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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-29 · Heft 52 (29.12.1911) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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621 m Sürnbrrger jfoltrrturm. , ^’öt einer meiner Väter hier geschmachtet. Ein Judensohn, im Blutdunst, dem der Wahn Des Volks, das ihn gefürchtet und verachtet. Die Schuld an Seuchen zuschrieb? Hat ein Ahn Ihn schreien hören> als er quälumnachtet Verrenkt, zerbrochen wurde wie ein Hahn? Hat der gehöhnt, als jenen man geschlachtet. Ohne der Taufe Rettung zu ernpsah'n? da uch nirgends als Uebe.rsetzung gekennzeichnet ist, so muß es aus dem Französischen sein, da aus einer ausdrücklichen Bemerkung S. 140. hervorgeht. daß der Verfasser, dessen französische Abstammung schon durch den Akzent auf seinem'Namen bezeugt ist (freilich wird S. 60 das Deutsche erwähnt, als wenn es die Umgangssprache des Verfassers wäre), ständig in Paris lebt.' Das Buch ist sehr schön ausgestattet, wie man es bei den Publikationen des Verlages gewohnt ist. Die Fahrt, die der Verfasser beschreibt, führt ihn nach Aegypten, Arabien, Japan, China, Amerika. Von jüdischen' Dingen wird dabei kaum etwas erwähnt, nur ejne einzige Bemerkung S. 19 kommt vor, die so lautet: „Unterdessen schaute das Sinai-Gebirge, das uralte, stumm auf das ungewohnte Bild. Ob es jener anderen alten und lange, lange toten Volksmassen gedachte, die vor ,4000 Jahren der alte jüdische „Bismarck" Moses durch das Note Meer hindurch und über seine Berge geführt hat?" Ich finde diese Stelle nicht gerade sehr geschmackvoll, möchte aber daraus kein Urteil über das Buch fällen, dessen Schilderungen mir im ganzen fern liegen. L G. II. Hat einer meiner Väter einst geschürt Den Scheiterhaufen, drauf als Ketzer brannten Viel Tausend, die als Juden sich bekannten. Und grausam fühllos sie hinaufgesührt? Und mit den Opfern, die gefoltert sangen Ihr „Schmäh Jisroel", daß es fürchterlich Den blutberauschten Pöbel überschlich. Ist auch ein Vorfahr stier einhergegangen? Und wußte keiner, daß in später Zeit Sich doch vermählen würden und verbinden Die Enkel, sühnend Väterqual — und Sünden? — Stumm wie das Grab ruht die Vergangenheit. III. ' Nun in meiner jungen Brust gefangen Sind die Mächte, die getrennt einst, rangen. Ob sie rohen Wahn auch überwunden, Frieden haben sie noch nicht gefunden. Nächtlich seh> in finsteren Verließen Ahnenblut ich schwarz am Boden fließen. Sehe meine Ahnen Richtbeil führen, Strang und Rad, und Scheiterhaufen schüren. Tropfen Bluts im Dornendiademe Sind die sich bekämpfenden Probleme. Ritterwille, tiefste Brüderschmerzen, Heller Vorwärtsdrang und — Totenkerzen. Hingegeben wechselnden Gefühlen Licht und Schatten sich in mir verwühlen. Eins verblutet kämpfend sich am andern, Das verjagt mich, hetzt zum Weiterwandern. Aber meinen Söhnen sei beschieden Endlich volle Reinigung und Frieden. Georg I. Plotke. Literarische Mitteilungen. — Auf großer Fahrt. Das Reisebuch eines Schiffsoffiziers von Albert L6VY. Berlin, E. S. Mittler L Sohn. Dies Buch ist für uns eigentlich nur dadurch interessant, daß der Verfasser offenbar ein Jude ist. Freilich, einen deutschen Seeoffizier jüdischen Glaubens dürste es schwerlich, geben, , und wenn auch . — Bericht über die Gruppe „Hygiene der Juden" in der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911, von Dr. Max Grunwald. (Als Manuskript gedruckt.) Rabbiner Dr. Grunwald in Wien, der sich um die jüdische Volkskunde so wohl verdient gemacht hat und deshalb von der Ausstellungsleitung in Dresden mit der Leitung der Unterabteilung „Hygiene des Judentums" betraut worden war, schildert in seinem Berichte die Schwierigkeiten, mit denen er in finanzieller und sonstiger Beziehung bei der Durchführung seiner Aufgabe zu kämpfen hatte. Diese Schilderungen sind in verschiedenster Hinsicht sehr lehrreich und sollen zum Nachdenken Anlaß geben. Erst die wirksame Unterstützung, die er in Wien gefunden hat, hat es ermöglicht, die jüdische Ausstellung zustandezubringen. Ohne Wien wäre das, was in Dresden geboten wurde, unmöglich gewesen. Dafür wurde denn aber, auch die Gruppe „Hygiene der Juden" zu einem Teile der Dresdener Ausstellung, der jedem, der ihn gesehen hat, unvergeßlich geblieben ist. Hier sind die weitesten Kreise über das jüdische Leben und. die wichtigsten hygienischen Leistungen des Judentums: Sabbat, Nahrungsmittel-Fürsorge, Leichenbestattung, Schächten, Fleischbeschau, Bäder usw. aufgeklärt worden, und besonderen Beifall fand die Sabbatstube von Isidor Kaufmann aus dem Wiener jüdischen Museum. Dr. Grunwald führt die Aussprüche bedeutender Männer und die Urteile von Zeitungen und Zeitschriften an, die alle darin übereinstimmen, daß ein Werk, geschaffen worden sei, welches die jüdische Hygiene wirkungs- und eindrucksvoll zur Darstellung gebracht habe und dem Judentum zur Ehre gereichte. . Sanitätsrat Dr. Scherbel-Liffa. «. — Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament . . . Von vr. phil. et tbeol. Eduard König, Leipzig, Dieterichsche Verlagsbuchhandlung. 1910. X und 665 Seiten, Preis 11 Mark.. Neben dem weitverbreiteten hebräischen Wörterbuche, das noch immer nach feinem ersten. Bearbeiter, dem bekannten Hebraisten Wilhelm Ges^uius, benannt wird und bereits in der 14. Auflage vorliegt, wird jedes neue Unternehmen auf diesem Gebiete sich zunächst nur schwer durchsetzen können. Das Lexikon von König hat, rein äußerlich betrachtet,, den großen Vorzug, daß es viel.kürzer und knapper gehalten und darum handlicher ist. Natürlich konnten aus diese Weise zu den einzelnen Wörtern oder den verschiedenen Bedeutungen eines Mortes nicht so viele Belege angeführt werden. Manchem Benutzer, der mit den dem Hebräischen verwandten Sprachen nicht recht vertraut ist. wird es willkommen sein, daß die zu jeder Wurzel herangezogenen Parallelformen nicht in den verschiedenen Originalalphabeten, sondern in lateinischer Umschrift gegeben werden. Dabei wird freilich in den meisten s Fällen nur das Arabische und., nur selten das Syrische, Aethiopische usw. berücksichtigt. Eine Fün sorge, für den minder Fortgeschrittenen bedeutet es auch, „daß alle schwer erkennbaren Wortformen in dem vorliegenden Lexikon, in kleinerer. Schrift aufgesührt und nach ihrem Ursprung erklärt sind".

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