Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Ignatz Gabelly, Gustav Gol dschmidt ^und Joses L v e w e n h e r z. Ein Doppelquartettgesang des vom Gemeindevorstand bereitwilligst zur Verfügung gestellten Synagogenchors unter Leitung seines Dirigenten B u r ch a r d t beitete die stimmungsvolle Feier ein, worauf der Kamerad Rabbiner Dr. Blumenthal eine warm empfundene Gedächtnisrede unter freiem Himmel hielt. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden Kamerad Dr. N e n st a d t wurden alsdann Lorbeerkränze mit den Preußischen Farben auf die Gräber niedergelegt und für die Kämpfer am Grabe des Majors Burg eine dreifache Ehrensalve abgegeben. Mit dem Gesänge des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" fand die erhebende Feier ihren Abschluß, der eine große Schar ehemaliger jüdischer Soldaten und Veteranen, darunter mehrere Ritter des Eisernen Kreuzes und Stadtverordnete beiwohnten. g/s Berlin, 18. März. Aus Anlaß des hundertnndfünszigsten Geburtstages von Rabbi AkrbaEgerist eine Anzahl von Angehörigen des Egerschen Familienkreises zusammengetreten, um über die Frage zu beraten, in welcher Weise die Geschichte der Familie Eger gepflegt und in weiteren Kreisen der Familie das Interesse für diese Geschichte geweckt werden könne. Bestimmend hierfür war in erster Reihe die bemerkenswerte Entwicklung der Familie, deren Stamm im altjüdischen Geistesleben, in der Hingabe äir die biblisch-talmudische Wissenschaft wurzelt, deren Aeste in alle Gebiete des modernen Lebens hineinragen, die zu ihren Mitgliedern Rabbiner, Universitätslehrer, Schriftsteller, Juristen, Aerzte, Beamte, Kausleute, Industrielle, Techniker, bildende Künstler zählt. Im Mittelpunkte der Familiengeschichte steht die überragende Persönlichkeit Akiba Egers, des letzten Gaons in Deutschland, wie man ihn genannt hat, der von der Gesamtheit seiner Zeitgenossen als der hervorragendste Vertreter und Förderer des jüdischen Geistes anerkannt wurde. Eine solche Persönlichkeit konnte nur hervorgehen aus einer Familie, in der gleiche geistige und seelische Kräfte seit Jahrhunderten lebendig waren. Unter den Vorfahren Rabbi Akiba Egers finden wir Männer wie den Landschtadlan R. Meier Ginsmann in Halberstadt (gestorben 1672), R. David. Mireles in Wien (gestorben 1660), R.. Abraham Brod, den berühmten Frankfurter Rabbiner und Gelehrten (gestorben 1717), R. Möses Broda, Rabbiner in Worms (gestorben 174.2), Parnaß Eli ah Eger, Begründer der Egergemeinde in Prag (gestorben 17.05), R. Miba Eger den Aelteren, Rabbiner in Halberstadt und' in Preßburg (Großvater R. Akiba Egers). Es ist daher, beschlossen worden, eine Vereinigung der Mitglieder der Egerschen Familie, das heißt der Personen, die nachweislich von R. Akiba Eger . oder einem seiner Vorfahren abstmnmen, herbeizuführen, um in geordneter und zweckbewußter Weise das Studium der Familiengeschichte, die Feststellung des Egerschen Stammbaums, die Herausgabe von Werken aus diesem Gebiete in die Wege zu leiten und zu fördern. Zu diesem Zweck findet Donnerstag den 20. März 1913 abends 8& Uhr in Berlin .^., Kleiststraße 10 (Logenhaus) eine Versammlung der Nachkommen des Rabbi Akiba Eger statt. (Die Veranstalter der Versammlung dürste es sicherlich interessieren, zu erfahren, daß ein Urenkel des Akiba Eger in Lublin (Russisch-Polen) als Chassidim Rabbi wirkt. Er heißt. Rabbi Abraham und ist ein Sohn des berühmten Rabbi Leibele Eger, dessen Vater, Rabbi S a l o m o n, Nabbiner in Kalisch und ein Sohn von Akiba Eger war. R. Leibele heiratete in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Lublin, schloß sich kurz darauf den Chassidim an und wurde später das Oberhaupt von vielen Tausenden, die nach seinem — ich glaube — in den neunziger Jahren erfolgten Ableben seinen Sohn Abraham zum Nachfolger ernannten. Die Redaktion.) 22 Berlin, 18. März. Am 10. d. M. hat im Verwaltungsgebäude der'Jüdischen Gemeinde unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Weiße die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance Isra 6 lite Universelle stattgefunden. Der Bericht, den Herr Nabbiner.Dr. Weiße erstattet hat, konstatiert mit Genugtuung, daß durch die Gründung der „Freien Organisation" der A. I. U. der Friede in der Alliance vollständig hergestellt und'ein weiteres Aufblühen der Alliance in Deutschland zu erwarten ist. Auf die Lage der Juden im Orient eingehend, hob er das großzügigeWirken der Alliance hervor, wie sie gleich'nach Empfang dtzr ersten Nachricht der traurigen Ereignisse in Fez 100 000 Frank telegraphisch dorthin überwiesen hat. Ebenso hat sie den durch den Balkankrieg schwer heimgesuchten jüdischen Gemeinden bisher 100 000 Frank zur Verfügung gestellt und eine allgemeine Sammlung eiugeleitet, die. noch nicht abgeschlössen'ist,' da die Mittel, die nach Abschluß des Friedens benötigt werden, um den Geschädigten neue Existenzen zu schaffen, nicht einmal annähernd bestimmt werden können. Auch hat die Alliance erst vor wenigen Wochen 10 000 Frank nach Jerusalem' geschickt, die zur Zahlung der Miete für die arme Bevölkerung verwendet werden sollen. Der Bericht fand lebhafte Zustimmung, woraus dann die Wahlen zum Vorstand vorgenommen wurden. £2 Berlin, 18. März. Der soeben ausgegebene 23. Jahresbericht über das I ü d i s ch e M ä d ch e n st i s t, Lothringer Straße 16,. weist eine anhaltend günstige Entwickelung dieser Anstalt auf, die in einen: eigenen Heim unbemittelten jüdischen Mädchen vollständig unentgeltlich Unterhalt und hauswirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung für den Dienstbotenberuf bietet. Die Uwhlbewährten Einrichtungen (Fortbildungsunterricht, Aushilfeleistung in geeigneten Haushaltungen, Kosttisch u. a.) sind unverändert geblieben. Im abgelaufenen Jahre sind 8, im ganzen bisher 130 Mädchen in den Dienst getreten. Die für mehrjährige treue Pflichterfüllung bei derselben Herrschaft gewährte Prämie von 40 Mark hat bereits 25 mal verteilt werden können. Dringend bedarf das Stift, selbst bei der Beschränkung aus den gegenwärtigen Bestand von 16 Zöglingen, größerer Einnahinen, besonders an Jahresbeiträgen. Vorsitzende sind Professor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. S2 Brandenburg a. H., 14. Mürz. In der Andachtshalle des hiesigen jüdischen Friedhofes fand am 10. d. M. aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Erhebung Preußens eine stimmungsvolle Gedächtnisfeier und Ehrung der auf diesem Gottesacker ruhenden 9 Freiheitskämpfer, die 1813/15 freiwillig dem Rufe ihres Königs gefolgt waren, statt. Da die Stelle unseres verewigten Rabbiners Dr. Ackermann noch nicht wieder besetzt ist, hatte es der Vorsitzende der Repräsentanten Versammlung'Herr L. Helft bereitwilligst übernommen, die allgemeine Begeisterung in der verhältnismäßig kleinen jüdischen Gemeinde von damals zu schildern. Die Mitglieder der Gemeinde, unter welchen sich der im 90. Lebensjahre stehende Vorsteher N. N a t h a n s o h n, ein Sohn eines der 9 Freiheitskämpfer, befand, und die jüdischen Soldaten der Garnison lauschten den eindrucksvollen Worten des Redners, woraus nach dem Vortrage von zwei Psalmen der Semor Nathansohn das Kaddischgebet sprach und eine Deputation die neun Gräber mit Lorbeeren schmückte. N Hamburg, 14. März. Herr Ernst Luria, Seniörchef der bekannten Kaufmannsfirma L. Luria ü. Co., ist im besten Mannesalter plötzlich aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der sich in der Kaufmannswelt unserer Stadt großer Achtung und Wertschätzung erfreute, war ehemaliger Präsident der Steinthal-Loge und Vorsitzender der Portugiesisch-jüdischen Gemeinde. . Sein so plötzliches Hinscheiden bedeutet sowohl für unsere Gemeinde als auch für die Wohltütigkeitsinstitutionen einen! mrersetzlichen Verlust. Ernst Luria, der nur ein Alter von'54 Jahren erreichte, stand noch in der Vollkraft seines Wirkens und ist nicht nur für seine Familie, sondern auch für die Gemeinde, für deren Interessen er in selbstlosester Weise wirkte, viel zu früh aus dein Leben geschieden. Die Bestattung fand unter überaus großer Beteiligung vom Sterbehause, Abteistraße, ans statt. Unter den Leidtragenden waren außer den Rabbinern Dr. L o e w e n t h a l und Dr. Sonderling Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Steinthal- und Henry-Jones-Loge und vieler anderer Gemeindeinstitutionen airwesend, auch viele hervorragende Vertreter der Knufmannsivelt waren zur Tranerseier erschienen.' Die Gedenkrede hielt Herr R a b b i n e r D r. Sonderling, der in ergreifenden Worten der Trauer Ausdruck gab über das so plötzliche Hinscheiden des verdienten Mannes, der trotz seiner so großen geschäftlichen Tätigkeit sich in so uneigennütziger, hingebungsvoller.Weise in der Verwaltung der Gerneürde, der Loge und anderer gemeinnütziger Institutionen betätigte. Anknüpfend an ein Schriftwort entwickelte der Redner ein getreues Lebensbild des Dahiugeschiedenen. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. Der geistliche Beamte der Portugiesengemeinde rezitierte hierauf einige Gesänge, nach portugiesischem Ritus. Der imposante Leichenkondukt bewegte sich nach dem Ohlsdorser Friedhof. . In der Friedhofskapelle widmete Herr Alfr ed L i ss er im Namen der Henry- Jones-Loge. dem Verstorbenen ein herzliches Abschiedswort. Die Trauergebete wurden nach portugiesischem Ritus vorgetragen und hieraus die irdischen Ueberreste dem Schoß der Erde übergeben. . W. Chemnitz, 14 Mürz. Zur Vorbereitung der Gemeindewahlen hatte sich im verflossenen Jahre hier'ein der bisherigen Ge-