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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Pflegt, will er ernstlich einen Antrag machen, wird aber abgewiesen; er heiratet schließlich eine vermögende Cousine und wird in seiner Art glücklich. Das ist alles so munter und lustig erzählt, daß man niemals zum Aerger kommt, obgleich sich der Autor über seinen Helden ein bißchen lustig macht; freilich kaum inehr, als über christliche Aerzte, Professoren u. a. Alan hat vielmehr seine helle Freude an dem behaglichen und erfrischenden Humor und deshalb empfehle ich die ganze Sammlung meinen Lesern. L. G. * — Iudeutn m i m C h r i st e n t u m. Bortrag, gehalten in Prag am 12. Februar 1912 im Sünlensaal des Deutschen Hauses von Jenny Durege. 1912. Berlag R. Zacharias, Magdeburg-N. Eine sehr merkwürdige Schrift, in der manches ernste Wort fällt. Das Verdienst des Christentums für die Weltkultur wird anerkannt, auch die zahllosen Anstalten, in denen Barmherzigkeit geübt wird; doch wird ausdrücklich betont (S. 24), das; die Juden darin den Christen überlegen sind. Die Verfasserin, die ihr Christentum nachdrücklich betont, verurteilt sehr streng die Unterdrückung und Verfolgung der Inden durch die Christen; sie führt sehr starke Worte Candolles an. Was die Verfasserin aber eigentlich Null, ist mir nicht recht klar geworden. Es wird in ihrer Schrift ausgeführt, daß das alte Testament für Kunst und Literatur auch unter den Christerl außerordentlich wirksam geworden ist, daß viele Gebräuche, manche christliche Lehren, eine Menge von Aussprüchen Jesu dem Judentum entnommen sind. So heißt cs zum Beispiel einmal (S. 13 Anm.): „Wir Christen schmeicheln uns oft, daß das Gebot der Feindesliebe einzig dem Christentum eigentümlich sei, und wir vergessen, daß Christus auch dieses Gebot aus dem Judentum entlehnt hat." Das ist alles sehr schon und es wäre nur zu wünschen, daß viele 'Christen solche Worte beherzigen; freilich Neues wird damit nicht behauptet, denn von jüdischer Seite ist derartiges oft genug, allerdings nicht ohne rechte Wirkung, gesagt worden. Man möchte daher dieser Schrift große Verbreitung und Wirkung mehr in christlichen als in jüdischen Kreisen wünschen. L. G. * — T u 1 m u d B a b y 1 o n i e u m. Codicis Hebraici Monacensiis 95, mittels Faksimileli chtd ruckes herausgegeben von Hermann L. i tra ck. Leiden 1912. A. W. Sijthoffs Uitg.-Mij. Es ist ein außerordentlich verdienstvolles Werk, das der gelehrte Herausgeber vor kaum Jahresfrist unternommen und, schneller als uran erwartete, zu Ende geführt hat. Dank seinem unermüdlichen Eifer, die Geistesschätze des Judentums weiten Kreisen zugänglich zu machen, hat die von der Hof- und Staatsbibliothek in Müncherr eifersüchtig überwachte rvertvolle Talmudhaudschrist aus dem Jahre 1342 endlich ausgehört, als ihr alleiniger Schatz zu existieren. Durch ihre, von Professor Strack bewirkte phototypische Vervielfältigung die nunmehr in zwei stattlichen Folianten, 1140 Seiten umfassend, vorliegt, ist sie jetzt den weitesten Kreisen zugänglich gemacht: alle, die sich mit talmudischer Forschung befassen, sind nun in den Stand gesetzt, einen Einblick in diese berühmte Talmud-Handschrift zu tun, um selbst den Text vergleichen zu können. „Tie wissenschaftliche Forschung" . schreibt Professor Berliner in seiner Begutachtung des Werkes — „spezieller wie allgemeiner Art, wird einen Gewinn hiervon zu erwarten haben, so oft es sich darum handelt, Dunkelheiten anfzuhellen und Schwierigkeiten zu lösen, wo eine falsche oder zweifelhafte Lesart das Forschen nach einer Richtigstellung oft unmöglich inacht, mindestens erschwert. Allerdings wird man nicht immer.auch aus dieser Handschrift die richtige Lösung gewinnen, denn sie leidet, wie alle Handschriften, auch an zahlreichen Schreibfehlern; allein in bei weitem zahlreicheren Fällen wird man die korrektere Lesart aus dieser Handschrift je st st e l le n k ö n n e n , zumal die editio prineeps des babylonischen Talmuds aus einer fehlerhaften Vorlage geflossen ist." Außer den beiden Folianten enthält das Werk eine Einleitung des Herausgebers (in Quarto), in welcher er erstens über den Kodex, seinen Inhalt und seine Geschichte referiert, zweitens den Inhalt dreier in den Traktaten Pesachim, Menachoth und Kethubboth fehlenden Stücke nach anderen Handschriften, die er ebenfalls photographieren ließ, aufs genaueste ergänzt. Um die Benutzung möglichst zu erleichtern, ließ der Herausgeber das Format des mit sehr kleinen Buchstaben geschriebenen Koder um ein Fünftel vergrößern. Ferner ist über jede Seite der Inhalt sowohl der Mischnah als auch der Gemara genau bezeichnet. Dann ist auf die Anfänge der Druckseiten (diese Anfänge sind in fast allen Ausgaben seit Mitte des 16. Jahrhunderts ganz gleich) am rechten Seitenrande hingcwiefen und ist im Texte vor dem je ersten Worte einer Druckseite ein kleiner Trennungsstrich (I) gemacht. Zugleich sind die Zeilen 10, 30, 50, 70 jeder Seite der Handschrift durch ein X kenntlich gemacht, damit man auch nach Zeilen leicht zitieren könne. - In den DnslD '’p’Hpl von Rabbinovicz find der Münchener Kodex und andere Textzeugen für die Ordnungen 1, 2, 4 (ohne Abvth) und für die Traktate Sebachim, Menachoth und Chullin mit dem Talmuddruck Frankfurt a. M. verglichen; aber diese Vergleichung ist, wie Strack feststellt, obwohl mit großem Fleiß und großer Belesenheit gemacht, auch in mehr als in einer Hinsicht nicht ausreichend, und sie erstreckt sich bekanntlich gar nicht auf die Ordnungen 3 und 0 sonne auf die anderen Traktate der 5. Ordnung. Durch die vorliegende Faksimilelichtdruckausgabe der einzigen so gut wie vollständigen Handschrift des babylonischen Talmuds mit den wenigen Ergänzungen aus anderen in Betracht kouunenden Handschriften wird nun vollständiges, weder durch Druckfehler noch-durch andere Versehen entstelltes Material zu bequemer Benutzung allgemein zugänglich gemacht. Der Herausgeber lveist auch darauf hin, daß der Text der Münchener Handschrift vielfach-mit den Talmudzitaten im Machzur Vitry übereiustimmt (vergl. S. Hurwitz, Einleitung und Register zum Machzor Vitry, Berlin 1896/97 S. 8, 88,-160). Mit bekannter Gründlichkeit teilt uns der Herausgeber die Namen der Schreiber und ursprünglichen Besitzer der Handschrift mit, auch wie diese von Land zu Land gewandert ist, bis sie endlich 1480 in dem Besitz eines deutschen Juden gelangt ist, um für' die Folgezeit in Deutschland zu verbleiben. — Ter Talmud in seiner Korrektheit ist eine Fundgrube für die verschiedensten Disziplinen der Wissenschaft, insbesondere aber für die Wissenschaft des Judentums, die auf ihm aufgebaut ist und ohne ihn bald auf den Punkt gelangen würde, auf dem die Kavüer und alle anderen Sekten sich befinden, die sich von dem Talmud losgesagt haben. Mögen nun die bemittelten jüdischen Gemeinden, Vereine und Bibliotheken, wie überhaupt jeder mit Glücksgütern gesegnete Glaubensgenosse nicht verabsäumen, diese Talmudausgabe käuflich zu erwerben, um dadurch zunächst die Lüge, daß die Juden den Talmud ängstlich geheim halten, zu widerlegen. Hann aber auch mn der Welt zu zeigen, daß wir die Förderer unserer Wissenschaft sowohl. in ihrer hingebungsvollen Energie im Kampfe gegen die finsteren Bi ächte des Hasses und der Verleumdung wie auch in-ihrem mühevollen Bestreben, Licht und Wahrheit zu verbreiten, nach Gebühr zu würdigen verstehen. Albert Kalz. * — N a b b i n e r D r. H e p P u e r s jüdisch - lite r a r i s ch e r Abreißkalender. 1914. 5674/74. Im Selbstverlag des Verfassers. Ter jüdische Abreißkalender ist kein neues Unternehmen, aber die Wiederaufnahme eines gelegentlich früher erschienenen, was durchaus empfehlenswert ist. Zn jedem Tage werden die Personen genannt, die au dem betreffenden Tage geboren oder gestorben sind, und wichtige Ereignisse aus der jüdischen Geschichte. Die Ereignisse lverden so kurz wie möglich erzählt, bei öcit Personen werden außer den Geburts- und Sterbedaten auch Hinweise auf Bedeutung und Tätigkeit gegeben. Feiertage und Thoravorlesungen sind notiert. Unter den angeführten Männern sind solche der verschiedensten Nichtungeil berücksichtigt, von meinein Vater ist zum Beispiel Geburts- und Sterbetag erivähnt. Mir erscheinen die auf einzelnen Blättern mitgeteilten oder zwischen die einzelnen Tage eiligeklebten Geschäftsnotizcn störend. Häufig sind auch ganz verständig allsgewählte Sprüche abgedruckt, von denen' einzelne sogar als Originalbeiträge bezeichllet sind. Manche der angeführten Personell werden auch iin Bilde vorgeführt, zum Beispiel Kristeller, Akiba Eger, Philippson, Berliner, E. Meßner, Joseph Perles — man sieht, eine ziemlich bullte Reihe. Der ganze Kalender ist ein nützliches Unternehmen, dem wir guten Fortgang wünschen. B. G. — I in L a u d e I a h io e h s und I e s il voil P a u l R o h r - b a ch. Zweite Auflage. Fortschritt -(Buchhandlung der „Hilfe") G. iil. b. H., Berliu-Schöneberg 1911. Tie Schrift eines freisinnigen Christen, eines ehemaligen Theologen, der feinen Freisinn sehr.entschieden betont, freilich auch sein Christentum. Trotzdem erwähne ich das Buch an dieser Stelle, weil

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