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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-03 · Heft 18 (3.5.1912) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
Seite 216 (sequence 12)
Language
German
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62. Jahresbericht der Religions-Unterrichts-Anstalt I der Syr^agogen-Gemeinde über das Schuljahr 1911/12, erstattet von dem Dirigenten der Anstalt, Rabbiner Dr. Rosenthal, Breslau 1912, Druck von A. Schüler, Breslau, Büttnerstr. 1. . Israelitischer Holz-Verein (gegründet 1818) und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen bzw. Ausbildung sür einen Lebensberuf, Begründung eines Geschäfts oder einer Häuslichkeit (gegegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) zu Homburg v. d. Höhe. Rechenschaftsbericht sür das Jahr 1911. Die religiöse Kultur, Ein volkstümliches Archiv für Religions- ■ künde. Herausgeber: Hans Ludwig Held. April-Heft. Verlag der religiösen Kultur, München. Einzelpreis: 50 Pfg. (H. L. Held: Der Talmud). Misrachi-Korrespondenz, ■ Hamburg-Altona, 1. April 1912/14. Nissan 5672. 1. Jahrgang, Nummer 2. Saul und David. Von Alwine von Keller, Leipzig, W. Härtel & Co. Nachf. Liberales Judentum, Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums, herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, unter der Redaktion von Dr. Caesar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. Jahrgang 4, Heft 3, März 1912. Der Staatsbürger, Halbmonatsschrift für Politische Bildung, Herausgeber Prof. Dr. Hans Dorn in München, Nr. 6, 1912. Zweites Marz-Heft. Verlag von Ernst Reinhardt in München und Leipzig. Vierteljährlich 2 Mark, das einzelne Heft 40 Pf. Talmudproben, Sammlung Göschen, von Dr. S. Funk in Bvskowitz. Leipzig, G. I. Göschen'sche Verlagshandlung l912. Sprechfaal. Sehr geehrte Redaktion! ie kleinen und mittleren Gemeinden bilden gegenwärtig das Objekt des Streites, der vor einiger Zeit Zwischen dem Deutsch-Jsraelitischen-Gemeindebund und einer neuen Körperschaft, die sich „Komitee für die Angelegenheiten der kleinen und mittleren Gemeinden" nennt, entstanden ist. Der nun aus eine 40jähr. Wirksamkeit zurückschauende Gemeindebund beruft sich auf seine alten, wohlerprobten Rechte, das junge Komitee dagegen stellt in Aussicht, künftig besser sür uns sorgen zu wollen. Aber ich kann mir nicht Helsen, bezüglich dieses Komitees sür die Angelegenheiten der kleinen und mittleren Gemeinden, das da plötzlich auftaucht (zunächst allerdings nur auf dem Papiere), bin ich etwas skeptisch. Seine Kunde hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Und zwar fehlt mir dieser Glaube in vieler Hinsicht. Zunächst hege ich Zweifel an der Aufrichtigkeit seines so plötzlich erwachten Interesses. Denn jemand mit wirklichem Interesse am Wohle der oft erwähnten Gemeinden hätte den Weg zum Bunde früher finden müssen. Aber man sieht da Namen aus Genwinden, die es nun schon 40 Jahre lang sertigbrachten, abseits dem Gemeindebunde und dessen segensreichem Wirken zu stehen, und diesem die Sorge um die kleiner, und stenerschwachen Kultusgemeinden allein zu überlasten. Erst jetzt, ganz unverhofft, entdecken sie als Mitglieder des Komitees plötzlich ihr Interesse am Schicksale der kleinen und mittleren Gemeinden, um dem Deutsch-Israelitischen Geineindebund den Garaus zu machen. Da muß ich doch sagen: Gott behüte uns vor solchen Freunden. Die Redaktion des „Israelit" avisiert in einem Flugblättchen, datiert Frankfurt a. Main, 20. März, den Bedroht e n sofort ausreichenden finanziellen Ersatz. Ja, wer bedroht denn dir kleinen und mittleren Gemeinden? Etwa der Gemeindebund, oder die ihm zugehörigen Großgemeinden? 40 Jahre lang haben beide Vorgenannten dtzn kleinen und steuerschwachen Kultusgemeinden eine mehr als anerkennenswerte Fürsorge zuteil werden lassen. Diese Fürsorge hat viel Ersprießliches ermöglicht, was ohne sie unmöglich gewesen wäre, und nun sollen wir von ersteren bedroht sein? Nein, von dieser Seite kann uns nichts Böses drohen. Ob nicht von diesem neuen Komitee, welches sich plötzlich znr Wahrung unserer Interessen berufen fühlt, das muß dahingestellt bleiben. Aber rein abgesehen von jedem ideellen Standpunkte, wäre es eine Absägung des Astes, aus dem man sitzt, wollten nur den alten, liebgewordenen Kreis verlassen und diesem neuen Komitee Gefolgschaft leisten. Gerade uns kleinen und mittleren Gerneinden uniß die Taube in der Harrd wertvoller sein, als der Spatz auf dem Dache. Was unser Deutsch-Israelitische Gemeindevund will, das wissen wir, was er kann, haben wir seit 40 Jahren erfahren. Und deshalb sei es fern von. uns, etwas Bewährtes, erwiesen Gutes gegen etwas sehr Zweifelhaftes, dessen Befähigungsnachweis doch erst erbracht werden müßte, einzutauschen. Schon die Dankbarkeit, zu welcher viele kleine und mittlere Gemeinden dem D. I. G. B. gegenüber verpflichtet sind, erheischt es, uns jetzt, in der Zeit der Gefahr, unter der Fahne des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zu sammeln. Wenn von diesem Komitee, das aus den von ihm ersehnten Ruinen des. Gemeindebundes sein Banner auspflanzen möchte, mit Zahlen operiert und uns graulich vor den vielen Stimmen der Großgemeinden gemacht wird, so kann ich darin nichts so Schreckliches erblicken als es dargestettt wird. Wir brauchen uns nichts Vorreden zu lassen, sondern wir lasten als Leute der Praxis nur die nackten Tatsachen reden. Mit diesen Großgemeinden sind wir nun so lange gut ausgekommen, in dem Anspruch eines ihren Leistungen entsprechenden Stimmrechts vermag ich etwas so Unbilliges nicht zu erblicken, wie es von dem oft erwähnten Komitee dargestellt wird. Ich habe das Vertrauen zum Gemeindebund beziehungsweise zu den Großgemeinden, und bin überzeugt davon, daß sie, wenn die Not es erheischen.sollte, nicht erst daran erinnert zu werden brauchen, daß größere Rechte auch erhöhte Pflichten mit sich bringen. In Nr. l6 des -„Israelit" zerbricht sich jemand den Kops darüber, ob der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes sein eigenes Statut kennt. Seit 18 Jahren habe ich die Ehre, Vorsteher einer kleinen- Kultusgemeinde zu sein, die schon unter meinen diversen Herren Amtsvorgängern zum Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gehörte und' ununterbrochen noch gehört. Wir unterstehen, wie alle anerkannten Gemeinden, unseres engeren Heimatslandes, den Verwaltungsbehörden. Eine Klage über Bevormundung von dieser Seite widerspräche den Tatsachen. Unser verbrieftes Selbstverwaltungsrecht' ist uns stets gewahrt geblieben. Von einer Bevormundung von seiten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wisfen wir so wenig, daß ich dem Ansrager in Nr. 16 des „Israelit" verraten muß, daß ich das Statut des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes nicht kenne, und in dieser langen Zeit kennen zu lernen nicht nötig hatte. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen." Und wir haben nicht aus den Statuten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, sondern aus seinem Wirken erfahren, welche gute und edle Ziele vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund verfolgt werden. Eine Gegnerschaft, wie sie dein Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde in diesem Komitee erstanden, gibt es auch anderwärts. Solche Stützen von Thron und Altar finden sich immer, selten beim Ausbauen, aber nur so häufiger beim Niederreißen. Doch unseren altbewährten Deutsch-Israelitischen Gemeindebund dürfen sie nicht unterkriegen. Und deshalb fest und treu, jeder Mann für seine Person und jede Gemeinde mit ihrer Stimme, eingetreten sür ihn, der so oft und lange schon fürsorglich eingetreten ist für uns. Aus daß der Deutsch- Israelitische Gemeindebund weiter gedeihlich und segensreich wirke, zur Ehre des Judentums und nicht zuletzt zum Segen der kleinen und mittleren Gemeinden. Vacha, Ende April 1912. Jacob Nußbau m. Letzte Aschrichten. Die „Alliance I s r a c I i t e Universell e“ hat sich mit dem „Hi lssverein der Deutschen Juden" wegen der Hilfsaktion für die Juden in Fez, die sich nach Lage -der politischen Verhältnisse unter Führung der Allianee vollziehen wird, verständigt. In einem Ausruf appelliert das Zentral- Komitee an die Vorsitzenden der Lokal-Komitees und Vertreter der A. I. U., Spenden für das von dem Zentral-Komitee veranstaltete Hilssiverk zugunsten der vom Unglück Betroffenen einzusammeln. In Paris hat die Sammlung bereits über 300 000 Franks ergeben. Herr Poincare empfing am 29. April eine Delegation der „Allianee Israelite Universelle“, die ihn bat, sie über die schweren Vorgänge im Judenviertel von Fez aus dem lausenden zu unterhalten. Der französische Ministerpräsident drückte der Delegation seine tiefe Teilnahme für die Opfer des Unglücks ans und seine Absicht, die Mittel in Erwägung zu ziehen, wie man den Unglücklichen zu Hilfe koinmen kann.

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