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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 37 Der Demelndeöüte. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Sorrelpondrnrm und Aachrichten. Deutschland» 22 Berlin, 9. September. Die andauernden Erschütterungen, denen der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ans den verschiedensten Anlässen seit jenem Tage ausgesetzt gewesen ist, da das Organisationsgesetz zn Falle kam, hat eine große Anzahl angesehener Männer außerhalb der offiziellen Kreise des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes dazu geführt, eine besondere Vereinigung ins Leben zu rufen, die sich die Ausgabe gestellt hat, dein Bunde der jüdischen Gemeinden Deutschlands endlich diejenige Ruhe zu gewinnen, die erforderlich ist, ivenn er seinen großen, insbesondere sozialen jüdischen Aufgaben gerecht werden soll. Diese Vereinigung, die sich „Komitee der Freunde des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" nennt, hat sich dieser Tage konstituiert. Es versendet soeben ein Rundschreiben, das mit etwa 370 Unterschriften versehen ist, und zwar haben es außer den vier Parlamentariern: dem Reichstags- und Landtagsabgeordneten W a l d st e i n-Altona, dem Landtagsabgeordneten und Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Geheimen Justizrat Cassel- Berlin, dem Landtagsabgeordneten Wolf-Lissa und dem Landtagsabgeordneten Dr. Cohn-Dessau, über 200 Vorstände von Gemeinden sonne eine große Anzahl bekannter jüdischer Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reiches, auch eine Anzahl Rabbiner unterzeichnet. diesem Rundschreiben heißt cs unter anderem: „Vor einiger Zeit haben nur uns gestattet. Sie zum Beitritt anfzusordern. Die außerordentlich heftigen Angriffe eines Teiles der organisierten Lehrerschaft, die den Gemeindebund zwingen will, diejenigen Gemeinden, die nicht geneigt sind, sich öffentliche jüdische Volksschulen'einzurichten, zu vergewaltigen, und die es dabei, völlig unbegründet und fälschlich, so darstellt, als ob seitens des Ausschusses des Gemeindebundes ein Feldzug gegen die jüdische Volksschule eingeleitet sei, sind in ihrer zwingenden Konsequenz dazu angetan, den ganzen Be st and des G em ei n d eb u n d es z u erschüttern und zu gefährden. In diesein gefahrvollen Augenblicke müssen sich alle w a h r e n Freunde des Gemeindebundcs um uns scharen! Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß nnch Sie in Erkenntnis der wahren Sachlage bereit sein werden, den Gemeindebund vor dem H i n a u s t r e t e u a u s s e i n e r Neutralität in der Schulfrage und der ernstesten Gefährdung seines Fortbestandes zu bewahren. D a r a u s k o m m t e s an! Dem Ausschuß des Gcmcindebundes fällt es gar nicht ein, irgendeine Gemeinde dahin zu beeinflussen oder gar zu hindern, ihr Schulw e s e n so e i n z u r i ch t e n , wie es deren Wünschen e n t - s p r i ch t. Im Gegenteil hat der Gemeindebund bisher noch immer jedem ail ihil herantretenden Wunsche, der die Erhaltung bestehender jüdischer Volksschulen bezweckte, entsprochen. Was voll den Wortführern der Belvegmlg gegen die Neutralität des Gemeindcbuildes angestrebt wird, ist durchsichtig. Der Bund soll als Vorspann dazu benutzt werdeil, daß die Vorstände der Gemeinden nicht mehr Herren in ihrem e i g e n e n Hause bleib cn solle n. Dagegen m ü s s e n wir uns lvehren, lind darunl m ü s s e n wir in diesem Augenblick der höchsten Gefahr den verdienten Männern, die all der Spitze des Gemeindebundes stehen, fördernd zur Seite stehen. Wir sind überzeugt, daß auch Sie, sehr geehrter Herr, aus dieser Erwägung heraus uns in dem Bestreben' den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund für seine segensreichen Aufgaben zu erhalten, unterstützen wollen, und bitten Sie wiederholt, in unseren Kreis einzutreten." — Auf dieses Ruildschreiben sind, wie wir erfahren, bisher zirka 380 neue Mitglieder aus allen Teilen des Reiches dem Komitee bei getreten. g/S Berlin, 9. September. Der „Verb a n d d e.r D e u t s ch r u I u d e n" wird seine 5. Hauptversammlung am 9. November d. I. in Haulblirg abhalten. Abgesehen von dem üblichen Geschäftsbericht des Vorsitzenden werden Vorträge gehalten werden von dem Rabbiner Dr. Goldschmidt, Königshütte, über „Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religion" und von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas, Karlsruhe, über „Die Juden im öffentlichen Leben Deutschlands". — Die . Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg trifft b"- sondere Vorbereitungen zu einem festlichen Empfang der vier- bis fünfhundert Hauptversammlungsteilnehmer. 6. T. Berlin, 9. September. Für den Geheimen Regicrnngsrat Professor Dr. Herrmann Aron, über dessen Hinscheideu wir in der vorigen Nnmmer berichteten, fand am 3. d. M., vormittags im Trauerhanse in der Kaiserallee 219/220 zu Berlin-Wilmersdorf eine Trauerfeier statt. Der Sarg war in dem schwarz ausgeschlagenen Salon ausgebahrt, und lim ihn breiteten sich die Kranz- und Blumenspenden aus, die als letzter Gruß von den zahlreichen Gesellschaften und Instituten, denen der Verstorbene nahegestandcn hat, an der Bahre niedergelegt worden waren. Man sah Widmungen^ von den Direktionen der A. E. G., der Commerz- und Discontobank, der Aktiengesellschaft Bartz u. Co., der Orenstein' n. Koppel und Arthur Koppel Aktiengesellschaft, der I. C. Vogel Telcgraphendrahtfabrik Aktiengesellschaft, der Urania, von der Militärtechnischm Akademie, vom Verband Deutscher Elektrotechniker, vom Verein elektrotechnischer Spezialfabriken und von sämtlichen auswärtigen Häusern der Firma H. Aron G. m. b. H. In der Trauerversannulung befanden sich der Kommandeur des Eisenbahnregiments Nr. 1 Oberstleutnant B,o ck, das Direktionsmitglied der militärischen Akademie Oberst Müller mit deln Major B r e h m e r , Geheimer Koinlnerzienrat O r e n st e i n , Geheimrat R a t h e n a n , Professor Dr. M o s se, Direktor G o e r k e von der Urania, Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Neesen und das Beamtenkollegimn der Templerloge Nr. 4 von Brandenburg, der der Heimgegangene über 20 Jahre angehört hat. Die Feier begann mit einem Gesang des Synagogenchors der Synagoge Fasanenstraße. Dann hielt Rabbiner Dr. W e i ß e die Gedächtnisrede. Außerdem widmeten noch Geheimer Kommerzienrat Orenstein, Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Neesen lind Direktor Goerke dem Verstorbenen ehrende Nachrufe. Im Anschluß an die Trauerfeier erfolgte die Ueberführnng der Leiche nach dem Friedhof in Weißensee, wo nach dem üblichen Gebet die Beisetzung stattfand. L. F. Berlin, 9. September. Am Sonntag den 31. August veranstaltete der Synagogenverein Beth-Zion in seiner Synagoge, Brunnenstraße 33, eine Gedächtnisfeier für seinen ersten Vorsitzenden Herrn I. Hey m a n n s o h n. Die zahlreich erschienene Traucrgemeinde, welche lange vor Beginn der Feier die geräumige Synagoge bis auf den, letzten Platz füllte, war ein Beweis von der großen Popularität, der sich der Entschlafene erfreute. Eingeleitct wurde die Feier durch den Chorgesang „Der Mensch, wie Gras sind seine Tage" und den Solovortrag des 16. Psalm, worauf Herr Rabbiner Höxter die Gedächtnisrede hielt. In ergreifenden Worten schilderte er den Dahingeschiedenen als das Muster eines Führers, der durch seine unermüdliche Arbeitskraft, sein umsichtiges und menschenfreundliches Wesen den Verein Beth-Zion zu hoher Blüte gebracht, dem er seine reiche Erfahrung durch Zwanzig Jahre zur Verfügung gestellt hat. Jeder,'der das Glück hatte, mit ihm in Berührung zu kommen, mußte feiner persönlichen Liebenswürdigkeit, seinem hochherzigen Wesen und seiner ' Klugheit große Bewunderung zollen. Der Verein Beth-Zion beklagt nicht nur den Heimgang seines hochgeehrten Führers, sondern auch den Verlust eines edelgesinnten Menschenfreundes, dessen lauterer Charakter, vereint mit strenger Rechtlichkeit und innigem, väterlichem Mitgefühl, ihm ein und ehrendes Andenken in aller Herzen dauernd sichert. So lebt sein Bild im Herzen der Gemeinde fort. Als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit widmete ihm die Gemeinde eine Gedenktafel, die bei dieser Gelegenheit enthüllt wurde. Mit dem El mole Rachamim-Gebet und abermaligem Chorgesang schloß die erhebende Feirer. "W. Gnesen, 5. September.' Am 1. September verschied, im Alter von 61 Jahren in Berlin ein früherer Bürger unserer Stadt, der königliche Kouunifsionsrat Joseph Stranz. Der durch seinen Wohltntigkcitssinu hier bekannte Verstorbene war oine Reihe von Jahren zuerst Stadtverordneter und später Stadtrat. Sein Interesse an unserer ^tadt bewies er auch noch nach seinem Wegzug durch zahlreiche Stifungen für W ohlfa h r tse in r i ch tu n gen. Der hiesigen jüdischen Gemeindevertretung hat er jahrelang als Repräsentant und sodann bis zu seinem Wegzuge als Mitglied des Vorstandes der Shnagogengemeinde angehört. Mit regem Interesse und Pslichtoifer hat er sich den Gemeindeaufgaben gewidmet und sich dadurch sowie, durch sein freundliches Wesen und seinen Wohltätigkeitssinn die Anerkennung und Ver-

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