Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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der modernen jüdischen, Literatur. Dienstag, 6. Februar 1912, Schriftsteller Julius Bab, Berlin: Der Anteil: der Inden an der deutschen Dichtung der Gegenwart. Dienstag, 27. Februar 1912, 2. populär-wissenschaftlicher Bortrag: Schriftsteller Ludwig Klausner ° Dawoc, Berlin: Rezitation seines Trauerspiels „Moses" (mit Gesangseinlagen). Dienstag', 5.März 1912, Rabbiner Dr. L. Rosenthal, Köln:. Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Bibel und Talmud. Dienstag, 19. März 1912, 3. populärwissenschaftlicher Vortrag: Kapellmeister A. Kellermann, Berlin: Die shnagogale Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. . Mit Beispielen, gesungen von Kantor Wilhelm Klein, Berlin. Die Vorträge finden ‘ sämtlich im Oberlichtsaal der Philharmonie statt und beginnen pünktlich um 81/2 Uhr. §2 Berlin, 10. Oktober. Der Verein Jüdische Blindenanstalt für Deutschland hat jetzt seinen Bericht für das Geschäftsjahr 1910/11 herausgegeben. Die Anstalt hatte es sich bisher zur. Aufgabe gemacht, blinde jüdische Kinder zu erziehen und zu unterrichten. Es sind bisher 7 Unterrichtsbedürftige aufgenommen; einige Stellen für Kinder bis-zu 14 Jahren sind noch frei. In der letzten Vorstandssitzung ist der Beschluß gefaßt worden, da die vielen vorliegenden Meldungen sich nicht mehr abweisen ließen, auch Erwachsene in das Heim aufzunehmen, doch ist es nicht möglich der großen Zahl der Eingaben gerecht zu werdender Verein hofft jedoch, falls die zahlreichen Gönner und Freunde ihr Interesse auch ferner betätigen, das Helm noch erweitern zu können. Hoffentlich wird dem Vorstande sein humanes Vorhaben durch das Entgegenkommen vieler Menschenfreunde ermöglicht. *»* Berlin, 10. Oktober. Am Freitag den 6. d. M. ist hier nach kurzem, schwerem Leiden der Landgerichtsrat a. D. Geh. Justizrat Dr. Pollack im Alter von 67 Jahren gestorben. Er hat von 1867 bis 1908. im preußischen Justizdienst gestanden und ist fast 20 Jahre lang als Richter am hiesigen Landgericht I tätig gewesen- Am 1.. Oktober-1908 trat er in den Ruhestand und hat bei dieser Gelegenheit den Charakter als Geheimer Justizrat erhalten. Geheimrat Pollack hat den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht und sich das Eiserne >Kreuz II.- Klasse am Weißen Bande erworben. Die Beisetzung "erfolgte> unter großer Beteiligung auf dem Friedhof in Weißensee. §2 Berlin, den 6. Oktober. Der Verein für Arbeitsnach, weis (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B.) schreibt uns: Die Lage des Berliner Arbeitsmarktes kann im Berichtsmonüt September als relativ günstig bezeichnet werden und wird durch eine erheblich verstärkte Nachfrage nach Arbeitskräften in den verschiedensten Zweigen des. kaufmännischen Lebens charakterisiert. Einer vorwiegend dauernden Beschäftigung konnten 335 Bewerber, und zwar 101, Kaufleute, 101 Handlungsgehilfinnen und 133 gewerbliche Angestellte, zugeführt werden. Die Dienste des Vereins wurden von. 329 Petenten in Anspruch genommen, so . daß noch einem geringen Teil im Vormonat unplacierter Bewerber eine Tätigkeit nachgewiesen werden konnte. — Wünschenswert wäre eine erheblichere Inanspruchnahme unserer Abteilung „Schreibstube", in der bei billigen Preisen und gewissenhaftester Erledigung Versand von Reklamen, Adressen und Maschinenarbeiten ausgeführt werden, eine Einrichtung, die vorwiegend den Zweck hat, vorübergehend arbeitslose und bedürftige Bewerber bei/sofortiger Auszahlung des Verdienstes zu beschäftigen.- , — Potsdam, 5. Oktober. Ein seltenes wie eigenartiges Jubiläum feierte am 1. d. M. der Pförtner und Verwalter des hiesigen jüdischen Friedhofes Herr Mager. M. hatte das Amt am 1. Oktober 1871 von seinem Vater übernommen, der es im Jahre 1849 erhalten hatte. Nach dessen Tode im Jahre. 1863 führte der Sohn das Amt in Gemeinschaft seiner Mutter weiter, bis 1871 der Tod auch sie erlöste. Von da an verwaltet der Sohn allein in treuester Pflichterfüllung die verantwortungsvollen Obliegenheiten. Der Spaziergänger, der durch die russische Kolonie den steil angehenden Weg nach dem Pfingstbergs passiert, wird dem kleinen eintönigen grauen Häuschen am Eingang des Friedhofes wenig Beachtung geschenkt haben.;@eit einem Menschenalter, 40 Jahre, wohnt in ihm jener Wann, dev: so manchem Heimgegangenen die letzte Ruhestätte geschaufelt -hat. Aber, wie überall, hat auch hier der Fortschritt Platz gegriffen, und/schon erhebt sich neben -der neuen imposanten Leichenhalle das neue Pförtnerh aus, das, M. am, 1. Oktober d. I. bezogen hat. Möge dem Jubilar in seinem neuen Heim an,, der Seite seiner treusorgenden Gattin ein freundlicher Lebensabend beschieden sein. ‘ W. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Posen. Der Bankier Martin Lefser ist zum Handelsrichter bei dem Landgericht Hierselbst ernannt worden. —. Ostrowo. Der israelitische Krankenpflege- und Beerdigungsverein hielt eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. In derselben wurden die neuen Satzungen angenommen. Der Verein gewährt nunmehr seinen Mitgliedern und deren zum Hausstand gehör!gen Familie in Erkrankungsfällen, auf Anordnung des.behandelnden Arztes notwendige- Tag- und Nachtwachen durch 'Krankenpfleger. Ferner gewährt der Verein im Bedarfsfälle zum Teil , oder auch vollständige freie ärztliche Behandlung, freie Arznei, Krankenkost und angemessene Krankenunterstützüngen; der 'jährliche Vereinsbeitrag, wurde von 3 Mark :auf 4.80 Mark erhöht. Die Einkünfte des Vereins bestehen hauptsächlich aus 'freiwilligen Spenden und Legaten. Der Verein besteht fast 100 Jahre. — Hoh ensalz a. Die Einwohnerzahl hierseblstbeträgt 25608, davon sind 16 150 katholischer, 8413 evangelischer, 950 jüdischer und. 95 sonstiger Konfession. Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung ist in den letzten Jahren eine auffallend große. Unsere Synagogengemeinde gehörte bis vor 15 Jahren zu den reichsten Steuerzahlern der Provinz. Mit dem Beginn der Ausweisungen und Abwanderungen nach den west-- lichen Großstädten hat auch die Existenz der Gemeinde- und Wohltätigkeitsinstitute stark gelitten. — Rakel. Nach kurzem schweren Leiden verstarb in Posen im Krankenhause daselbst der langjährige Vorsitzende unseres Vereins Bne Bris. Herr Moritz Biedermann. Der Dahingeschiedene, der die Interessen dieses Wohltätigkeitsvereins stets im Auge hatte, hat mit ganzer Hingabe sein Ehrenamt verwaltet. Die Beerdigung fand Hierselbst unter großem Trauergefolge statt. L2 Breslau, 9. Oktober. Unser Rabbiner Dr. Jakob G u t t m an n, der Vorsitzende des! „Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes", hat, wie bereits Mitgeteilt, den Professortitel erhalten. In letzter Zeit ist dieser Titel an mehrere hervorragende wissenschaftliche Rabbiner verliehen worben: an die Herren Rabbiner Maybaum-Berlin, Dr. Bloch-Posen, Levy-Breslau. Jakob Guttmänn, Vater des Privatdozenten für Philosophie an der Universität Breslau Dr. Julius Guttmänn, gilt seit langem als ' unbestrittene Autorität auf dem Gebiet der jüdischen Religionsphilosophie. Alle seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen bewegen sich auf diesem Gebiet, vornehmlich hat er das frühe Mittelalter bearbeitet, die spanischen Philosophen und die Scholastik, den Anteil der Juden an der Entwicklung und Förderung der philosophischen Wissenschaften und die wechselseitigen Beziehungen der bedeutenden jüdischen und christlichen Philosophen, sowie den Einfluß der ersteren auf diese. £2 Leipzig, 6. Oktober. In der kürzlich abgehaltenen Mitgliederversammlung des hiesigen Hilfsvereins Israelitischer Gewerbetreibender begrüßte der Vorsitzende R. Rabinowitz die Erschienenen und gedachte der verstorbenen Mitglieder. Nach Verlesung des Protokolls, der letzten Hauptversammlung berichtete der Vorsitzende über die Tätigkeit des Vorstandes für das verflossene Halbjahr und konstatierte, daß der Verein weitere Fortschritte-gemacht hat. Äie Mitgliederzahl ist auf 717 gestiegen. An Beiträgen und Spenden sin.d 4245.35 Mark eingegangen, während 4016.15 Mark verausgabt wurden. Die DarlehnSkaffe, unter Verwaltung . des Ehrenmitgliedes M. Tamarkin, hat auch in diesem Halbjahr segensreich gewirkt. Die im Winter abgehaltenen Vortrags» und Unterhaltungsabende waren zahlreich besucht, ebenso das errichtete Vereins- und Bethaus (nebst Bibliothek und Lesehalle) finden den Beifall der Mitglieder. Der Antrag deS Vorstandes, Darlehen bis 1000 Mark zu gewähren und zu diesem Zwecke eine Jubiläumsspendensammlung (25 jähriges Jubiläum) zu eröffnen, würde mit großem Beifall angenommen.; - 8. 8. München, 9, Oktobers Eine hohe Ehrung wurde dem im Februar dieses Jahres eröffneten „Münchener Krankenheim", israelitische Privatklinik e. V., zutLil. Am 1. Mittwoch des Septembers fuhr Se. Königliche Hoheit Prinz Dr. Ludwig Ferdinand v on Bayern, der bekannte', Arzt und Operateur, an der Anstalt