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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 12 Der Gemeindevote. Berlin, 21. März 1913 Beilage zur „Allgemeinen Leitung üeS Judentums". Sorrrhmnden?m und Kschnchten. Lm neues jüdisches Altersheim. --- Berlin, 18. März. In den nächsten Tagen wird eine umfangreiche,^ sich über ganz Deutschland erstreckende jüdische Wohltätigkeitsorganisation, der „Hi l s sv er'ein für die -jüdisch en Tau b st u m m e n i n D e u t s chl a n d E. V.", auf eine zehnjährige erfolg- und segensreiche Tätigkeit zurückblicken' können. Auf Anregung aus dem Kreise der jüdischen Taubstummen selbst heraus begründet, hat dieser Verein sich die Ausgabe gestellt, deren Interessen zu fördern durch Vermittlung von Arbeitsgelegenheit, durch Unterstützung im Falle dringender Not und durch Errichltung und Unterhaltung eines Altersheims für arbeitsunfähige jüdische Taubstumme. . So lohnend und so verlockend es auch wäre, eine Ueberstcht über das gesamte Werden, Wachsen und Wirken des Vereins in den zehn Jahren, seines Bestehens zu entrollen, muß dies als über den Nahmen eines kurzen Aufsatzes hinausgehend an dieser Stelle unterbleiben. Im folgenden soll nur zur Darstellung gebracht werden, in welcher Weise er der an dritter Stelle erwähnten Teilausgabe seines Programms, Errichtung eines Altersheims, gerecht geworden ist. Wenn die Errichtung eines Altersheims unter den vom Hilfsverein verfolgten Zwecken auch an der letzten Stelle steht, so sollte damit nicht etwa eine mindere Bedeutung und geringere Wichtigkeit dieses Punktes den anderen gegenüber angedeutet, sondern nur der Erwägung Ausdruck verliehen werden, daß er sich der Zeit nach erst weitspäter würde der Verwirklichung entgegensühren lassen, wenn nämlich die dazu notwendigen Mittel gesammelt sein würden. Dank der Rührigkeit des Vorstandes war es schon nach der kurzen Spanne Zeit von drei Jahren möglich, die. geplante Anstalt ins Leben zu rufen, und,wenn auch ihre Anfänge noch primitiv und dürftig waren, so war doch der Grund gelegt, auf dem der allmähliche Aus- und Weiterbau erfolgen konnte. Zunächst wurde in Pankow bei Berlin eine größere Wohnung, in einem Privathause gemietet, und nachdem die Räume mit den von Vorftandsmitgliedern und Gönnern des Vereins gespendeten Einrichtungsgegenständen ausgestattet waren, konnten die ersten ausgenommenen Taubstummen ihren Einzug in'das neue Heim halten. Einen besonderen Vorzug'besaß die junge Anstalt in ihrer trefflichen Lage gegenüber einem prächtigen alten Parke. Bald aber waren die zur Verfügung stehenden Räume überfüllt, und zweimal in kurzen Zwischenräumen mußte eine Erweiterung der Anstalt vorgenommen werden. Als sich schließlich 'infolge der erhöhten Zahl der Insassen neben der Enge der gemieteten Räume auch deren Unzweckmäßigkeit in immer steigendem Maße bemerkbar machte und den geordneten Anstaltsbetrieb erschwerte, mußte-sich der Vorstand immer mehr und mehr mit dem Gedanken vertraut machen, an die Errichtung eines eigenen Anstaltsgebäudes heranzutreten. So wurde denn in der Kaiser'in-Augusta-Straße^zu Niederschönhausen, einem Vororte im Norden Berlins, ein Grundstück angekauft, das sich durch seine Lage, Größe und Preiswürdigkeit auszeichnete und sich für den beabsichtigten Zweck besonders zu eignen schien. Zur Erlangung von Entwürfen wurde ein Ausschreiben erlassen und der Entwurf des Architekten Dipl.-Jng. Julius LichtensteiU, Berlin, zur Ausführung bestimmt. Ihm wurde auch die gesamte, Bauleitung, den Architekten Regierungsbaumeister Louis F r ä n k e l Und Adolf S o m m e r seld die Bauausführung übertragen, und in rüstiger Arbeit aller Beteiligten und in ständigem Zusammenwirken der Baukommission des Vorstandes und der Architekten wurde das schöne Werk begonnen und fortgeführt, und am 4. September 1912, konnte es seiner Bestimmung übergeben werden. Ein Gang durch das neue Haus läßt sehr schnell das wesentlichste 'Merkmal und den größten Vorzug seiner Anlage erkennen: Klarheit, Durchsichtigkeit und -Zweckmäßigkeit in der Anordnung des Grundrisses. Aber wenn auch beim Entwurf des Bauplans Rücksichten der Zweckmäßigkeit den Ausschlag geben muß'ten, so ist doch auch den ästhetischen, baukünstlerischen Anforderungen in vollem Umfange Rechnung getragen worden, - und, zwar wird die künstlerische Wirkung nicht hervorgerusen durch den' Aufwand kostspieliger Mittel, sondern durch treffliche Gliederung des Ganzen im Aeußern und im Innern, durch die sinngemäße Anordnung und Abmessung aller seiner Teile und durch den harmonischen Zusammenschluß der Linien und der Farben. Mit seiner architektonisch wirkungsvoll durchgearbeiteten Fassade, mit den großen Balkonen und den Hellen Fenstern, unter denen diejenigen des Betsaals besonders hervörtreten, stellt das Gebäude eine Sehenswürdigkeit dar, welche die Blicke aller Vorübergehenden auf sich lenkt. Da das Haus zur Ausnahme von etwa.sechzig Insassen bestimmt ist und alle seine Räume hell und hoch und lustig sein sollten, so präsentiert es sich auch in einer dementsprechenden Statt- . lichkeit. Mit der- Schönheit und Stattlichkeit.des Aeußern verbinden sich Schlichtheit uüd Zweckmäßigkeit in der inneren Ausgestaltung zu einem Ganzen voller Harmonie.- Der Bau besteht , aus drei Geschossen. Betritt man die in behaglicher Einfachheit.gehaltene Eingangshalle im Erdgeschoß, so liegen links die Wohnung und das Amtszimmer des Anstaltsleiters und rechts die Wohnräume des Pförtners. Durch einen kurzen Gang gelangt man in einen großen, Hellen Arbeitssaal, in welchem die noch teilweise arbeitsfähigen Pfleglinge beschäftigt werden. Ein zweiter Gang führt in die geräumige, in srermdlichern Weiß gehaltene Anstaltsküche mit den dazugehörigen Spül- und Wirtschaftsräumen. Ueber Kunststeintreppen gelangt inan in die oberen Geschosse, die von Hellen, luftigen Korridoren durchschnitten werden, an denen die gesamten Räume liegen, und die zu weites, nach dem Garten gelegenen Altanen hinführen. Das erste Stockwerk dient zur Unterbringung der Frauen und enthält außer den Wohnräumen für diese noch das Vorstandszimmer und den lichterfüllten Speisesaal, zu dem von der darunter liegenden Küche ein doppelter Speisenaufzug geht, und in welchem alle Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Im zweiten Stockwerk sind die Wohnräume der Männer untergebracht. Außerdem liegen hier ein Lesezimmer und der Betsaal, in dem Plätze für 80 Personen vorgesehen sind. Mit besonderer Liebe und Sorgfalt ausgestattet und gestaltet, bildet dieser Raum einen Schmuck des ganzen Hauses. .. Fünf mächtige, buntfarbige , und in Bleiverglasung ausgeführte Fenster geben der he'reinflutenden Lichtfülle eine stimmungsvolle Gedämp.fthei-t, und die lichtbraune HolZbekleidung, die zart abgetönten Farben der Wände und der Decke, die sich in der Mitte zu einer Kuppel emporwölbt, verleihen dem Raume eine Andacht weckende 'Feierlichkeit. Die in ihm stattfindenden Gottesdienste werden in einer dem Geistesstande und den Ausdrucksformen der an ihm Teilnehmenden angepaßten Weise ab- , gehalten. Daß in jedem Stockwerk die sonst noch, notwendigen Räume, wie Bäder, Krankenzimmer usw., daß ferner in dem Neubau Zentralheizung, Warmwasserbereitung und elektrische Beleuchtung vorhanden sind, das braucht nur' beiläufig erwähnt zu werden. Ringum wird die Anstalt von einer ausgedehnten Gartenanlage umzogen, die, abgesehen von dem Vorgarten, in eiüen Ziergarten, in dem die.Insassen sich ergehen, und in einen Obstgarten geteilt ist, in dem sie sich betätigen können. Einen erwähnenswerten'Schmuck des Gartens bildet ein von Rogierungsbaumeister Fränkel dem Hause gestifteter Springbrunnen. Von der hier geschilderten neuen Anstalt sagt der kürzlich, erschienene Jahresbericht des Vereins, der sie errichtet hat, in diesem Haufe sei ein Werk geschaffen worden, das nicht nur ihm, sondern der gesamten Judenheit zur Ehre gereichen könne, und das ist keine Uebertreibung oderUeberhebung. Das Altersheim des Hilfsvereins fü-r die jüdischen Taubstummen in Deutschland ist ein ragen-- der Stein in dem großen Gebäude der jüdischen Wohltätigkeit, der sich sehen lassen darf und gesehen zu werden verdient. Liegt es auch ein wenig abseits von den vielbegangenen Straßen, so sei dennoch ein Gang zu ihm hinaus empfohlen. Wer das kleine Opfer an Zeit und Mühe nicht scheut, dieser Anstalt einen Besichtigungsbesuch zu machen, wird gewiß das Gefühl vollster Befriedigung und das Bewußtsein'mit sich nehmen, keinen verlorenen Weg gemacht und ein Institut gesehen zu haben, dessen Existenz eine Notwendigkeit und das tatkräftiger Unterstützung der weitesten Kreise würdig ist. H. Metz.. Berlin, 18. März. Eine würdige Gedächtnisfeier d e s M i l i tä rve r eins De u t s ch e s V ahe r l a n d fand am letzten Sonntäg vormittag auf dem alten israelitischen Friedhof Schönhauser Allee statt. Dort haben sieben Kämpfer aus den Freiheitskriegen von 1813/15 ihre letzte Ruhestätte gesunden: Der Axtilleriemajor Meno B u r g , der Leutnant d. L. M a h e r L o e b e l, der Leutnant a. D. Albert W a r t e n b e r g, die' Veteranen J-s r. ä e l W er t hei m,

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