Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- Seite 72 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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antwortete Silberstein merklich erleichtert. ^Und bei deinem Bruder bin ich auch gewesen. Das hat aber ebensowenig genutzt." „Was werden wir machen?" . „Schlas nur, es wird mit Gottes Hilfe.schon Rat werden. Ich bin beim Propst gewesen, und er wird mit Stasiu reden." „Und aus den katholischen Geistlichen Herläßt du dich? Dann sind wir, meiw ich, verlassen." ' - „Ich verlaß mich aus Gott. Nun schlaf.aber, ich will auch schlafen." - >- (Fortsetzung folgt.) Lrlekrüchtr. — Die nachfolgende Notiz, die unsere Leser sowohl zur Kennzeichnung der Kaiserin Augusta wie des Heimgegangenen, unvergeßlichen Geheimrats Senator interessieren dürste und. deshalb hier wiedergegeben sei, stammt aus dem vor kurzem veröffentlichten, aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages der Kaiserin Augusta verfaßten Prachtwerk von Geheimrat Professor Dr. Ernst Küster: „Geschichte des Augustahospitals" (Verlag von Urban und Schwartzenberg, Berlin und Wien) und lautet wörtlich (S. 43*): Bald nach B. Frankels Verabschiedung berief die Kaiserin den Gesamtvorstand zu einer Sitzung ins Palais, um über die Wahl eines Nachfolgers zu beraten. Sie führte den Vorsitz in der Weise, daß sie jeden Anwesenden einzeln zux Meinungsabgabe aufsorderte. Der Leiter'der chirurgischen Abteilung* 2) empfahl mit wenigen Worten den damaligen Privatdozenten, später ordentlichen Professor Dr. Hermann 'Senator. Die Kaiserin schwieg zu diesem Vorschläge einen Augenblick, um dann zu fragen: . „Nicht wahr, er ist Jude?" „Ja, Majestät, sogar ein strenger." „Das letztere würde ihm in meinen Augen nur zum Vorteil gereichen; und da er so warm empfohlen wird, so soll er die Stelle haben." ■ * Man liebt es, Joses II. von Oesterreich als besonderen Judenfreund darzustellen. Daß er das nicht immer war, geht aus dem kürzlich erschienenen Werk von N. F. Kaindl: Geschichte der Deutschen in den Karpathenländern, 3. Band, Gotha 1911, hervor: Dort wird S. 47 nach den Akten erzählt, daß die dMtschen Ansiedler in Ga-lizien 1783 kein Obdach finden konnten. Um sie -zufrieden zu. stellen, erließ Josef ein Edikt, in dem es heißt: „Das Mittel scheint zwar, auf den ersten Anblick etwas hart, ist aber wirksam und. den Zwecken angemessen. Was geht dem Ansiedler am meisten ab: Unterhalt und Wohnung. Was den Städten: Bürger und Handwerksleute., Was hat diese Mängel bis jetzt verursacht: die überhäufte Zahl der Juden. Wenn das richtig ist, so muß folgende Anordnung dort gut wirken. Es ist gleich an das Galizische Gvuberniuin der Befehl zu erlassen, damit die unter den Ansiedlern befindlichen Handwerker transcribiert und diese unter die Städte nach, ihrer Profession so verteilt werden, daß die verschiedenen Gattungen der Professionisten in jede derselben kommen. Nach Maß ihrer Anzahl sind aber in jeder Stadt soviel Judenhäuser, als an die Prosessionisten eingekeilt werden, zu räumen, die Juden hingegen zur Zusannnenziehung unter ' sich zu nötigen. Jene'Juden aber, so keine Verdienste aufzuweisen haben, sind den bestehenden Vorschriften gemäß aus wem Lande zu weisen." Diese drakonische Maßregel wurde freilich nicht so streng aüsgesührt, wie sie gegeben war. Nur den Juden, welche kein nützliches Gewerbe trieben, ferner-die, welche heimlich geheiratet halben und Skeuerrückstände nicht zahlten, wurden die Häuser abgenommen, aber nach dem Schätzungswert bezahlt, auch wLrdm^ie'J-üdtzn'hAiiser,mcht^ ohne weiteres geräumt, sondern Handwerker in diesen mit den früheren Bewohnern und Eigentümern zusammen untergebracht. - L. G. 0 Es handelte sich um dieMahl eines Nachfolgers für den wegen verschiedener Zwistigkeiten verabschiedeten B. Fränkel (April 1875). 2) Der Herausgeber des Werkes, jetzige emeritierte, ehemalige Direktor der chirurgischen Universitätsklinik in Marburg, Geheimrat Professor Dr. Ernst Küster. Litersrilchr Mitteilungen. — Das Jahrbuch der Vereine für jüdische Ges ch ich t e. ‘u n d - L'i t e r atu r i n D e u t.s ch l and (1912) ist soeben erschienen und durch den Verlag von M. Popp el au er in. Berlin zu beziehen. ‘ Es enthält folgende Beiträge: Rückblick auf das Jahr 5671, von Professor Dr. Martin P h i l i p P s o n; Literarische Jahresrevue, -von Dr. S. Bernfeld; die Ehre im Talmud, von Rabbiner Dr. S t i er; das Gesetz der- Heiligkeit und Liebe, von S. Sch ech t e r; Milhelm Wolfsohn, von Geh. Negierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger; Ein Edler in Israel (Dr. Isaak Nülf), von Levu S ch e i n h aus - Memel; Der Mischpocherentner, Novelle ' aus altjüdischen Zeiten, von Ulrich F r a n k. Die Angabe des Inhalts überhebt uns jeder Kritik und beweist von neuem, daß das Jahrbuch für 1912 seinen Vorgängern in jeder Beziehung ebenbürtig ist. Als Anhang folgen die üblichen Mitteilungen aus dem Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, denen ein ausführlicher Bericht überden vierten Verbandstag am 12. Juni 1911 vorangeht. Die Zahl der Literaturvereine in Deutschland beträgt jetzt 229. Zum Schluß teilen wir mit, daß der Verband noch eine Anzahl Exemplare von den Jahrgängen 1899, 1902 und von 1905 bis 1911 besitzt, die für Rabbiner, Lehrer, Kantoren und sonstige Interessenten, soweit der Vorrat reicht, zum ermäßigten Preise von 1 Mark erhältlich und durch Herrn B e n a s L e v y - Berlin 0., Spandauer Straße 78/80, zu beziehen sind. A. K. ■ * — P r v b eit zur jüdi sch e n Li t e r a t u r. (Beiheft zu: Kahserling-Biach-Doctor, Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur.) Ausgewählt und herausgegeben in Verbindung mit Dr. M. Dvctor, Landrabbiner in Kassel ,von Professor Dr. Adolf Bi ach. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1909. Eine nützliche Zusammenstellung von Literaturproben, die nach folgenden zehn Abschnitten geordnet sind: Apokryphen; aus Philos Schriften; aus Flavins Josephus Schriften; aus Talmud und Midrasch; Aus der Literatur der gaonäischen Zeit; Synagogale Dichtungen aus der gaonäischen Zeit; Aus der klassischen Periode der jüdisch-spanischen Literatur; Die Literatur in Spanien und in der Provence nach dem Tode des Maimonides bis zum Jahre. 1492; Die Literatur Frankreichs, . Deutschlands und Italiens: Literatur vom 16. Jahrhundert bis auf die Gegenwart. Nur ist zu bezweifeln, ob es wirklich angemessen ist, .in einem derartigen . Lesebuch den Mitteilungen bis inklusive 16. Jahrhundert drei Viertel des Raumes zu gewähren und die Neuzeit auf etwa 22 Seiten zu beschränken. Ebenso ist cs bedauerlich, daß das 19. Jahrhundert ausschließlich durch folgende fünf Schriftsteller repräsentiert, wird: M. Lazarus; Ä. Jellinek; M. Güdemann; A. Schwarz: Heinrich Graetz. Meines Erachtens dürsten Männer wie I. Nt. Jost,'L. Zunz, S. L. Rapopvrt, Abraham Geiger, Michael Sachs und Ludwig Phitippson nicht mit Stillschweigen übergangen werden. L. G. Sgrechsagl. n dem Bericht der „Zeit: d. Judentums" üben die am 28. Januar stattgehabte Versammlung von Lokalkvmitees der All. Israel. Univ. wird mitgeteilt, daß auch Köln zu den Komitees zählt, welche der Gründung eines Landeskomitees zugestimmt haben. Hierzu bemerke ich, daß das im Jahre 1907.hier mit Genehmigung der D. C. G. und des C. C. gebildete Komitee, wie in dem Organ der A. I. U. .„Ost und West" seinerzeit mitgeteilt wurde, nach wie vor fortbesteht und seine Zustimmung nicht erteilt hat.. Zu diesem Komitee gehören die Herren: Rabbiner. Dr. Frank, Stadtverordneter und Vorsitzender des Synagogengemeindevorstandes Lo u i s E'liel, der Vorsitzende der israelitischen Armenverwaltung B. Feilchenseld , und hie Mitglieder des Shnagogengemeindevorstandes Justizrat M. Callmann und Simon Rosenberg. Köln, 4. Februar 1912. : Rabbiner Dr. Frank, - Mitglied des Zentralkomitees.