Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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V 6. Die Nummer ist mit einem Bilde Rodenbergs versehen (ich„ möchte nicht sagen: geziert, denn das Bild ist schauderhast). Äußer einem dieses Bild begleitenden Aussatz von Regina Reißer spricht W. Bachrach „über Jugendzeitschriften". Unter den Büchern werden nach der Gewohnheit jenes. Blattes empfehlenswerte und . nichtempfehlenswerte unterschiedest Welchen Zweck aber hat es unter den letzteren, eine in Regensburg 1903 erschienene Schrift abzuweisen, die überhaupt schwerlich in die Hand eines jüdischen Lesers kommt und jetzt nach acht Jahren gewiß völlig vergessen ist? 7. Außer Nachträgen zur „Gedenknummer", von der früher die. Rede war, ferner Vereinsmitteilungen, kleinen Notizen und Besprechungen, die hier nicht einzeln aufgeführt werden können, enthält das Doppelheft einen bemerkenswerten Aufsatz von Ludwig Stein: „Wie verhält sich die Geschichte zum jüdischen Optimismus?" 8. Mir ist aus diesem Heft nur Seite 295 bis 300 zugekommen, die einen merkwürdigen Aufsatz von Jakob Fromer „Der Ursprung Israels" enthalten. In ihm wird der biblische Bericht sehr kritisch durchgegangen. Die Entwicklung des Jahvekultus und die'Aufgabe der Propheten wird dargestellt. Die eigentümlichen Schlußsätze lauten: Es war konsequent, daß die Juden, der Entwicklung Jahves folgend, sich von der Scholle loslösen und sich zur kosmopolitischen Religionsgemeinschaft entwickeln mußten. Diesen Prozeß ganz zu vollenden, war dem Christentum Vorbehalten. Für die Juden aber" hätte die Vollziehung der letzten Konsequenz die Auflösung ihrer Eigenart bedeutet. Von diesem letzten Schritt hielt sie ihr Instinkt zurück." Ich glaube nicht, daß diese Anschauungen allgemeinen Anklang finden würden. 9. Diese allgemeine wertvolle Beilage einer Tageszeitung wird hier erwähnt wegen eines' Aufsatzes von W. Löwenfeld: „Ein Besuch bei Gustav Frehtag". Es ist ein Bericht über einen Besuch, den der Verfasser des Aufsatzes im Jahre 1893 dem Dichter machte. Das Gespräch bezog sich zum Teil auf den Antisemitismus. Der Verfasser hält es für geraten, Frehtags berühmte „Pfingstbetrachtungen" nochmals abzudrucken, die zuerst 1893 in der „Neuen Freien Presse" erschienen und seitdem in Frehtags „Vermischte Aufsätze" (Leipzig 1903) übergegangen sind. 10. Das neue Heft der wichtigen und in diesen Blättern vielfach erwähnten Monatsschrift berücksichtigt mehr als die früheren Hefte das wissenschaftliche Gebiet. In dieses gehört Broditzkys Studie „Astronomie im babylonischen Talmud". Desgleichen die Arbeit eines der Herausgeber „Rabbi and minister“, eine Untersuchung darüber, wie weit die Tätigkeit eines amtierenden Geistlichen mit der eines Gelehrten verbunden sein könnte und müßte. Auch einige andere Beiträge sind anerkennend hervorzuheben: über die Juden in Sibirien; über die jüdische Frage in England; endlich über das Problem, ob es eine jüdische Rasse gibt, eine Fragen die der Verfasser bejaht. 11. Eine neue Zeitschrift, von der ich nicht weiß, warum sie mir zugeschickt worden ist. Denn die meisten ^Aussätze sind allgemeinen,, politischen, literarischen Inhalts und haben mit dem Judentum nichts zu tun. Interessant ist höchstens der Schlußaufsatz., von H. Hackmann: Die literarische Richtung unserer Zeit, ein . frischer, freigesinnter tapferer Aufruf. 12. Die oft genannte- Zeitschrift mag schon deshalb erwähnt werden, weil die vorliegende Nummer einen Auszug aus Ferdinand Lassalles Werk „Zweck und Grund des Staates" bringt. 13. Ein sehr, interessantes Doppelheft, das den Tendenzen, die auch wir vertreten, mutig und geschickt dient. Das mit diesem Heft die Uebersetzung des englischen Werkes von D. Philippson „Ueber die Reformbewegung" abgebrochen wird, obwohl sie noch lange nicht zu Ende ist, kann nur gebilligt werden, denn eine Zeitschrift ist nicht der Ort, die Uebersetzung eines großen Werkes darzubieten. Durch die ewigen Fortsetzungen wird der Stofs verzettelt und verliert hei den Lesern durchaus an Anziehungskraft. Unter den übrigen Beiträgen des Doppelheftes ist hervorzuheben ein Aufsatz von Silber-- stein-Stargard „Ein Epilog zur Generalversammlung des Rabbinerverbandes", ein Aufsatz, in dem'der Verfasser ffich gegen das absolute Vetorecht der Rabbiner erklärt. Er bemerkt, daß das ganze Veto»- recht ohne jede praktische Bedeutung ist, und findet es unverständlich, daß .gerade ein Teil der liberalen Rabbiner sich für das absolute Vetorecht eingesetzt hat und daß nichtpreußische Rabbiner über, diese, doch nur die preußischen Verhältnisse angehende Angelegenheit mit abgestimmt und dadurch vielleicht das Resultat hervorgerufen haben. Ganz unsere Meinung. Sehr frisch ist der Aufsatz von Adolf Philipsborn „Wir jungen liberalen Juden" gegen den Zionismus, und interessant der Brief von G. Deutsch „Reformjudentum und Taufe", den B. Levy übersetzt hat. 14. Da ich mehrfach von dieser. Zeitschrift.gesprochen habe, so kann ich mich, mit der kurzen Bemerkung begnügen, daß in dem vorliegenden Hefte,ein sehr ansprechender Aufsatz von Rabbiner Samuel „Ueber Glaube und Heimat" steht, und der größere illustrierte Aufsatz von K. Schwarz über „Die Berliner Sezession" handelt. 15. Ich erwähne das. neue Heft, das hauptsächlich Zeitgeschicht- . liches und Aktuelles enthält, diesmal aber auch einige historische Aufsätze: „Der Geldhandel der deutschen Juden während des ' Mittelalters bis zum Jahre 1350" und „Der Judenleibzoll", um mich gegen' einen Passus des Aufsatzes „Unsere Propaganda" zu wenden. ' Herr Justizrat Salinger hält es für gut, auf eine kleine Notiz der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". hinzuweisen und dabei von dem „wohlwollend-mitleidigen Tone" zu sprechen. Ich protestiere entschieden gegen diese Insinuation und möchte bemerken, daß - ich es für sehr wenig angebracht, halte, wenn die Zeitschrift im Deutschen Reich gegen uns polemisiert. Wenn ein temperamentvoller Mitarbeiter derartiges schreibt, so sollte die Redaktion solche Bemerkungen, die zum mindesten ungehörig, überdies gänzlich falsch sind, streichen. ‘ . 16. Dieses Heft macht mir eine'Zeitschrift bekannt, von der ich bisher niemals ein Heft gesehen habe. Aus einem einzigen Heft läßt sich natürlich kein Urteil fällen. Die allgemeinen Artikel, die in dem vorliegenden stehen, sind für Außenstehende von geringem Interesse. In. dem Artikel „Solidarität" wird stark dagegen polemisiert, daß „ein Ausländer" in einer Gemeinde zum Rabbiner angenommen lvörden ist. Der Hauptteil des Heftes bezieht sich auf die speziellen Interessen der israelitischen Lehrer in Böhmen und tritt tapfer für diese ein. . , . 17. Von diesem italienischen Wochenblatt — jede Nummer enthält vier Äeine Folioseiten fast ausschließlich Text, nur wenige Inserate — sind mir nur die zwei angeführten Nummern bekannt geworden. In der zweiten steht ein Brief aus Deutschland, der allgemeine politische und speziell jüdische Angelegenheiten lebhaft darlegt, sonst enthält jede Nummer einen Leitartikel, Berichte .allgemeiner Art, auch ein Gedicht. Zu einem abschließenden Urteil kann man bei Kenntnis von zwei Nummern unmöglich gelangen. 18. Der „Figaro" ist ein Welt» oder vielmehr ein Boulevardblatt, das, wenn es auch häufig Juden zu Mitarbeitern hat, jüdische Angelegenheiten nur selten behandelt. Diese Nummer ist mir zugeschickt worden? wegen' eines darin stehenden Artikels „In Argentinien", die israelitischen Kolonien betreffend. Ein lebhaft geschriebener Aufsatz, der den bekannten Reiseschilderer Jules Huret zum Verfasser hat. L. G. SxrechsaÄ. An die Redaktion der Allg. Zeitung des Judentums, Berlin. 3N der vorletzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift erwähnen Sie (S. 410), daß keine der bürgerlichen Parteien einen jüdischen Kandidaten aufgestellt hätte. Es dürfte daher für Sie von Interesse sein, zu erfahren, daß in Karlsruhe von der Fortschrittlichen Volkspartei Herr Stadtrat Rechtsanwalt Dr. Ludwig Haas, Mitglied des K. C., der U. O. B. B.^Loge und anderer jüdischer Korporationen aufgestellt worden ist. Gegenkandidaten sind: Geck (Soz.) und Freiherr v. Gemmingen (Kons.). Hochachtungsvoll Referendar Karl Löwenstein, Aachen.