Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · p. Seite 443

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3228999--67778-3280014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

lumpigen Gulden, womit er ihnen aushalf, sind nichts gewesen. Hätte er doch nur mehr gegeben — doch in Wahrheit, war er nicht einmal in der Lage, soviel zu geben. Ja, wenn er soviel im Vermögen hätte als Eschkeles. Er sagte es ihm auch Samstag, als jener - im Tempel größere Summen zu wohltätigen Zwecken gespendet hatte. „Warum spenden Sie für die. Chewra Kadischa? Die Chewra Kadischa geht nicht nach Berlin lernen. Weiß vielleicht die Chewra Kadischa, wer Herder ist und wer Faust ist? Wozu geben Sie der Chewra Kadischa hundert Gulden? Fünfzig wären auch genug gewesen und die anderen fünfzig hätten Sie lieber dem Liweitzer geben können." Eschkeles berührten diese Worte sehr unangenehm. Er hatte wenig Grund, sich Liweitzers gern zu erinnern. Seinetwegen wurde plötzlich sein schönes, ruhiges Familienleben sturmbewegt. Ehedem war sein Haus lauter sonnenhelle Heiterkeit, jetzt ist es, als ob man sich dort das Lächeln ganz abgewöhnt hätte. Alle sind stumm und betrübt und am traurigsten ist Esterchen. Still und bleich sitzt sie aus einem Platze; wenn man zu ihr spricht, antwortet sie nicht, sie blickt nur den Betreffenden mit großen, scheuen Rehaugen an, welche ein unendlich tiefes, unterdrücktes Weh umflort. Vergebens dringt die Mutter in sie: „Wo tut^s Dir weh? Was tut Dir weh?" Efterchen beklagt sich auch' zu ihr nicht. Sie sagt nur, daß es nichts sei. Und von diesem Nichts wird sie Tag für Tag bleicher. Muß wohl eine große Krankheit sein, dieses Nichts, das keinen - Namen hat. Liweitzer mochte schon lange in Berlin sein, als nran an einem Sabbattage Eschkeles wieder zur Thora ries. Lajtinant Flesch ärgerte sich schon im vorhinein: Na, jetzt wird er schon wieder die Chewra Kadischa mästen. Er wandte sich zum Almemor hin, um besser beobachten zu können, und sein Zorn legte sich plötzlich. Der Vorbeter betete für einen Schwerkranken: für Esterchen. Ei, ei, ist das junge Mädchen so krank? Mit teilnahmsvollen Blicken betrachteten die Leute den reichen Mann, den der Schmerz gebrochen und die Verzweiflung so verwirrt hatte, daß er gar nicht wußte, was er sprach. (Fortsetzung folgt.) Lkitlchrittrnlchsu. 1. K. O.-Blätter usw. I. Jahrgang Nr. 9 bis 11. 1. Juni bis August. 2. Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde in Berlin. I. Jahrgang, Nr. 6 und 7, Juni und Juli 1911. , 3. Der Sabbat. II. Jahrgang, Nr. 5 und 6. 4. Aus dem Posener Lar.de. Monatsblätter für Heimatskunde, herausgegeben von Georg Minde-Pouet. Verlag von Oscar Eulitz in Lisfa. VI. Jahrgang, Heft 6, Juni 1911. 5. Nathanael. Zeitschrift für die Arbeit der evangelischen Kirche an Israel. Herausgegeben von H. L. Strack. 1910, Heft 4 und 1911, Heft 2, 6. Wegweiser für die Jugendliteratur. Redigiert von M. Spanier in Magdeburg: Jahrgang VII, Nr. 3. 7. Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Jahrgang II, Nr. 7 und 8, Juli/August 1911. 8. Dokumente des Fortschritts. Berlin 1911, Nr. 5. 9. Sonntagsbeilage zur „Vossischen Zeitung" Nr. 27. 2. Juli 1911. 10. The Jewish Review edited by Norman Bentwich & Dr. Joseph Hochmann. July 1911. Vol. II., No. 8. London, Geo. Routledge & Sons. 11. Der Horizont. Ausblicke auf Literatur und Leben. Jahrgang I, Heft 1. Verlag von Karl Curtius, Berlin. Preis 30 Pfennig. 12. Der Staatsbürger. 1911, Nr. 12. Zweites Juni-Heft. Verlag von Fr. Wilh. Grünow in Leipzig und Berlin: 13. Liberales Judentum. Jahrgang III, Juni/Juli 1911. Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland unter der Redaktion von Dr. Caesar Seligmann, Frankfurt a. M. 14. Ost und West. Juli 1911. 15. Im Deutschen Reich. Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Juli/August 1911. 16. Mitteilungen des Israelitischen Landes-Lehrervereins in Böhmen. Zusammengestellt von Rabbiner Dr. Freund, Bodenbach. Siegmund Springer, Prag, Langegaffe 22. 17. La settlrnana israelitica. II. Jahrgang, Nr. 19, Mai 1911. Nr. 30, Juli 1911. 18. Feuilleton du Figaro du 7. Juin. „En Argentine“ von Jules Huret. Diese Uebersicht, eine Fortsetzung der schon mehrfach in diesen Blättern gegebenen, erscheint hiermit zum letztenmal. Obgleich ich von manchen Seiten zustimmende Aeußerungen über derartige Zusammenstellungen gehört habe,, muß ich sie aufgeben, da die ungeheure Masse der vorliegenden Materialien mich hindert, soviel Raum einer, wie ich freilich glaube, recht nützlichen Angelegenheit zuzuwenden. Ich meine allerdings, daß die bisherigen Uebersichten gezeigt haben, welch reiche Tätigkeit auf diesem Gebiete herrscht. Ich werde mich von nun an darauf beschränken, die der Redaktion zukommenden Zeitschriften nur in dem Büchereinlauf zu buchen und kann im redaktionellen Teil nur gelegentlich einen besonders wichtigen Aufsatz verzeichnen. . - 1. Von allgemeinen Aufsätzen, d. h. solchen, die über die Interessen herausgehen, die für die zu der Korporation zusammen geschlossenen jungen Herren besonders interessant sind, mögen erwähnt werden: Fritz Solon, „Die Juden und das geltende preußische und deutsche Recht" und Dr. Zernik „Vom inneren Antisemitismus". Die speziellen Nachrichten über Vereinsangelegenheiten und die zahlreichen Nachrichten, die die Fragen des K. E. betreffen, haben für die Mehrzahl unserer Leser schwerlich Interesse. 2. Die Leitartikel dieser beiden Nummern sind von I. Galliner „Die Messiasidee und das Judentum" und von Ludwig Stein: „Die sozialen Gedanken der jüdischen Religion". Größere Berichte erschienen über, die Fürsörgekommission, das Krankenhaus und die Friedhofskommission. 3. Ein Vortrag von Arthur Marcus: „Der Sabbat in der Jetztzeit" ist für die Gesinnungsgenossen des Verfassers gewiß ganz ansprechend. Nur muß man sagen, daß für die anderen, die seine Ueberzeugung nicht teilen, viele Gründe, die er anführt, überhaupt nur für einen Ruhetag, nicht aber gerade für den Sabbat überzeugend sind. 4. Eine sehr schön ausgestattete Provinzialzeitschrift, um die manche andere Provinzen das Posener Land beneiden mögen. Der hauptsächliche Inhalt bezieht sich auf Dinge, die unserem Jnteressenkreise fern liegen: für uns ist anziehend der Anfang eines Posener Ghettoromans von Jsaac Herzberg in Bromberg: „Ringende Gewalten". Doch vermag ich, da mir nur der erste Abschnitt der Erzählung vorliegt, ein Urteil darüber nicht auszusprechen. 5. Von einer Missionszeitschrift Notiz zu nehmen, liegt im allgemeinen für uns kein Grund vor. Hier aber mag eine Ausnahme gemacht werden. Denn das erste der angeführten Hefte enthält einen Aufsatz des Herrn Oberamtsrichters a. D. Seebaß: „Jüdische Bedenken gegen das Christentum in christlicher Beleuchtung", die zweite eine Erwiderung darauf vom Rabbiner Dr. Elsaß mit sehr vielen (24) längeren Gegenbemerkungen des Angegriffenen. In den Streit selbst möchte ich mich nicht einmischen. Es ist jedenfalls sehr anzuerkennen, daß Herr Dr. Elsaß seine und unsere Sache in einem christ' lichen Organ zu verfechten sucht, und es mag auch anerkannt werden, daß die Missionszeitschrift ihm Raum gegönnt hat; nur werden freilich seine Bemerkungen durch die Entgegnungen des Widersachers in den Augen der Leser jenes Blattes allzu sehr abgeschwächt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.