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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-13 · Heft 41 (13.10.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Herrn änn-Schmidt-SLräße 5, vor, um sie zu besichtigen. Die Oberin cher Anstatt, die auch Oberin der im' gleichen Hause wohnenden israelitischen Krankenschwestern ist,' übernahm die Führung des fürstlichen Gastes. Ueber dreiviertel StWde" währte die Besichtigung, die der Prinz als Fachmann besonders eingehend vornahm. Anlaß, die neue Klinik zu sehen, gab dem Prinzen lediglich der Umstand, 'daß er vonärztlicherSeite'die^ Einrichtung als mustergültig rühmen hörte. Se. Königliche Hoheit bezeichnete denn auch nach dem Rundgang die Anstalt als eine der schönsten Privatkliniken, die er gesehen. Sein lebhaftes Interesse bewies der hohe Gast dadurch, daß er in der folgenden Woche eine Patientin der Anstalt überwies und dortselbst mit vollem Erfolg operierte. Bei einem seiner Krankenbesuche begleitete ihn seine Gattin, Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Maria della Paz; sie besichtigte gleichfalls eingehend die Anstalt, die ihren ungeteilten Beifall fand. Eine besondere Freude und Ehrung war es für die Kranken, daß die hohe Frau es sich nicht nehmen ließ, jeden einzelnen Patienten mit einer freundlichen Ansprache zu bedenken. Diese Auszeichnung, die der Klinik zuteil wurde, ist ein neuer Beweis, welch guten Rufes sie sich erfreut' und wie sehr die Anstalt,' die Kranken aller Konfessionen ihre Pforten öffnet, dazu angetan, ist, Gegensätze auszugleichen und etwaigen konfessionellen Vorurteilen zu begegnen. — Frankfurt a. M., 6. Oktober. Der Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina unterhält bekanntlich in Jerusalem seit fast 30 Jahren ein Knabenheim, das sogenannte „Deutsch-Israelitische Waisenhaus". Die Zöglinge besuchen zuerst die Schule und ergreifen dann ein Handwerk. Um nun keine größere Konkurrenz in dem Handwerkerberuf, der ohnehin in Palästina nur ein notdürftiges Dasein gewährt, zu schaffen, verlegt der Verein sein Waisenhaus nach Fedsche, nächst Pethach Tikwah, um die Zöglinge zur Landwirtschaft heranzuziehen. In der Vorstandssitzung,,die dieser Tage stattfand, wurde beschlossen, so bald als möglich an "die Ausführung des Projektes zu schreiten, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß für mindestens 80 Zöglinge Raum zu schaffen sei. Der Leiter des Waisenhauses, Herr Dr, L. Grün H u t aus Jerusalem, weilt gegenwärtig in Deutschland, um im Aufträge des Frankfurter Vereins neue Freunde und Förderer für die Anstalt zu gewinnen. Im Deutsch-Israelitischen Waisenhaus werden bekanntlich auch einige Waisenknaben aus Kischinew, die bei dem dortigen Pogrom ihre Eltern verloren hatten, erzogen. J. W. Frankfrrpt a. M., 6. Oktober. Für das Verwaltungsjahr vom 1. April 1912 bis dahin 1913 werden in nächster. Zeit die stiftungsmäßigen Stipendien zur Vergebung gelangen. Dieselben umfassen: 1. Entrichtung des Schulgeldes für' den Besuch der hiesigen Gymnasien oder einer anderen hiesigen höheren Lehranstalt; die Vorschulklassen fallen nicht hierunter. 2. Bestreitung der Kosten des Unterrichts für Handlungsbeflissene in neueren Sprachen und von Handlungswisienschaften. 3. Stipendien zum Besuch einer Universität oder eines israelitischen Seminars eventuell einer jüdisch-theologischen Lehranstalt sowie voraussichtlich einer Lehrerbildungsanstalt. 4. Stipendien zum Besuch einer polytechnischen, einer landwirtschaftlichen oder Forstakademie. Nur Söhne derjenigen Eltern, welche mindestens fünf Jahre in Frankfurt wohnen, erhalten Stipendium. Die Gesuche sind schriftlich im Herrn Jüstizrat Dr. O e l s n e r bis spätestens 1. November einzüreichen. S£2 Karlsruhe i. B., 6. Oktober. Das soeben erschienene Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten (Nr. IX) enthält eine Verordnung' die Synodalverordnung betreffend. Von besonderer Wichtigkeit ist darin der Zusatz 2 zu ß 11, wonach Rabbiner, die als weltliche Abgeordnete gewählt sind, an der Beratung und Beschlußfassung über Angelegenheiten, die' nach dem Landeskirchensteuergesetze zu erledigen sind, nicht teilnehme'n. Aus den Verfügungen und Bekanntmnchi ngen erwähnen wir: Ministerialrat Viktor Schwörer wurde zum Ministerialkommissar bei dem Großherzoglichen Oberrat ernannt, die Michel Weilsch'en Tug,endpreise von je 400 Mark wurden verliehen der.Frau Aron Gumprich, Witwe in Phillippsburg, der Frau Bernhard B o d e n h e i m er,. 'Witwe in Rastatt und den Eheleuten Eduard Bär' in' Walldorf Der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogtums Baden ist die Genehmigung ur Ausgabe von 3 Prozent verzinslichen Schuldverschreibungen auf den Inhaber im Betrage von 150000 Mark sowie zur Ausgabe, der zugehörigen Zinsscheine erteilt worden. Aus der Gustav unb Dr. Robert Weilschen Stiftung in Freiburg soll der Betrag von 400 Mark zu Kurkostenbeiträgen für israelitische Kranke, vorzugsweise Lungenleidende, welche öffentliche Armenunterstützung nicht genießen, verwendet werden. Der Anhang enthält einen Nachruf aus den am 22. Juni d. I. verstorbenen Hauptlehrer Joses Bruchsa ler in Sulzburg. Das Verordnungsblatt Nr. X hat zum Inhalte eine Verordnung und Bekanntmachung, die Wahlordnung für die Wahlen zur israelitischen Synode betreffend. / Oesterreich-Ungarn. J.jZ. Budapest, 6.Oktober. Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn hat am Mittwoch den .27. v. M. seinen 70. Geburtstag begangen. Oberrabbiner Kohn ist einer der hervorragendsten Kanzelredner Ungarns, auch hat er sich als Historiker einen Namen gemacht, speziell durch seine „Geschichte der Juden in Ungarn" (die leider unvollendet geblieben ist) und sein Werk „Die Sabbatharier", das auch in deutscher Uebersetzung erschienen ist. Ueberdies hat er zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen, Kanzelreden usw. veröffentlicht. Dr. Kohn, der einer angesehenen Bajaer Familie entstammt, absolvierte seine Studien an deutschen Seminarien. Im Jahre 1866 wurde der erst Fünfundzwanzigjährige von der Pester israelitischen Kultusgemeinde zum Rabbiner und ungarischen Kanzelredner berufen; am 2. Juni hielt er seine Probepredigt — die erste ungarische Predigt im Tabakgassentempel —, sie gefiel derart, daß er sofort endgültig üngestellt wurde. Seither wirkt er hier ununterbrochen, nicht nur als Rabbiner und Prediger, sondern auch als Initiator und Förderer aller kulturellen Bewegungen im Schoße der Judenheit. — Eines der begabtesten und sympathischsten Mitglieder der. ungarischen Künstlerwelt, der Maler Edmund Tüll, ist am 15. v. M. nach kurzem Leiden im Älter von kaum einundvierzig Jahren gestorben. ' Der Künstler war im Jahre 1870 zu Szökesfehärvär geboren, hatte seine Studien in Italien und Paris, in der Brera und in der Julianischen Akademie gemacht und hatte sich' dann nach weiten Künstlerfahrten, die ihn bis nach Afrika führten, . in Budapest heimisch niedergelassen. Mit seinen brillanten Aquarellen, das . ungarische Volks- und Marktleben darstellend, deren Vorentwürfe er aus Tunis, mitgebracht hatte, hat. er wiederholt Preise davongetragen. Die irdischen Reste.. des Malers Edmund Tüll wurden unter großer Teilnahme der Künstlerwelt von der Vorhalle des Künstlerhauses zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Simon Hevesi widmete dem früh Verstorbenen Künstler eine ergreifende Trauerrede, worauf Bildhauer Joseph Rötta im Namen der Gesellschaft'für bildende Künste und des Vereins der ungarischen bildenden Künstler dem Toten einen .Nachruf widmete. Sodann wurde der Sarg nach dem Friedhof überführt, wo die Beisetzung erfolgte. Am Grabe sprachen Rabbiner Dr. Moriz Weiß und namens der Franz-Deak-Loge. Dr. Sigmund Eisler, — Der berühmte Orientalist Professor Armin Vambery, der eine lange Zeit als Förderer des politischen Zionismus galt und dem man intime Beziehungen zum jungtürkischen Komitee nachsagt, äußert sich in einem Budäpester Abendblatt über die Tripolissrage folgendermaßen: Tripolis wird Italien, zufallen, das ist sicher, wenn jetzt nicht, dann in nicht allzulanger Zeit. Italien hat Tripolis notwendig, denn es liegt gegenüber Sizilien. Sie .fragen, ob man ein Land so überfallen darf, .wie Italien es jetzt mit Tripolis tut. Als liberaler Mensch muß ich nein sagen, aber, wenn.ich die Sache objektiv beurteilen soll, muß ich zustimmen, denn ich muß sagen, daß der Islam auszurotten ist. Der Islam verdient kein anderes Los. Die Mohammedaner sind fanatisch religiös, aber, sie haben , keinen Charakter. Die Religiosität der Mohammedaner ist die Feindin, der Kultur. Die auf eine Verfassung abzielende Bewegung in der Türkei kann man nicht ernst nehmen. Es gibt wohl 200 Millionen Mohammedaner, die sich der selbständigen Staatlichkeit erfreuen, aber deren Untergang ist. sicher. Denn der Mohammedaner kann nur , beten, nicht arbeiten. . Von den mohammedanischen Reichen verdient kein einziges den Namen „Staat"., - Frankreich. z. Papis, 6. Oktober. ' Die. finanzielle Lage der hiesigen jüdischen Gememdeverwattüng istnicht rösig. Der Berichtüber das Rechnungsjahr

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