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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76; Jahrgang Nr. 6 Berlin, 9. Februar 1912 Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". Lorrelpondm?m und Kschrichten. Deutschland. y. Berlin, 5.. Februar. In .der gestrigen Eitrung der Repräsentantenversammlung ergriff vor Eintritt in die. Tagesordnung Herr Geheimrat Dr. Blumenthal das Wort, um dem Gemeindevorstand und den Repräsentanten für die ihm anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Repräsentant erwiesenen Ehrungen zu danken und das Gelöbnis abzulegen, daß er auch -in Zukunft gern bereit sein werde, sich in den .Dienst der Gemeinde, der ihm 'Religionssache sei, - zu stellen. Der Vorsitzende Herr Louis Sachs nahm dann Anlaß, den beiden Jubilaren Herren Geheimrat Dr. Blumenthal und Direktor Dr. Minden auch noch hier im Plenum der Repräsentantenversammlung deren herzlichste Glückwünsche auszusprechen und den Repräsentanten zugleich Kenntnis von dem . folgenden Schreiben des Herrn Direktors Dr. Minden zu geben: „Sehr geehrte Herren! Wenngleich ich mich erinnerte, daß seit nieiner ersten Verpflichtung als Rsspräsentanten-Stellvertreter ein Vierteljahrhundert verflossen ist, war ich doch, freudig.überrascht, als ich vernahm, daß Sie eine Feier dieses Tages beabsichtigten.. Die wundervolle Adresse, die herrliche Blumengabe, die iuhaltreichen und warmherzigen Ansprachen Ihres Herrn Vorsitzenden und mehrerer anderer Kollegen haben meinem Herzen sehr wohl getan. Ich danke Ihnen bestens dafür. Die 25 Jahre, auf die ich zurückblicke, waren nicht ausschließlich Jahre des Friedens, wie Sie. in den Ansprachen hervorhoben. Ich habe aber die Ueberzeugung, daß alles, was in dieser ganzen Zeit. in.dem Gemeindehause, welches uns gewissermaßen ein zweites Heim geworden ist, geredet und beschlossen wurde, nur von dem Bestreben eingegeben war, dem Wohls der Gesamtheit zu dienen — daß alle dort ausgefochtencn Kämpfe nur dem Endzwecke.des Friedens: dienen sollten und gedient haben. Unsere Versammlung geht voraussichtlich auf Grund des jetzt dem Herrenhause vorliegenden Gesetzentwurfs einer starken Erweiterung entgegen. Möge auch in diesem vergrößerten Kollegium der Geist der Pflichttreue und der Eintracht wohnen. Unsere Gemeinde ist so groß, daß alle Richtungen des Judentums unter ihrem Dache wohnen können. Wir müssen bestrebt sein, die Gemeinde-Einrichtungen in diesem Sinne weiter auszubauen, und wir dürfen auch von dem Streben, die ewig gültigen Gesetze unserer heiligen Religion mit den Förderungen der Zeit in Einklang zu bringen, nicht ablassen. Meiner Bitte, für unseren Sitzungssaal eine von einem glaubensgenössischen Künstler zu schaffende Büste des Großen Kurfürsten, der unsere aus dem Auslande vertriebenen Vorfahren in dies. Land berief, stiften zu dürfen, haben Sie schon mündlich zugestimmt. Ich werde, sobald das Projekt greifbare Gestalt angenommen hat, auch Ihre formelle Genehmigung dazu einholen. Schließlich bitte ich Sie, mir das kollegiale Wohlwollen, welches ich stets bei Ihnen gefunden habe, auch in Zukunft zu erhalten: Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener Dr. Georg Minden."— Dann erfolgte die . Annahme zweier Zuwendungen, und zwar zweier Vermächtnisse der Eheleute Siegmund und Amalie Saller, eines in Höhe von 70 000 Mark, das nach dem Ableben zweier Rentenberechtigten und der Testamentsvollstrecker der Gemeinde zufallen soll, und eines von 25 000 Mark zur Erhaltung und Ausschmückung des Erbbegräbnisses der Testatoren. — Ferner wird die Zuwendung des Herrn Jakob Mandelbaum im Betrage von 10k)Ö0 Fllark und 500 Mark Schenkungssteuer zur Errichtung einer Jakob und Rosalie Mandelbaum-Stistung bei der Armenkommission angenommen. — Der folgende Antrag desHerrnJustizratsHerman Veit Simon: „DieRepräsentantenversammlung wolle beschließen,. den Gemeindevorstand zu ersuchen, ein schleuniges Gutachten der Gemeinderabbiner darüber zu erfordern, ob religiöse Bedenken der Aushebung der Trennung zwischen Männern und Frauen bei dem Gottesdienst entgegenstehen" wird vertagt, da der Antragsteller beurlaubt und nicht anwesend ist. — Der Vortage betreffend Genehmigung des Entwurfes einer Haftaroth-Agende und Bewilligung der Ausgabe für Drucklegung derselben in 5000 Exemplaren wird definitiv angenommen und ebenso ein späterer Antrag von Professor Kalischer, den Vorstand zu ersuchen, die Herausgeber zu veranlassen, in einem Vorwort oder einer Einleitung die'abgeänderten Stellen und die Begründung der vorgenommenen Abänderung anzugeben. — Eine ungemein ausgedehnte Debatte riefen die beiden Anträge auf Wieder- resp. Neuwahl von Mitgliedern der Vorstände der Synagogen Linden- und Lützowstraße hervor. Der Ausschuß beantragte durch den Referenten Herrn Professor Blaschke, die Wahlen nicht vorzunehmen, sondern die beiden Vorlagen einer Kommission der drei liberale und zwei konservative Repräsentanten angehören sollen, zur nochmaligen Beratung zu überweisen. Die Herren Justizrat Cohn, Oscar Löwenberg und Löwenthal wenden sich gegen den Antrag auf erneute Kommissionsberatung, während die Herren Rosenow, Professor Blaschke, Dr. Minden und Professor Kalischer, der sich aber seine definitive Stellungnahme ohne Rücksicht auf etwaige Beschlüsse der einzusetzenden Kommission vorbehält, für den Antrag des Ausschusses sprechen. Auch; Herr Oscar Tietz ist für den Antrag. Herr Dr7 Ginsberg, der erklärt, selbst zu den Unterzeichnern^ des Vertagungsantrages zu gehören, will, nachdem ihm doch schwere Bedenken aufgestiegen sind, gegen den Antrag stimmen, während Herr Lewinski darauf aufmerksam macht, daß es doch, nachdem man die Synagogenvorftände der orgelfreien Synagogen glatt gewählt habe, nicht angehe, hier von dem Herkommen abzugehen und so begründeten Anlaß zu Mißdeutungen zu geben. Auch die Herren Dr. Cohn und Löwenberg weisen nochmals aus den Charakter des ganz ungewöhnlichen Vorganges hin, der nur böses Blut machen werde. Herr Professor Blaschke stellt nochmals fest, daß. die Antragsteller keinen Namen genannt haben, und niemand daran denke, daß gewisse Herren nicht gewählt würden, im Gegenteil, er würde sie wählen. Man verkenne durchaus, worauf es hier ankomme. Herr Justizrat Lilienthal gibt seiner Ansicht Ausdruck, daß der Vorstand, ohne dessen Zustimmung andere Herren in die Synagogenvorstände nicht gewählt werden können, nicht bereit sein werde, von der Wahl der vorgeschlagenen.Herren abzugehen. Allerdings eine Ablehnung aus religiös-politischen Gründen enthalte an sich nichts Ehrverletzendes oder Kränkendes. Schließlich wurde der Antrag auf einfache Vertagung, ebenso der Antrag des Ausschusses abgelehnt und die Wiederwahl der ausscheidenden Herren nach dem Anträge des Vorstandes fast einstimmig angenommen. Neu in den Vorstand der Synagoge Lindenstraße wurde Herr Samuel Holländer gewählt. Bei der Vorlage zur Kenntnisnahme betr. das Verfahren der Wiederwahl von Ehrenbeamten wurde dann die ganze Frage des Modus bei Wahlvorschlägen von neuem aufgerollt und eine lange Debatte geführt. Die Resolution, die vor kurzem die Repräsentantenversammlung faßte, den Vorstand zu ersuchen, daß auch bei der Wiederwahl von Ehrenbeamten für oie Kommissionen-der Ausschuß zur Auswahl von Ehrenbeamten Mitwirken solle, ist vom Gemeindevorstand abgelehnt. Insbesondere Herr Pincns trat mit aller Entschiedenheit dafür ein, daß der alte Modus wieder eingeführt werde, zumindest sollte die Kommission für Ehrenbeamte sich vor Stellung von Vorschlägen mit den betreffenden Gremien,' für die Vorschläge zu machen sind, in Verbindung setzen. ..Er verwies auf Fälle,' wo offenbar aus Sachunkunde ganz ungeeignete Vorschläge gemacht seien. Vom Vorstandstische wurde seitens des Herrn Kommerzienrats Eisner wie seitens des Herrn Badt als wünschenswert bezeichnet, daß die Ehrenbeamtenwahlkommission und die Gremien der Kommissionen miteinander in Verbindung treten, während von anderer Seite, von den Herrn Louis Sachs und Dr. Minden darauf hingewiesen wurde, daß zu Vorschlägey^'jedermann befugt sei, also auch die betreffenden Gremien. Aber es sei nicht angängig, daß die Ehrenbeamtenkommission an. die Gremien herantrete, sondern umgekehrt müsse der Gang sein, andernfalls würde sich niemand

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