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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 „Es gingen seine Erfahrungen und Beobachtungen dahin, daß er aus jeden vorlauten und schreienden Juden zwei desgleichen Christen rechnen könne, seien es Franzosen oder. Deutsche, Schweizer inbegriffen. (Fortsetzung folgt.) Literarilche MjttrUmlgrn. — Achad Haam: Am Scheidewege. Band I. Aus dem Hebräischen übersetzt von Professor Israel Friedländer. Preis 4 Mark gebunden. Jüdischer Verlag, Berlin 1913. Der Ruf zitr Selbstbestimmung, den Theodor Herzl durch die Judeuschaft erschallen ließ, hat naturgemäß die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Taten der Zionisten gelenkt. Die Gedankenw e l t des jüdischen Geistes ist nach außenhin weniger glänzend. Und doch hat sich hier in rastloser Arbeit eine vollkommene Neuorientierung des jüdischen Denkens vollzogen. Der jüdische Genius ahnt, daß er zu eigenen Schöpfungen berufen ist. Das jüdische Volk will keine andere Ausgabe haben als zu leben — für sich zu leben. — Der bedeutendste publizistische Vorkämpfer dieses jüdischen Eigenlebens ist der russisch-jüdische Publizist Uscher Ginsberg, der unter dem Pseudonym Achad Haam bekannt geworden ist. Achad Haam ist Zionist. Er ist unr aus dem Zionismus heraus verständlich,-dessen Philosoph er ist. Die volle Entfaltung des Judentums ist für ihn nur aus dem historischen Boden Palästinas möglich. Schon vor dreißig Jahren hat sich Achad Haam an den palästinensischen Kvlonisationsbestrebungen beteiligt. Aus dieser Mitarbeit sind auch seine ersten literarischen Arbeiten, die eine derbe Kritik der damaligen Methoden brachten, entstanden. Die schärfste Kritik hat er auch später allen Vorgängen und Erscheinungen zuteil werden lassen, die sich seiner Ansicht nach am jüdischen Geist versündigten. Ost war Achad Haam in Opposition zum offiziellen Zionismus. Es hat auch an scharfen Konflikten nicht gefehlt, uitb dennoch weiß die Organisation, wieviel sie dem Manne und seiner unerbittlichen Kritik zu verdanken hat. Achad Haam ist durchaus kein bloßer Theoretiker. Seine Gedanken steigen hoch, seine Forderungen sind absolut, und dennoch sind alle seine Schriften von einem wunderbaren Wirklichkeitssinn erfüllt. Die Entwicklung des jüdischen Siedlungswerkes in Palästina hat seinen Ansichten recht gegeben; ja, manche Kolonisationsmethoden nehmen sich wie Ausführungen von Achad Haams programmatischen Forderungen aus. Mit Recht ehrt der größte Teil der Zionisten in Achad Haam den Lehrer. Und wenn der Jüdische Verlag -jetzt, nach acht Jahren, eine zweite Auslage des ersten Bandes herausgibt, so kommt er damit zweifellos einem Bedürfnis entgegen. Um dem Buche gerecht zu werden, das weitab von unseren Bestrebungen liegt, lasse ich die vorstehenden Bemerkungen abdrncken, welche der Verlag der zweiten Auslage des Werkes beigegeben hat. Ich habe selbst versucht, einzelne Aufsätze zu lesen, gestehe aber, daß ich in der Lektüre nicht weit gekommen bin: Gedanken wie Ausdrucksweise des Verfassers muten mich völlig fremd an. Jedenfalls merkt man bei der Lektüre, daß man es mit einem sehr originellen Denker zu tun hat, der nicht schimpft und flucht wie so viele seiner Gesinnungsgenossen, sondern selbständig Gedachtes in leidenschastsvoller, ganz eigenartiger Sprache vorzutragen bemüht ist. L. G. * Der Hiob von Unt er ach und andere Geschichten. Von Karl Emil Franzos. Stuttgart und Berlin. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachs. Das neue Buch enthält vier . Geschichten, die nicht zum erstenmal hier gedruckt sind, von denen aber eine, „Frühling im Winter", zum erstenmal in einer Sammlung erscheint. Sind sie auch alle nichtj ü d i s ch e n C h a r a k t e r s. so haben sie, wie alles, was von Franzos kommt, wohl den Anspruch, in einer jüdischen Zeitung erwähnt zu werden. Die Geschichten zeigen manche Eigenschaften der Franzvsschen Muse: Schlichtheit der Sprache, Sachlichkeit der Schilderung, Mischung von Humoristischem und Pathetischem. Ungemein anziehend ist „Frühling im Winter". In dieser Skizze wie in den anderen steckt manches'Autobiographische: eine Schilderung der Wohnung, in der Franzos in den ersten Jahren seiner Ehe mit seiner jungen Frau hauste, verwebt mit allerlei Reminiszenzen aus der Kindheit. Mehr eine anmutige Skizze als eine zusammenhängende Geschichte. Das Buch ist sehr losens- und empfehlenswert. Was uns aber am meisten erfreut, ist, daß die Franzosschen Geschichten, obgleich seit seinem Tode bald ein Jahrzehnt vergangen ist. noch immer viel gelesen und begehrt werden. Seine Werke, die jetzt alle bei Cotta vereinigt sind, erleben beständig neue Auflagen, denen Ottilie Franzos, die geistesverwandte Gattin ches Dichters, ihre Liebe und Sorgfalt zuteil werden läßt. Schon die Tatsache, daß eine Sammlung seiner kleinen Skizzen in die Cottasche Handbibliothek ausgenommen ist, bezeugt das lebendige Interesse, das d-ie Lesewelt fortdauernd für ihn .kundgibt. Dieser Tatsache freuen wir uns von ganzem Herzen. L. G. löücherrmtauk. Beiprechung oer Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Revue des Etudes juives. Publication trimestrielle de la Societe des Etudes juives. Tome LXV. No. 130. 1. Avril 1913. Paris, A. La librairie Durlacher. La religion moderne. Louis Germain Levy. Paris, Librairie F61ix Alcan. Le rayon. 1. Annee No. 10. 15. Juin 1913. Die Feldzüge Napoleons. Nach Aufzeichuungen jüdischer Teilnehmer und Augenzeugen. Herausgegeben von Dr. Max Grunwald. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, 1913. Lebenserinnerungen von Hermann Hüffer, herausgegeben von Ernst Sieper, Berlin, Druck und Verlag von Georg Reimer, 1912. 20. Jahresbericht der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1912/13. Voran geht: Die Hermeneutische Antinomie in der Talmudischen Literatur von Rektor Prof. Dr. Adolf Schwarz. Wien 1913. Verlag der Jsrael.-Theol. Lehranstalt. II. Tempelgasse 3. Die Abfassuugszeit der Baraita der 32 Normen für die Auslegung der heiligen Schrift. Eine Untersuchung von Dr. Leo B a rdolvicz, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde in Mödling. Verlag von M. Poppelauer, Berlin. Los möres juives de l’epoque biblique par le ßabbin Dr. Zcmach, Gonstautinople. Imprimerie Isaac Gabai, Galata, Courchouniou Han Nos. 6—30. The new education in religion with a Curriculum of jewisli studies. By Henri Berkovvitz D. D. Chancellor of the jetoish Chautauqua Society. Philadelphia, Perms. 1913. The jewisli Review, edited by Norman Bentwich and Dr. J. Hochmau. July, 1913. Vol. IV. No. 20. London, Geo Rudledge <fc Sons. Lebensbilder von Honore de Balzac, dem Verfasser des letzten Chouan, oder Die Bretagne im Jahre 1800. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Schiff. , Drei Teile in zwei Bänden. Mit einer Geschichte des Werkes und einer Biographie Schiffs, herausgegeben von Friedrich Hirth. 2 Bände. 1913. München und Leipzig bei Georg Müller. Heine-Kalender für das Jahr 1913. Herausgegeben von Eugen Korn. Leipzig 1912. Im Fenien-Verlag. Diskussion. Herausgeber Hans Ostlvald: Sexuelle Enthaltsamkeit. Verlag der Diskussion, Berlin W 10. 1913. Nr. 1. Preis 50 Pf. Diskussion. Herausgeber Hans Ostwald: Das Vvlksopfer. Verlag der Diskussion, Berlin W 10. 1913. Nr. 2. Preis 59 Pf. Friedrich Schlegel. Die Quellen seines Lebens und Werdens. Von Carl Enders. 1913. H. Haessel Verlag in Leipzig. Die Tat. Sozial-religiöse Monatsschrift für deutsche Kultur. V. Jahrgang. Heft 4. 1913/14. Julihest. Eugen Diederichs Verlag, Jena. Die preußische Austrittsgesetzgebung und das Judentum. Von Dr. Isaac Breuer. Frankfurt a, M. - Verlag des „Israelit" G. m. b. H. 1913. Kulturkreis und Form der geistigen Erkrankung. Von Ludwig Stern. Halle a. S., Carl Marhold Verlagsbuchhandlung, 1913. Millionäre. Von Artur Landsberger. Illustriert von R. L. Leonard. 1913. München bei Georg Müller. 4. Auflage. Das Handlungshaus Joachim' Moses Friedlaender u. Söhne zu Königsberg i. Pr. Für die Familie herausgegeben von Ernst Friedlaender. Hamburg 1913. Jewish Community (Keliillah) of New-York City. Fourtli Aimual Report. The Jewish Community (Keliillah) of New-York City, New-York. Deutsches Studentenbuch 1913. Im Austrage des Akademisch- Literarischen Vereins Berlin herausgegeben von Dr. Edgar Groß und Georg I. Plotke. Leipzig, Verlag von K. F. Koehler 1913. __ Die moderne Jüdin, von Else Croner, 1913, Axel Juncker Verlag, Berlin.

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