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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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meindeverwaltung gegenüber oppositioneller „Neuer jüdischer . Geineindeverein" gebildet. Er veranstaltete am 9.d. M. zum erstenmal einen wissenschaftlichen Ahl^nd und ließ Herrn F ach t u s Sch a ch über „Die Richtlinien des liberalen Judentums und das jüdische Gemeindeleben" sprechen. Dieser polemisierte gegen die Anhänger des neuen liberalen Judentums so, als wären sie mit den bewußt unreligiösen und indisferenten Juden identisch, welche sich ebenfalls liberal nennen. Er erging sich deshalb in unbewiesenen Vorwürfen gegen die Verfasser der Richtlinien und nannte sie unter anderem Dilettanten, die das Judentum ebensowenig kennen wie die Judenheit, die ihre eigenen Grundsätze nicht befolgten aus Furcht vor ihren Gemeindevorstehern. Der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Fuchs, wies dem Redner in der Diskussion nach, daß er mehrfach den Richtlinien das vorgeworfen habe, was diese selbst bekämpfen, und daß in anderen Punkten Schachs eigene vorgetragene Meinung die der Richtlinien sei, Ueberhaupt aber gehe in den Richtlinien nur ein Gedanke über den schon bisher bestehenden Liberalismus neu hinaus: Sie haben zur Entscheidung, was am Kultus in der Jetztzeit wertvoll und wertlos sei, einen - Grundsatz aufgestellt, die Förderung der Sittlichkeit und Gemütssrömmigkeit. Dieser Grundsatz sei dem Gebiete der Religion entnolnmen und werde das religiöse Leben konsolidieren; der vom-Redner vertretene Grundsatz: jeder sollte sich seinen eigenen Schulchan Aruch auch künftig machen, führe zum Verderben. In seiner Schlußrede warf Herr Schach dem Gemeinderabbiner auch Persönlich u. a. llw~ wisseuheit vor, ohne diesen für einen Rabbiner ehrenrührigen Vorwurf irgendwie zu begründen. Dieser protestierte; Herr Schach aber antwortete: „Unkenntnis ist keine Beleidigung, sondern eine Krankheit". Selbst nach dieser Verschlimmbesserung hielt der Vorsitzende des Reiten jüdischen Gemeindevereins eilte Rektifizierung des Redners und eine Verteidigung feines eigenen , Rabbiners nicht für nötig. Eine oberflächliche Abstimmung ergab, haß ein großer Teil der antvesenden Vcreinsmitglieder dieselbe Meinung von der Ehre eines Rabbiners und Gastes hatte. Darauf verließ der Rabbiner unter Protest die Versammlung; fast sämtliche Gäste folgten ihm. - Sö NüMberg, 14:, März. . Eine i m p o s a n t e V er s ä m ni - l u n g, wie sie in der Geschichte der Nürnberger Kultusgemcinde noch .nicht leicht erlebt war, hat der hiesige „ V e r e i n s ü r d i e l i b e ralen In t-e rrfts e.n des Indent ums" am 6. Marz in: Hotel ' „Goldenen Adler" zustande gebracht. Nachdem bereits in zwei großen Versammlungen die „Zionisten" und die „Gesetzestreueu" in einseitiger Weise 311 den „Richtlinien" Stellung genommen hatten, nachdem fermer die hiesige Orthodoxie eine Reihe von einschneidenden Abänderungen an dem seit fünf Jahren mit der Hauptgemeinde abgeschlossenen Vertrage begehrte, galt es vor der breiten Oeffentlichkeit Belehrung und Aufklärung zu geben. Es waren deshalb sämtliche Mitglieder der hiesigen Kultusgemcinde durch Inserat und Zirkular zu einer öffentlichen Versammlung eingeladeu. Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Versammlung war der große Saal des „Goldener Adler" voll besetzt, und innerhalb kurzer Zeit waren auch die Nebenfäle bis aus den letzten Platz gefüllt, sodaß eine Menge Leute sich mit Stehplätzen begnügen mußte, ein Beweis, welches große Interesse für die gegenwärtigen Strömungen innerhalb des Judentums hier vorhanden ist. Auch die Orthodoxie hatte sich in großer Zahl mit ihrem Vereinsrabbiner, Herrn Dr. Kleiip, eingefunden. Der erste Vorsitzende des „Vereins für die liberalen Interessen des Judentums", Herr Direktor Gombrich, leitete die Versammlung mit großem Takt und Geschick und verstand es, trotzdem die Wogen der Erregung begreiflicherweise manchmal sehr hoch gingen, die Ordnung und Würde der überfüllten Versammlung aufrecht zu erhalten und den: Rednern aus beiden Lagern volle Redefreiheit, Ruhe und Aufmerksamkeit zu verschaffen, was nicht immer leicht war. Von liberaler Seite sprachen Herr Rechtsanwalt Dr. Erlanger, die Herren Justizrüte Dr: Josefs thal und Dr. Held sowie Herr Rabbiner Dr.. Fr enden th al, von orthodoxer Seite die Herren G r ü>n e b a u m, M a x M a y e r und Vereinsrabbiner Dr. Klei n. Der Referent des Abends war Herr Rechtsanwalt Dr. Michael Erlau gerader das Thema „Der Liberalismus im Judentum und dessen Zukunft in Bayern" in außerordentlich interessanter und fesseln- Unentbehrlich in der Küche für Puddings, | Kuchen, Suppen, Saucen usw. '! Kochbüchleinkostenlos durch | | Corn Products Co. j Abt.: IM Hamburg j Mandel milch-Pflanze n b u tfervollkommenster '"IJÜQ Butter-Ersatz» nna by 'W 'D Alleinige Fabrikanten. Sana-Gesellschaft m. t>. h. Inn.. Cleve. ' ine erster Güte, direkt Vom Bienenzüchter, off. Mitglieder des Bienenwirt» _ schaftl. Provinzialvereins Posen, Farbe bell-bis goldgelb. Postbüchse mit 9 Pfd. netto inklusive Porto M. 10 30, größere Posten billiger. Bestellungen an Lehrer Snowadzki (Vorstandsmitglied), Posen W, Moitkestraße 11, erbeten. Auf Wunsch werden auch Proben kostenlos gesandt. 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