es in der militärischen Rangordnung nicht allzuweit brachte und der einen großen Teil des spanischen Feldzuges und den ganzen russischen mitmachte. Der Berichterstatter, ein einfacher Mann, läßt sich niemals in weitausschauende politische Betrachtungen oder in kriegswissenschastlich'e Schilderungen ein, sondern er gibt seine Erlebnisse -in schlichter Form, die aber doch sehr hübsche Beiträge zur allgemeinen Kulturgeschichte bieten. Daß der jüdische Kriegsmann wegen seines Glaubens irgendwie zu leiden hatte, wird nicht verzeichnet, wohl aber manche Begegnungen mit Juden; in den Hospitälern erhält er manchmal den Besuch von Glaubensgenossen, die sich seiner förderlich annehmen, und auch auf seiner Flucht und während seiner Gefangenschaft wird er mehrfach von Juden unterstützt. Der Berichterstatter hat auch Napoleon ein paarmal gesehen und wurde einmal durch' ein kurzes Wort des Mächtigen ausgezeichnet. Man kann nicht sagen, daß in den Berichten jüdischer Kriegsteilnehmer eine übermäßige Bewunderung, eine große Begeisterung für ihn ausgesprochen *) Der Gründer. wird, ebensowenig freilich, daß sich ein sonderlicher Haß gegen ihn geltend macht. Die Beiträge sind sehr lesenswert und geben ein interessantes Bild jener vielbewegten Zeit. L. G. ♦ — Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Siebzehnter Band. Berlin 1914. Verlag von M. Poppelauer. Der neue Band des Jahrbuchs reiht sich' seinen Vorgängern nicht llnNRl-Mg.gß. Die historischen Abhandlungen: Leszynsky, „Der neue Bund in Damaskus"; Max Eschelbacher, „Die Predigt im Judentum"; G. Rosenmann, „Hofrat Prof. Dr. David Heinrich von Müller"; Israel Abrahams „Wanderungen im Mittelalter" sind aufschlußreich und dabei populär geschrieben; die Abhandlung Stiers: „Die Ehre im Talmud", ist zu wenig nach großen Gesichtspunkten geordnet, zeugt aber von tiesgründlichen Quellenstudien und enthält eine Menge wissenschaftlichen Materials. Philippsons „Rückblick auf das Jahr 5673" ist, wie immer, gut orientierend. Dagegen habe ich gegen die literarische Jahresrevue von S. Bernfeld manche Bedenken. Was nützt diese Anhäufung von Büchertiteln, wenn über die meisten Bücher gar nichts gesagt wird. Man könnte überhaupt fragen, ob es, wenigstens für die Zwecke dieses Jahrbuchs, nicht angebracht gewesen wäre, bloß über die von Juden herrührenden literarischen Erscheinungen zu berichten und die von Christen herrührenden auszulassen? Ich weiß wohl, daß dies einseitig genannt werden könnte, aber es handelt sich doch hier vorzugsweise um jüdische Geschichte und Literatur, d. h. in erster Linie um die, die wirklich von Juden herrührt. Bei dieser Beschränkung wäre es möglich gewesen, über diesen Zweig literarischen Wirkens ausführlicher zu berichten. Aber auch in den Abschnitten über die van jüdischen Schriftstellern herrührenden Arbeiten herrscht eine bedauernswerte Ungleichheit. Während z. B. über Landsbergs ganz gutes Buch über „Henriette Herz"', das doch meist eine bloße Zusammenstellung ist, ein verhältnismäßig größerer Abschnitt handelt, wird das Buch von Leszynsky: „Die Saduzäer", das in dieser Uebersicht eine der vornehmsten Stellen hätte einuehmen müssen, in fünf Zeilen abgetan. Von Goldzihers: „Die Religionen", wird ebenso wie von den Arbeiten L. Blaus bloß der Titel genannt. Was soll der Leser, der doch über die Werke berichtet sein will, mit den kurzen Worten anfangen, die über eine bedeutsame Schrift Bachers gebraucht werden: „Die wie alle Arbeiten dieses Gelehrten den Stempel der Gediegenheit trägt." Derartige allgemeine Phrasen dürsten in der literarischen Uebersicht nicht Vorkommen. Lieber weniger Titel — die Titelaufzahlung könnte vollkommen in eine Bibliographie verwiesen werden — und dasür mehr zur wirklichen Würdigung der angeführten Arbeiten. Die Novelle, die den Schluß des Bandes ausmacht: „Der Meschummed" von I. Borchärdt ist nicht übel, nur hätte das Problem des Getauften, wenn es wirklich poetisch hätte wirken sollen, vertieft werden müssen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es hält, wirklich gediegene Novellistik zu bringen. L. G. & Philosophie des Vegetarismus. Eine philosophische Grundlegung und eine philosophische Betrachtung des Vegetarismus und seiner Probleme in Natur, Ethik, Religion und Kunst von Friedrich I a s k o w s k i. Berlin W 57. Vertag' von Otto Salle. 1912. Preis 4 Mark. Der Verfasser weist darauf hin, wie uns von überallher, aus dem ernährungsphysiologischen Laboratorium wie vom Sportplatz, aus Literatur und Kunst, aus religiösen und ethischen Vorträgen, Debatten, Schriften und Zeitschriften die vegetarische Frage entgegentritt und uns zeigt, daß die zunehmenden vegetarischen Speisehäuser und Nährmittelfabriken und die Flut der vegetarischen Kochbücher einem tieferen Grund ihr Dasein verdanken müssen. Den Kern und die wirklichen Zusammenhänge dieser Dinge kann nur eine Philosophie des Vegetarismus aufzeigen. Die echten Vegetarier sehen eben den Vegetarismus ebenso als natürliche Ernährung wie als Ethik und Weltanschauung an. Diesem Hauptzweck seines Buches, der philosophischen Durchdringung des Ernährungsproblems in der Gestalt des Vegetarismus, wird der Verfasser in umfassender Weise gerecht. Seine Auffassung der Frage bemüht sich, eine Brücke der Verständigung zwischen den Vegetariern und der heutigen Kultur zu schlagen, wobei er viele schöne, lehrreiche und tiefsinnige Gedanken über das Wesen der Ernährung überhaupt und ihre Beziehung zu allen