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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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15. Jahrgang Nr. 21 Berlin, 26. Mai 1911 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrlponden?en und Nachrichten. Deutschland. S£2 ©erlitt, 21. Mai. Der Herausgeber der antisemitischen Halbmonatsschrift „Hammer", Theodor Fritsch, ist von der Leipziger Strafkammer wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er hatte in seiner Halbmonatsschrift am 15. September v. I. einen Artikel „Eine sonderbare Religion" veröffentlicht, wobei er sich in geradezu ungeheuerlichen Angriffen auf die jüdische Religion erging. Er behauptete auch gestern in der Verhandlung vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Leipzig, wo er sich infolgedessen wegen Vergehens gegen § 163 des Reichsstrafgesetzbuchs zu verantworten hatte, daß. in den talmudischen Schriften die Beweise für seine Behauptungen klar enthalten seien. Diese Religionsbücher enthalten nach der Behauptung des Angeklagten Vorschriften, die unmoralisch und verbrecherisch seien, und diese Vorschriften hätten für die Juden auch noch heute ihre volle Gültigkeit. Der Staat habe die Juden als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anerkannt, ohne diese Gesetze zu kennen. Er habe in seiner Ahnungslosigkeit angenommen, daß das Judentum sich aus denselben sittlichen Grundlagen wie das Christentum zusammensetze. Das sei aber nicht der Fall. Er bestreite, daß das Judentum eine anerkannte Religionsgemeinschaft sei und daß die Juden Korporotionsrechte haben dürfen. Das Resultat der Verhandlung war: der Angeklagte, der erst unlängst wegen Gotteslästerung mit einer Woche Gefängnis vorbestraft ist, wird zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. L. ©erlitt, 23.'Mai. Die '„Organisation für hebräische Sprache und Kultur" veranstaltet am Sonnabend den 27. Mai um 9 Uhr abends im großen Festsaal des „Tiergartenh'ofS" (am Bahnhof Tiergartens eine öffentliche Versammln ng mit folgender Tagesordnung: 1. „Das neue jüdische Leben in Palästina", Vortrag des Herrn Dr. Mossinsohn-Jaffa. 2. „Die Renaissance der hebräischen Sprache", Ansprachen der Herren Dr. Schemarja Lewin, Leo Motzkin und anderer Redner. 3. Diskussion. J. P. Nakel, 17. Mai.. Am 11. d. M. starb nach kurzem Krankenlager der Senior der hiesigen jüdischen Gemeinde, der Kaufmann Nathan Jtzig, im 88. Lebensjahre. Der Verstorbene hatte viele Jahre hindurch dem Gemeindevorstand, der Stadtverordneten-Versammlung, dem Aufsichtsrate des Spar- und Vorschußvereins und dein Vorstand anderer gemeinnütziger Institute angehört. Die ehrenden Nachrufe dieser Bereinigungen ebenso wie das überaus zahlreiche Trauergefolge gaben Zeugnis von der Wertschätzung, deren sich der Dahingeschiedene ersreuen durfte. Dem Sarge folgten außer den Angehörigen und Verwandten aus nah und fern unter anderen Magistrat und Stadtverordnete, Gemeindevorstand und Repräsentanten, Geschäftsfreunde aus Stadt und Land, Vertreter verschiedener Wohlfahrtsvereine und eine große Anzahl von Bürgern. Die Leichenrede im Hause und in der Leichenhalle hielt, da der hiesige Rabbiner Dr. Perlitz aus Anlaß eines tief schmerzlichen Trauersalls in der eigenen Familie leider behindert war, Herr Rabbiner Dr. Walter-Bromberg. Der Verstorbene war Inhaber eines der ältesten Geschäfte, am Platze, das er im Jahre 1845 mit seinem Bruder Alexander unter der Firma Gebrüder Jtzig gründete. — Die jüdische Gemeinde hat den Verstorbenen noch ganz besonders ausgezeichnet, indem sie es sich nicht nehmen ließ, ihn auf ihre Kosten beerdigen zu lassen. *** Ngkel, 19. Mai. Zum zweitenmal in dieser Woche bewegte sich am Mittwoch nachmittag ein imposanter Leichenzug durch, die Straßen unserer Stadt zum jüdischen Friedhof, und diesmal galt es, die sterbliche Hülle des erst im 33. Jahre stehenden, in Magdeburg einer tückischen Krankheit erlegenen Herrn Dr. med. Walter Perlitz, einzigen Sohnes des hiesigen Rabbiners Dr. Gabriel Perlitz, zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Aus nah und fern waren die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen herbeigeeilt, und mit ihnen folgten die Lehrer der höheren Schulen, die Spitzen der städtischen Behörden, die jüdische Gemeinde und eine große Zahl anderer hiesiger Bürger; auch der V. j. St. hatte drei Chargierte delegiert, die dem teuren Toten als ihrent alten Herrn die letzten Ehren des Korps erweisen sollten. — Die Leichenrede hielt auch diesmal Herr Rabbiner Dr. Walter-Brombcrg. Ter Geistliche entwarf ein herrliches Bild des Verstorbenen und rühmte neben dessen stählerner Kraft und Gewandtheit vor allem den goldenen, sonnigen Humor, die herzgewinnende Liebenswürdigkeit, das lautere, offene Wesen und den wahren, geraden Charäkter, die treue kindliche dankbare und brüderliche Liebe des so früh Entschlafenen und sein treues Festhalten an den Idealen seiner Religion. Die schwer heimgesuchten und tiefgebeugten Eltern, aus deren Hause so viel Trost und tätige Hilfe über Hunderte geflossen sei, mögen nun von Gottes Trost und Hilfe -gestärkt und ausgerichtet werden! Tief erschüttert wuude ^run der Sarg von sechs Freunden des Verstorbenen zum Grabe getragen. Hier sprach Rabbiner Dr. Emil Cohn-Kiel namens des V. j. St. der in dem so jäh dem Leben Entrissenen ein treues und tätiges, für die Ideale des Judentums begeistert wirkendes Mitglied betrauere. Der Redner pries den redlichen Charakter des Verstorbenen, der durch sein offenes, mannhaftes Eintreten für die Ziele des V. j. St. belebend auf die Mitglieder gewirkt, der zwar Gegner seiner Ansichten, aber nicht Feinde, sondern nur Freunde gehabt hätte. Und ebenso treu wie zu seinem Judentum habe der Verstorbene zu seinem Deutschtum, zum deutschen Vaterland gehalten, und so werde das Andenken an diesen teuren Toten, an Walter Perlitz, dem V. j. St. nun und allezeit ein Sporn zu edler Nacheiferung sein und ' bleiben! — Nach beendigter Liturgie trat der greise Vater des Verstorbenen an das Grab, r um die drei Handvoll Erde auf den Sarg fallen zu lassen. In wenigen Worten nahm er herzergreifenden Abschied von dem einzigen Sohn. Nicht wolle er mit dem Patriarchen Jakob sprechen: „Mit Trauern werde ich zu meinem Sohn in die Grube fahren", sondern sich mit desselben Erzvaters Wort: „Noch lebt mein Sohn Joseph", trösten. Denn das traute Bild seines, Herr- - lichen Sohnes lebe in der Seele der Eltern unverlöschlich fort als köstlicher Besitz. Mit dem Priestersegen schloß der tiefgebeugte Vater. — Bald wölbte sich der Grabhügel über dem Sarg, und tief erschüttert verließ das Leichengefolge den Friedhof. H. Lifsa, 19. Mai. Die 23. Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen findet am Dienstag den 6. Juni 1911, vormittags 10 llhr, in Posen im Victoria- Restaurant am König-platz, mit folgender Tagesordnung statt: A. Für die Mitgliederversammlung: 1. Begrüßung; 2. Jahres- und Kassenbericht; 3. Neuwahlen: a) der Vorstandsmitglieder und der Beisitzer, b) des Verbandsvocstandsmitglieds, e) der beiden Delegierten und deren Stellvertreter, 6) des Mitglieds der Preußen- Kommission; 4. Berichte der Delegierten über den 5. Verbandstag; 5. Aussprache über etwaige Anträge. 8. Für die öffentliche Sitzung (Beginn HVä Uhr): 1. Begrüßungen; 2. Vortrag: „Fürsorge für die schulentlassene Jugend" von Becker-Wollstein; 3. Anträge; 4. Bestimmungen für die nächste Versammlung. Hieraus gemeinschaftlicher Besuch der Ausstellung. w. Ans der Provinz Posen, im Mai. Posen. Unter überaus zahlreicher Teilnahme ist hier die Leiche des verstorbenen Königlichen Oberapothekers Max Neinstein zu Grabe getragen worden. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Bloch, die einen tiefen Eindruck auf die Versammelten machte. — Wiederum stehen wir vor der Auflösung einer jüdischen Volksschule in unserer Provinz. Nachdem die Schulen Fraustadt, Gostyn und Pinne wegen zu geringer Schülerzahl nicht weiter bestehen konnten, soll auch der Schule in Czempin das gleiche Los beschieden werden. Der dortige Lehrer, Herr Hoffmann, hat bereits von der Königlichen Regierung die Versetzung nach Wronke erhalten. — Herr Stadtverordneter Jaffe ist zum Mitglieoe der Sparkafsendeputation >

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