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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
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Bericht über die Gruppe „Hygiene der Juden"' in der 'Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911« Von, S>r. Max Grunwald. - Der Ebioniiismus in der Judenmission oder Christentum und national-jüdisches Bewußtsein. Vortrag, gehalten auf! der internationalen Judenmissionskonferenz zu Stockholm am 9. Juni 1911 von Pastor Christlieb T. Lipshytz. Leipzig, I. C. Hinrichssche Buchhandlung, 1912. Sonderabdruck aus dem Archiv für Geschichte der Philosophie, herausgegeben von Ludwig Stein. 24. Band 1911. Heft 4: Materie und Form bei Aristoteles. Erwiderung und Beleuchtung von David Neumark. . Zum 50 jährigen Bestehen. der jüdischen Schule zu Steele als öffentliche Volksschule. Von Aug. F. Katzenstein, Lehrer, 1911. Buch? druckerei B. Berthold, Steele. Prof. Dr. Hermann Cohen an der Universität Marburg: lieber die Bedeutung einer philosophischen Jugendschrift Ludwig Philippsons. Sonderabdruck aus „L. Philippson, Gesammelte Abhandlungen"/. Leipzig. Buchhandlung von Gustav Fock G, m. b. H. Der Staatsbürger, Halbmonatsschrift für Politische Bildung^ Herausgegeben von Dr. Hans Dorn. Nr. 20. Zweites Oktoberhest, 1911. ' Korrespondenz-Blatt des Verbandes der Deutschen Juden. Nr. 9, Oktober 1911. Der jüdische Handwerker. Offizielles Organ des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu. Berlin. Nr. 35, 4. Jahrgang. Oktober 1911. ..«k : . . MrechsM. Mensa Academica. er große Nus der polytechnischen Hochschule in Charlottenburg zieht von Jahr , zu Jahr eine zunehmende Anzahl Studierender nach der deutschen Reichshauptstadt, mit der Charlottenburg völlig zusammengewachsen ist. Obwohl nun unter den vielen jungen Leuten, die bei Beginn jedes Semesters hierherkommen, ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz von Juden sich befindet, so ist, so unglaublich das auch klingen mag, jüdischerseits bisher auch nicht das allermindeste geschehen, um, wenn auch nur einen Teil dieser überaus zahlreichen, hier ortsfremden jungen Leute.in jüdische Kreise hereinzuziehev, ihnen irgendein. Aequivalent für das bisher gewohnte jüdische Familienleben anzubieten, sich einmal um ihr Schicksal zu kümmern oder durch Gründung irgendeiner jüdisch-sozialen Institution, die dem jugendlichen Empfinden und den jüdischen Bedürfnissen entspräche, oder endlich durch Teilnahme an jüdischem Leben, entgegenzukommen. Dabei tritt ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser jungen Männer zum erstenmal in die Welt, war bis dahin von elterlicher Liebe und Fürsorge umgeben, ist weltunersahren, weiß oft nicht,, von den tausend Lockungen der Großstadt verführt, von der noch ungewohnten freien Selbstbestimmung den richtigen Gebrauch zu machen und ist schon dadurch moralisch und physisch ernstlich gefährdet. In der größeren. Zahl der Fälle sind die auf der technischen Hochschule Studierenden, aus der sozial besten Eesellschaftsschicht und meistens an jüdisches Familienleben gewöhnt. Wie schweren .Herzens Eltern oft ihre Söhne nach Charlottenburg, chas ihnen vom jüdischen Standpunkt gänzlich unbekannt ist, schicken, weiß der Verfasser dieser Zeilen, aus reichlicher persönlicher Erfahrung. Seitdem er in Charlottenburg wohnt, ist noch kein einziges Semester gekommen und gegangen, in welchem nicht junge Männer, von Freunden, Bekannten oder oft auch gänzlich unbekannten Leuten mit' der Bitte empfohlen würden, jene in seinem Familienkreis äufzuNehmen. Sehr oft haben auch solche jungen Leute es schmerzlich empfunden, hier in Charlottenburg, wie mit einem Schlag aus allem jüdischen Leben ausgeschaltet worden zu sein, weil gerade hier in Norddeutschland der Eintritt und Zutritt zu Familienkreisen ungleich schwieriger ist als in der Heimat der meistens aus Ungarn und süddeutschen- und österreichischen Ländern kommenden Studierenden. Ueberaus schmerzlich empfinden aber auch nicht wenige junge Leute den völligen. Mangel eines rituellen Restaurants./ Denn obgleich Charlottenburg/rallein über 20 000 jüdische Seelen zählt, gibt es nirgendwo daselbst eine rituelle Speiseeinrichtung, und wer darauf Gewicht legt, wirklich rituell leben zu wollen, ist gezwungen, erst nach Berlin zu fahren oder sich. Be», schränkungen aufzuerlegen, wie sonst an einem von Juden gänzlich freien Ort.; - Es ist wahrlich beschämend für Charlottenburg mit einem so zahlreichen jüdischen Gemeinwesen, in dessen Mauern eine weltberühmte technische Hochschule, Konservatorien, Künstlerschulen usw, bestehen, die von Hunderten von jüdischen jungen Leuten jahraus, jahrein frequentiert werden, auch nicht eine einzige, wenn auch noch so bescheidene jüdisch-soziale Institution zu haben, wo der Fremde irgendeinen Anhaltspunkt gewinnen könnte, mit dem Judentum in Fühlung zu kommen. Es ist beschämend für. die Charlottenburger Juden, daß gerade, .»n einer Zeit, in der. die jüdischen Studierenden von ihren christlichen Kommilitonen gesellschaftlich überall aüsgeschaltet werden, von keiner Seite aus etwas geschieht, um den ortsfremden jungen Leuten einen Sammelpunkt gesellschaftlichen Lebens zu schaffen. Es »st aber auch böllig unlogisch, auf der einen Seite über den zunehmenden Abfall vom jüdischen Volksstamm zu klagen, wenn man anderseits nichts tut,, um der Jugend das lebendige Judentum mit seinem ethischen Wirklichkeitsgehalt durch tatsächliche Verhältnisse wertvoll zu machen. Nicht durch abstrakte Belehrungen, Vorträge und Schriften, nicht durch theoretische Betrachtungen, werden wir die jüdische Jugend bei unseren Fahnen halten, sondern nur dadurch, daß wir das Wirklichkeitsjudentum ihnen auftum wie es nach unserer Religion praktisch gelebt werden muß. Wenn wir aber die jüdische, in der Fremde schon ohnehin leicht vereinsamte Jugend lieblos sich selber überlassen, ohne Teilnahme an ihren geistiger», Gemüts--und leiblichen Bedürfnissen, dann sind wir es, die das Taufjudentum fördern und haben dann kein Recht, uns zu beklagen. Deshalb sorge jeder, der sein Judentum liebt, wenigstens in seinem Kreise, diese Liebe auch der Jugend einzuflößen, indem man dafür Sorge trägt, sie an uns zu fesseln. Dies gilt nun nicht etwa für die uns persönlich, verwandtschaftlich oder freundschaftlich nahestehende, sondern für die jüdische Jugend überhaupt, woher sie auch immer stamme oder komme. Der Fundamentalsatz: ,^ol llisroel aro-win se woseh, in ganz Israel ist ein Jude für den anderen verpflichtet", muß gegenüber dem landfremden, von seinem eigenen Familienkreis losgelösten jungen Jude»», der hierherkommt, um sich für seinen Beruf vorzubereiten, erst recht zum praktischen Ausdruck gelangen. Dies.soll nun auch jetzt geschehen indem wir, zunächst in Chärlottenburg, für jüdische junge Leute beiderlei Geschlechts, und »»icht nur für Studierende allein, eine Uen88. Aeademiea, ein jüdisches Speisehaus, errichten. Hier soll jüdischen jungen Leuten nicht n»»r eine gute rituell hergerichtete Kost verabreicht, sondern auch ein Sammelpunkt geboten werden, wo sie miteinander bekannt werden, mit jüdischen Kreisen nähere Berührungs- und Anknüpfungspunkte finden, überhaupt eine Stätte, die auch eine geistige Zentrale im jüdischen Sinne werden kann. ' Um nun diese Absichten nicht zu einem geschäftlichen Unternehmen herabzudrücken, ihr vielmehr ihren modernsozialen Charakter von vornherein zu wahren und um, sobald die materiellen Grundlagen und Bedingungen erfüllt find, auch einen Ausbau dieser Mensa, Aeaäsmiea z»i ermöglichen (jüdisches Studentenheim, jüdisches Volkshaus oder jüdisches Jünglinshaus), müßten angesehene Männer und Frauen sich in den Dienst dieser guten und sozial-jüdischen Sache stellen. ' Da sich auch bereits ein kleines Komitee gebildet hat, düs noch wesentlich erweitert werden r»»üßte, um die Angelegenheit nunmehr in die Wege zu leiten, so bittet der Unterzeichnete, ihn bei der Realisierung dieses immens wichtige»» Werkes nach Kräften zu unterstützen und dem Komitee beizutreten. Jede Auskunft wird gern erteilt; jede Mitarbeit ist willkommen, jede Unterstützung wird dankbar angenommen und dafür eine Annahmestelle geschaffen. - Doppelt hilft, wer schnell Hilst. Dr. meä, Arthur Kahn.

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