Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1911)
- Date
- 1911-05-26
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Mutter wehklagte fort, riß an dem Leibe Esterchens^ die Seidenbluse auf und öffnete datz Seidenmieder. WeM und warm quoll darunter das Frühlingsleben hervor. Danr? rieb man ihr mit Essigwasser Schläfen, Herzgegend, Arme und. die von Schuhen und Strümpfen. entblößten kleinen Füße. (Fortsetzung folgt.) Mersrilche Mitteilungen. -----Im Dienste des Eroßhcrzogs Karl Alexander. Ein Erinnerungsblatt von Hermann Freiherr v. Egloffstein, Berlin, Gebr. Paetel, 1911. Man sollte meinen, daß diese kleine Schrift mit den Interessen, die unsere Zeitung in erster Linie pflegt, nichts zu tun hat. Um so weniger, als es nicht etwa eine Biographie des Fürsten ist — denn es kommt von der Goethegesellschast, von den Enkeln Goethes, mit denen der Fürst so eng verbunden war, von seinem innig geliebten Franz v. Liszt und von Fanny Lewald> die er ungemein schätzte, kein Wort vor — sondern eben nur ein Gedenkblatt dessen, was der' Verfasser als Kabinkttssckretär und Vorleser bei und mit dem bekannten und doch höchst schätzenswerten Fürsten erlebte. Aber eine Aenßerung ' findet sich in dem Büchlein, die hier mitzuteilcn ist. Sie lautet: „Wie auf dem religiösen Gebiete überhaupt, war ihm auch sonst jede; Engherzigkeit verhaßt. — So widerstrebte z. 33. nichts seiner ganzen! Natur mehr als der Antisemitismus. Seine Abneigung dagegen habe ich ihn öfters mit aller Entschiedenheit aussprechen hören." j Ich darf diesem Aussprache wohl eine Anekdote aus meinem Umgang s mit dem Fürsten hinzufügen. Als ich durch Fanny Lewald ihm empfohlen, meine erste Audienz bei ihm hatte (Juni 1880), wurde ich von ihm mit der Frage eu pfangen: „Sie sind der Sohn des berühmten jüdischen Theologen Abraham Geiger?" Ich weiß wohl, daß Karl Alexander gewiß nie ein Werk meines Vaters gelesen hat! und schwerlich mehr von ihn: wußte, als einer seiner literarischen! Ratgeber ihm vor meinem Empfange mitgeteilt hatte, aber welcher jetzt lebende deutsche Fürst würde wohl die Feinheit und Herzlichkeit besitzen, einen damals, noch jungen und überaus schüchternen Mann mit solchem liebenswürdigen Empfange zu ehren und zu beglücken? L. G. r — Festschrist zum 40jährigen Amtsjubiläum des Rab^ biners Tr. Salomon Carlebach in Lübeck. 16. Juli 1910. Gewidmet von Freunden und Verwandten. Hcrausgegeben von Moritz Stern. Berlin 1910, Verlag „Hausfreund". Dieser inhaltreiche, höchst stattliche (362 und 251 S.) und vor-' trefflich ausgestattete Band enthält nicht weniger als 37 Abhand-! lungen, darunter 16 hebräische. Sie sind dem Biblischen, Talnindische.n,: und Sprachlichen gewidmet, einzelne Predigten und Predigtskizzen! stehen neben ein paar medizinischen Untersuch ungen. Das Historische, in den: ich mich allein für kompetent halte, ist durch eine Skizze von H. Mühsam „Ter jüdische Volksverein in Berlin 1904—1908" und durch eine Studie von L. Munk „Ans dem Konstitutenbuch ber; sämtlichen hessischen Judeuschafl" vertreten. Der letztere Aufsatz bringt Mitteilungen ans einer Kleiderordnung von 1719, die von! sehr großem Interesse sind. Einer der merkwürdigsten Beiträge des^ ganzen Bandes — zugleich einer der umfangreichsten (63 S.) — sind Auszüge aus dem Briefwechsel Israel Hildesheimer, die der nun : auch verstorbene Meier Hildesheimer beigesteuert hat. Sie enthalten außer dem hebräischen Briefwechsel Hildesheimers mit Zwi Hirsch Kalischer, der die Kolonisation Palästinas und die Frage behandelt, wie sich der Mohel gegenüber solchen Kindern zu verhalten habe, die von jüdischen Vätern und christlichen Müttern herstammen, die' Korresponden; Hildesheimers mit dem Vorstande des Beth-Hamidrasch. Es handelt sich in diesen, aus den Jahren 1867 bis 1871 stammenden Briefen um die neue Organisation des Beth-Hamidrasch, > an dessen Spitze Hildesheimer treten sollte. Aus der Sache wurde : nichts, weil in der Zwischenzeit das Rabbinerseminar begründet wurde, dessen Leitung Hildesheimer übernahm. Der Briefwechsel ist wegen der Entschiedenheit und des Zielbewußtseins, das Hildesheimer zum Ausdruck bringt, von ganz außerordentlichem Interesse. Sehr wichtig ist sein Organisations- und Lehrplan des ganzen Instituts. ----- Die antisemitische Bewegung, ihre Entstehung und ihre Ueberwindung vom Standpunkte liberaler Weltanschauung, staatsphilosophisch beleuchtet. Vortrag, gehalten im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu Berlin, Gruppe SYV., am 23. Januar 1911 von Hermann Schüler-Berlin. Richard Schn.'.rpel 1911. Preis 60 Pfennig. Eine wohlgemeinte Arbeit, die indessen das nicht liefert, was man erwartet. Die Anfangsworte des Titels lassen eine streng historische Arbeit vermuten, die folgenden Worte des Titels verkünden dagegen, daß eine staatsphilosophische — ein eigenartiges Wort-, mit dem man keinen rechten Begriff verbinden kann — geliefert wird. Die Trennung von Staat und Kirche wird gefordert; was hat das eigentlich mit Antisemitismus zu tun? Von den völkischen, von konservativen und liberalen Spaltungen, von dem Prinzip der Gerechtigkeit, von Schultze-Delitzsch und Stöcker ist sehr viel die Rede, aber was der Verfasser eigentlich will, wird immer wieder, durch Abschweifungen historischer und politischer Art verdunkelt. Genuß kann man keine Formel für die Ueberwindung des Antisemitismus geben; denn die einzige, die existiert: werdet vernünftig und gerecht, ist. ein Mahnruf, der bei Vielen unerhört verklingt. Aber der „lebendige Individualismus", den der Verfasser predigt, ist ein so vieldeutiges Wort, daß mit ihm nicht viel anzufangen sein wird. Der Vortrag ist gewiß sehr gut gemeint, seine lebhaften Deklamationen gegen die „Schmach des Jahrhunderts" sind mir und gewiß vielen anderen ans der Seele gesprochen, aber es fehlt doch gar zu sehr an positiven Begründungen und an Vorschlägen, die nötig sind, um den Antisemitismus aus der Welt zu schaffen. Ob wirklich das Publikum, vor dem der Vortrag gehalten worden ist, diese schwer flüssigen Tarstellungen zu verstehen imstande war? L. Gr. && Lüchrremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Ringen/ Träume und Leben. Gedichte von Kurt Sonnemann. Neustadt a. d. Haardt. Druck und Verlag von G. Meininger. Preis 1 Mark, gebunden 1.50 Mark. Abraham Geiger: As Reformer by Rabbi David Philipson. Zen* iralkonferenz of American Rabbis. July 1. 1910. Charlevoix Mich. Religion and the sozial evil by Rabbi Henry Berkowitz, Central Conference of American Rabbis. July 3 1910. Charlevoix Mich. Geschichte Europas seit den Verträgen von 1815 bis zum Frankfurter Frieden von 1871, von Alfred Stern. Fünfter und sechster Band (Zweite Abteilung, zweiter und dritter Band) Geschichte Europas von 1830 bis 1848, 2 und 3. Stuttgart und Berlin 1911. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger. 455 und 638 S. Wilhelm Hauffs Märchen. Vollständige Ausgabe erschienen im Insel-Verlag zu Leipzig. 1911 4.50. 6, 8 Mark. Unsere Zeitgenossen. Wer ists? Biographien nebst Bibliographien. Angaben über Herkunft. Familie, Lebenslauf, Werke, Lieblingsbeschäftigung, Parteiangehörigkeit, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Adresse. Andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse. Begründet, redigiert und herausgegeben von Hermann A. L. Dcgener. 5. Ausgabe. Vollkommen neu. bearbeitet und wesentlich erweitert. Leipzig. H. A. L. Degener, 1911. Preis 12.50 Mark. David Rinborn. Memorial Volume. Se’.ected sermons and addresses edited by Kaufmann Köhler. ,A biogrnphical essay by Kaufmann Köhler. A memoria! oration by Emil G. Hirsch. Limited Edition 1911. Bloch Publishing Company, New York. . Druck und Verlag von Rudolf Mofse in-Bcrlin. Verantwortlirl, rüt die Redaktion: Max Banchwid in Berlin.