Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gründigen Forschungen über Spinoza und den Spinozismus zu gedenken.. Nach umfassenden Vorarbeiten („Spinoza und die Scholastik", „die PhilosoPhieSpinozas") erschien 1904 der erste Band des großangelegten Werkes: ..Svinora. sein Leben und seine Lehre", in dem auf Grund sorgsamer Forschung^und eines weitschichtigen . Materials Spinozas Leben und Entwicklungsgang in allen Einzelheiten eingehend dargelegt und namentlich sein Verhältnis zu den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters zum erstenmal mit einer der Wichtigkeit der Frage entsprechenden Gründlichkeit beleuchtet wurde. Leider erlebte er die Vollendung seines Lebenswerkes nicht. Er starb am 1. Juni 1907. Verheiratet war er seit 1869 in glücklicher Ehe mit Therese Sachs, Tochter des verstorbenen^'Kanzelredners Michael Sachs, dessen im vorigen Jahr anläßlich der 100 jährigen Wiederkehr seines Geburtstages eingehend gemacht wurde. Als akademischer Lehrer war Jacob Freudenthal sehr beliebt Kathedergaben eigneten ihm zu. Im Examen war er mild und wohlwollend. Bei seiner Vielseitigkeit steifte er sich nicht auf ein Wissensgebiet, sondern fragte möglichst aus allen einschlägigen Materien. Nur absoluter Unwissenheit oder Uufähigkeit gegenüber verhielt er sich schroff ablehnend. Als Vierter im Bunde der jü- ' difchen Ordinarien in der Breslauer philosophischen Fakultät muß der leider der Wissenschaft so früh entrissene Orientalist Siegmund Fraenkel erwähnt werden." Hn geborener Breslauer, lag er nicht nur an der Hochschule seines Heimatortes, sondern auch an der Universität Leyden, der altberühmten Pflegestätte semitischer Sprachen, dem Studium der Orientalin ob. Nach Ablegung des Doktorexamens habilitierte er sich in Breslau, wo er es bis zur Würde eines ordentlicheuProfessors für die semitischen Sprachen brachte- Er war ein gründlicher Kenner des Syrischen und Arabischen, wie seine in Fachkreisen sehr geschätzten Artikel beweisen, von denen namentlich eine Schrift: „Die aramäischen Fremdwörter im Arabischen" hervorzuheben ist. Daß er kein einseitiger Grammatiker war, beweisen die folgenden Tatsachen. Für Freudenthals Arbeit über die Fragmente des Alexander von Aphrodisias zur Metaphysik des Aristoteles lieferte er einen arabischen Text; die syrische Uebersetzung der „Bücher der Könige" behandelte er in dem .„Jahrbuch für protestantische Theologie", und für die Festschrift zu Ehren von Carl Weinhold steuerte er eine Abhandlung aus dem Gebiet der vergleichenden Mythologie bei. („Die tugendhafte und kluge Witwe".) Fraenkel, der ein bescheidenes und zurückgezogenes Gelehrtenleben führte, hat nur ein Älter von 64 Jahren erreicht. In den Herzen seiner dankbaren Schüler wird die Erinnerung an seine anregende, geistessprühende Lehrtätigkeit nicht so schnell erlöschen. . (Fortsetzung folgt.) Prof. Dr. Zacob Freuöenthal gest 1907. Die Propheten in der jüdischen Volksschule?' Von Seminardirigent Dr. M. Spanier-Münster i. W. I. V | iemand wird der jüdischen Volksschule den Vorwurf machen können, daß sie es versäumt habe, die Kinder mit den großen Propheten ihres Volkes vertraut zu machen. Es ist schlechterdings undenkbar, daß. eine jüdische Schule nicht ein in der Seele hastendes Bild von dem Wirken Moses, Samuels und Elias gestalte und ein Gefühl von der gewaltigen Größe dieser Persönlichkeiten in den Kindern wecke. Anders freilich verhält es sich mit der Kenntnis jener Prophetie, deren Wort uns in besonderen Büchern überliefert ist. Niemand wird bestreiten wollen, daß die Bekanntschaft mit diesen Schriften, Aeußerungen eines Geistes, der selbst die leidenschaftlichsten Hasser und konsequentesten Verkleinerer jüdischer Neligionsoffenbarung zur.uneingeschränkten Bewunderung, hinreißt, in unseren Kreisen zumeist nur sehr oberflächlich vermittelt wird.,? Es ist eine Tatsache, daß evangelische Theologen und Pädagogen mit Elfer, Hingabe und echter Liebe versucht haben, den Gedankengehalt der Prophetie methodisch für den Volksschulunterricht zu verarbeiten- Man hat nun gesagt, es handle sich um eine Modesache der protestantischen Theologie, die natürlich nebenbei beabsichtige, die sittlichreligiöse Höhe der jüdischenProphetie, die wir als eine absolute Höhe empfinden, schließlich doch nur als eine Vorstufe christlicher Frömmigkeit hinzustellen. Sicherlich, wirst der Wellenschlag der Mode viel Wert- und Geschmackloses ans Ufer, aber wenn er uns einmal eine kostbar Perle im Sande finden läßt, wären , wir töricht, wenn wir sie. liegen ließen. Die Nebenabsichten der protestantischen Theologie, die wir von ihrem Standpunkte sogar sehr begreiflich finden, gehen uns nichts an. Unsere Apologeten werden die künstlichen Konstruktionen, die krampfhaften Anstrengungen, eine Höhe noch zu überhöhen oder eine Höhe niederzudrücken, schon ans rechte Licht stellen. Wir wollen uns jedenfalls nur ver güten Mode freuen und sie zum Segen unserer Jugend verwerten. Es ist übrigens nicht das erstemal, daß die Methode des christlichen Religionsunterrichts anregend aus die Ausgestaltung des Unterrichts in den jüdischen Religionsfächern eingewirkt hat. Es läßt sich Nachweisen, daß der Unterricht in der biblischen Geschichte bei den Juden all -die methodischen Wandlungen mit durchgemacht hat wie in der; christlichen Schule. Die( Hübner, Zahn und Wiedemnnn sind deutlich in unseren biblischen Geschichtsbüchern wiederzuerkennen, und all die Manieren der überscharsen Gliederung, der Anheftung von Sprüchen und Bibelversen oder gar von Reimen, das überkindliche und h Vortrag.- gehalten aufder Jahresversammlung des Vereins israelitischerLehrer derRheinprovinz und Westfalens (Köln, 6 Juni 1911