Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · p. Seite 443

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229107--69753-3282072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

„Aber die jüdischen Bankiers und Menreiter tragen doch keine Säcke. Körperliche schwere Arbeit lieben unsere Juden nicht." - „Tragen sie auch keine Mehlsäcke, so stöhnen doch noch heilte viele jüdische Hausierer unter dem Warenbündel, mit dem sie im Lande hausierend herumziehen. Also bitte, ein anderes Kriterium." „Das krause, glänzende schwarze Haar an Haupt und Bart." * ‘ „Ich kenne rote und blonde Juden in Menge, und Esau und David hatten nach der Bibel rötliches Haar. Uebrigens wäre auch das Haar kein Unterscheidungsmerkmal; denn die Haarfarbe ändert sich bis zum'vierzigsten Jahre oft genug. Nur ein Viertel der Menschen behält überhaupt die Haarfarbe der ersten zwei Jahre. Und bilden nicht tiefbrünette Christen in Italien, Spanien und Griechenland die weit überwiegende Mehrheit?" „Allerdings, aber nicht im Deutschen Reich." „Wenn auch nicht die Mehrheit, so gibt es ihrer doch auch bei uns genug. Beethoven beispielsweise war tiesschwarz." „Sie nennen einen einzelnen." „O, es gibt auch bei uns recht viele." „Aber jüdisch sind doch zweifellos die schwarzen, vorstehenden, feuchten und verschmitzten Augen?" „Dann wäre Berthold Auerbach kein Jude gewesen." „Der.Verfasser der Dorfgeschichten?" „Eben der. Gustav Frey tag nennt ihn einen blauäugigen Gesellen. Uebrigens ändert sich auch die Augenfarbe des Kindes, und keinesfalls vererbt sie sich immer." „Und Sie finden wirklich keinen Unterschied zwischen Juden- und Christenaugen?" „Die Augenheilkunde wenigstens lehrt nichts davon. Höchstens ergibt sich eine größere Verbreitung der Farbenblindheit unter den Juden; aber sie ist ihnen keineswegs allen, noch ist sie ihnen ausschließlich eigen. Sind doch genug christliche Eisenbahnbeamte wegen Daltonismus vom Lokomotivführerdienst ausgeschlossen worden, und jüdische Maler, wie Reichenheim, Veit, Bendemann, Liebermann, haben eine seine Farbenempfindung betätigt." „Bendemann, der Führer der Düsseldorfer Schule?"- „War auch Jude oder doch jüdischer Abkunft, und das ist ja für unsere Frage das gleiche." „Zugestanden. Aber die kleine Statur des Juden und sein schmächtiger Brustkorb." „Mag oft, aber sicher nicht bei allen begegnen. Schon Simson muß doch nicht gerade schwächlich gewesen sein, jedenfalls haben wir jüdische Freiwillige und Unfreiwillige genug, die das Militärmaß besitzen, ja, wie in der Garde, es noch weit überschreiten. Und anderseits: waren nicht Napoleon, der Prinz Eugen und Beethoven auch recht klein? Und sind etwa die kurzen Appenzeller sämtlich Juden? Oder die kleine Exzellenz, der Zentrumssührer Windthorst? Oder der vortreffliche Maler der sriderizianischen Zeit, der kleine und doch so große Menzel? Auch unser genialer Tondichter Wagner ist von kleiner Statur und übertrisst schwerlich an Körpergröße Ferdinand Lassalle." „Aber die jüdischen Soldaten stehen doch meistens auf dem linken Flügel." „Viele, keineswegs alle. Beträgt doch unserdeutsches Militärmaß, wie Sie ja wissen, 1,60, während die Durchschnittslänge der Juden* in ganz Europa auf 1,63 ermittelt ist. Der heutige Durchschnittsjude hat also drei Zentimeter über unser Maß, und er hat nur einen Zentimeter weniger, als der Legionssoldat zur Zeit der römischen Republik besitzen mußte." „Aber die krummen O-Beine, durch die man eine Kegelkugel werfen kann." „Finden sich bei. Jud^und Christ, und keineswegs bei allen Israeliten." „Und das schiefe Rückgrat, der hohe Buckel; der ganze Jndenkerl ist ja krumm." „Zuweilen allerdings, aber ganz und gar nicht immer. Auch die jüdischen Knaben und Jünglinge haben turnen gelernt, und bei uns im Dienst wird die krumme Haltung jedem Rekruten schon ausgetrieben. Uebrigens finden Sie in den orthopädischen Instituten und den chirurgischen Hospitälern verkrümmte Christen die große Menge, und selbst die höchsten Klassen sind dagegen nicht durchaus gefeit." „Und ferner: die dicke, hängende oder wenigstens umgestülpte Unterlippe, und die große abstehende Ohrmuschel sind vielleicht etwas häufiger bei den Juden als bei den Christen zu finden, aber weder ausnahmslos noch ausschließlich bei ihnen." „Und der schwerfällige Gang, der ungleichmäßige Schritt?" „Hindert sie nicht, den Parademarsch zu erlernen." „Sie denken immer an die paar Gardesoldaten." „Und Sie an die Karikaturjuden der Witzblätter." „Deren Urbilder doch auch herumlaufen." „Zugestanden. Aber sicher nicht in so großer Zahl als die jüdischen Reservisten und Landwehrmänner."' „Sind die so zahlreich?" „Allerdings! In den europäischen Heeren dienen über 100 000 Juden. Aber ich erwarte immer noch Ihr entscheidendes Kriterium." „Nun, ein weiteres wäre das Anstoßen mit ihrer schweren Zunge." „Und doch gibt es zahlreiche Schauspieler, Professoren, Advokaten, Richter, Parlamentsredner, Verteidiger von höchster Beredsamkeit unter den Juden, und unter den aus dem Judentum Uebergetretenen. Glauben Sie wirklich, daß diese auf den deutschen Hosbühnen, auf den deutschen Kathedern, in den deutschen Volksvertretungen und in den deutschen Gerichtshöfen sämtlich lispeln und mit der Zunge anstoßen?" „Alle nun freilich nicht. Aber ich höre den Juden gleichwohl, selbst wenn ich ihn nicht sehe; denn ob er nun lispelt oder nicht lispelt, immer schreit er. In der Eisenbahn, im Theater, aus der Straße, an der Wirtstafel; immer hört man ihn; ob er nun händefuchtelnd mauschelt oder in elegantem Hochdeutsch seine Weisheit ausposaunt oder seine Familienverhältnisse auskramt."' „Setzen Sie für immer oft, so könnte ich Ihnen vielleicht zustimmen, so aber generalisieren Sie unberechtigerweise eine Unart mancher Juden, in der sie übrigens von den Völkern Südeuropas noch übertrosfen werden. Auch die Italiener besitzen ein lebhaftes Naturell, sprechen überlaut und gestikulieren mit den Händen. Denken Sie nur an die Bilder der italienischen Meister, die durch die Hände ihre Menschen und Heiligen oft so großartig zu charakterisieren wußten." „Aber die Italiener erheben weder im Leben noch in den Bildern die nach außen gekehrte Handfläche mit ausgespreizten Fingern bis zur Schulterhöhe, und wir.Deutschen sind glücklicherweise vyn jenem überlebten Naturell der schreienden Juden durchaus frei." „Das wäre denn doch zu viel, gesagt; anerkanntermaßen trifft eher das Gegenteil zu." „Anerkanntermaßen? Haben Sie auch dafür einen Gewährsmann?" „Gewiß! und keinen geringeren als Gottfried Keller." „Der ist ein Schweizer." Mer aber lange genug in München, Heidelberg und Berlin gelebt hat, wo an lebhaften Juden kein Mangel ist." „Leider! Doch was sagt Keller? Er macht niemandem Komplittrente."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.